Samstag, 7. Januar 2017

7. Januar 1917


„Mit nichts zu vergleichen und selbst die Gegend der Somme-Schlacht übertreffend, war der beinahe grundlose Morast, der vor Verdun Infanterie- und Artilleriestellungen, je selbst die Barackenlager alle gleich überzog. Die Feuerlinie der Infanterie war so gut wie abgeschnitten durch einen breiten Schlammgürtel. Tragtiere brachten Munition und spärlichen, kalten Mundvorrat; kostbare Menschenkräfte mußten aufgeboten werden. um wenigstens einige Bretter und etwas Holz vorzubekommen.
Wüste Pferdeknäuel an den Zufahrtswegen zeugten von den unendlichen Anstreng-ungen, mit denen Staffeln und Kolonnen zu kämpfen hatten, um die so nötige Munition über die steilen Hänge der Côte Lorraine zu führen. Über und über mit Schmutz über-zogen, beinahe zum lebendigen Lehmklumpen geworden, kamen Pferde und Fahrer frierend und hungernd in den Protzenlagern an. In den windigen Baracken, die nur mit Dachpappe ausgeschlagen waren, die Pferde im Schlamm, ohne richtige Streu, die Mannschaften ohne Öfen, sollten die ausgemergelten Leiber Linderung und Erholung finden von den Strapazen einer solchen Nacht.
Ungefähr zwei Kilometer vor unserer Artillerielinie stand ein Garde-Feld-Artillerie-Regiment in ebenso ungünstigen Stellungen. Wir hatten dieselben Sperrfeuerräume wie dieses Regiment, damit bei evtl. Ausfall der einen oder anderen dieser Batterien, womit bei deren exponierter Stellung gerechnet werden mußte, in den Sperrfeuerabschnitten keine Lücke entstand. Sonstige Schießaufgaben hatten wir wenige; sie beschränkten sich meist auf Abgabe von Störungsfeuer.
Für die Führer war es fast unmöglich, das Feuer der Batterien sicher zu leiten und die Infanterie tatkräftig zu unterstützen, denn die langen Fernsprechleitungen, die um Berge und Wasser Umwege machen mußten, waren fast immer zerstört, und andere Nachrich-tenmittel versagten meist wegen des schlechten Wetters. Die I. Abteilung, die von dem in der rechten Flanke befindlichen Fort Marrè eingesehen war, hatte wiederholt unter Störungsfeuer von dort zu leiden, doch ohne größere Verluste zu haben.
Leider verlor die I. Abteilung neben einigen Unteroffizieren und Mannschaften, den jungen aber außerordentlich pflichttreuen und beliebten Kameraden, Leutnant d. R. Adrion, durch Streufeuer in der Feuerstellung.“

aus: „Das Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 116 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921


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