Montag, 29. Februar 2016

29. Februar 1916


„Ungeachtet des erst kurzen Einsatzes begannen die Kräfte der Truppe bald nachzu-lassen, da das feindliche Artilleriefeuer Tag und Nacht in immer stärkerem Maße anhielt. Eine besondere Verstärkung erfuhr dieses noch durch ein Wurfminenfeuer, das in stärkster Massierung einsetzte und einen nicht zu unterschätzenden moralischen Eindruck hervorrief, da die Minen schrapnellartig in der Luft krepierten und ihren Inhalt über die deckungslos ausharrende Stellungstruppe ausschütteten.“


aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

Sonntag, 28. Februar 2016

28. Februar 1916


Für den 28. war zunächst Fortsetzung des Angriffs geplant; da indessen auf Grund von Fliegermeldungen mit der Möglichkeit eines starken feindlichen Gegenangriffs gerech-net werden mußte, auch die erwartete Artillerieverstärkung noch nicht eingetroffen war, wurde die Absicht aufgegeben. Das Generalkommando befahl, daß die Infanterie ihre Stellungen zur Deckung des Aufmarsches starker Artillerie zu halten und auszubauen habe. Damit war die Angriffstätigkeit des XV. Korps und des Inf.-Regts. 126 vorerst beendet.
Die Verluste des Regiments betrugen: tot Leutnant d. R. Matt und 41 Mann, verwundet die Leutnants d. R. Leibenguth, Heege, Stenzel, Brönner, Grohe und 107 Mann. Der Krankenstand des Regiments betrug 16 Mann, trotz des schlechten Wetters und der großen Anstrengungen wohl der niedrigste während des ganzen Kriegs.“


aus: „Das 8. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 126 „Großherzog Friedrich von Baden“ im Weltkrieg 1914-1918ׅ, Stuttgart 1929

Samstag, 27. Februar 2016

27. Februar 1916



„Am 27. Februar, morgens 6 Uhr, sollten die beiden Regimenter wieder bereitstehen, um nach vorausgegangener Artillerievorbereitung anzugreifen. Die Nacht benutzte das Regiment dazu, auf den Höhen unmittelbar nördlich Moranville und Grimaucourt Sturmstellungen ausheben zu lassen. Das um Mitternacht dem Regiment wieder zur Verfügung gestellte I. Bataillon mit der 2. M.-G.-Kompagnie 132 wurde nach dem Wald Montricel herangezogen und beauftragt, eine Gelegenheit für einen umfassenden Angriff auf Grimaucourt von Osten her zu erkunden, da das Landw.-Regt. 102, das sich im Anschluß an 126 entwickeln sollte, noch nicht eingetroffen war. Über die Linie Teich von Moranville – Höhe nördlich Blanzée sollte der Angriff zunächst nicht vorge-tragen werden.
Als jedoch gegen Morgen die Patrouillen feststellten, daß der Gegner die Orte Moran-ville und Grimaucourt zu räumen beginne, traten das II. und III. Bataillon gegen 5 Uhr morgens zum Angriff an und setzten sich in Besitz der beiden Dörfer. In Grimaucourt erbeutete die Gruppe des Unteroffiziers Josef Brühl der 9. Kompagnie welche die Franzosen noch während der Vorbereitungen zur Flucht überraschte, in frischem Drauf-gehen 2 Maschinengewehre und nahm die Bedienungsmannschaft (11 Mann vom Regt. 366) gefangen. Außerdem fielen dem Regiment viel Pioniergeräte und große Bestände an Munition und Ausrüstung in die Hände. Besonders willkommen waren die vorgefun-denen Wäschevorräte.
Die sofort eingeleitete Erkundung ergab, daß der Gegner die Linie 255 nördlich Moulainville la Basse – Chenu Wald besetzt hielt. Eine Patrouille des Leutnants Graner fand dagegen Blanzée frei, das nun von dem Zug Reiff der 6. Kompagnie besetzt wurde. Er fand Gelegenheit, eine von Châtillon nach Moulinville la Basse marschierende französische Infanteriekolonne wirksam zu beschießen. 9 Uhr vormittags erhielt Inf.-Regt. 126 den Befehl, die Höhe 255, Inf.-Regt. 126 den Chenu Wald anzugreifen. Landw.-Regt. 102 sollte dem Angriff des Regiments links gestaffelt Richtung Châtillon folgen. Das Regiment setzte das II. Bataillon von Moranville aus in südwestlicher Richtung gegen Le Chenu an, während das III. Bataillon von Grimaucourt aus Blanzée gewinnen sollte, um von hier aus die Südostecke des Waldes umfassend anzugreifen. Das I. Bataillon erhielt Befehl, bis Grimaucourt vorzurücken. Das II. Bataillon benutzte zum Vorgehen die vom Chenu Wald auf Moranville herabführende Mulde, während das III. Bataillon wie auf dem Exerzierplatz in dünnen Wellen die flache Höhe zwischen Grimaucourt und Blanzée überschreitend ohne Verluste durch das heftige feindliche Artilleriefeuer Blanzée erreichte. Dagegen gestaltete sich sowohl die Entwicklung des II. Bataillons aus seiner Mulde heraus (7. und 8. Kompagnie in 1. Linie) wie die des III. aus Blanzée im Feuer der feindlichen Infanterie und Artillerie sehr schwierig und verlustreich, so daß die Angriffsbewegung auf etwa 5–600 m vom Gegner zu stehen kam. Der Chenu Wald war stark besetzt und verdrahtet und hatte gutes Schußfeld. Die beabsichtigte Umfassung erwies sich als unausführbar, da die vom Feind besetzte Mandre-Ferme vielmehr unseren eigenen linken Flügel flankierte und zum Zurück-biegen zwang. Die Wirkung der eigenen Artillerie reichte gegenüber der übermächtigen französischen Artillerie auf den Côtes Lorraines und den Vorhöhen nicht aus, um den Angriff wirksam zu unterstützen. Die Bataillone erhielten daher den Befehl, sich in den erreichten Stellungen einzugraben. Landw.-Regt. 102 sollte auf Befehl der Division in Blanzée Anschluß an das Regt. 126 nehmen; es trat jedoch aus dem Wald von Grimau-court nicht heraus. Das Reservebataillon (I.) erhielt daher von der Division den Befehl, den Schutz der linken Flanke zu übernehmen.“


aus: „Das 8. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 126 „Großherzog Friedrich von Baden“ im Weltkrieg 1914-1918ׅ, Stuttgart 1929


Freitag, 26. Februar 2016

26. Februar 1916


„Die neue Stellung im Schönholz erforderte mit ihrem Ausbau viel Arbeit; denn was man in der Nacht vom 22./23. Februar und im Lauf dieses Tages geschaffen, damit war die Sache „nur zu Faden geschlagen“. Die gründliche Durchführung verlangte noch geraume Zeit viel Mühe und Schweiß und leider auch eine Anzahl von Blutopfern unter den Arbeitern. Denn die französische Artillerie nützte die Gelegenheit zu wirkungs-vollem Feuer gegen ihren vorläufig nur herzlich schlecht gedeckten deutschen Gegner.“


aus: „Das Württemberg. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 126 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Donnerstag, 25. Februar 2016

25. Februar 1916


„Am 22. Februar vormittags übernahm der Regimentskommandeur, der sein Quartier in einzelstehenden Häusern 1½ km nordwestlich Tenbrielen aufgeschlagen hatte, den Befehl über den Abschnitt. Mit der sorglosen Ruhe war es vorbei und jedermann war sich der schweren Verantwortung, die auf dem Regiment lag, bewußt. Die Division hatte mit ihrem Angriff am 14. abends den Engländer in seinem Winterschlaf jäh gestört und ununterbrochen brüllten jetzt seine Geschütze die Wut über die verlorene Stellung ins Land hinaus. In dem stolzen Gefühl, jeder Aufgabe gewachsen zu sein, fügte sich das bisher unbesiegte Regiment in seine neue schwere Aufgabe und keiner zagte, wenngleich sich die Verluste von Tag zu Tag häuften. Besonders erschütternd wirkte an Königs Geburtstag der Einschlag einer schweren Granate unmittelbar am Stollenaus-gang in den Bastionstrichter, wo Kohlenoxydgase in den stark besetzten Stollen eindrangen, 1 Offizier und 5 Mann töteten, sowie etwa 20 Mann bewußtlos machten. Immer neue Feuerstöße gingen über die Grabenbesatzung hinweg und mehr und mehr vertiefte sich der Eindruck, daß es sich weniger um den Ausgang der alten, als um die Einleitung neuer Kämpfe handelte. Bestärkt wurde man in dieser Auffassung durch zwei Angriffsversuche der englischen Infanterie, die am 26. abends beobachtet, aber im Keime erstickt wurden. Bis 27. früh hielt die 4. Kompagnie in der Bastion aus, während die Kompagnien sonst in zwei- bis dreitägigem Wechsel abgelöst wurden.“


aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

Mittwoch, 24. Februar 2016

24. Februar 1916


„Der große deutsche Angriff gegen die Verdunfront bereitete sich vor. Der Angriff auf dem Ostufer der Maas sollte begleitet werden durch eine gewaltige Artillerieschlacht auf dem Westufer, um feindliche Reserven zu binden und feindliche Artillerie, die nach dem Ostufer flankieren konnte, zu zerschlagen. Ein gewaltiges Leben setzte seit Ende Januar hinter unserer Front ein; Barackenlager entstanden in den Wäldern, Munitions-depots von ungeahnter Größe füllten die Trümmer von Bantheville, Förderbahnen krochen durch den Wald, und überall arbeiteten Armierungstruppen a Batteriestellungen und an Waldwegen. Die Nächte lebten; eine schwere Batterie nach der anderen hielt ihren Einzug im Wald von Montfaucon. Geschütz reihte sich neben Geschütz am Preußenweg, in der Wiesenschlänke.
Die Fahrer der Verpflegungsfahrzeuge wußten wieder alles aufs genaueste. Vauquois sollte erobert werden.
In der Stellung arbeiteten Infanterie und Pioniere Tag und Nacht am Ausbau schußsi-cherer Unterkünfte. Allein in T sollen schußsichere Unterkünfte für ein ganzes Bataillon neu geschaffen werden. Man ahnte es: Ausgangsstellungen für eine Angriffsunter-nehmung.
Immer wieder verzögerte sich der Beginn des Tanzes. Das Wetter war abscheulich; Regen, Schnee, Nebel den ganzen Tag; Dreck und Schlamm waren ärger denn je. Die Gräben fielen ein, die neuen Stollen ersoffen, trotzdem Tag und Nacht an den Pumpen gearbeitet wurde wie auf einem lecken Schiff.
Immer wieder mußte das „Konzert in Romagne“ (so hieß der Deckname für den Beginn der Artillerieschlacht) verschoben werden. Es waren kostbare Tage: schußbereit standen die Batterien; die Angriffsdivisionen lagen in weitem Kranz um Verdun; aber das Wetter war mit dem Feind verbündet. Hat er Wind bekommen von dem, was ihm droht? Sagen ihm seine Spione, seine Flieger, seine Ballons, das Auge und Ohr seiner Posten in Gräben und Fernwarten nicht, daß es in den Wäldern von Malancourt und Montfaucon nicht stimme? Hört er nicht bei Tag und Nacht Kraftwagenkolonnen auf der neuen Umgehungsstraße bei Montfaucon rattern? Wozu der Lärm, wozu die neuen Straßen, die Förderbahnhöfe, die Arbeit in den deutschen Stellungen?
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Überraschungsmoment durch die Ungunst der Witterung und vielleicht, wie wir oben argwöhnten, noch durch anderes verloren war, als endlich am 21. Februar, Schlag 8 Uhr vormittags, das „Konzert in Romagne“ begann.
Und dennoch schien der Feind überwältigt. Es war ein Konzert ohne Flöten und Geigen, nur schrille Dissonanzen und wilde Bässe – das ganze Waldgebiet von Montfaucon schien zu brodeln. Aus dem wirren Hämmern der Abschüsse lösten sich die Lagen, die schwirrend und singend über unsere Köpfe weg nach Süden und Südosten eilten. Sie stürzten sich hinein in den Hessenwald, hinüber nach Parois, Recicourt und Dombasle, die Bahnlinie zu sperren, die dort von Clermont nach Verdun führt und die Maasfestung mit dem französischen Hinterland verbindet. Die ganze Luft war erfüllt von einem unentwirrbaren Krachen und dumpfen Hämmern. Der Hessenwald dampfte von weißem Gischt der Einschläge, über Avocourt hingen schwarze Sprengpunkte, an den Lauf-gräben, die vom Eulenwald nach der Straße Avocourt – Esnes führten, stieg Erdfontaine neben Erdfontaine auf.
Tag und Nacht zischte, heulte und pfiff es über uns weg, ohne Pause. Allmählich antwortete auch der Franzose. Auch er hatte seine Kräfte verstärkt. Neben den Feuerüberfällen der Feldbatterien traten schwere Kaliber ins Gefecht, stürzten sich auf Montfaucon, auf Straßen und Wälder. Die Feldwachen vor Q und S wurden ein beliebtes Ziel dieser unheimlichen Gäste, die sich tief in den Boden wühlen, ohne Explosionsknall an den Grundfesten des Bodens rütteln.
Heftiger Artilleriekampf – das blieb das Kennzeichen der nächsten Wochen. Und immer dicker schienen auf beiden Seiten die Batterienester zu werden. So oft man in Stellung zog, glaubte man eine neue Batterie am Preußenweg, am Landwehrweg oder an der Wiesenschlänke zu finden – und immer gehässiger wurden die Feuerüberfälle der Franzosen bei Tag und Nacht. Die Nächte zuckten vom Blitz der Abschüsse weit in der Runde, und im Osten drüben stand feurige Lohe am Nachthimmel. Consenvoie, Brabant, Samogneux, Regniéville brannten. Wieder war der herrische Krieg aufgestan-den, hatte die Gräben verlasen, stürmte über Berg und Tal, Wälder zerpflückend und Dörfer in den Staub legend. Drüben auf dem Ostufer der Maas tobte die Schlacht um den Caureswald, um Louvemont und die Höhen bei Samogneux.“

aus: „Das Württembergische Landw.-Inf.-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

aus: „Die Württemberger im Weltkriege“, Stuttgart 1927

Dienstag, 23. Februar 2016

23. Februar 1916


„Während der Nacht ordneten die Kompagnien ihre Stellung und Verteilung wie folgt: Die 3./L. 126 und in diese eingeschoben die 4. dicht am Kanal. Nach Süden anschließend die 7. Kompagnie mit zwei Zügen der 8. Vor der Höhenkuppe die 6., die 3. und 2. Kompagnie. So begann man alsbald, sich einzugraben, Drahthindernisse und Telephonleitungen anzulegen. Die Arbeit ging flott von statten, da kam 1.30 Uhr nachts lautlos der Gegner angeschlichen. Im überraschenden Gegenstoß wollte er das verlorene Gelände wieder zurückgewinnen. Doch unsere Posten und Patrouillen vor der Front der arbeitenden Kompagnien waren wachsam. Auf ihre Alarmpfiffe hin flogen die Spaten zur Seite und die Gewehre zur Hand. Der Feind wurde abgewiesen.
Noch zweimal während der Nacht versuchte der Gegner, uns den Erfolg des Tages streitig zu machen. Er erreichte nichts und ließ 1 Offizier und 25 Mann vor unserer Front tot liegen. Überdies waren die Gräben, durch welche die Franzosen herange-kommen waren, nach Meldung der Patrouillen, voll von grausig zerfetzten Leichen. Das war das Werk der Artillerie, deren Feuer auf unsere Signale hin pünktlich eingesetzt hatte.
Bei den französischen Toten fanden wir übrigens nur ganz wenig Gewehre, dagegen alle Taschen gefüllt mit Eierhandgranaten.
Trotz aller Unterbrechungen der deutschen Arbeit war unser Graben bei Tagesanbruch am 23. Februar mehr als mannstief, verteidigungsfähig, mit Schutzschilden versehen, die M.-G. überall eingebaut. Davor zog sich ein Drahthindernis von 7 Meter Breite, stellenweise noch mehr. Am Abend des 23. Februar waren auch Fuchslöcher geschaf-fen, die einigermaßen Schutz gegen das französische Geschützfeuer boten. Das Regi-ment hatte bis zu deren Fertigstellung schwer unter diesem gelitten. Jetzt ließ auch die Feuerstärke nach; die deutschen Batterien bekämpften die französischen kräftig.
Die Kompagnien hatten während der anderthalb Tage seit Eroberung der Stellung vielfach bis zur Kniehöhe in Wasser und Sumpf gestanden, aber unverdrossen und siegesfroh durchgehalten. In der Nacht vom 23./24. Februar wurde das II./L. 126 durch II./L. 121 abgelöst und kam als Brigadereserve nach Illfurt, Tagolsheim und Lümsch-weiler.
Die Verpflegung, der Munitions- und Materialnachschub waren über die ganze Zeit gut vonstatten gegangen. Das wurde hoch anerkannt von all den Leuten, die am Hartmanns-weilerkopf in dieser Hinsicht ganz andere Erfahrungen gemacht hatten. Bei Heidweiler war eben alles wohl überdacht, wohl vorbereitet und klappte.
Die Telephonverbindung mußte bei dem lebhaften Feuer der feindlichen Geschütze fortwährend geflickt werden.
Die Verluste des Gegners waren anscheinend schwer; über 80 Gefangene – alle vom Regiment 462 – blieben in unserer Hand. Die eigenen Verluste betrugen an Toten 28 Mann, verwundet 4 Offiziere und 97 Mann.
Das I./L. 126 zusammen mit dem II./L. 126 blieben in der neuen Stellung und förderten ihren Ausbau mit Eifer, trotz des feindlichen Artilleriefeuers, das auch nach dem 23. Februar immer wieder mit Heftigkeit einsetzte. Die Zahl der Toten des Regiments wuchs dadurch für die Zeit des letzten Drittels vom Februar auf 29, verwundet waren 124 Mann.“


aus: „Das Württemberg. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 126 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Montag, 22. Februar 2016

22. Februar 1916


„Am 22. Februar hatte der Sturm auf die feindliche Stellung stattzufinden. Mit Leitung des Unternehmens war der Regimentskommandeur, Oberstleutnant Ströhlin, beauftragt. An Truppen standen ihm zur Verfügung des I. und II./L.-I.-R*. 126, ein Zug Festungs-M.-G. mit 7 Gewehren, eine M.-W.-K.* und zwei L.-P.-K.* 13.
Um 3 Uhr nachmittags begann das Vorbereitungsschießen der deutschen Artillerie, unter welcher sich auch schwere Mörser befanden. Das Feuer richtete sich gegen die feindlichen Gräben vor allem der ersten. aber auch der zweiten Linie im Schönholz, ferner gegen die angrenzenden Linien bis ins Lerchenholz. Gleichzeitig wirkten die M.-W. gegen die anzugreifenden Gräben.
Schlag 5 Uhr verlegte die Artillerie ihr Feuer als Sperre hinter die französische Front, die M.-W. beschossen noch weiter die zweite Stellung.
Genau um dieselbe Zeit, 5 Uhr, traten acht Sturmkolonnen des II. Bataillons mit ihren Spitzen von der Straße Niederspechbach – Aspach an, jede Spitze acht Infanteristen und 6 Pioniere stark, geführt von einem Offizier. Drei Sturmkolonnen der 5./L. 126, auf dem rechten Flügel, wandten sich gegen den zurückgebogenen Teil des Schönholzes zunächst beim Kanal. Die drei mittleren, 7. Kompagnie, gingen frontal gegen die vorspringende Mitte des Waldes. Zwei Sturmkolonnen von der 6. Kompagnie griffen die Südostecke des Schönholzes von halber Flanke aus an. Die 8. Kompagnie folgte als zweites Treffen hinter der 6. und 7. Kompagnie, die 4. hinter der 5. Das zweite Treffen hielt nach vorne enge Relaisverbindung und war stets bereit, den etwas stockenden Angriff weiter vorzutragen. Der Rest des I. Bataillons war teils linker Flankenschutz, gleichzeitig Feuerstaffel, teils Arbeitstrupp.
Die M.-G. waren auf die Kompagnien verteilt; zwei M.-G. unterstützten flankierend von Norden her den Angriff.
Ein Bataillon L. 121 bildete mit zwei Kompagnien die Brigadereserve, zwei Kompag-nien hielten den deutschen Graben, die Ausgangsstellung des Angriffs, besetzt. – Die Spitzen rannten über das freie Gelände, teilweise ziemlich steil bergauf vor bis an das feindliche Drahthindernis und erweiterten hier durch Zerschneiden zu breiten Gassen, was die Artillerie schon vorbereitet hatte.
Die Franzosen hatten unter dem Feuer der deutschen Geschütze und Minen mit den Hauptkräften die vorderste Stellung verlassen; nur schwache Reste waren zurück-geblieben. Diese leisteten kaum Widerstand und wurden von den deutschen Sturm-kolonnen überrannt. Die letzteren waren nämlich auf kurzen Abstand ihren Spitzen gefolgt, erhielten aber Flankenfeuer vom Lerchenholz her. Dadurch entstanden Verluste; auch setzte die französische Artillerie jetzt mit ihrem Feuer ein, aber weiter ging es, immer weiter. Das Flankenfeuer wurde bald niedergehalten durch die jetzt eingreifenden Teile des I. Bataillons, welche sich hinter dem linken Flügel des II. befanden. Der erste französische Graben wurde erreicht, einzelne Franzosen krochen aus den Unterständen heraus und hoben die Hände hoch. Sie waren augenscheinlich froh, den Aufenthalt im Feuer mit der Gefangenschaft vertauschen zu können.
Rasch wurde bei uns die Ordnung wieder hergestellt. Bezeichnend ist, daß ein biederer Schwabe einem Franzosen, der sich ihm gefangen geben wollte, sagte: „Ja, i hab kei Zeit für di, da gehst allein des Bergle nunter und meld’st di hinte.“
60 betrug die Zahl der Gefangenen. Die L. 126er aber stürmten weiter, hinweg über halbverschüttete Gräben, über zerschossene Baumstämme und herabgestürzte Äste, hinein – um 5.20 Uhr – in des Gegners zweite Stellung.
Hier kam es vielfach zum Einzelkampf mit Bajonett, ja mit dem Dolchmesser. Was vom Feind sich retten konnte, entfloh. Es trat die Gefahr ein, daß die tapferen Württemberger in ihrem Siegesdrang nachstürmend nach vorwärts durchgingen, trotzdem befehlsgemäß die zweite Stellung der Franzosen nur von Patrouillen überschritten werden sollte. Da gebot das Sperrfeuer der eigene Geschütze Halt; es lag unweit vorwärts eben dieser zweiten eigenen Stellung.“



aus: „Das Württemberg. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 126 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

* L.-I.-R.: Landwehr-Infanterie-Regiment, M.-W.-K.: Minenwerfer-Kompagnie, L.-P.-K.: Landwehr-Pionier-Kompagnie

Sonntag, 21. Februar 2016

21. Februar 1916


„Hier rückte am 21. Februar die 4. Kompagnie des Regiments ein, welche die Bastionsstellung mit allen Kräften in einen verteidigungsfähigen Zustand bringen sollte; dies erwies sich aber bald als eine undurchführbare Aufgabe. Jede Anlage fiel unrettbar dem englischen Feuer nach kurzer Zeit wieder zum Opfer, das man in solcher Stärke zuvor für unmöglich gehalten hätte. Erstmals rauschten die schweren Granaten aus den englischen Schiffsgeschützen über die Köpfe hinweg und schlugen in regelmäßiger Folge am Kanalknie ein. Nun sanken die Sandsackbauten, die polierten Stellungen zusammen, wie ein Kartenhaus, und nichts blieb übrig, als eine unübersehbare Kette von mit Wasser angefüllten Granattrichtern, aus denen die Trümmer der Grabenver-schalungen, Unterstände und Drahthindernisse herausragten. Die in der Sturmausgangs-stellung befindlichen betonierten Unterstände waren größtenteils den schweren Grana-ten zum Opfer gefallen und unbrauchbar; einzelne wenige hielten sich noch und nur in ihnen konnte die Besatzung trotz eindringenden Grundwassers einigermaßen Deckung finden. Völlig zerschossen sah es auch im Gebiet der vordersten Linie rechts der Bastion aus, wo von rechts nach links die 2., 1., 3. Kompagnie lagen. Die Linie war hier nicht einmal durchlaufend und des Feuers wegen mußte man auf jede Unterstandsarbeit verzichten, so daß die Leute ohne jede Deckung in den durchnäßten Gräben standen oder lagen. In der zweiten Linie und den Annäherungsgräben stieg das Grundwasser stündlich; weite Strecken waren verschüttet, die Entwässerungsanlagen zerstört, jede Arbeit bei Tage unmöglich. Unglücklicherweise ging das kalte und klare Wetter auch noch in Regen- und Schneestürme über, die zur Folge hatten, daß man teilweise bis zum Bauch im Wasser waten mußte.“


aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

Samstag, 20. Februar 2016

20. Februar 1916


„Es waren vorwiegend ältere Mannschaften der Fußartillerie, der Feldartillerie und der Marine, die sich in der alten Zeughauskaserne einstellten, um sich in den folgenden Tagen zunächst mit dem Fuß- und Geschützdienst, sowie mit dem Gewehr von neuem vertraut zu machen. Das Bataillon gehörte zur Kriegsbesatzung der Festung Ulm und beteiligte sich in der ersten Zeit seines Bestehens an der Armierung dieses Platzes, bis diese durch Gouvernementsbefehl vom 28. August 1914 eingestellt wurde. Sein erster Kommandeur war Major Riedel, dem Oberleutnant Ganzhorn als Adjudant zur Seite stand. Bereits Ende August wurde das Bataillon mobil und erfuhr, daß es zur Besatzung der belgischen Festung Namur zu treten habe, die am 24. August nach kurzer Belagerung kapituliert hatte. So kam schwäbische Landsturm-Fußartillerie früher als die meisten anderen schwäbischen Landsturmtruppen ins Feld. Am 10. September, 6.15 Uhr abends, fuhr das Bataillon in einer Stärke von 33 Offizieren und 633 Unteroffizieren und Mannschaften von Ulm ab. Am 16. traf es nach langer, umständlicher Fahrt über Heidelberg – Mannheim – Koblenz – Trier – Lüttich – Huy in Namur ein. Namur, am Zusammenfluß der Maas und der Sambre gelegen, war in den Jahren 1889 bis 1891 von dem belgischen General Brialmont, dem größten Kriegsbaumeister seiner Zeit, zu einer erstklassigen Festung ausgebaut worden. Neun Forts umgeben in weitem Kreis die Stadt. Nach dem Fall von Lüttich war diese belgische Festung vom XI. Armeekorps und dem Garde-Reservekorps von Norden und Osten her angegriffen und nach Zuziehung der schweren Artillerie aller Kaliber unter dem Befehl des Generals v. Gallwitz nach fünftägiger Belagerung genommen worden.
Hier blieb das Bataillon, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, mit andern Land-sturmtruppen zusammen als Kriegsbesatzung bis Juli 1917.“


aus: „Landsturm vor! Der mobile württembergische Landsturm im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart, 1929

Freitag, 19. Februar 2016

19. Februar 1916


„Um den Angriffsgeist der Truppe rege zu erhalten und um Gefangene zu machen, durch die man über die feindlichen Streitkräfte und deren Absichten Nähreres erfahren konnte, fand am 19. Febr. abends 7 Uhr eine größere Patrouillenunternehmung im Abschnitt Serre-Nord unter Leitung des Major Fleischmann und unter artilleristischer Beihilfe des Major Bornemann statt. Die beiden Unternehmungs-Abteilungen bestanden lediglich aus Freiwilligen aller Bataillone und der 4. Pionier-Komp. und setzten sich zusammen in die nördliche: Leutnant d. R. Riedel, 9 Unteroffiziere und 52 Mann und in die südliche: Leutnant Speer, 11 Unteroffiziere und 52 Mann.
In den vorhergehenden Tagen hatte sich die Artillerie, die Minenwerfer und Erdmörser in unauffälliger Weise auf die Einbruchstellen eingeschossen und kurz vor dem Unternehmen wurden die feindlichen Drahthindernisse durch Artillerie- und Minen-werferfeuer niedergelegt und dadurch der Weg für die Infanterie frei gemacht.
Die Abteilung Riedel fand den vordersten englischen Graben an einzelnen Stellen voll besetzt, an anderen fand sie viele Tote infolge des vorangegangenen Artilleriefeuers. Durch rasches Zugreifen gelang es ihr, sofort im vordersten Graben einige Gefangene zu machen, die schon 7.07 Uhr in unserem Graben waren und kurz nach 7.20 Uhr abends kehrte der größte Teil der Abteilung Riedel in den eigenen Graben zurück. Den feindlichen Graben hatte man mit Schlamm angefüllt angetroffen, so daß ein Begehen desselben unmöglich war. Da schon im ersten Graben genügend Gefangene gemacht worden waren, ging die Abteilung Riedel nicht darüber hinaus vor, sondern kehrte in die eigene Stellung zurück.
Die Abteilung Speer fand die gegenüberliegende feindliche Stellung unbesetzt, sie fand überhaupt keine Stellung mehr, sondern nur noch Spuren davon, alles war verschlammt und verschüttet. Im Zwischengelände befand sich Granatloch neben Granatloch, sehr häufig aber auch Trichter von Minen in einem Durchmesser von über 5 Meter und einer Tiefe von 3 Meter. Aus den rückwärtigen Gräben kam nur schwaches Feuer. Als von rechts her – Abt. Riedel – das Signal zum Rückmarsch gehört wurde und man wußte, daß dort Gefangene gemacht worden waren, zog sich auch die Abteilung Speer nach der eigenen Stellung zurück.
Es wurden 1 leicht verwundeter Unterleutnant, 10 unverwundete, 2 verwundete und 1 toter Engländer eingebracht. Außerdem an Beute 4 Gewehre, zahlreiche Ausrüstungs-stücke und Briefschaften, sowie eine vorzügliche Fliegerskizze von unserer Stellung.
Die Gefangenen sagten übereinstimmend aus, daß ihre Gräben in einem geradezu trostlosen Zustand seien. Dies bestätigte sich durch folgende Begebenheit bei der Abteilung Riedel: „Einige Leute verfolgten 2 Engländer im Graben. Ein Mann stach einen Engländer nieder, der sofort im Schlamm versank. Es war von ihm überhaupt nichts mehr zu sehen. Der andere Engländer ergab sich hierauf.“
Das Gelingen der Unternehmung ist dem Schneid der Sturmabteilungen, der guten Führung durch die Leutnants Riedel und Speer, der vortrefflichen Wirkung der Artillerie und Minenwerfer, der ausgezeichneten Anlage durch Major Fleischmann, sowie dem vorzüglichen Ansetzen der Artillerie durch Major Bornemann zu danken. Beide Führer kehrten unversehrt und siegesfroh in die eigenen Schützengräben zurück, aber der Krieg hatte für beide noch ein schweres Los bestimmt, Leutnant d. R. Riedel fiel vor dem Feinde und Leutnant Speer verlor einen Arm und mußte frühzeitig dem ihm so lieben Soldatenberuf entsagen.
Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften: 2 tot, 3 schwer verwundet, 7 leicht verwundet und 1 vermißt.“

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Donnerstag, 18. Februar 2016

18. Februar 1916


„Am 16. vormittags löste II./120 die vorderste Kampftruppe ab, die Sturmkompagnien kamen von Kortewilde zurück und die 5., 8., 9. und 10./124 rückten dorthin ab.
Am 17. morgens wurde abermals ein feindlicher Angriff abgewiesen. Von 6 Uhr vormittags ab konnte die Bastion durch den Minengang gedeckt erreicht werden. Sonst verlief der 17. und 18. ohne besondere Störungen. 3 Uhr nachmittags zerstörte der Gegner durch Artilleriefeuer die neuangelegten Gräben auf der Bastion, bei der 11. und 12. Kompagnie traten Verluste ein.
Der Ausfall des Regiments betrug:
am 14. Februar:
41 Tote, darunter Leutnant Olbrich, Leutnant d. R. Frank und Denser, 148 Verwundete, darunter Oberleutnant d. R. Weitbrecht, Leutnant d. R. Salenbauch, Bausch und Kaubisch, 17 Vermißte;
am 15. Februar:
20 Tote, darunter Hauptmann d. R. Reymann, 53 Verwundete, darunter Leutnant d. R. Schmidt und Lieb, 4 Vermißte;
am 16. Februar:
3 Tote, 4 Verwundete;
am 17. Februar:
1 Toter, 2 Verwundete;
am 18. Februar:
10 Tote, darunter Leutnant Schulze, 22 Verwundete, 4 Vermißte.
Gefangen wurden über 100 Engländer, mehrere M.-G. erbeutet.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

Mittwoch, 17. Februar 2016

17. Februar 1916


Während das Regiment im Laufe des Monats Februar sich vollkommen in seinem Abschnitt eingelebt hatte, mußte sein II. Bataillon nach noch nicht ganz vierwöchentlicher Ruhe wieder hart kämpfen. Zunächst war es Anfang Februar an den Vorbereitungsarbeiten für einen Sturm in dem Abschnitt der 53. Brigade beteiligt. Nach erfolgreicher Durchführung des Angriffs am 14. Februar, der das Regiment 124 in den Besitz der dicht nördlich des Kanals Ypern – Menin gelegenen „Kanalbastion“ setzte, wurde das Bataillon mit kurzen Unterbrechungen 20 Tage lang zur Abwehr feindlicher Gegenangriffe und zu Schanzarbeiten in der gewonnenen Stellung eingesetzt und hat diese oft unter schweren Kämpfen restlos gehalten bis zu seiner endgültigen Ablösung. Die Rückkehr in den Verband des Regiments erfolgte am 7. März.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württemb.) Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1922

Dienstag, 16. Februar 2016

16. Februar 1916


Hepp, Johann, Bäcker, Alexius Sohn, erhielt in Weingarten beim Ers.-Bat. I.-Reg. 124 vom 6. 8. 14 seine Ausbildung und kam Ende Oktober 14 zur 6. Komp. des Regiments nach dem Westen. Dort stand er in Kämpfen in den Argonnen und vom Januar 16 vor Ypern, wo er 16. 2. 16, 22 J. alt, bei einem Sturmangriff den Heldentod erlitt. Noch abends zuvor hatte er sich mit Eduard Rapp von der 5. Komp. über die Heimat unterhalten, aber trübe Ahnungen für die kommenden Tage erfüllten sein Herz. Er ruht auf dem Soldatenfriedhof bei Kortewilde. Die fehlende Hilfskraft im Bäckerei-betrieb zu Hause ersetzte seine Schwester Ottilie, welche 2. 4. 18 in Saulgau die Prüfung als Bäckergeselle, und zwar als erster weiblicher Bäckergeselle des Bezirks Saulgau, ablegte.“


aus „Das Eiserne Buch der Stadt Mengen“, Mengen 1924

Montag, 15. Februar 2016

15. Februar 1916


„Gegen Mitternacht setzte der Gegner mit stärkstem Artilleriefeuer ein, das sich gegen 12.45 Uhr vormittags zum Trommelfeuer steigerte. 12.50 Uhr vormittags lief der Gegner zweimal gegen die ihm entrissene Stellung an, vergeblich, er wurde überall abgewiesen, teilweise im Nahkampf mit Handgranaten. Hier fiel Leutnant d. R. Frank 6./124. 1.40 Uhr vormittags ließ das Feuer auf die vorderen Stellungen nach, in das Hintergelände, besonders auf die Kanalbereitschaft, dauerte es bis 8 Uhr morgens. Auf letztere Stellung fielen allein 600 schwere Schuß.
Nach dem Abflauen des Artilleriefeuers wurde auch der Rest des II./120 in die Kanalbereitschaft nachgezogen, da Nachschub aller Art dringend Kräfte erforderte. Seit 1 Uhr nachts hatte sich das bisher gute Wetter verschlechtert, erst kam Sturm und Regen, dann heftiger Schneefall und Frost, so daß die Truppen vorderster Linie, die ungeschützt in der Nässe lagen, stark unter der Ungunst des Wetters zu leiden hatten. Am späten Vormittag wurde, vom Gegner fast ungestört, die Sturmmannschaft abgelöst und rückte zur kurzen Erholung nach Kortewilde. 10 Uhr vormittags wurde Hauptmann d. R. Reymann bei Aufräumungsarbeiten an einem englischen Hindernis durch ein Infanteriegeschoß tödlich getroffen.
Die auf der Bastion neu eingesetzte 9. und 10./124 waren tagsüber von allem abge-schnitten, da es der Mineurkompagnie noch nicht gelungen war, den Minengang als gedeckte Annäherung aufzuräumen. Ein offenes Vorgehen war wegen der Flankierung von der kleinen Bastion am anderen Kanalufer nicht möglich.
Am 15., 6.25 Uhr nachmittags begann der Gegner mit schwerer Artillerie unter Fliegerbeobachtung sich auf die Kanalbereitschaft einzuschießen. Kurze Zeit darauf zerstörte ein Volltreffer vor dem Regimentsgefechtsstand alle Leitungen und warf die innere Einrichtung der Fernsprechvermittlung durcheinander, mehrere Mannschaften wurden getötet, 2 Offizier verwundet. Auf längere Zeit war die Verbindung nach allen Seiten gestört, vollständig konnte der Betrieb überhaupt nicht wieder hergestellt werden, da die Kabel zum Teil in der Erde, zum Teil im Kanalbett lagen, ihr Auffinden erforderte lange Zeit und konnte bei der Beschießung nicht vorgenommen werden.
Gegen 10 Uhr abends setzte abermals starkes Artilleriefeuer ein, das bis zum Trommelfeuer anschwoll, fortgesetzte Infanterieangriffe folgten. Unser energisch einsetzendes Sperrfeuer unterstützte die Infanterie hervorragend in der vollständigen Abwehr. Bis 7.15 Uhr vormittags unternahmen die Engländer dauernd Vorstöße, die aber bei der zähen Abwehr unserer Leute alle vergeblich waren, beim letzten Vorstoß wurde Leutnant d. R. Lieb 5./124 durch eine Handgranate schwer verwundet.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

Sonntag, 14. Februar 2016

14. Februar 1916


„10.30 Uhr vormittags hatte der Regimentsstab den Gefechtsstand in der Kanalbereit-schaft bezogen und Oberst Haas das Kommando in der Stellung übernommen.
4.30 Uhr nachmittags setzte Artillerie- und Minenwerferfeuer zum Sturmreifmachen der feindlichen Gräben ein, die gegnerische Artillerie antwortete sofort lebhaft, belegte aber die vordere Linie nicht.
5.10 Uhr nachmittags schossen von der Bastion die englischen M.-G. noch lebhaft, die schwere Artillerie nahm die Stellungen vermehrt unter Feuer.
Von 6–6.30 Uhr nachmittags steigerte sich das Feuer zum Trommelfeuer. Nachdem verlegten Artillerie und Minenwerfer ihr Feuer allmählich weiter feindwärts, der Gegner antwortete sofort mit Sperrfeuer hinter unsere zweite Linie,
Die Sturmtrupps begannen ihre Bereitstellung, 6.45 Uhr nachmittags erhielt das Regiment die Meldung, es sei alles bereit.
Im letzten Augenblick noch wurde der Sturmtrupp des Leutnants Olbrich, 6./124, durch einen zu kurz gehenden Schuß eines 21 cm-Mörsers außer Gefecht gesetzt. Leutnant Olbrich und 6 Mann waren tot, der Rest verwundet. Der Reservesturmtrupp trat dafür ein.
Dieses Bereitstellen der Sturmtrupps auf die Minute trotz des trommelfeuerartigen Sperrfeuers der Engländer verdient für Führer und Mannschaften höchstes Lob.
Von 6.57–6.59 Uhr gingen die drei Sprengungen hoch. Auf der Bastion und weiter rechts glückten sie, an der dritten Stelle versagte die Zündung.
Punkt 7 Uhr abends brachen ungeachtet der noch niederfallenden Erdmassen und des feindlichen Abwehrfeuers die Sturmtrupps los, die rückwärtigen Wellen rückten nach. Hierbei zeichnete sich besonders Hauptmann d. R. Bammert mit der 8./214 aus. Unter den größten Anstrengungen mußte die feindliche Sperrfeuerzone durchschritten werden, die Kompagnie kam aber zeitgerecht an ihren befohlenen Platz.
7.05 Uhr abends war die erste feindliche Linie genommen. Bei der 6./124 zeichnete sich Vizefeldwebel Weiß mit seinem Sturmtrupp besonders aus, durch Wegnahme eines englischen M.-G.s, ebenso der Gefreite Kern von Ravensburg, der den verwundeten Sturmtruppführer ersetzte und, obwohl selbst verwundet, umsichtig und entschlossen weit über das gesteckte Ziel vorstieß.
Bei Punkt 13 wehrte sich ein englisches M.-G. verzweifelt, der tapfere Sturmtruppführer Vizefeldwebel Fischer, 7./124, fand beim gewaltsamen Vorstürmen den Heldentod.
7.32 Uhr abends war überall das gesteckte Ziel erreicht mit Ausnahme des Punktes 13, die 12./124 auf der Bastion dagegen hatte ihr Ziel überschritten. Hier hatte sich wieder der Gefreite Friedrich Goral ausgezeichnet, indem er weit voraus jeden Widerstand mit Bajonett und Handgranate brach.
Zum Ausbau der eroberten Stellungen und zum Graben der Verbindungen wurden Verstärkungen vorgeschickt, hierbei wurde Oberleutnant d. R. Weitbrecht durch einen Infanterieschuß schwer verwundet.
Von Kortewilde wurde der Bataillonsstab und 6. und 8./120 in die Kanalbereitschaft nachgezogen.
8.25 Uhr abends erreichte Leutnant d. R. Denser mit 2 schweren M.-G. in unerschrok-kenem Vorgehen die Bastion, um bei feindlichen Gegenstößen zur Abwehr rechtzeitig zur Stelle zu sein. 10 Uhr abends traf den heldenmütigen Führer ein tödlicher Infanterie-schuß.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

aus: „Schwäbische Kunde aus dem großen Krieg“, Stuttgart 1921

Samstag, 13. Februar 2016

13. Februar 1916


„Da nicht alle Verwundeten und Kranken in den Lazaretten des Feldheers bis zur Genesung behandelt werden können, und selbst im ruhigen Stellungskrieg die Feld-lazarette immer wieder entleert werden müssen, waren Krankenhäuser in der Etappe und Heimat, Transportmittel, um die Kranken dort hin zu bringen, ferner Arzt und Pflege-personal erforderlich. Aus diesem Bedürfnis erwuchs die große Organisation des Etappen- und Heimat-Sanitätsdienstes, dessen Gliederung in kurzen Zügen folgende ist: Die Armee war diejenige Einheit, deren Arbeitsgebiet von der Front bis in die Etappe hineinreichte, während der Dienstbereich des Armeekorps vor der Etappengrenze endigte. Krankenverteilung und -Abschub, Materialnachschub im Armeebereich regelte der Armeearzt. Ihm unterstand der Etappenarzt für die besonderen Einrichtungen der Etappe, er veranlaßte die Einrichtung der Krankensammelstellen durch die Kranken-transportabteilung, forderte die nötigen Lazarettzüge beim Chef des Feldsanitätswesens an, und verfügte die Einrichtung der Kriegslazarette, Seuchenlazarette, Leichtkranken-abteilungen, Genesungsheime usw.“


aus: „Das Sanitätswesen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1924

Freitag, 12. Februar 2016

12. Februar 1916


„Das Stellungsgelände, in dem das Regiment eingesetzt war, bot der gegnerischen Luftaufklärung und Schußbeobachtung aus der Luft sehr günstige Anhaltspunkte durch Kanal und Bahnlinie. Die Stellungen waren daher bei der stets sehr regen feindlichen Fliegertätigkeit auch der Artilleriebeschießung besonders ausgesetzt. Die Gegend des Kanalknies, die Annäherungsgräben entlang der Bahn nach Höhe 60, die an diesem Wege liegenden Bereitschaften von Inf.-Reg. 127, die Bereitschaften am Kanal, weiter vorne die zweite Stellung der Infanterie bei Handgranaten-Ecke, Kampe- und Fasanerie-Geschütz und besonders der Dammzug und Kanalbatterie erhielten fast täglich Feuer. Bei Kampe-Beobachtung fiel am 12. Februar der Kanonier Wanner der 1./49 durch eine feindliche Gewehrgranate. Die Stellung der Kanalbatterie zeigte sich als besonders ungünstig, weil die in nächster Nähe liegenden Infanteriebereitschaften unter dem Feuer auf die Batterie zu leiden hatten. Es wurde deshalb die Beschränkung dieser Feuer-stellung auf zwei Geschütze angeordnet, während die anderen vier Geschütze, von 3./49 gestellt, anfangs Februar eine neue Stellung dicht östlich Klein-Zillebeke zu beziehen hatten. Dieser Batterie lag gleichzeitig die Besetzung der linken Beobachtungsstelle auf Höhe 60 ob.“



aus: „Das 3. Württembergische Feldartillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

Donnerstag, 11. Februar 2016

11. Februar 1916


„Es lag deutscherseits die Absicht vor, die Franzosen vom Waldrand im Schönholz südlich des Kanals zu vertreiben und die eigene Stellung in den Wald hinein vorzu-schieben. Als Vorbereitung hiezu wurden anfangs Februar die Pioniere, Artillerie und M.-G. im Regimentsabschnitt zunächst einmal vermehrt. Die Artillerie schoß sich auf alle in Betracht kommenden Ziele ein. Dann begann das Regiment mit den Pionieren gemeinsam, gegen Schönholz und Lerchenholz Sappen vorzutreiben.
Wiederholt wurden dem Gegner deutsche Angriffsabsichten vorgetäuscht. Konnten dann unsere Offizierpatrouillen feststellen, daß die Franzosen ihre Gräben stark besetzt hatten in Erwartung des Angriffs, dann legte die deutsche Artillerie auf die entsprechen-den Zeichen hin los mit einem Feuerüberfall in die feindlichen Gräben hinein. Das wurde insbesondere am 11. und 13. Februar mit gutem Erfolg durchgeführt, aber auch später wiederholt mit allmählichem Abflauen der Sache, um des Gegners Eifer abzu-schwächen.“


aus: „Das Württemberg. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 126 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Mittwoch, 10. Februar 2016

10. Februar 1916


„Von Zeit zu Zeit unterstützten unsere Batterien kleinere Unternehmungen der Infan-terie. Meist war aber der zu fangende Vogel ausgeflogen, da der Tommy sofort die bedrohten Grabenstücke räumte.“


aus: „Das 2. württ. Feldartillerie.-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold von Bayern“ im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Dienstag, 9. Februar 2016

9. Februar 1916


Landsturmmann Josef Rieger
26. Land.-Div., Landw.-Inf.-Rgt. 123, 3. Rekrutendep.
gestorben 9. Februar 1916
Der ledige Bauschlosser Josef Rieger, wohnhaft Karlstraße 16, ist hier geboren am 3, November 1887 als Sohn des Schlossermeistes Josef Rieger und der Rosina, geborene Knor. Er lernte und arbeitete im väterlichen Betrieb und war den Seinen eine tüchtige und notwendige Hilfskraft. Am 6. März 1914 hat er in Ulm a. D. die Meisterprüfung mit gutem Erfolg abgelegt.
Am 15. Januar 1915 wurde er zum Landwehr-Inf.-Regiment nach Ravensburg einge-zogen, erlitt eine schwere Dienstbeschädigung (Bruch), war zur Heilung 6 Wochen im Lazarett, Gesellenhaus Ravensburg, tat wieder Garnisonsdienst bis 15. Juli 1915, an welchem Tage er zur Arbeit in seinem Beruf im Motorenbau Friedrichshafen beurlaubt wurde. Der 15. Januar 1916 rief ihn zum Landwehr-Infanterie-Regiment 123 nach Ravensburg zurück. Aufs neue erkrankte er an seinem Bruchleiden am 5. Februar, wurde am 7. genannten Monats operiert und starb am 9. im Gesellenhaus Ravensburg für das Vaterland. Im Heimatfriedhof Weingarten hat er sein Grab. Stadtgemeinde, Ersatz-Bataillon des Infanterie-Regiments 124 und städtische Vereine gaben ihm das Ehrengeleite.“


aus: „Schwäbische Helden Weingarten (in Wttbg.) im Weltkrieg“, Stuttgart 1920

Montag, 8. Februar 2016

8. Januar 1916


„Die Jahreswende 1915/16 brachte die Wiedervereinigung des Generalkommandos XIII mit seinen beiden württembergischen Divisionen, die aus Serbien (26. Infanterie-Division) und von den Argonnen (27. Infanterie-Division) angelangt waren, im Bereich der 4. Armee (Herzog Albrecht von Württemberg) an der Ypernfront. Korps-Hauptquartier war Welveghem. Mittelpunkt der Verpflegungstätigkeit, die bezüglich des Kolonnenverkehrs wiederum vom Generalkommando einheitlich für beide Divisio-nen zusammengefaßt wurde, war Menin, wo zunächst Korpsproviantamt, Bäckerei und Schlächterei mit Wurstfabrik, weiterhin Materialdepot und Marketenderei eingerichtet wurden; dazu trat in Halluin eine Waschanstalt und ein Sägewerk. Als Nachfolger des Oberint.-Rats Köstlin übernahm die Stelle des Korpsintendanten Int.-Rat Dreiß, dem im April 1916 Int.-Rat Reiff folgte. Die 27. Infanterie-Division, deren Stab in Menin lag, hatte in Wervicq das Divisions-Proviantamt mit Ausgabestellen und die Bäckerei mit steinernen Backöfen in Betrieb gesetzt, sowie ein Durchgangsmagazin für vorüber-gehend anwesende Kommandos. Kaum war dieses angelegt, so erfolgte starke feind-liche Beschießung, wodurch wiederholt eines der Magazine vernichtet wurde; daher wurde ein Teil der Ausgabestellen nach dem nahen Coucou verlegt.
Anlaß zu besonders verantwortungsvolle Tätigkeit gab die gebotene Fürsorge für den Lebensunterhalt der anwesenden Zivilbevölkerung und die Aufsicht über die finan-ziellen Verhältnisse der Gemeinden, sowie über die wirtschaftliche Verwendung aller Landesvorräte. Auch die Einschränkung der Zahl und die genaue Regelung der Entlohnung der als Zivilarbeiter verwendeten Landesbewohner in den vom Armeekorps eingerichteten Betrieben wurde notwendig, so bei den technischen Militärbetrieben in Halluin – Spinnerei, Weberei, Schlosserei, Schreinerei und Stellmacherei –, ferner bei den Arbeiten der Ortskommandanturen innerhalb der Gemeinden und bei den Verladungsarbeiten der Trainkolonnen und Magazine. Aufs strengste wurde überwacht, daß die für die Bevölkerung errichteten Verkaufsstellen und Geschäftshäuser des spanisch-amerikanischen Hilfskomitees von keinem Heeresangehörigen in Anspruch genommen wurden, um der feindlichen Behauptung, diese Stellen würden für die Verpflegung der deutschen Armee ausgenützt, den Boden zu entziehen. Die Erhebung von Zwangsauflagen, Steuern und Abgaben in den besetzten Gebieten und deren Verwendung – in erster Linie zur Deckung der Kosten der Landesverwaltung – behielt sich das Armeeoberkommando bzw. der Generalquartiermeister vor.
Durch die ganze Verwaltung ging jetzt der Grundzug größter Sparsamkeit und Rücksichtnahme auf die schwierigen Verhältnisse in der Heimat. Zur Verhinderung von Mehr- und Doppelempfängen der Truppen, für die bei ihnen andauernd Neigung bestand, setzte scharfe Kontrolle ein. Die Fleischportion wurde auf 320 g, später auf 250 g ermäßigt, auch ein fleischloser Tag eingeführt; die Kartoffelportion auf 500 g festgesetzt und Zuschüsse, wie Eier und Wein, auf die Truppen in vorderer Linie und auf besondere Fälle, z. B. anläßlich des Sturmes auf die Doppelhöhe 60 im Juni 1916, beschränkt. Die Rationssätze für alle „nicht schweren“ Pferde betrugen 3 kg Hafer, 1,5 Heu und 2,5 Stroh. Jede Benützung von Stroh zu Streu- oder Lagerzwecken wurde streng verboten; hierfür gab es Torfmull und Sägmehl, bzw. Holzwolle. Die Tabakwaren als Teil der Feldkost für Offiziere und sonstige Gehaltsempfänger kamen in Wegfall. Die Ablieferung von Eiern und Butter seitens der Gemeinden gegen Bezahlung wurde genau geregelt. Vermehrte Ackerbestellung, besonders Hafer-, Kartoffel- und Gemüseanbau wurde im ganzen Bereich veranlaßt; nur dem feindlichen Feuer dauernd ausgesetzte Grundstücke durften brach liegen. Die nötigen Zivilarbeiter wurden unter Aufsicht der Kolonnenmannschaften beschäftigt und hiezu über die Arbeitswoche gemeinschaftlich in Wirtschaftshöfen untergebracht. Jeder Divisionsbereich war in mehrere Landwirtschaftsbezirke eingeteilt, unter Aufsicht der Ortskommandanten und sachverständiger Offiziere und Unteroffiziere; in den Bezirken wurden Ortsausschüsse unter Heranziehung geeigneter Einwohner gebildet. Die Oberaufsicht lag in der Hand einer aus dem Divisionsintendanten und mehreren landwirtschaftlichen Sachverstän-digen gebildeten Kommission. Die Ernte 1916 im Gebiet des XIII. Armeekorps wurde auf 2 300 t Weizen, 5 000 t Hafer, 1 500 t Heu und 17 000 t Heu Stroh geschätzt; hievon wurde ein Teil für die Ernährung der Einwohner und ihrer Viehbestände verwilligt.
Rückführung von Altmaterial, wie Gummi, Metall, Kork, Packkisten usw., ferner von ausgetragenen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken und Leibwäsche erfolgte in die Sammelstellen der Etappe in Menin und Bahnhof Wervicq. Der Rückleitung an die Hauptsammelstelle der Kriegswirtschafts-A. G. ging Desinfektion bzw. Entlausung voraus in einer der zahlreich für das Armeekorps eingerichteten Anstalten, „Lausoleum“ genannt! Alle Tierhäute aus den streng geregelten Schlachtungen für die Zivilbevöl-kerung mußten, wie dies seitens der Militärschlächtereien schon seit 1914 geschah, an die Kriegsleder-A. G. abgeliefert werden.
Für die Vorführung der Lebensbedürfnisse von den Magazinen zu den Truppen war eine Förderbahn gebaut worden, die mit Gleisanschluß an die Hauptbahn bei Menin-Wervicq versehen war und über Gheluwe – Klytmolen – America – Tenbrielen bis Zandvoorde und Kortewilde Munition, Verpflegung und Post nach den vorderen Stellungen brachte. In den Unterständen der I. Stellung und in den Bereitschaftsunterkünften, die vorwärts der III. Stellung lagen, wurde für unvorhergesehene Störungen des Nachschubs dauernd eine zweitägige Verpflegung für die Besatzung in eisernen Portionen, sowie Trink-wasser bereitgehalten. Mineralwasser lieferte die Etappe; ferner stellte die vom XIII. Armeekorps errichtete Sodawasserfabrik in Menin täglich bis zu 3 000 l her. Zur Ernährung der im besetzten Gebiet beschäftigten russischen Gefangenen wurde das Fleisch der Pferdeschlächterei Welveghem verwendet und, soweit es hiefür nicht erfor-derlich war, an die Einwohner verkauft.“


aus: „Feldverwaltung, Etappe und Ersatzformationen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1925
Bild: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand M 708

Sonntag, 7. Februar 2016

7. Februar 1916


Gefreiter Friedrich Schmid
XIII. Armeek., 27. Div., Inf.-Rgt. 124, 1. Komp.
gefallen 7. Februar 1916
Der ledige Pferdebauer Friedrich Schmid ist der einzige Sohn des früheren Landwirts und derzeitigen Privatiers Adolf Schmid, wohnhaft Spitalstraße 1 hier, und dessen Ehefrau Maria, geborene Haag. Er ist geboren am 6. Oktober 1890 zu Stroppelhof, Gemeinde Wolpertswende O.-A. Ravensburg. Nach Entlassung aus der Volksschule betätigte er sich als Stütze seiner Eltern in deren landwirtschaftlichem Betrieb und besuchte zwei Winter die landwirtschaftliche Winterschule in Ravensburg. Im Jahre 1911 verkauften die Eltern ihr Hofgut und zogen von Stroppelhof hierher. Friedrich Schmid genügte von 1911 bis 1913 seiner Militärdienstpflicht beim hiesigen Infanterie-Regiment 124, in der 6. Kompagnie. Hernach war er in Stellung an der Fürstlich Wolffegg’schen Domäne, namentlich in dortiger Pferdestallung und an der Fohlen-weide. Als zuverlässiger, nüchterner und herzensguter Mensch war er allgemein beliebt. Am 2. August 1914 zog er mit seinem Regiment zum Kampfe aus, stand in den Argon-nen, bei Verdun und Ypern und erfüllte auch als Soldat treu seine Pflicht Die silberne Verdienstmedaille schmückte seine Brust. Bei Ypern war es, wo ihm ein feindlicher Granatschuß (Genickschuß) die Hauptschlagader am Hals zerriss, am 7. Februar 1916, und ihn sofort tötete. Im dortigen Soldatenfriedhof liegt er auch begraben, tief beklagt von den betagten Eltern.“


aus: „Schwäbische Helden Weingarten (in Wttbg.) im Weltkrieg“, Stuttgart 1920

Samstag, 6. Februar 2016

6. Februar 1916


„Großes Hauptquartier, 6. Febr.
Kleinere englische Abteilungen, die südwestlich von Messines und südlich des Kanals von La Bassée vorzustoßen versuchten, wurden abgewiesen.“


aus: „Schwäbisches Kriegstagbuch“, Stuttgart 1916

Freitag, 5. Februar 2016

5. Februar 1916


„Vor allem standen zum Schanzen die Rekrutenkompagnien zur Verfügung, deren kriegsmäßige Ausbildung hierdurch natürlich wesentlich geschädigt wurde, ferner das IV. Batl. Landw.-Inf.-Rgts. 75, das aber am 4. Dezember zu anderer Verwendung abbe-rufen wurde. Die Bremer Landwehrleute hatten seit April 1915 der 26. R. D. wertvolle Dienste geleistet. Sie hatten insbesondere die Feste Alt Württemberg geschaffen, wovon ein Modell der Kriegsausstellung in Stuttgart überwiesen wurde, das aber leider dort verschwunden ist. Zum Schanzen wurden ferner vorübergehend überwiesen zwei Bataillone des XVIII. A. K. von Schenck, III./115, II., später III./117.“


aus: „Die 26. (Württembergische) Reserve-Division im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1939

Donnerstag, 4. Februar 2016

4. Februar 1916


Josef Buck
MUSK. REKR. DEP. E. B. 120.                                                                     4. FEBRUAR. 1916
Geb. 5. 4. 96 in Eglofs, Sohn des Oberlehrers, Sem. Saulgau 1915, U.-Lehrer in Fried-richshafen und Schwörzkirch, erkrankte während seiner militärischen Ausbildungszeit in Münsingen und starb schon nach drei Tagen im dortigen Barackenlazarett. Er ruht in seiner Heimat in Eglofs. Buck, musikalisch sehr gut begabt, „war nicht nur ein treuer Soldat seines irdischen Königs, sondern ebenso sehr ein überzeugungstreuer Soldat im Dienste Gottes. Als junger Lehrer trug er in Ehre die Fahne eines Christen und die Uniform eines treuen Sohnes seiner Kirche und gebrauchte tapfer die Waffen eines Katholiken, Glaube, Gebet und Sakrament.“


aus: „Ehrenbuch der im Weltkrieg gefallenen kath. Lehrer Württembergs“, Biberach an der Riß 1927

Mittwoch, 3. Februar 2016

3. Februar 1916


„Seit Ende August 1914 hatte sich die Zahl der gefallenen Unteroffiziere und Pioniere um 15, die der verwundeten um 26 vermehrt. Aber auch Taten größter Aufopferungs-fähigkeit ereigneten sich in diesem Zeitraum: Am 3. Februar 1916 wurde bei einer englischen Sprengung der Pionier Müller verschüttet und ein bayerischer Pionier im Stollen eingeklemmt und rief um Hilfe, die ihm ein zugeteilter Infanterist bringen wollte. Vizefeldw. Storz eilte mit den Gefr. Schirmer und Hut sowie dem Pionier Vettorazzi sofort herbei und konnten den inzwischen bewußtlos gewordenen Infante-risten noch retten, während bei dem Pionier Müller und seinem bayerischen Kameraden trotz angestrengtester Bemühungen eine Rettung nicht mehr möglich war. Vizefeldw. Storz und Gefr. Hut erlitten selbst leichte Gasvergiftung.“


aus: „Das Württembergische Pionier-Bataillon Nr. 13 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Dienstag, 2. Februar 2016

2. Februar 1916


„Der Kampfabschnitt des Regiments erstreckte sich zunächst von der vorgenannten Eisenbahnlinie über Höhe 60 hinweg in nordöstlicher Richtung, überschritt die Reste des ehemaligen Dorfes Zwarteleen, an das kaum mehr einige Ziegel erinnerten und führte dann in ein kleines Wäldchen. In diesem als eine Art von Lichtung einspringend lag die „Saubucht“. Kein schöner Name, ebenso wenig wie derjenige des nahe befindlichen „Stinkgrabens“. aber es war eben einmal eine „Saubucht“ und von unserer Vorgängern so getauft, denn der Gegner schoß in diesen Winkel „saumäßig“ herein. Auch die Unterstände selbst dort konnten, wenn einmal das morastige Wasser wieder hereinströmte, sehr wohl als eine „Saubucht“ bezeichnet werden. Sodann lief der Abschnitt des Regiments, der für 4 Kompagnien bestimmt war, noch ein klein wenig weiter über das Feld und schloß in der Nähe der „Granatferme“ an das Infanterie-Regiment Nr. 120 an. Südwestlich der Bahn Comines – Ypern war zunächst die 53. Infanterie-Brigade, nördlich an die 54. Infanterie-Brigade anschließend die 26. Infanterie-Division.
Der Gegner benutzte hier sehr schwere Kaliber, vor allem auch Marinegeschütze, mit denen man hier oben zum erstenmal Bekanntschaft machte. Seine „Kugelminen waren recht wirksam. Gewehrgranaten wurden von ihm zur Beunruhigung des Gegners zahlreich verwendet. Merkwürdigerweise war die Artillerietätigkeit der Engländer bis gegen 10 Uhr morgens sehr gering. „Tommy“ schien zuerst baden und gut frühstücken zu müssen. Dafür holte er dann im Verlaufe des Tages alles Versäumte pünktlich nach.“


aus: „Das neunte Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 127 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Montag, 1. Februar 2016

1. Februar 1916


„Einen besonderen Anziehungspunkt für Freund und Feind bildete das sogenannte „Preußenhaus“ im Abschnitt C, das die Besetzung dauernd in einer gewissen Spannung hielt. Verging doch kaum eine Nacht, in der es dort nicht zu Handgranatenkämpfen kam. Die Leute der 3., 7. und 11. Kompagnie werden trotz der gottlob geringen Verluste die Preußensappe nie vergessen. Die beiderseitigen Posten standen sich auch knapp 20 Meter gegenüber, nur getrennt durch einige Stacheldrahtspiralen.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3. Württ.) Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1921