Sonntag, 21. Oktober 2018

21. Oktober 1918



„Für den 21. Oktober war ein großer Angriff angesetzt, um die Lage an dem äußerst wichtigen Brückenkopf bei Vouziers wiederherzustellen. Die 199. Inf.-Division sollte rechts anschließend an die 1. bayr. Inf.-Division die Oldershäuser Höhe nehmen. Dieser selbst fiel der Angriff auf die Sybillenhöhe zu, während das links anschließende 1. Garde-Regiment z. F. die Fürtstenhöhe von Süden her aufrollen und Chestres nehmen sollte. Dem Regiment wurden das Sturmbataillon 2 und das II. Bataillon des 24. bayr. Inf.-Reg. unterstellt. Es sollte sich, sobald ein Erfolg des 1. Garde-Regiments z. F. bemerkbar war, dem Angriff anschließen. Das I. Bataillon des Inf.-Reg. 475 wurde dem 2. bayr. Inf.-Reg. unterstellt und nach Gegend Ballay gezogen. Es bekam außerdem die Begleitbatterie 5./281 mit.
Trotz der geringen Neigung eines biederen bayrischen Landwehrmannes zum Angriff  (er meinte: „heit geht nix z’samm‘“) begann dieser nach kurzem Feuerschlag 8 Uhr vormittags. In raschem Ansturm nahm das I. Bataillon die vordere feindliche Linie nördlich Blaire-Fontaine. Dann aber geriet sein Angriff ins Stocken. Da protzte die Begleitbatterie 5./281 unter Führung des einstigen Adjutanten des Regiments 475, Hauptmann Burr, auf und schuf über die Infanterielinie vorgehend den Angreifern mit einigen wohlgezielten Treffern Luft. Dann aber begann ein Wettlauf zwischen Infanterie und Artillerie. Nach kurzer Zeit war die Sybillenhöhe im Besitz des I. Bataillons. Leider wurde dessen tapferer Führer, Rittmeister Jobst, dabei schwer verwundet. Die Olders-häuser Höhe kam nicht in den Besitz der 199. Inf.-Division; von ihr aus hatte das I. Bataillon schwer unter Flankenfeuer zu leiden. Von der Sybillenhöhe auf die Aisne-brücken zurückgehende feindliche Kolonnen erlitten durch das Feuer der Begleitbatterie schwere Verluste.
Inzwischen war es dem 1. bayr. Inf.-Reg. gelungen, den Käseberg . Trotzdem von links noch kein Erfolg bemerkbar war, entschloß sich das Regiment 475 zum Angriff. Es stieß in den Waldstücken „Waldeinsamkeit“ und auf Höhe westlich „Evawald“ auf starken Widerstand. Jedoch konnte der Feind dem Ansturm der kriegsgewohnten Schwaben nicht widerstehen und mußte weichen. Am Abend stand das III. Bataillon im Anschluß an das 1. bar. Inf.-Reg. auf dem Käseberg mit linkem Flügel an der von Chestres nach Osten führenden Straße. An dieses schloß sich das II. Bataillon am Ostrand der Fürsten-höhe an.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921