Dienstag, 31. Oktober 2017

31. Oktober 1917


„Wenigen Tagen Ruhe, die durch abwechselnden Sicherheitsdienst in der Flandern-stellung unterbrochen wurden, folgte am 29. Oktober der dritte Einsatz in die Flandernschlacht. Es fehlte an zuverlässigen Divisionen und so sah sich die Oberste Heeresleitung gezwungen, die nie versagenden Württemberger aufs neue in die Schlacht zu werden. Das Regiment übernahm vom Gren.-Reg. 123 die alte Stellung, die um 400 Meter nach rechts verlängert war. Das Gelände war durch die Beschießung und den Regen fast ungangbar geworden. Zerschossene Bäume lagen kreuz und quer und mach-ten das Gehen selbst bei Tag gefahrvoll. Die Nächte wurden immer dunkler. Wer in einen der großen mit Wasser gefüllten Trichter, die die schweren Granaten aus dem Bodengerissen hatten, fiel, war verloren, wenn ihm Kameraden nicht zu Hilfe kamen, Unter Artilleriefeuer von wechselnder Stärke vergingen die Tage. Etwas Ruhe brachte deutsches Gasschießen.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Montag, 30. Oktober 2017

30. Oktober 1917


„30. Oktober! Ponte della Delizia, Gorriciza! Welchem Alt-Württemberger aus dem Jahr 1917 schlägt das Herz nicht höher bei diesen Namen; wem klingen sie nicht als stolze Kriegserinnerungen, bildet doch der Tag den Glanzpunkt in der italienischen Offensive, unvergessen in der Geschichte des Regiments!
Während der Nacht war höheren Ortes bekannt geworden, daß die Masse der italieni-schen Armee mit ihrem gesamten Troß auf die westlich von Codroipo befindlichen großen Brücken über den Tagliamento in wilder Flucht seien. Nun galt es den letzten Streich zu führen, und dem Feind den Weg über das Wasser abzuschneiden.
Frühmorgens bekam zunächst das II. Bataillon den Befehl, nach Süden gegen die Ponte della Delizia abzubiegen und sich in den Besitz der Brücken zu setzen, anschließend sollte das I. Bataillon Gradisca – Gorriciza nehmen und an das II. Bataillon Anschluß suchen, während das III. Bataillon mit dem Regimentsstab nach Pozzo rückte. Das II. Bataillon trat mit der 6. Kompagnie alsbald als Vorhut an; bei dem Gehöft Madonna de Loretto kam sie auf Sturmentfernung in lebhaftes Feuer. Zu ihrer Entlastung wurde die 5. Kompagnie unter ihrem, keine Gefahr scheuenden Führer Leutnant Bracher über die deckungslose Ebene rasch nach rechts heraus bis an den hohen Uferdamm des Flusses gezogen. Links vom II. Bataillon sollten die 11. Jäger vorstoßen. Die 7. Kompagnie deckte weiter rückwärts die rechte Flanke, während die 8. Kompagnie hinter der 6. als Reserve verblieb. Nach einer letzten Feuersteigerung aus allen vorgezogenen M.-G. stürmte der tapfere Leutnant d. R. Hengstberger mit einer Handvoll Leute den vom Feind besetzten Graben. Alle übrigen Teile der 6. Kompagnie, unter denen sich der Ersatzreservist Dennenmoser, der Landsturmpflichtige Rupp und die Musketiere Heller und Bentele ganz besonders hervortaten, drangen in das Gehöft ein und nahm es mit blanker Waffe in Besitz. 300 Italiener, 4 M.-G. waren die Beute. Vom Dache des Hauses aus konnte der Bataillonsführer, Hauptmann Schempp, und der vom Regiment entsandte Verbindungsoffizier, Oberleutnant Dobel, erkennen, daß man der Schlüsselpunkt zur Besitznahme der feindlichen Stellung in Händen hielt. Stark besetzte Schützengräben mit Drahthindernissen lagen in mehreren Linien vor dem Ziel, dem noch 600 Meter entfernten Brückeneingang; feindliches M.-G.-Feuer schlug aus den Gräben herüber. Mit genugtuender Freude wurde auch das Vorgehen der 5. Kompagnie, die unter starkem Flankenfeuer von rechts rückwärts zu leiden hatte, am Flusse gesehen und gemeldet. Mit größter Schnelligkeit brachte der Bataillonsführer seine M.-G.-K. des Leutnants d. R. Lamparter mit einem Zug des Vizefeldwebels Kettemann durch die Dachluken in Stellung und ließ die endlosen Kolonnen unter Feuer nehmen und zum Halten bringen. Verwirrung, Ineinanderfahren, Halten war die Folge. Dieser Erfolg erfrischte in hohem Maße die Kämpfenden, zumal gleichzeitig in Richtung Gradisca der Gefechtslärm des I. Bataillons hörbar wurde. In prächtiger Weise war auch die 5. Kompagnie wieder vorwärts gekommen; die Unteroffiziere Reustlen, Zimmermann, Jentsch (schwer verwundet), Kawälde, der Gefreite Schlotterbeck und die Musketiere Kreye, Hees, Geymann (schwer verwundet) und Traib waren dabei ganz besonders vorbildlich. Unter Wirkung der überhöhend schießenden M.-G. stürzte sich die 6. Kompagnie auf den Feind. Nur dem furchtlosen Vorwärtsdrängen jedes Einzelnen ist es zu danken, daß die in etwa zwanzigfacher Übermacht in den Gräben stehenden Italiener zum größten Teil gefangen wurden. Gegen 1000 Gefangene, viele M.-G. blieben in der Hand des Bataillons. Aus einem Barackenlager in der linken Flanke drohte der Kompagnie erneute Gefahr.
In diesem kritischen Augenblick erschien die 8. Kompagnie und setzte zum Angriff an, der der Kompagnie dort ebenfalls 1000 Gefangene brachte. Vereint ging der Sturm der drei Kompagnien gemeinsam weiter; die 7. Kompagnie war nahezu zum Gefangenen-transport aufgebraucht. Fluchtartig strömte der Italiener der Brücke zu; sein Zurück-gehen sollte ihm durch Feuer vom jenseitigen Ufer erleichtert werden, dem jedoch die 5. Kompagnie ihre leichten M.-G. auf einer Kiesbank entgegensetzte.
Die große Holzbrücke war im Besitz des Bataillons, Noch strömten hunderte Feinde der Brücke zu. Das schneidige Vorgehen des Vizefeldwebels Saud der 6. Kompagnie vereitelte auch dies und schnitt ihnen den Weg ab.
Als die vordersten Teile des Bataillons über die Brücke stürmen wollten, schlug ihnen schlagartig konzentrisches Feuer vom jenseitigen Ufer entgegen, hinter dem Wirrwarr der Wagen mußten die Stürmenden Schutz suchen, das Ufer war nicht zu erreichen, die letzte Strecke war gesprengt oder abgebrannt. Gleichzeitig hatten sich die Jäger in den Besitz der Eisenbahnbrücke gesetzt.
Um dieselbe Morgenstunde trat das I. Bataillon mit der 1. Kompagnie auf Gradisca an, nahm daselbst eine feindliche Feldwache gefangen und ging zum Angriff auf Pozzo vor, von wo aus von in den Häusern eingenisteten feindlichen Schützen heftiges Infanterie- und M.-G.-Feuer kam. In ¾ stündigem Häuserkampf, in dem jedes Haus einzeln genommen werden mußte, wurde die feindliche Gegenwehr gebrochen. Tödlich ver-wundet fiel hier der schon in der Flandernschlacht so hervorragend tapfere Offizier-stellvertreter Bernhard. 600 Gefangene, 10 M.-G., 25 Maultiere waren die Beute. Auf das stark besetzte Gorriciza geht der Angriff weiter. Durch Umgehung im Buschgelände und rasches Zugreifen gelingt es dem Zug Schnitzer, ein Geschütz zu nehmen. Doch ein 300 Meter breiter Wiesenstreifen vor dem Nordrand des Dorfes läßt den Angriff stocken. Da naht Hilfe. Im Galopp kommt ein Zug der 12. M.-G.-K. mit italienischer Bespannung vor und greift ein, ebenso etwas später die 3./119.
Nachdem noch die in Pozzo auf Befehl des Regiments aufgefahrene österreichische Gebirgsbatterie das Feuer eröffnet hatte, setzte der Bataillonsführer, Major Völter, gegen Mittag die 4. Kompagnie von S. Nocco aus westlich umfassend, hinter ihr die 3. Kompagnie, je mit zugeteilten schweren M.-G. zum Angriff an. In schweren Einzel-kämpfen geht der Sturm bis an den Westrand von Codroipo vorwärts, wo mit dem fechtenden Gren.-Reg. 119 Verbindung genommen wurde. Auch hier, wie beim II. Bataillon, bot sich den erstaunten Blicken ein unvergeßliches Schauspiel dar. Auf der Chaussee standen und fuhren, noch zum teil in dreifacher dichtgedrängter Reihe hunderte von Fahrzeugen, Geschützen, Kraftwagen; dazwischen wimmelten Haufen von Italienern. Im Straßengraben, von den Fahrzeugen, aus den Dächern schossen feindliche Schützen; das mörderische Feuer der M.-G. dämpfte jedoch bald jeden Widerstand. Massen von Italienern aller Truppenteile warfen die Waffen weg und stürzten, vermischt mit zahlreichen Zivilpersonen, mit hocherhobenen Händen und wehenden Tüchern auf die Truppe. Nur schwer konnte man sich durch das Knäuel ratternder Autos, wild um sich schlagender, getroffener Pferde usw. durchwinden. Ein geschlossenes italienisches Bataillon, der Kommandeur zu Pferde an der Spitze, wollte noch der Brücke zueilen. Zu spät; einige M.-G.-Garben genügten, es zu zersprengen.
Am Bahndamm ließ der Bataillonsführer die Verbände in Ordnung bringen und dirigi-erte das Bataillon seinem Auftrag gemäß gegen die Ponte della Delizia, wo es sich mit Einbruch der Dunkelheit als Reserve bereitstellte. Neben ungezählter Beute machte das Bataillon 4000 Gefangene.
Im ganzen betrug die Beute des Regiments an diesem Tage etwa: 85 Geschütze, 250 Kraftwagen, 1200 Fahrzeuge, 1000 Pferde, 2 Flugzeuge, 30 Protzen, 30 Feldküchen, 30 M.-G., 5 Lastzüge, eine Kriegskasse mit 43 000 Lire. An Gefangenen wurde ein General, 267 Offiziere, etwa 11 475 Mann eingebracht.
Während die erschöpften Bataillone zurückgezogen auf ihren Lorbeeren ausruhten, übernahm das III. Bataillon die Besetzung des Ufers und der Brücke. Ein um Mitternacht versuchter neuer Sturm, in der Hoffnung, noch auf einigen vorhandenen Balken das jenseitige Ufer zu gewinnen, konnte nicht gelingen, da tatsächlich die letzte Brückenstrecke zerstört war und dauernd unter feindlichem Feuer lag.“



aus: „Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3. Württ.) Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1921

Sonntag, 29. Oktober 2017

29. Oktober 1917


„Das II. Bataillon deckte inzwischen die Stadt nach Süden und Südosten. Es bekam bald zu tun. Schon um 3 Uhr früh hatten sich einige Trupps gegen Udine herangedrängt. Sie wurden von Posten und Patrouillen der 5. Kompagnie abgewiesen und meist gefangen. Gegen 5 Uhr war eine Kolonne im Anmarsch gegen Paparotti im Süden gemeldet. Eine Offizierspatrouille mit einem leichten Maschinengewehr geht ihr entgegen. Es sind Bersaglieri vom 4. Regiment, die abgehetzt und müd heranziehen und „der Oberst an der Spitze, er reitet kühn voran“, bis das Maschinengewehr loslegt. Da strecken alle ohne Widerstand die Waffen. Im grauen Morgen stießen die Patrouillen weiter vor. Nach und nach fielen ihnen 20 Offiziere und 900 Mann nach kurzen Schießereien in die Hand. An einer Verladerampe erbeuten ein paar Patrouillengänger 8 Geschütze, darunter 2 ganz schwere und 35 Maschinengewehre, deren Bedeckung sich verkrümelt hat, und, sehr willkommen, einen gefüllten Proviantzug. Dazwischen treiben sich Dutzende von Italienern betrunken und plündernd herum.
Gegen 7 Uhr morgens jagt plötzlich ein Offizier vom österreichischen Geb.-Art.-Regt. 26 heran und meldet, daß sein Regiment, 3 schwache Batterien, die – 20 Minuten östlich – in Laipacco lagen, von starker italienischer Infanterie überfallen worden sei. Im Vorbeijagen hatte er schon die 7. Kompagnie benachrichtigt. Ohne Zögern wurde diese von Leutnant d. R. Göhner, dem jetzigen Stadtschultheißen von Calw, einem der erprobtesten Kämpen des Regiments, auf Laipacco angesetzt. Vom rasch alarmierten Bataillon folgt, was irgend verfügbar wurde, zunächst die 5. Kompagnie unter Leutnant d. R. Förstner. Die Österreicher hatten sich wacker gewehrt und die Italiener wieder hinausgeworfen, als die Kompagnien eintrafen. Trotzdem war die Lage bedenklich. Es war kein Zweifel, daß hinter den versprengten und erschütterten Truppen jetzt völlig unberührte kampfkräftige Divisionen der italienischen Isonzoarmeen auf Udine anrückten, während die Masse der früheren Gruppe Berrer, jetzt v. Hofacker, seit den frühen Morgenstunden im reißenden Vormarsch von Udine nach Westen war.
Aber die beste Parade ist der Hieb. So entschloß sich der Bataillonskommandeur, Major Wolff, zum Vorgehen Richtung Südosten gegen Pradamano. Patrouillen wurden vorge-trieben; ihnen folgten in unübersichtlichem, buschbedeckten Gelände die Züge der 5. und 7. Kompagnie. Gegen 8 Uhr stößt der rechte Flügel der 5. Kompagnie auf starke vorgehende Kolonnen. Im Feuer der Gewehre und Maschinengewehre und unter kräfti-ger Nachhilfe einiger gut sitzender Schrapnells der Österreicher werden sie zersprengt und fluten zurück. Da sind die beiden Kompagnien nicht mehr zu halten und stoßen scharf nach. Dabei überrennt der Zug Schübelin der 5. Kompagnie zwei bespannte 15-Zentimeter-Batterien. Bis zur nördlichsten Häusergruppe von Pradamano dringt die 5. Kompagnie vor. Gegen die 7. Kompagnie entwickeln sich von Osten her immer stärkere Schützenlinien. Aber sie werden unter wirksamer Hilfe eines Zugs der 2. M.-G.-K. unter Vizefeldwebel Bofinger im Feuer niedergekämpft und geworfen. Aber der Gegner bringt allmählich eine ganze Brigade ins Gefecht. Der am weitesten vorgeprellte Zug der 5. Kompagnie muß zurückgenommen werden, nachdem er noch im Nahkampf einen überlegenen Haufen Italiener zersprengt hat. Dann aber bekam die 5. Kompagnie Luft. Die 7. Kompagnie erstürmte eine gut ausgebaute Stellung und nahm 17 M.-G. und 300 Gefangene. Unter schweren Verlusten fluten die Italiener im Verfolgungsfeuer auf den Nordrand von Pradamano zurück. Damit war die Aufgabe des Bataillons – Sicherung von Udine und des Vormarschs der Division nach Westen – glänzend gelöst. Weiter durften die siegerhitzten Kompagnien nicht nachstoßen..“



aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Samstag, 28. Oktober 2017

28. Oktober 1917


„Während das Regiment bisher in Reserve war, rückte es jetzt an die Spitze mit dem II. Bataillon als Vorhut. Der nach einstündiger Rest nunmehr folgende Nachtmarsch gehört zu den größten Anstrengungen der ganzen italienischen Offensive; es gießt in Strömen, die Mannschaften sind mit der Zeit am Ende ihrer Kräfte, auf aufgeweichten, schlechten Wegen schleppen sie sich mit Energie weiter, keiner will zurückbleiben! Halbwegs zwischen Cividale und Udine stößt die Spitze des II. Bataillons – bei ihr, wie immer, ihr tapferer Bataillonskommandeur Hauptmann Schempp mit seinem Stab – plötzlich auf eine feindliche Feldwache, im Schein brennender Biwakfeuer sieht sie eine Menge herumstehender und ruhender Italiener. Ohne den Feind zur Besinnung kommen zu lassen, stürzt sie sich, durch einige Leute verstärkt, mit Hurra und aufgepflanztem Bajonett auf den Feind. Tödliches Erschrecken ist die Folge; die Wachen setzen sich zur Wehr, im Handgemenge werden sie überwältigt und mit Erbeutung einer Menge Trage-tiere 300 Gefangene gesammelt.
Westlich Selvis, etwa 6 – 7 Kilometer östlich Undine, entsteht gegen 2 Uhr morgens ein überraschendes Feuergefecht; man war auf ernstlichen Widerstand gestoßen. In breiter Front und mit zahlreichen M.-G. hatte der Feind das Ostufer des Tort Torre besetzt. Regimentsstab, Brigade- und Divisionsstab liegen mitten im feindlichen Feuer, so ist bei der großen Nähe am Gegner, der offenbar die Eisenbahnbrücke in Besitz hatte, jede Bewegungsfreiheit, jede Befehlsgebung äußerst erschwert. Da außerdem der Truppe die Kraft zu einem Größeren Angriff fehlte, wurde solcher zunächst verschoben Die Zahl der Gefangenen hatte sich inzwischen stündlich durch Versprengte vermehrt, sie war auf 850 angewachsen.
Mit Tagesanbruch machte auf die an Zahl geringe Bewachung eine italienische etwa 50 Mann starke Abteilung einen Befreiungsangriff. Die entstandene Verwirrung benutze ein großer Teil zur Flucht. Durch rasches, energisches Eingreifen des dort befehlenden Vizefeldwebels Vollmer der 6. Kompagnie war trotz der äußerst kritischen Lage – es befand sich nur noch der Regimentsstab zur Stelle – unter Mitwirkung aller Anwesen-den die Ordnung bald wieder hergestellt; die Gefangenen wurden beim Durchstreifen der naheliegenden Gehölze wieder beigebracht und abtransportiert.
Nach wenigen Stunden Ruhe traten die Bataillone neben dem Gren.-Reg. 119 entfaltet den Vormarsch zum Angriff auf Udine an; der dortige Bahnhof lag bereits unter dem Feuer der Artillerie. Vorausgesandte Offizierpatrouillen brachten die Meldung, daß die Stadt fluchtartig geräumt werde. In beschleunigtem Vorrücken wird die tote, an vielen Stellen brennende Stadt gegen Abend erreicht. Wenige Kilometer vor dem Ziel erreicht das Regiment die tieftraurige Kunde von dem Verlust seines gefallenen kommandieren-den Generals v. Berrer, der, mit seinem begleitenden Offizier, in bekannter Tapferkeit als einer der Ersten Undine erreichen wollte und von fliehenden Italienern überfallen, den Heldentod erlitt. Die hochschlagenden Flammen beleuchten die sonst dunklen Straßen; kein Einwohner zeigt sich, Tote liegen umher, vereinzelt hört man noch Schüsse in den Straßen. Der Regimentskommandeur wird zum Ortskommandanten von Udine bestimmt und hat die Unterbringung der vielen, von allen Seiten nachstürmenden Truppenteile zu regeln. In dem dem Regiment zugewiesenen Westteil bringen sich die Kompagnien selbständig straßenweise unter. Sicherungen werden an alle Ausgänge weit vorgescho-ben. Die Beute, die hier dem Regiment in die Hände fiel, ist nicht aufzuzählen, sie hat Millionen Werte! Trotz aller riesenhaften Anstrengungen fand die Mannschaft noch Zeit und Kraft, für sich zu sorgen; sie hatte es für ihre musterhaften Leistungen auch redlich verdient. Die Kompagnien schaffen sich bespannte Wagen herbei – es war ja alles zu haben – und beladen sie für den Weitermarsch reichlich mit Lebensmitteln.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3. Württ.) Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1921

Freitag, 27. Oktober 2017

27. Oktober 1917


„Die 26. Division war am Abend des 26. Oktober mit dem Regiment 125 zwischen der 200. und 5. Inf.-Division in die vorderste Gefechtslinie eingerückt. Dem Eindringen in Cividale und damit dem Austritt aus den Bergen in die Ebene Friauls legte sich noch der stark befestigte und stark besetzte Monte Purgessimo vor.
Ein Befehl der Brigade, der erst am 27. Oktober, 12.50 Uhr vormittags an die Bataillone ausgegeben werden konnte, sah das Unterlaufen der das Natisone-Tal beherrschenden Höhen im ersten Morgengrauen vor. Dieser Befehl hatte das II. Bataillon nicht erreicht, die Befehlsüberbringer hatten sich in der Dunkelheit verlaufen. Der Regimentskom-mandeur traf das II. Bataillon gegen 4 Uhr morgens noch im Biwak. Die anderen Batail-lone, teilweise alarmiert, brauchten mit ihren marschübermüdeten, nicht hinreichend ausgeruhten Leuten in der düsteren Nacht auch länger bis zum Sammelplatz (bei Merso di sp.) als sie berechnet hatten.
So gelangte das immerhin bedenkliche Unterfangen, mit starkem Feind im Rücken, der von den nachfolgenden Truppen nicht sogleich angefaßt werden konnte, gegen Cividale vorzurücken, nicht zur Ausführung.
7.30 Uhr vormittags trat das Regiment – Reihenfolge II., I,. III. Gebirgsbatterie – den Vormarsch von Merso die sp. auf Azzida an. Bald nach dem Durchschreiten von Scrutto wurde die Marschstraße mit Schrapnells belegt. Das Regiment suchte sich diesem Feuer dadurch zu entziehen, daß es den Erbezzo durchwatete und sich an die Hänge südlich des Erbezzo anschmiegte. Die Batterie hatte um diese Zeit die Cosizza noch nicht überwunden.
Die Aufgabe des Regiments bestand nunmehr in der Erstürmung des Monte Purgessimo bezw. in der Wegnahme der nach und nach als besetzt erkannten Linie Monte Purges-simo – Castel del Monte.
Die 6. und 7. Kompagnie gelangten zunächst südlich des Erbezzo an den Nordosthängen des Purgessimo ungefähr bis in die Höhe des Ostrandes von Merso die sp. Von hier zog sich eine flache Talsohle südlich Azzida zu beiden Seiten des Erbezzo nach dem Natisone hin, welche die Italiener konzentrisch vom Monte Purgessimo und der Bergnase nordwestlich Castel del Monte unter Artillerie- und Maschinengewehrfeuer nahmen. Auch ein gedecktes Vorkommen im Bachgrund war ausgeschlossen. Aufgelöst in einzelne Trupps arbeiteten sich die 6. und 7. Kompagnie mühsam an den bewaldeten Hängen südlich der Talsohle bis in die Höhe von Punkt 445 vor und eröffneten hier das Feuer 10.30 Uhr vormittags, da ein weiteres Vorwärtskommen an den nunmehr unbe-waldeten Hängen infolge zahlreicher Maschinengewehre in der Linie Monte Purgessimo – Castel Purgessimo unmöglich war.
Vizefeldwebel Pfaff der 6. Kompagnie hatte von seinem Kompagnieführer mit 2 Unter-offizieren und 10 Mann den Auftrag erhalten, die nächstgelegenen Maschinengewehre unbrauchbar zu machen. Er klettert den Hang hinauf und stößt auf eine stark besetzte feindliche Stellung, die mit Hurra gestürmt wird. 40 Gefangene und einige Maschinen-gewehre sind der Lohn. Doch der Feind erkennt die Schwäche der Abteilung Pfaff, macht mit etwa 1½ Kompagnien einen Gegenstoß und zwingt Pfaff zum Ausweichen.
11.30 Uhr vormittags war es dem Offizierstellvertreter Pfeiffer der 7. Kompagnie gelun-gen, mit seinem Zuge eine Felshöhe dicht südlich der 6. und 7. Kompagnie zu besetzen, von wo aus er besonders wirksames Feuer auf die Besatzungen des Castel Purgessimo abzugeben in der Lage war.
Inzwischen waren die 5. und 8. Kompagnie an den Punkt a gelangt und hatten sich an den Hängen südwestlich a entwickelt. Des I. und III. Bataillon hatten sich unter Aus-nützung aller vorhandenen Deckungen entfaltet und waren näher an die 5. und 8. Kom-pagnie herangerückt; Regimentsstab beim I. Bataillon.
Der Kommandeur des II. Bataillons, Major von Schnizer, befand sich bei seinen vor-dersten Kompagnien. Der Meldegänger, welcher von ihm entsandt das Regiment und die 5. und 8. Kompagnie orientieren sollte, wurde schwer verwundet. So kam es, daß sowohl die Verbindung mit dem Regiment wie mit der 5. und 8. Kompagnie für längere Zeit verloren ging. Erst gegen 1 Uhr nachmittags brachte eine schriftliche Meldung von vorn sowie ein mündlicher Bericht des vom Regimentskommandeur nach vorn gesand-ten Leutnants d. R. Neuweiler einige Klarheit über die Lage bei der 6. und 7. Kompag-nie sowie über die Besetzung der italienischen Stellung.
Daraufhin ließ der Regimentskommandeur 1.30 Uhr nachmittags nach Rücksprache mit einem zufällig in Merso di sp. anwesenden höheren österreichischen Artillerieoffizier das Feuer der Batterie Rein und einiger anderer erreichbarer österreichischer Geschütze auf die Purgessimo-Stellung lenken und befahl den Angriff, mit dem II. Bataillon (von Schnizer) rechts gegen Castel Purgessimo, mit dem I. Bataillon (Hug) linksgegen Punkt 445. Das III. Bataillon behielt er zu seiner Verfügung.
Das Artilleriefeuer lag gut. Während desselben gelang es dem Zug Wendel der 7. Komp., um den Purgessimo herum nördlich des Dorfes Purgessimo in den Rücken des Feindes zu gelangen. Diese Rückenbedrohung, unterstützt von Teilen des Württ. Ge-birgsbataillons vom westlichen Natisone-Ufer aus, sowie unser wirksames Artillerie- und Infanteriefeuer machten sich in einer nervösen Unruhe des Feindes bemerkbar, was den Major von Schnizer veranlaßte, die 6. und 7. Kompagnie anzuweisen, die feindliche Stellung auf dem Felsplateau anzugreifen und gegen Castel Purgessimo aufzurollen. Es gelingt. Der Angriffsbefehl des Regiments ist durchgeführt, noch ehe er den Major von Schnizer erreicht hat. Die Kompagnien gewinnen 2.45 Uhr nachmittags das Dorf Purgessimo unter Gefangennahme von 15 Offizieren, 600 Mann. Westlich Dorf Purges-simo wird gesammelt und der Vormarsch auf Cividale fortgesetzt.-
Bei der Kapelle an der Straße nach Carraria stößt das Halbbataillon (6. und 7. Kom-pagnie) auf Teile des Württ. Gebirgsbataillons, von denen gemeldet wird, daß östlich Carraria eine stark besetzte Stellung sei, auch Cividale sei besetzt; die Abteilung sei deshalb nicht weiter vorgekommen.
Daraufhin werden die 6. und 7. Kompagnie über Zugliano in Richtung auf Carraria in Marsch gesetzt. Der Italiener räumt die Stellung. Die Kompagnien aber stoßen 3.40 Uhr nachmittags gegen die Straße nach Carraria vor, auf der sich feindliche Truppen-abteilungen im Rückmarsch von Castel del Monte auf Cividale befinden. Sie werden gefangen.
Mit dem Angriffsbefehl des Regiments wurden die 5. und 8. Kompagnie durch den Ordonnanzoffizier des II. Bataillons, den tüchtigen und umsichtigen Leutnant Mäulen, im Talgrund nördlich des Erbezzo vorgeführt. Sie überschritten den Erbezzo bei Pte. S. Quirino, drangen von hier aus auf der Straße nach Carraria weiter vor und stießen 3.45 Uhr nachmittags über Kapelle auf dem von der 6. und 7. Kompagnie eingeschlagenen Weg bei Zugliano wieder zu ihrem Bataillonskommandeur.
Die 8. Kompagnie erhielt den Befehl, die Straße nach Cividale westlich Castel del Monte zu sperren. Sie nimmt nach kurzem Feuerkampf 20 Mann und den Brigade-general Ferrara mit seinem Stabe im Auto gefangen; im Lauf des Abends fallen ihr noch 1 Major 265 Mann in die Hand.
Der Rest des Bataillons (5., 6. und 7. Kompagnie) setzte den Marsch über Carraria auf Cividale fort und erreichte 4.30 Uhr nachmittags unter Gefangennahme einer schwachen zurückgebliebenen Abteilung den Südteil von Cividale. Verluste des Bataillons: 4 Mann tot, 24 verwundet.
Wenden wir uns nun den Schicksalen des I. Bataillons zu.
Nachdem das Regiment den Angriffsbefehl erteilt hatte, führte Hauptmann Hug die 2., 3. und 4. Kompagnie im Erbezzo-Grund nach dem Punkt b vor. Es mußte dies zwar im starken feindlichen Maschinengewehrfeuer geschehen, doch schoß der Feind fast durchgehend zu hoch. Die 1. Kompagnie hatte in der Schlucht, also in der linken Flanke des Bataillons vorzugehen und sollte den Hauptangriff des Bataillons seitwärts unter-stützen.
Der erste Anstieg des Bataillons Hug erfolgte vom Feinde unbelästigt, weil der Gegner die am Hange angelegten Schützennester – wohl infolge des Vorrückens der 6. und 7. Kompagnie – verlassen hatte. Der Höhenkamm selbst war noch stark besetzt. Auf einige hundert Meter diesem gegenüber, in einem Waldrand, baute sich das Bataillon Hug, verstärkt durch eine hier angreifende Jägerkompagnie, zum Sturm auf – vom rechten nach dem linken Flügel 2./125, 3./125, 4./125, Jägerkompagnie – jede Kompagnie in 3 Sturmkolonnen, d. h. die Züge in Reihen nebeneinander, an der Spitze derselben Hand-granatentrupps. Zuvor hatte eine österreichische Batterie aus der Gegend von Azzida mit gutem Erfolg die Stellung befunkt.
6 Uhr abends brachen die Sturmkolonnen. der Bataillonskommandeur mit seinem Stab voraus, schlagartig mit lautem Hurra aus dem Waldrand vor; augenblicklich setzte auch das feindliche Maschinengewehrfeuer mit großer Heftigkeit ein, welches dem Bataillon einige Verluste verursachte, jedoch zum größten Teil abermals zu hoch lag. Auch warf der Feind Handgranaten in großer Menge gegen die Anstürmenden. Diese ließen sich jedoch keinen Augenblick aufhalten. In flotter Angriffslust wurde der steile Hang erstiegen und unter Einsatz der letzten Kräfte jedes einzelnen Mannes gelang es, mehrere übereinanderliegende feindliche Stellungen mit verhältnismäßig geringen Ver-lusten im Kampf Mann gegen Mann zu nehmen.
Die 1. Kompagnie hatte den Nordosthang der Berges erstiegen. Sie brach fast im gleichen Augenblick wie die Sturmkolonnen der übrigen Kompagnien, deren Hurra man bei der 1. Kompagnie hörte, in die feindlichen Stellungen ein.
Um 7 Uhr abends war die ganze Höhe vom Feinde frei. Was vom Gegner sein Heil in einer Flucht nach der Straße Castel del Monte – Cividale erhoffte, fiel der 8. Kompagnie in die Hände. Über 1000 Gefangene wurden außerdem vom Bataillon Hug nach Azzida abgeführt. Noch wohlgetaner Arbeit bezog das I. Bataillon Ortsbiwak im Dorf Purges-simo.
Die Verluste des Bataillons betrugen: 3 Mann tot, 18 verwundet. Schwer verwundet – durch Handgranate – war auch der tapfere Führer der 2. Kompagnie, Leutnant d. R. Dunz.
Es ist interessant zu vergleichen, auf welch verschiedene Art und Weise, räumlich und zeitlich getrennt, das II. und I. Bataillon den Angriff durchführten, um zum Ziele zu gelangen.
Von Cividale aus schob Major von Schnizer zur Sperrung der feindwärts führenden Straßen und Brücken die 5., 6. und 7. Kompagnie nach Süden zu beiden Seiten des Natisone vor und zwar die 6. Kompagnie in Richtung auf Premariacco, die 7. Kom-pagnie nach Firmano, die 5. Kompagnie nach Gagliano.
In Ausführung dieses Befehls stieß die 6. Kompagnie bei einer südlich Cividale über den Natisone führenden Kriegsbrücke auf starke feindliche Abteilungen, die ohne Zaudern angegriffen und über die Brücke zurückgeworfen wurden. Gegenangriffe scheiterten, die Brücke wurde gehalten und vor Zerstörung durch den Feind gerettet.
Am 27. abends bezw. in der Nacht vom 27./28. machten die vorgeschobenen Kompag-nien noch folgende Gefangene und Beute: 5. Kompagnie: 3 Offiziere, 148 Mann, 1 vollständige 10,5 cm Gebirgsbatterie; 6. Kompagnie: 15 Offiziere, 400 Mann; 7. Kom-pagnie: 100 Mann.
Diese erfolge sind um so höher zu bewerten, als die Kompagnien infolge Abgangs durch Patrouillen, Sicherungen, Abteilungen zur Gefangenenbewachung zahlenmäßig sehr schwach waren, so zählte die 6. Kompagnie schließlich nur noch 14 Mann.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–

1918“ׅ, Stuttgart 1923

Donnerstag, 26. Oktober 2017

26. Oktober 1917


„Über die Nacht vom 25./26. Oktober 1917 berichtet Oberleutnant Rommel: „2 km südlich Luico sammelte ich meine Abteilung und trat um 4 Uhr nachmittags den Aufstieg an. Trotz der beinahe übermenschlichen Anstrengung des Vormittags steigt die Abteilung in der Reihenfolge 4. Gebirgs-, 1. M. G., 2. Gebirgs-, 3. M. G., 3. Gebirgs-, 2. M. G., Nachrichten-Kompagnie im Mondschein an steilen Hängen hinauf, ohne Weg und Steg. Das Geschrei der italienischen Infanterie-Massen in der Linie Cepletischis – 1096 zeigt den Weg.
8 Uhr abends stieß ich mit den vordersten Patrouillen, die sich wie Indianer im scharfen Schatten der Büsche lautlos den Hang hinaufschlichen, auf starke Drahthindernisse. Während der Erkundung hält die Abteilung. Nach einer Viertelstunde ist festgestellt: Starke feindliche Stellung mit zementierten Gräben und Unterständen, vorläufig vom Gegner noch nicht besetzt. Feindliche Infanterie, mindestens 1 Bataillon, lagert dicht westlich der Stellung, 500 m südlich Südausgang Jevscek, feindliche Posten dicht westlich der Stellung. Ich befahl: Abteilung lagert in der Mulde dicht östlich der Stellung, 4 Stunden Rast. Sicherung durch 4. Kompagnie nordwestlich, 2. Kompagnie südwestlich. Leutnant Aldinger erkundet einen Weg nach Jevscek und den Verlauf der feindlichen Linie bei Jevscek. Meldung bis spätestens Mitternacht. Der Tag ging zur Neige, meine Abteilung konnte auf einen herrlichen Erfolg zurückblicken. Beute: 60 Offiziere, 3500 Gefangene, 15 Geschütze, darunter 2 schwere. Eigene Verluste: 4 Tote, 15 Verwundete. 10.20 Uhr abends kam Leutnant Aldinger mit der Meldung: „Jevscek ringsum stark befestigt, zementierte Gräben, hohe und tiefe Drahthindernisse. Stellung jedoch noch nicht besetzt. Am Hang dicht westlich Jevscek feindliche Postierungen und Truppenbewegungen unter großem Lärm.“ 11.45 Uhr nachts steigt die Abteilung lautlos gegen Jevsek an. 4. Gebirgs- und 3. M. G. K. Vorhut. Ohne vom Gegner bemerkt zu werden, rückt die Vorhut durch eine enge Gasse im Drahthindernis in Jevscek ein und besetzt den Nordteil des Dorfes halbkreisförmig. Patrouillen klären nach Westen auf gegen die dicht vor uns stehende feindliche Postenlinie. Nach einer halben Stunde wird auch die 2. Gebirgs- und 2. M. G. K. ins Dorf hereingezogen. 3. Gebirgs-, 1. M. G., Nachrichten-Kompagnie und Tragtierstaffel verbleiben am Steilhang dicht östlich des Dorfes außerhalb des Drahthindernisses. 1.30 Uhr nachts melden die Patrouillen: „Südteil des Dorfes vom Gegner frei. Feindliche Stellung verläuft vom Westteil des Dorfes nach Norden, in der Richtung auf Punkt 1029. Eine zweite feindliche Linie verläuft von dem scharfen Straßenknie 300 m südlich 1096 nach Südosten; beide sind stark besetzt. Feindliche Infanterie in Reihen zu Einem marschiert am Südrand des Dorfes vorbei nach Süden.“ Um die durchziehenden Infanterie-Abteilungen abzufangen, besetzt die 2. Gebirgs-Kompagnie 2 Uhr nachts die Südhälfte des Dorfes. Bis dahin hatte der Gegner noch nicht das Geringste von der Anwesenheit der Abteilung bemerkt. 2.30 Uhr früh wurden 3. Gebirgs-, 2. M. G., 4. Gebirgs-, 1. und 3. M. G. K. in die Süd-hälfte des Dorfes nachgezogen. Die Nachrichten-Kompagnie verblieb zum Schutze der Tragtierstaffel östlich des Dorfes. Bei dieser Umgruppierung wurde der Gegner auf uns aufmerksam, er alarmierte und gab rasendes Feuer gegen das Dorf ab. Von unserer Seite fiel kein Schuß. Die Abteilung hatte keine Verluste. 3 Uhr früh gab ich Leutnant Leuze den Auftrag, mit einer Patrouille der 2. Kompagnie einen Aufstieg auf die Höhe 300 m westlich des Dorfes zu erkunden. 4 Uhr früh Meldung: „Nullfläche (die Kuppe) kann von Süden her erstiegen werden, ohne auf den Feind zu stoßen.“ Ich entschloß mich, die Stellung im Morgengrauen dicht westlich des Dorfes südlich zu umgehen, die Null-fläche zu ersteigen, um sodann die feindliche Stellung westlich aufzurollen und den Aufstieg auf den Matajur entlang der Höhenstraße zu erzwingen. 3. Gebirgs- und 3. M. G. K. gehen 3 Uhr vormittags dicht westlich des Dorfes in Stellung, um den Gegner durch Feuer zu beschäftigen. Kurz vor Tagesanbruch steigt die Abteilung ohne diese beiden Kompagnien in zwei Kolonnen gegen die Nullfläche auf und erreicht diese ohne Verluste gerade noch, ehe es richtig hell wird. Ein Aufstieg bei Tag wäre hier vollkommen unmöglich gewesen, da die dichtbesetzten Stellungen am Straßenknie den Weg vollkommen beherrschten. 6.45 Uhr vormittags erhalten wir Feuer von 1096. Nach kurzem, heftigem Feuerkampf mit der Besatzung auf 1096 ergaben sich der 2. und 4. Gebirgs-Kompagnie die italienischen Besatzungen der Stellung dicht westlich des Dorfes bis 1 km nördlich Jevscek. Während etwa 1500 Gefangene von ein paar Schützen der 4. Kompagnie gesammelt und in Richtung Luico abgeführt werden, geht die Abteilung mit 2. Kompagnie und 1. M. G. K. in vorderer Linie gegen die Höhe 1096 vor. Der Gegner versucht von dorther mit Infanterie- und M. G.-Feuer uns aufzuhalten. Beim Übertreten der Höhenstraße erbeuten wir 14 Feldgeschütze, 25 Munitionswagen, 6 beladene Lebensmittelwagen. Den schwer verwundeten Führer der 2. Gebirgs-Kompag-nie, Leutnant Ludwig, ersetzt Leutnant Aldinger. Eine Viertelstunde darauf wird auch er schwer verwundet. Es gelingt dem Gegner nicht, uns aufzuhalten. 8.30 Uhr vormittags wird die Höhe 1192 von der Spitze erreicht. Stärkstes Infanterie- und M. G.-Feuer von der Höhe 1356 aus – Mrzli Vrh – verwehrt weiteres Vordringen. Auch südlich entlang der ganzen Höhenstraße ist der Kampf in vollem Gang mit feindlichen Abteilungen, die nach Süden durchzubrechen versuchen. Durch das rasche Tempo war die Abteilung sehr auseinandergezogen; nur wenige Schützen, ein leichtes M. G. und der Abteilungsstab hatten 1192 erreicht. Ich ließ nun den Gegner auf 1356 durch Feuer beschäftigen, während die Abteilung aufschloß. Es dauerte über 1 Stunde. Im Schutze einer M. G.-Feuerstaffel, die von 1192 aus den Gegner beschäftigte, rückte die Abteilung 10 Uhr vormittags in mehreren Kolonnen dicht westlich der Straße gegen 1356 vor. Die Besatzung, die sich eingeschlossen glaubt, ergibt sich nach längerem Verhandeln: 1 Oberstleutnant, 40 Offiziere, 1500 Mann. Ein Offizier, 3 Mann werden mit der Entwaff-nung und dem Abtransport beauftragt, die übrige Abteilung bleibt im Vormarsch gegen Matajur. Von 1467, 1424 und 1641 bekommt die Abteilung beim Abstieg auf dem Westhang von 1356 starkes Feuer. Trotzdem die Kräfte beinahe zu versagen drohen, pirschen wir uns auf nahe Entfernung heran; unter unserem M. G.-Feuer, das in den Felsen durch große Splitterung ausgezeichnete Wirkung hat, weicht der Gegner und versucht nach Süden in eine Schlucht zu entfliehen, was unser Feuer verhindert. Die Besatzung der Höhe 1000 m östlich 1641 muß sich ergeben. Erst kommen wenige, dann das ganze Regiment mit allen Offizieren. der Oberst bricht beinahe zusammen und weint. Sein Regiment war des Öfteren im Heeresbericht Cadornas rühmlich erwähnt. Die Abteilung steigt weiter gegen den Gipfel des Matajur auf, trotz feindlichen Feuers vom Südwestausläufer und vom Gipfel des Matajur. 11.30 Uhr vormittags ergibt sich 500 m nordöstlich des Gipfels eine Kompagnie, die mit Front nach Karfeit im Rücken von uns überrascht wird. Als unsere M. G. auf 600 m Entfernung vom Gipfel in Stellung gehen, ergeben sich weitere 120 Mann. 11.40 Uhr vormittags hat der Vortrupp der Abteilung den Gipfel erstiegen, bei mir sind Oberleutnant Schiellein, Leutnant Streicher, Oberarzt Dr. Stemmer, Schützen der 2. und 3. Gebirgs- und Teile der 1. und 2. M. G. K. Ich ließ drei grüne und eine weiße Leuchtkugel abschießen. Eine Patrouille des Regiments 23, bestehend aus 4 Infanteristen, erreichte gleichzeitig mit Schützen der 2. Gebirgs-Kompagnie den Sattel 150 m östlich des Gipfels; sie stellte die Behauptung auf, den Matajur genommen zu haben. Alle Gefangenen, die wir gemacht, hätten sie uns entgegengetrieben. 12.15 Uhr nachmittags erreicht mich der Befehl des Kommandeurs, nach Masseris zu rücken. Die Beute der Abteilung am 26.10.1917 auf den Südhängen des Matajur: 2 Regimentskommandeure, mehr als 100 Offiziere, 4500 Mann, 14 Geschütze, 25 Munitions- und Lebensmittelwagen, 60 Maschinengewehre. Verluste am 26. Oktober: 1 Mann tot, 2 Offiziere, 2 Mann schwer, 6 Mann leicht verwundet.““


aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933


Mittwoch, 25. Oktober 2017

25. Oktober 1917


„Schon nach dem ersten Angriffstage war die italienische Front an zahlreichen Stellen zerschlagen. Als die rechte Kolonne des Gebirgs-Bataillons in der Frühe des 25. Oktober auf steilen Pfaden von Foni zur Höhe 1114 strebte, befand sich das Isonzotal überall in den Händen der Verbündeten. Flitsch war genommen und aus Karfeit quollen dicke Massen von vorgehenden Truppen. Um den schneebedeckten Krn hatte sich eine eiserne Klammer gelegt, der kein Italiener mehr entrinnen sollte. Der Gegner wankte unter dem ungeheuren Schlag; es galt nun, die errungenen Vorteile in rücksichtslosem Draufgehen weiter auszunützen.
Der Kampf ging um die zweite durchgehende Verteidigungsstellung der Italiener, die sich, mit der Front gegen das Isonzotal, wohl ausgebaut auf dem Höhenzug des Kolowratrückens von Höhe 1114 – Höhe 1110 – Höhe 1125 – Höhe 1185 zum beherr-schenden Monte Kuk, Höhe 1245, hinzog.
Das Leib-Regiment war am Abend des Angriffstages vor dem nördlichen Schulterpunkt dieser Stellung auf hartnäckigen Widerstand gestoßen, so daß an ein Vorwärtskommen zunächst nicht zu denken war. Die Leiber mußten sich sogar entschließen, das gleich-zeitig auf die Werke um Höhe 1114 angesetzte, weiter südlich kämpfende bayerische Jäger-Regiment Nr. 2 durch Angriff in südöstlicher Richtung zu entlasten.
Unterdessen stieg das Gebirgs-Bataillon zu Höhe 1114 an und war am 25. morgens 6 Uhr rechts vom Leib-Regiment aufgeschlossen. Die glänzend ausgebauten italienischen Stellungen, die bis zum Kuk mit allen Einzelheiten deutlich zu sehen waren, verhießen schwere Arbeit; sie schienen jedem Angriff Trotz bieten zu können.
Während Oberleutnant Rommel mit 2. und 3. Kompagnie und 1. Maschinengewehr-kompagnie am nördlichen Steilhang des Kolowratrückens gedeckt vorgeht, um gegen Monte Kuk aufzuklären, ist die Aufmerksamkeit des Gegners ganz auf den Kampf um Höhe 1114, auf den Angriff von Osten gerichtet. An eine Gefahr aus dem Isonzotal scheint er augenblicklich nicht zu denken. So kommt es, daß die vorfühlenden Streifab-teilungen des Oberleutnants Rommel überraschend und unbehelligt in die italienischen Werke zwischen Höhe 1185 und 1125 gelangen. Die Kompagnien rücken alsbald nach und der Italiener merkt den Feind erst, als er bereits an den schweren Geschützen steht. Im Handgemenge fällt Vizefeldwebel Kneile und Gefreiter Kiefner. Nun ist der gegnerische Widerstand aussichtslos, jede Regung dazu wird im Keim erstickt. Die Kukstellung ist durchbrochen. Das ganze Gebirgs-Bataillon und dichtauf das II. Bataillon des Leib-Regiments folgt alsbald auf dem weg des Oberleutnants Rommel, der bereits den Vormarsch gegen Ravna fortgesetzt hat. Die Verteidiger des Kuk, den Angriff von Norden erwartend, sehen jetzt den Gegner in ihrem Rücken auftauchen; 1000 Mann der Brigade Arno, die Gipfelbesatzung, ergeben sich dem kühnen Angreifer; der stolze, uneinnehmbar scheinende Kuk ist gefallen.
Aber den Schwaben genügt dieser Erfolg nicht. Auf der im Krieg gebauten prächtigen Höhenstraße gegen Ravna erfolgt sofort ein weiterer Vorstoß. Das Artilleriefeuer wird jetzt nach Luico, dem Eingang ins Savognatal, gelenkt, den der Feind seit 24 Stunden hartnäckig gegen die 12. preußische Infanteriedivision verteidigt. Als Schwaben und Bayern im Rücken der gegen Norden kämpfenden Italiener auftauchen, bricht in Luico eine fürchterliche Panik aus. In voller Auflösung sucht der Feind im Tal nach Savogna oder auf der Höhe gegen Monte Matajur zu fliehen. Was gegen Savogna flüchtet, wird von den Leuten der Abteilung Rommel bei der Weggabel von Polava abgefangen, was zur Höhe gegen den Matajur zu entkommen versucht, gerät in das Feuer der jetzt am Kuk aufgestellten Maschinengewehre. Die talwärts führende Straße ist übersät mit Kriegsmaterial; zusammengeschossene Batterien, Menschen, Pferde, Protzen und Geschütze liegen haufenweise beieinander. Die Hälfte der 4. Bersaglieri-Brigade mit Oberst, Oberstleutnant und 30 Offizieren, sowie unübersehbaren Mengen von Kriegs-beute aller Art fallen in die Hände der Sieger.“

aus: „Schwäbische Kunde aus dem großen Krieg“, 4. Buch, Stuttgart 1921



Bild und Skizze aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

Dienstag, 24. Oktober 2017

24. Oktober 1917


„Offizierstellvertreter Vizefeldwebel Seitzer führte am 24. Oktober 1917 die erste Patrouille gegen Italien. Er berichtet:

Nachdem in der Nacht vom 23./24. Oktober unsere Artillerie das Trommel- und Vernichtungsfeuer gegen die italienischen Stellungen geschleudert hatten, ging das Württ. Gebirgs-Bataillon 8 Uhr morgens aus seinen Bereitstellungen gegen den Isonzo herunter und entlang diesem gegen die feindlichen Stellungen vor. Bei San Daniel sahen wir die erste Wirkung unseres Blau- und Gelbkreuzgases. Vorwärts San Daniel erhält Leutnant Triebig, 1. Komp., von Major Sproesser den Befehl, eine Patrouille zu stellen. Leutnant Triebig bestimmt mich zum Herrn Major zu gehen und mich dort zu melden. Beim Bataillons-Stab angekommen, erhalte ich von Herrn Major folgenden Befehl: Sergeant Seitzer, gehen sie mit ihrer Gruppe gegen den Wald von Foni vor, suchen Sie den in der Karte eingetragenen Weg und wenn Sie diesen Weg haben, sofort Meldung an die 1. Komp., welche als Spitzenkompagnie Ihnen folgt. Verbindungsleute stellt 1. Komp.; Aufklärung gegen das Artillerie-Nest Foni. Jedes Hindernis muß genommen werden! Ich wiederhole den erhaltenen Befehl und bekomme nun die erste Gruppe des 1. Zuges mit den Unteroffizieren Klöpfer und Erlenmaier von Leutnant Triebig zugeteilt. Eine kurze Belehrung meiner Schützen über Lage und Auftrag, dann wird ausgeschwärmt und gegen den Wald angestiegen. Unteroffizier Erlenmaier und der Gefreite Hildenbrand mit mir etwa 50 Meter voraus, als bald einer meiner Schützen am linken Flügel ruft, daß er den Weg vor sich habe. links oben knattern die Maschinen-gewehre der Italiener und unserer Leiber, während vor uns tödliche Stille herrscht. Am Waldrand angekommen, sehe ich nochmals zurück: das Bataillon ist im Marsch. Ausgeschwärmt vorgehen war nunmehr auf dem nur 1 m breiten Weg unmöglich, zumal das Gelände links oberhalb steil anstieg und rechts unterhalb ebenso schroff abfiel. Also in Reihen zu Einem Marsch! Voraus Gefreiter Hildenbrand, dann ich und Unteroffizier Erlenmaier. Der mit viel Krümmungen versehene Weg steigt immer an. Wir mögen ¾ Stunden angestiegen sein, den schußfertigen Karabiner in der Faust, Auge und Ohr gespannt als Hildenbrand vor einer scharfen Linksbiegung mir plötzlich mit der Hand ein Zeichen gibt. Kaum gewahre ich an der anderen Biegung des Weges ein starkes Drahtverhau, als auch schon mit einem Schlage mehrere M. G., sowohl von oben als auch von vorne aus dem Drahtverhau heraus, ihren Segen uns entgegensenden. Unteroffizier Erlenmaier hinter mir erhält einen Schuß ins Gesicht und zugleich zertrümmert ihm ein Geschoß sein Fernglas an der Brust. Erlenmaier springt zurück, Hildenbrand und ich werfen uns an den niederen Hang; wir sind nicht verletzt. Plötzlich höre ich hinter mir laute Schmerzensrufe und bemerke einen Kameraden auf dem Gesicht liegen, während unmittelbar hinter ihm ein Gebirgler sich auf dem Wege wälzt. Wir kriechen zurück und der Kamerad, der auf dem Gesicht lag, wird von Hildenbrand und von mir aus dem Feuerbereich zurückgezogen; es war der Schütze Mangold, leider tot, Kopfschuß. Unteroffizier Klöpfer hat den verwundeten Kameraden ebenfalls aus dem Feuerbereich gezogen. Als Kurz darauf Offizier-Stellvertreter Huber eintrifft, melde ich dem alten Kämpfer: „Vorne über dem Weg starkes Drahtverhau, besetzt mit mehreren Maschinengewehren“. Kurz darauf erhalte ich von Oberleutnant Rommel den Befehl, als vorgeschobener Posten stehen zu bleiben. Das Feuer vor uns hat aufgehört, dagegen schießt unsere Artillerie unaufhörlich ihr Vernichtungsfeuer gegen Foni über uns hinweg. Es war schon gegen Mittag, als einer meiner Schützen meldete, ich solle zum Herrn Major kommen. Eine kurze Strecke rückwärts und ich stoße anstatt auf die 1. Komp. auf die 4., bei welcher sich der Bataillons-Stab befand. Ich melde mich und muß die Lage erklären. Ich erhielt nun den Befehl, als Spitze weiter vorzugehen, den Gegner mit Handgranaten niederzukämpfen, und Foni zu erreichen. Zu Befehl und kehrt, meine Schützen nochmals genau unterwiesen und nun vor, vorbei an unserem toten Kamera-den.
Von dem Punkt an, wo Mangold fiel, ging es im marsch, marsch um die Ecke, in einem toten Winkel Handgranaten heraus – fertig! Und nun auf 8 Meter hinüber! 3 Schläge und unser Hurra und wir waren über dem Hindernis und im feindlichen Graben; vor uns 2 Maschinengewehre, aber kein einziger Italiener mehr zu sehen. Weiter oberhalb erwischten wir einen Sergeanten und einige Bersaglieri. Nun aber heraus aus dem Graben und vor auf dem Weg nach Foni! Hinter meiner Spitze unmittelbar folgt der Bataillons-Stab mit der 4. Kompagnie.
Als gegen 3 Uhr nachmittags sich Nebel niedersenkt, hört der Wald vor uns auf und wir haben eine nach links steil ansteigende Wiese vor uns. Rechts vom Weg fällt das Gelände steil ab; der Weg ist mit Blenden versehen. Für einen Augenblick taucht im Nebel vor uns ein Italiener auf – Karabiner in Anschlag! – aber schon ist er verschwun-den, wir hören noch einige italienische Kommandos und gleich darauf beginnt ein Infanterie- und M. G.-Feuer von oben, von vorne und durch die Blenden herauf von unten. Wir werfen uns platt auf den Weg und müssen so deckungslos liegen bleiben, der Nebel war unser Glück. Dann kriechen wir einzeln zurück bis zum Waldrand. Hier treffen wir Leutnant Wahrenberger, der sofort einen Zug mit M. G. am Waldrand entwickelt. Im heftigen Feuer werden mehrere Schützen verwundet. Bei Einbruch der Dämmerung ergab sich der Gegner; Tücher schwenkend sprangen die Italiener an uns vorbei mit dem Ruf: Evviva Germania! Der Weg zum Artillerienest Foni war frei; noch in der Nacht schlichen wir hinein, um Zwieback und Vino zu holen. Da die Abteilung Rommel inzwischen weiter oben im Gefecht stand, meldete ich mich beim Bataillons-Stab ab und stieg gegen 1114 an. Was wir auf diesem Wege gesehen haben, werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Geschütz an Geschütz aller Kaliber, aber Tote auf jeden Schritt.“


aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

Montag, 23. Oktober 2017

23. Oktober 1917



„Die im Verlaufe der Nacht vorgetriebenen Patrouillen stellten fest, daß das Vorfeld nur noch von schwachen feindlichen Postierungen besetzt war, worauf die Kompagnien diese Postierungen verjagten und in der ganzen Ausdehnung wieder ihre alten Stellungen besetzten, so daß trotz der starken feindlichen Angriffe kein Fuß breit Boden verloren ging. Wie auch die Gefangenen bestätigten, hatte der Gegner schwere blutige Verluste erlitten, besonders durch unser Maschinengewehr- und das gut liegende Artilleriefeuer. An Gefangenen wurden ihm an diesem Tage 2 Offiziere und 45 Mann abgenommen.
Eigene Verluste: Tot: 4 Offiziere, die Leutnants d. R. Haspel, Waldmann, Freudenmann und Brenz; 16 Mann. Verwundet: 2 Offiziere und 83 Mann. Vermißt: 6 Mann.
Wiederum haben diese Kämpfe den Beweis geliefert von dem vorzüglichen Geist, der die Truppe beseelte, und von dem vertrauensvollen Zusammenarbeiten von Führern und Truppe, wodurch es allein möglich wurde, im zähen Festhalten der Stellung und mit energischen Gegenstößen die feindlichen Angriffe immer wieder siegreich zurückzu-weisen.
Nach diesen Kämpfen war die Ablösung des Regiments zur Notwendigkeit geworden, ebenso bei den anderen Regimentern der Division, und so erfolgte die Ablösung durch das Inf.-Reg. 124 schon in der Nacht vom 23./24.

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921


Sonntag, 22. Oktober 2017

22. Oktober 1917



„Am 22. Oktober morgens legte sich vormittags 5 Uhr 30 das Trommelfeuer, das nach einer halben Stunde wieder abflaute, auf den Abschnitt der 121er. Die eigene Artillerie antwortete mit wuchtigem Vernichtungsfeuer. Plötzlich um 6 Uhr 30 setzte schlagartig ein Feuersturm von unerhörter Kraft ein, der den aufgeweichten Boden in rasender Wut zerwühlte. Starker Nebel lag über dem Kampffeld. Die ganze Front der Division forderte erneut Vernichtungsfeuer. Bald gingen im rechten Abschnitt rote Leuchtkugeln hoch, die leuchtende Bahnen durch den Nebel brachen. Auch der eigene Abschnitt und der der 180er schickte seine Sperrfeuerzeichen in den dunstigen Himmel und gegen 7 Uhr war der Feuersturm der Artillerie vor der ganzen Front entfesselt. Da warf der Gegner sein Geschützfeuer ins Hintergelände, um die die Kampffront abzuriegeln und trat zum Sturm an. Nach Norden, gegen das „Weiße Haus“, nach Nordosten, der Allee entlang, gegen die Mitte der 8. Komp. und die Bahnlinie Boesinghe – Staden entlang gingen die Hauptstöße. Beim „Weißen Haus“, das dem Gegner am nächsten lag und wo er früher angriff, gelang es ihm, in die Stellung des Res.-Reg. 121 einzudringen, so daß der rechte Flügel der 8. Komp. der 119er in der Luft hing. Der Zug, der dort lag, hatte schon durch Kurzschüsse der eigenen Artillerie erheblich gelitten und war erschüttert. Dem umfassenden Angriff vermochte er nicht mehr stand zu halten. Fast alle bei der 8. Komp. eingesetzten Maschinengewehre waren vernichtet, verschüttet oder gebrauchs-unfähig. Wohl wehrte sich der Rest der wackeren Kompagnie, aber die Übermacht drängte sie immer mehr zurück. Erst am Unterstand des Kompagnieführers, Leutnant d. Res. Siegle, kam die Bewegung zum Stehen. Zwei Maschinengewehre sicherten die Flanke. Zäh an ihrem Trichterposten klebende Trichterbesatzungen fielen im Nahkampf. Schon wurde auch der rechte Flügelzug der 7. Komp. in den Rückzug gerissen. Da gelang es dem Führer, Leutnant d. Res. Dürr, die Weichenden zum Halten zu bringen und der Kompagnieführer, Leutnant d. Res. Großmann, bog nun seinen Flügel so zurück, daß die Gefahr der Flankenumfassung zunächst gemindert wurde. Die Engländer setzten sich unterdessen im Trichtergelände fest und zogen Reserven heran.
Auch das Regiment hatte seine Reserven bereit gestellt. Verwundete brachten die wildesten Gerüchte zurück. Die Lage schien sehr gefährlich. Hauptmann d. Res. Künlen rückte mit der 1. und 2. Komp. ans „Rote Haus“ vor, um den durchstoßenden Gegner aufzuhalten. Sie durcheilten die Feuerzone und fanden am „Roten Haus“ die 4. Komp. Von hinten rückte die 3., sowie die 9. und 10. Komp. in die Plätze der vorgezogenen Teile ein. Die Res.-Kompagnie (5. Komp.) konnte infolge der unsinnigen Meldungen Verwundeter kein klares Bild der Lage erkennen und schickte Patrouillen in die Kampflinie. Leutnant d. R. Schmidt brachte gegen 3/4 8 Uhr Klarheit über die Lage. Die Reste der 8. Komp. hatten einen Stoßtrupp unter Vizefeldwebel Preßmar mit einem leichten Maschinengewehr zum Gegenstoß bereit gestellt. Ihm wurde eine Gruppe der 5. Komp. als Verstärkung zugewiesen. Leutnant Schmidt aber ging mit seinem Stoßtrupp vor, warf sich, die Lage richtig beurteilend, in die Lücke zwischen der 7. und 8. Komp. und trat mit dem Trupp Preßmar zum Gegenstoß an. Schneidig draufgehend warfen sie den Gegner, der noch keine Zeit zum Einrichten in dem eroberten Gelände hatte und von dem raschen Angriff überrascht wurde, von Trichter zu Trichter, bis er zuletzt den Rückzug antrat. Nun griff auch die ganze 7. Komp. unter Leutnant Großmann an und trieb die Engländer in ihre Ausgangsstellung zurück, wobei sie das deutsche Sperrfeuer noch einmal durchschreiten mußten und schwere Verluste erlitten. Um 8.45 war der ganze Abschnitt vom Feinde gesäubert. Leutnant Schmidt aber faßte den Entschluß, auch die beim Nachbarregiment eingedrungenen Engländer zu vertreiben und das „Weiße Haus“ zu stürmen, um den Anschluß an das Res.-Reg. 121 zu nehmen. Allein er erhielt bald Feuer aus einem rückwärts liegenden Engländernest, mußte sich zurück-ziehen und wurde schwer verwundet. Unter großen Anstrengungen konnte er unter dem Schutz der Roten Kreuzflagge, die vom Gegner geachtet wurde, geborgen werden.
Die 6. Komp. war nicht angegriffen worden, aber ihr linker Flügelzug nahm den nördlich der Bahnlinie gegen Inf.-Reg. 180 vorgehenden Angreifer unter wirksames Feuer und fügte ihm schwere Verluste zu. Einen zweiten Angriff ereilte das gleiche Schicksal und die dem Stoß der 5., 7. und 8. Komp. ausweichenden Engländer gerieten in das Flankenfeuer der 6. Komp. Leider fiel dabei ihr tapferer Führer, Leutnant d. R. Fluck, der, das feindliche Feuer verachtend, während des Kampfes seine Leute ermuntert hatte. 25 Gefangene der 35. englischen Division, 9 Lewisgewehre und 50 Karabiner wurden vom II. Batl. als Beute eingebracht, aber seine Verluste waren sehr schwer und es fehlte an Handgranaten und Munition. Unterdessen hatte das Res-Reg. 121 versucht, das „Weiße Haus“ an der Roggestraße zurückzuerobern. Der Gegenstoß mißglückte und die Lage für das Res.-Reg. 119 war noch immer gefährlich. Da befahl die Division dem Regiment seine Reserven, die 9. und 10. Komp. zum Angriff längs der Straße auf das „Weiße Haus“ anzusetzen und die 11. und 12. Komp. vorzuziehen. Allein es fehlte den Kompagnien an Nahkampfmitteln und als sie kurz nach Mittag eintrafen und verteilt wurden, hielt ein Gegenbefehl sie noch einmal zurück. Erst um 1 Uhr kam der Angriff in Fluß. Der Nebel hatte sich unterdessen verteilt, das Wetter war klar geworden. Das Artilleriefeuer hatte fast ganz aufgehört, eine Kampfpause ließ die Besatzungen aufatmen. Als sich aber gegen 3 Uhr die feindlichen Gräben füllten, entfesselten deutsche Lichtzeichen aufs neue das Vernichtungsfeuer der Artillerie. Deutsche Infanterieflieger jagten brausend heran und griffen die englischen Graben-besatzungen mit Bomben und Maschinengewehren an. Nach 5 Uhr brach auf der ganzen Front stärkstes feindliches Trommelfeuer los; der Angriff auf das „Weiße Haus“ war in vollem Gange. Während die 9. und 10. Komp. der 119er zu beiden Seiten der Straße angriffen, stießen 121er aus nordöstlicher Richtung her. In heißem Ringen wurden die Engländer geworfen. Um 7 Uhr war das „Weiße Haus“ wieder deutsch und der ganze Angriff unter blutigen feindlichen Verlusten zum Scheitern gebracht. Die vollständig erschöpften Kompagnien wurden abgelöst und durch andere, die weniger gelitten hatten, ersetzt; aber das Regiment hatte über die Hälfte seines Bestandes verloren, darunter 2 tote, 5 schwerverwundete und 2 leichtverwundete Offiziere.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Samstag, 21. Oktober 2017

21. Oktober 1917


„Am 20. Oktober fiel bei 4./49 Unteroffizier Rothenberger, am 21. bei 7./49 durch einen Volltreffer im Unterstand die Kanoniere Mutschler und Burkhard, bei 3./49, die täglich mit wenigen, aber treffsicheren Schüssen heimgesucht wurde, fielen Gefr. Häußler und Kanonier Hahn.“


aus: „Das 3. Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

Freitag, 20. Oktober 2017

20. Oktober 1917


„Eine am Nachmittag des 20. in drei Wellen gegen die Mitte des Kampfbataillons vorgehende starke feindliche Patrouille wurde durch rasch einsetzendes Sperrfeuer, sowie durch Infanterie- und Maschinengewehrfeuer abgewiesen. An demselben Tage zerstörte ein Volltreffer einen Betonunterstand der 6. Komp. und verursachte den Verlust von 14 Toten und 2 Schwerverwundeten.“


aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Donnerstag, 19. Oktober 2017

19. Oktober 1917


„Auch am 18. Oktober wurden die Batterien und Beobachtungsstellen vielfach mit Gas beschossen, wodurch bei 2. und 3./49 Erkrankungen entstanden. Der Hochstand der 2./49 wurde durch Treffer umgelegt; bei dem Versuch einer Ausbesserung fielen zwei Pioniere. Die rechte Gruppe, welche Stab I./49 übernehmen wollte in einem zerschos-senen Schloß 500 m südöstlich des Dorfes Houthulst, wurde umgebildet, nach links verschoben und am 21. Oktober mit einem neuen Gefechtsstand nahe bei Stadenreke vom stab II./49 übernommen.
Die dadurch freigewordenen Batterien der I./49 und die 6./49 wurden am 19. Oktober wie folgt eingesetzt: die 1. und 3./49 bei der aus dem Gebiet der linken Nachbardivision in den eigenen Abschnitt wirkenden Flankierungsgruppe unter dem Kommando des Stabes I./49 mit dem Gefechtsstand in einem Hause 1 km südlich Staden. Die sehr weit abliegende Stellung der 3./49 befand sich in und an einem Gehöft nordwestlich Westroosebeke, die der 1./49 noch um 300 m weiter südwestlich in Hecken aufgestellt. Zu dieser Flankierungsgruppe gehörten noch drei schwere Batterien. An Beobachtungs-stellen besetzten unsere beiden Batterien einen der zahlreichen Hochstände auf dem hervorragende Fernsicht bietenden Höhenkamm zwischen Westroosebeke und Staden-berg und eine vorgeschobene in einem Trichterfelde südlich Schaap-Balie. Die 2./49, deren Stellung an der Melaenestraße unmöglich geworden war, wurde geteilt und mit einem Zug in Lauerstellung eingesetzt auf dem Bahnhof von Vijfwege. Er sollte dort das Vordringen des entlang der Bahn vorbrechenden Gegners verhindern. Bei ihm fiel noch der Gefr. Magg; Leutnant d. R. Schlenker wurde leicht verwundet. In Tätigkeit trat der Zug nicht. Der andere Zug kam als Stoßzug in Alarmquartier bei dem Gehöft Hoogeschur. Die 6./49 wurde bei Untergruppe links eingesetzt und bezog eine Stellung in einem Waldstück 1 km südlich Stadenberg.“



aus: „Das 3. Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

Mittwoch, 18. Oktober 2017

18. Oktober 1917


„Solange das Regiment in Prémont – Fresnoy le Grand war, hatten die Engländer in Richtung Staden erhebliche Fortschritte gemacht und in wiederholten erfolgreichen Angriffen die Linie nördlich Draibank – Ehrenfriedhof Mangelare – Brigadehaus erreicht. Südlich der Bahn sind sie über Poelkapelle hinaus in Richtung Schaap-Balie vorgedrungen.
So war die Lage als am 17. Oktober die 26. Res.-Division Kampfdivision wurde und die 27. Inf.-Division abzulösen hatte. Das Regiment bekam den linken Abschnitt, besetzt durch das Inf.-Reg. 124, rechts daneben das Res.-Inf.-Reg. 119 und links Marine-Infanterie. Die vorderste Linie kreuzte den Schnittpunkt der Eisenbahnlinie mit der Straße Staden – Langemarck, war etwa 600 m breit und nur Trichterstellung. Das I. Batl. wurde Kampfbataillon (4. Komp. rechts, 3. Komp. in der Mitte, 1. Komp. links und 2. Komp. hinter der Mitte), das II. Bereitschaftsbataillon und das III. Ruhebataillon in Stampkot. Der Regimentsstab bezog seinen Gefechtsstand in Stadenberg.
An zugeteilten Truppen befanden sich im Regimentsabschnitt 12 M. G. einer Maschinengewehr-Scharfschützen(S. s.)-Abteilung und 1 Komp. des Marine-Inf.-Reg. 1 als Nahtkommando links.
Schon in der Nacht vom 18./19. erhielt das Kampfbataillon heftiges Artilleriefeuer schwerer Kaliber. Ein Volltreffer drang bei der in zweiter Linie liegenden 2. Komp. in einen Keller und verursachte den starken Verlust von 14 Toten und 17 Verwundeten. Für diesen Ausfall wurde der 2. Komp. ein Zug des Bereitschaftsbataillons zur Verfügung gestellt. Am 18. und 19. fielen die Leutnants d. R. Rademacher und Paret.“


aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Dienstag, 17. Oktober 2017

17. Oktober 1917


„Der 17. Oktober brachte besonders starke Beschießung unserer Batterien, welche den Verlust vieler treuer Kameraden kostete. Bei 1./49 fielen Unteroffizier Mattheiß* und die Kanoniere Henle, Haug und Jetter; verwundet wurden die Kanoniere Weidenauer und Kracht. Die 2./49 erhielt mehrere Volltreffer, wovon einer einen Geschützstand traf, ein anderer einen Munitionsstapel mit Gelbkreuzmunition. Unteroffizier Vatter und Kanonier Mager starben dabei den Heldentod und beim Ausräumen der verwüsteten Stellung wurden drei Unteroffiziere und zwei Mann mehr oder weniger schwer gasvergiftet. Diese Erkrankungen, die sich in Rötung und Blasenbildung der Haut, Entzündung und Reizung der Bindehaut und der Schleimhäute der Luftwege äußerten, kamen häufig erst nach mehreren Stunden oder gar nach Tagen zum Ausdruck. Bei 6./49, wo schon am 16. Oktober die Kanoniere Schupp und Weiß gefallen waren, fiel Unteroffizier Bopp* auf Beobachtungsstelle, bei 4./49 Kanonier Glaser, der bei einer heftigen Beschießung, während derer die Bedienung auf Befehl für kurze Zeit die Stellung räumte, allein auf Leuchtkugelposten treu ausgehalten hatte. Bei 7./49 war schon am 15. Kanonier Schöttle schwer verwundet worden, am 17. fiel Sanitäts-unteroffizier Riether und Kanonier Schuß wurde schwer verwundet. Bei 8./49 war am ersten Tag des Einsatzes Unteroffizier Hepperle gefallen. Bei den beiden letzteren Batterien wurden am 17. die Protzenlager beschossen, wobei einige Leute leicht verwundet wurden.“

aus: „Das 3. Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

* Unteroffizier Matheis und Unteroffizier Popp

Montag, 16. Oktober 2017

16. Oktober 1917


„Die Lage des Kampfbataillons war äußerst ungünstig. Es bestand dauernd die Gefahr, daß der Franzose durch Angriffe von Samogneux und aus der Hindenburgschlucht heraus die ganze Trichterstellung von West und Ost her aufrollte, ehe wirksame Unter-stützungen durch die Samogneux-Schlucht von rückwärts herangeeilt sein konnten. Hinter dem Kampfbataillon lagen die andern beiden Bataillone (I. und II.) flügelweise als Bereitschaftsbataillone in und bei der sogenannten Hagenstellung, die nördlich des Dorfes Haumont quer durch den regimentsabschnitt verlief. Sie waren also etwa 2 Kilometer vom Kampfbataillon entfernt. Ihre Unterbringung war mangelhaft. Stollen gab es nur wenige. Ein großer Teil der Mannschaften lag in Zelten und Fuchslöchern. Nur in der Schwaben- und Bayernschlucht waren einige Stollen und splittersichere Unterstände vorhanden, die aber gleichzeitig auch von Batteriebesatzungen benutzt wurden.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921