Freitag, 7. Dezember 2018

7. Dezember 1918



„Ende November wurde das Bataillon abgelöst und an die Bahnlinie nach Kasatin herangezogen, wo es von dem noch mehr in Auflösung begriffenen Landsturm-Bataillon Passau, das die deutschen Kokarden längst entfernt hatte, vollends verseucht wurde.
Am 22. November kehrten die 11. und 12. Kompagnie nach Berditschew zurück, nachdem sie zuvor den Bahnschutz in Popielnja übernommen hatten.
Der Bahnhof Kasatin, der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt für die deutschen Truppen, mußte besetzt gehalten werden.  Auf diesen hatte es auch Petljura abgesehen; es lagen schon zahlreiche Petljuristen in der Stadt, es kamen noch Verstärkungen dazu, auch einige Panzerzüge. Aber Petljura wagte keine Gewalt, er legte sich aufs Verhandeln, um seiner Sache ganz sicher zu sein.
Am 6. Dezember verhandelten die Soldatenräte mit Petljura-Offizieren so lange und ausgiebig, daß die weiteren Verhandlungen auf den nächsten Nachmittag verlegt werden mußten. (bis dahin hatte nämlich Petljura weitere Verstärkungen herangezogen.) Den Soldatenräten wurde noch mitgeteilt, „sie möchten sich nicht beunruhigen, wenn ge-schossen würde, die ukrainischen Truppen würden ein Scharfschießen in der Nähe ab-halten“. (Vermutlich auf ankommende deutsche Transporte.) Der am 6. Dezember ein-getroffene Befehl zur Entwaffnung der Ukrainer in Kasatin wurde gar nicht beachtet.
Glücklicherweise fiel während der Verhandlungen ein Schuß von ukrainischer Seite, so daß das militärische Gefühl auf deutscher Seite vor völligem Einschlafen bewahrt wur-de.
Am 7. Dezember kam es an einzelnen Stellen zu Schießereien, die schließlich in ein Gefecht, hauptsächlich um den Bahnhof, übergingen. Die Bayern, welche zuerst gar nicht mittun wollten, griffen ein, nachdem sie selbst beschossen wurden.
Die Petljuristen stellten Entwaffnete des Landsturm-Bataillons Passau und der 10. Kompagnie vor ihre Gewehrläufe auf den Bahndamm, um die Deutschen am Schießen zu verhindern. Sie selbst schossen zwischen hindurch. Das Schießen hörte deutscher-seits zunächst auf, wurde aber durch Leute, die sich einen geeigneten Platz suchten, fortgesetzt.
Die Bayern, durch die immer drohendere Gefahr wieder kriegerisch gesinnt, stellten schon schwere Minenwerfer auf und hätten die Lage, trotzdem den 800 Deutschen 3 – 4000 Ukrainer mit Panzerautos u. a. gegenüberstanden, bald zu ihren Gunsten entschie-den, wenn nicht in diesem Augenblick eine weiße Flagge am Bahnhof aufgestellt wor-den wäre.
In der Zwischenzeit hatten sich zwei deutsche Maschinengewehre am Proviantamt erfolgreich behauptet und den Ukrainern 2 Maschinengewehre abgenommen. Nach Be-schießung durch einen Panzerzug mußten sie das Feuer einstellen. Deutscherseits ließ man sich nun leider wieder in endlose Verhandlungen ein, in denen viel geschrieben und noch mehr ehrenwörtlich versichert wurde. Österreichische Offiziere und deutsch spre-chende Tschechen führten das Wort im Namen der ukrainischen Regierung. „Freies Geleit bis Holoby, gute Verpflegung für 10 Tage und in 8 Tagen zu Hause“! Das ge-nügte, um zu unterschreiben! Dann ließen sich die Truppen entwaffnen und die Waf-fenübergabe auch noch bescheinigen. Den Offizieren hatten die Ukrainer ehrenwörtlich freies Geleit zu den Verhandlungen im Wartesaal II. Klasse, sowie Behalten ihrer Waffen zugesagt. Es wurde weder das eine noch das andere gehalten.“

aus: „Das 1. Württ. Landsturm-Infanterie.-Regiment Nr. 13 im Weltkrieg 1915–1918“, Stuttgart 1920

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