Samstag, 8. Dezember 2018

8. Dezember 1918



„Am 21. November zog sich das Bataillon in der Nähe von Skwira zusammen und löste das III. Bataillon ab. Im Schloß in Antonow hauste die 8. Kompagnie nach Art der Bolschewisten. (22. November.) Die Milizsoldaten des Hetmans nahmen Reißaus (23. November), sie witterten schon die Petljuristen. Am 24. November zogen die bewaffneten Bauern des Petljura in Skwira ein, wo die Bürger die Deutschen anflehten, doch so lange zu bleiben, bis die Franzosen aus Odessa sie beschützen würden. Die Petljuristen beabsichtigten, das Bataillon zu entwaffnen, was bei der geringen Disziplin wohl leicht gewesen wäre. Der rasche Abtransport verhinderte die Ausführung.
Der 8. Kompagnie, welche in Popielnja Bahnschutz hatte und zugleich das Hauptlager der Petljuristen in nächster Nähe, wurde auf Ansuchen am 29. November die 6. Kompagnie und 2. Maschinengewehr-Kompagnie als Verstärkung geschickt. Am 1. Dezember war das Bataillon bei Popielnja zusammengezogen, um auf den Abtransport in die Heimat zu warten.
Auf die am 6. Dezember eingehende Nachricht, daß in Shmerinka deutsche Truppen von den Ukrainern angegriffen würden, sollte Alarmbereitschaft eintreten, die aber von den Soldatenräten und Mannschaften nicht ernst genommen wurde. Die Sicherung der Truppen wurde auf Veranlassung des Soldatenrates so gut wie eingestellt. Die Solda-tenräte übernahmen dafür ihren Offizieren gegenüber die Verantwortung, das Schicksal anderer Truppen war ihnen gleichgültig geworden. Der Soldatenrat der 8. Kompagnie verhandelte direkt mit den Petljuristen und fiel auf deren Manöver glatt herein. Die von den Ukrainern verteilten plumpen Flugblätter verwirrten den Leuten vollends den Kopf.
„Entwaffnung ist absolut nicht geplant“ stand in anderen Flugblättern. Plakate in den Ortschaften forderten zur Entwaffnung deutscher Truppen auf. Trotzdem erklärte der Soldatenrat, daß der Inhalt der republikanischen Flugblätter absolut beruhigend sei. Aber der deutsche Michel hatte die Revolutions-Zipfelmütze so weit über die Ohren gezogen, daß er seinen Verstand sogar damit gänzlich zugedeckt hatte.
Vom 8. Dezember ab wollten die Soldatenräte überhaupt keine Postengestellung mehr bei Tage zulassen. Während darüber mit dem Bataillonsführer 3½ Stunden lang verhan-delt wurde, brach das Verhängnis herein. Die Verhandlung wurde durch 150 Reiter der Petljura-Truppen, welche den Gutshof umstellt hatten, abgeschlossen.
Die 5. Kompagnie (Litowcze) und die Minenwerfer (Kailowka) waren bereits ent-waffnet, wie vorgezeigte Bescheinigungen erwiesen, jetzt wurde auch der Stab und die bei ihm befindlichen Mannschaften entwaffnet. (Gut Lozowiki,) Der Anführer der Bande, ein Tscheche, äußerte sich dabei: „Ich weiß genau, daß Ihre Leute nicht kämpfen werden.“ Die Pferde, Sattelzeug, Wäsche, Geld usw. wurden sofort gestohlen. Das Ehrenwort, die Offiziere dürften ihre Waffen behalten, erwies sich als bloßer Schwindel.
Ein Teil der 8. Kompagnie mit 4 Maschinengewehren am Bahnhof Popielnja machte einen kräftigen Versuch, sich der Schande zu entziehen, ein anderer Teil ließ sich aber ohne weiteres gefangen nehmen und später als Drohmittel bei den Verhandlungen verwenden. Nachdem ein Trupp Ukrainer zwei Züge in einem Unterstand am Bahnhof ohne weiteres überfallen, vier Leute meuchlings getötet und einen Unteroffizier der Maschinengewehr-Kompagnie, der zwei Russen niedergestreckt hatte, mit dem Bajonett totgestochen hatte, eilte Hauptmann Schweickhardt herbei und nahm mit dem Rest der 8. Kompagnie und 4 Maschinengewehren den Kampf sofort auf.
Die in den Unterstand vorgedrungenen Ukrainer wurden von den verbitterten Mann-schaften ausnahmslos niedergemacht, die heranstürmenden Russen wurden im Nah-kampf überwältigt oder zur Flucht gezwungen. Ein anfahrender russischer Panzerzug wurde durch Maschinengewehrfeuer vertrieben, die Russen hatten 23 Tote und 29 Verwundete. Nun wurde die Station unter Feuer genommen. Das Gefecht dauerte etwa 2 Stunden. Ein Parlamentär kam im Auftrage des russischen Kommandanten und wollte den Hauptmann Schweickhardt zu Verhandlungen bitten. Dieser erklärte, daß der russische Kommandant sich gefälligst zu ihm bemühen solle, andernfalls lasse er weiter feuern. Ein in die Station einfahrender bewaffneter deutscher Transport aus Kiew nahm Reißaus, sonst hätte vielleicht die Verhandlung etwas Nachdruck bekommen. (Er wurde gleich darauf auf freier Strecke entwaffnet.) Nachdem aber ringsum alles entwaffnet war und die Übermacht als zu groß erschien, wurden Verhandlungen eingeleitet. Ein 13 Punkte enthaltender Vertrag besiegelte den traurigen Abschluß.“

aus: „Das 1. Württ. Landsturm-Infanterie.-Regiment Nr. 13 im Weltkrieg 1915–1918“, Stuttgart 1920

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