Donnerstag, 24. Mai 2018

24. Mai 1918



„Zunächst mit der Bahn bis Montauban befördert, dann mit Fußmarsch nach dem berüchtigten Combles, dann nach dem Ostrand des Mametzwaldes (jetzt nur noch niedriges Gestrüpp), löste unsere Kompagnie die Minenwerfer-Kompagnie 401 ab. Diese lebte in Erdhöhlen, die in den Hang eingegraben waren. Erste Arbeit unserer Kompagnie war daher der Bau wohnlicher Hütten. Bei den dazu nötigen Erdarbeiten kamen allerhand Dinge zutage, Konservenbüchsen, Munition, hin und wieder auch Lei-chen verschütteter Kameraden, denen wenigstens nachher noch ein ehrenvolles Grab bereitet wurde. Die Stellung wurde am 16. Mai übernommen. Sie lag westlich der Straße Albert – Aveluy mit 3 nördlichen Werfergruppen Nürnberg, Augsburg und Ulm und der südlichen Gruppe Wildbad am Westrand von Albert und war mit 8 mittleren und 4 schweren (Wildbad) Werfern bestückt. Des Engländers Artillerie feuerte, was das Zeug hielt. Auch Gas- und Petroleum-Minen schleuderte der Tommy in unsere Gräben. Die letzteren explodierten 2 – 4 Meter über dem Boden und schleuderten eine bren-nende Flüssigkeit umher, die Löcher in die Gasmasken brennen und sie dadurch un-brauchbar machen sollte. Da die Mannschafts- und Munitionsnischen der Stellung noch nicht fertig waren, mußte noch tüchtig miniert werden. Gekocht wurde in der Stellung selbst und die Verpflegung jede Nacht mit der Post in einem Wagen dorthin gefahren. Es war keine leichte Aufgabe, bei dunkler Nacht auf den im stärksten Artilleriefeuer liegen-den Straßen die Wagen vorzubringen, die oft zerbeult und von Granatsplittern durch-löchert ankamen. Die braven Fahrer und die Wagenbegleiter, die an Pferd und Wagen gebunden, nicht von den Straßen abbiegen oder sich in Gräben seitwärts decken konn-ten, mußten durch den Eisenhagel hindurch. Hierbei wurden Fahrer Koch und Pionier Arnold schwer verwundet; letzterer starb auf dem Hauptverbandplatz.“

aus: „Das Württembergische Pionier-Bataillon Nr. 13 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Mittwoch, 23. Mai 2018

23. Mai 1918



„Auch wenn wir völlig ahnungslos über die Art unserer Verwendung angekommen wären, hätten wir bald genug entdeckt, daß es sich hier nur um Stellungskrieg handeln konnte. Für einen Angriff hätte es zum mindesten ganz umfangreicher Vorbereitungen bedurft, von denen hier nichts zu entdecken war. Außerdem war man allgemein daran, durch Anlage von Stollen sich für Verteidigungskämpfe einzurichten. Damit waren allerdings unsere Vorgänger nicht sehr weit gekommen. Der häufige Wechsel der Truppen mochte daran schuld sein. Die Aussicht auf baldige Ablösung wirkte bekannt-lich auf nichts so lähmend ein wie gerade auf den Stellungsbau.
Unsere Tätigkeit beschränkte sich in der ersten Zeit auf Störungsfeuer. Dies entsprach genau der vom Feind befolgten Kriegführung. Ein Unterschied ließ sich dabei bald feststellen, daß nämlich bei uns wieder einmal an Munition gespart werden mußte. Der Engländer dagegen brauchte auf seine Munitionsstapel keine Rücksicht zu nehmen und legte seiner Schießleidenschaft keine Zügel an. Ein bedauernswertes Opfer seines Feuers war Albert. Fast täglich konnte man an der schönen Stadt neue Spuren feststel-len, und die Kathedrale bot schließlich ein trauriges Bild, das sich jedem von uns fest ins Gedächtnis einprägte.
Dabei kamen unsere Batteriestellungen in keiner Weise zu kurz. Ihre Lage, fast aus-nahmslos an den Westhängen der großen Mulden, waren von den feindlichen Fliegern ziemlich genau festgestellt. Erst begnügte sich der Feind damit, durch einzelne Schüsse die Ruhe der Batterien zu stören. Aber bald war ihm dieses Mittel zu gering. Nun nahm er sich die einzelnen Stellungen allein vor und beschoß eine nach der andern planmäßig. Es war leicht vorauszusehen, daß dies auf die Dauer nicht auszuhalten war. Darum griff man bei uns zu einem unserer besten Mittel, zum Gas.“

aus: „Das Württ. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 238 früher Württ. Ersatz-Feld-Artillerie-Regiment Nr. 65 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1921

Dienstag, 22. Mai 2018

22. Mai 1918



„Die beiden nächsten Tage blieb eine unsichere allgemeine Lage, dann aber schickte die Division ein Bataillon 246 zur Ablösung des I. und II, Bataillons, die ins Ruhelager kamen. Vorher hatte auch schon das Reg. 184 sich soweit erholt, daß es daran ging, selbst die Lücke zwischen Morlancourt und der Mühle zu schließen. Ville sur Ancre blieb aber in englischer Hand.
In der Nacht vom 22./23. Mai wurde auch das III. Bataillon durch ein Bataillon 248 abgelöst und kam in Bereitschaft.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

Montag, 21. Mai 2018

21. Mai 1918



„Am 10. Mai kam die 1. Feldkompagnie nach Montescourt zurück. Die Ortschaft selber war beim Hindenburgrückzug 1917 gänzlich zerstört worden; nachher hatten die Engländer, die fast ein Jahr lang dort lagen, einige Baracken errichtet, die nun den zwei Frontkompagnien des Landsturms zugute kamen. Nur schade, daß sie zu nahe an der Bahnlinie Ham – St. Quentin lagen und daher den Fliegern ein willkommenes Ziel boten! In der Nacht vom 21./22. Mai wurden sie bei einem heftigen Luftangriff von vier Bomben getroffen; dabei erhielt Landsturmmann Fleig (1.) einen Splitter und hauchte nach wenigen Minuten in den Armen des Feldwebels Rosenstock sein Leben aus.“

aus: „Landsturm vor! Der mobile württembergische Landsturm im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart, 1929

Sonntag, 20. Mai 2018

20. Mai 1918



„Am 18. Mai hatten die Engländer sich nach heftiger Artillerievorbereitung in den Besitz von Ville-sur-Ancre gesetzt. Dadurch standen sie in der Flanke unserer Division. Die links anschließende 107. Inf.-Division hatte diese Ortschaft verloren, die Wieder-eroberung war nicht gelungen. Die seit dem 18. Mai sich täglich steigernde feindliche Artillerietätigkeit ließ auf feindliche Angriffsabsichten schließen. Es wurde daher erhöh-te Gefechtsbereitschaft angeordnet. Am 20. Mai steigerte sich das Feuer zu bedeutender Stärke, hauptsächlich gegen die Stellungsteile um Albert. Man vermutete einen größeren englischen Angriff von drei australischen Divisionen zur Wegnahme von Albert. Alle Abwehrmaßnahmen und -vorbereitungen waren planmäßig getroffen, der Angriff kon-nte kommen. Er kam nicht. Zerstörungen und einige blutige Verluste waren das einzige Ergebnis der heftigen Feuerüberfälle. Verluste: 7 Tote, verschiedene Verschüttete.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 248 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1924

Samstag, 19. Mai 2018

19. Mai 1918



„Am 17. Mai wuchs wieder die Spannung. Man hatte in Erfahrung gebracht, daß am 19. ein größerer Angriff geplant sei. Demnach war alles in höchster Gefechtsbereitschaft.
Soeben hatte man abgelöst. III. Bataillon war vorne, I. in Bereitschaft, das hieß aber damals nichts anderes als vorne, denn 1. Kompagnie lag am Bahndamm, 2. im Ort und 3. und 4. standen an der Stra0e Méaulte – Morlancourt. Lauter Stellen, die unter stärks-tem Beschuß lagen. Am Abend des folgenden Tages wurde auch noch das II. Bataillon herangezogen. Die 4. Kompagnie diente in Dernancourt zu weiterer Verstärkung. Ihre Stelle übernahm die 8. Kompagnie.
In unbehaglicher Erwartung sahen wir diesmal dem Pfingsttage entgegen. Gegen 3 Uhr morgens begann links lebhaftes Feuer, das den Charakter von Trommelfeuer hatte. Rote Leuchtkugeln stiegen hoch. Auch im Aveluywald schien ein Angriff vor sich zu gehen. Gegen unsern Abschnitt fühlten Patrouillen vor, wurden aber vertrieben. Die 9. Kom-pagnie (am linken Flügel) beobachtete eine stärkere englische Schützenlinie in der Gegend unserer früheren Besetzung nördlich Ville sur Ancre. Sie eröffnete darauf das Feuer. Da verschwanden die Tommys.
Gegen Morgen trafen Gerüchte ein, Ville sur Ancre sei vom Gegner genommen. Sofort sandte das I. Bataillon Erkundungspatrouillen aus und erfuhr danach etwa folgende Lage: Das Reg. 184 hatte tatsächlich die Ortschaft verloren und saß nun mit seinen Überbleibseln in der Gegend nördlich Morlancourt und in diesem Ort. Zwischen dem rechten Flügel von 184 und dem linken vom III. Bataillon an der Mühle klaffte eine breite Lücke von wenigstens 700 Meter.
Diese mußte geschlossen werden. Zuerst rückte 3. Kompagnie unter Leutnant Berger im Anschluß an Morlancourt vor, später wurde rechts davon die 6. eingesetzt unter Leut-nant Würth. Patrouillen beider Kompagnien stellten bald fest, daß die Engländer nur den westlichen Teil des Ortes und den Hohlweg südlich davon besetzt hatten. Das Reg. 184 wußte nicht recht Bescheid über die Lage. Bei Nacht rückte auch noch 5. und 7. Kompagnie hinter 3. und 6., und nun wurde Verbindung zwischen Morlancourt und der Ancremühle hergestellt. Damit war die größte Gefahr vorbei. Der Gegner, der sich ver-hältnismäßig ruhig verhielt, schien auch gar nicht die Absicht zu haben, weiter vorzu-dringen.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

Freitag, 18. Mai 2018

18. Mai 1918



„Die dicht hinter der Infanterielinie stehende I./Res. 26 wurde hinter den Mühlenberg zurückgezogen. Bemerkenswerte Kämpfe spielten sich hier zunächst nicht mehr ab. Doch war der Gegner äußerst rege mit Artillerie, verseuchte häufig den Grund des Cojeulbaches mit Gas, brach auch da und dort mit Patrouillen vor. Allenthalben wurde der Mitte Mai eintreffende Ablösungsbefehl mit Freuden begrüßt. Vom 13. zum 15. Mai wurden die Batterien zugweise abgelöst.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 26 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1929

Donnerstag, 17. Mai 2018

17. Mai 1918



„Bei Übernahme des Abschnitts wurde die Truppe auf das sehr aufmerksame und kampflustige Verhalten des Feindes hingewiesen. Kein Mann, hieß es, dürfe sich bei Tag an der Brustwehr sehen lassen, ohne sofort beschossen zu werden. Arbeiten, Erde auswerfen u. a. m. sei ausgeschlossen. Diese Ansicht fand sich nicht bestätigt. Die englische Infanterie verhielt sich sogar recht ruhig, selbst von englischen Patrouillen war kaum etwas zu bemerken, dagegen war die englische Artillerie unermüdlich tätig, vor allem aber taten englische Flugzeuge in zahlreichen, großen Geschwadern auf und zeigten sich im Bombenabwerfen sehr fleißig. Über der Stadt Albert wurden unzählige Bomben abgeworfen, sie schadeten dort nichts, denn in der Stadt konnte sich jedermann beim Herannahen der Flugzeuge in einen Keller oder in eine Katakombe flüchten und rechtzeitig gute Deckung finden. Mehr schadete das schwere Artilleriefeuer, durch welches mehrfach Keller eingedrückt wurden. Bei einer solchen Beschießung von Albert fiel am 17. Mai der Führer der 10. Kompagnie, Leutnant d. L. Vogl.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 479“, Stuttgart 1923

Mittwoch, 16. Mai 2018

16. Mai 1918



„Die Stellung bei Albert machte viele Sorgen und schlaflose Nächte. Sie hing fast allzu keck an dem schmalen Streifen Land über der Ancre. Tiefe besaß sie gar keine. Wie, wenn der Gegner die Besatzung unerwartet angriff, den Hang hinunterwarf und den Ancregrund so mit Granaten abriegelte, daß keiner mehr hinüber konnte? Oder wenn eins der Nachbarregimenter nachgab und der Engländer von Aveluy oder Albert her das Ancre-Tal entlang stieß?
Ruhe gab es in dieser Stellung nicht.
Das feindliche Artilleriefeuer war stark. In der erst werdenden Stellung, die nur wenig Deckung bot, forderte es erhebliche Verluste. Feindliche Fliegergeschwader bis zur Stärke von 30 – 40 Flugzeugen tummelten sich fast allabendlich über dem Ancretal. Zeitweise waren die deutschen Flieger trotz ihrer Minderzahl erfolgreich. Dann gab es wieder Tage, wo der Engländer unbestritten Herr der Lüfte war.“

aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Dienstag, 15. Mai 2018

15. Mai 1918



„Der Mai brachte das übliche Einschießen der verschiedenen Feuerarten, Störungsfeuer, Zerstörungsfeuer auf feindliche Batterien und Minenwerfer und zusammengefaßtes Feuer auf Buire. Vom 6. Mai ab nahm das feindliche Feuer zu. 4. und 5. Batterie erhiel-ten so starkes Feuer, daß sie in der Nacht vom 8./9. umziehen mußten. Albert, Dernan-court, Méaulte erhielten starkes Feuer, ebenso unsere Anmarschwege. Wiederholt wurde für die rechte und linke Nachbardivision Unterstützungsfeuer abgegeben. Bei einem Patrouillenunternehmen der rechten Nachbardivision beteiligten sich eine Anzahl Bat-terien durch Bekämpfen der feindlichen Artillerie. Wir haben zunehmend Ausfall an Kranken.
Der Gegner baut seine Infanteriestellung aus und versieht sie mit Drahthindernissen. Es kommen jetzt mehr planmäßige Beschießungen unserer Batterien vor. Auch die feind-liche Fliegertätigkeit nimmt zu. Zahlreiche Bomben wurden geworfen.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 54 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1929

Montag, 14. Mai 2018

14. Mai 1918



„Empfindliche Verluste wurden dem Regiment zugefügt durch einen Mann der 8. Kom-pagnie. Derselbe war noch nicht lange beim Regiment. Beim Essentragen verirrte er sich und gelangte in die englischen Gräben. In ganz unverantwortlicher Weise machte er Aussagen über unsere Anmarschwege und über die Halteplätze der Feldküchen. Auch die Ablösungstage hatte er bekanntgegeben. Durch erbeutete Befehle vom Gegner war dem Regiment zur Kenntnis gekommen, was für Angaben der betreffende Mann ge-macht hatte. Hierdurch erklärten sich auch die in der letzten Zeit eingetretenen Verluste. Anmarschwege und Ablösungstage mußten geändert werden.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 246 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1931

Sonntag, 13. Mai 2018

13. Mai 1918



„Bereits zwei Tage nach der Rückkehr der Division zur 1. Armee wurde sie an Stelle der 213. Infanterie-Division am Brimont wieder eingesetzt, Infanterie-Regiment Nr. 127 rechts für das Infanterie-Regiment Nr. 368, Infanterie-Regiment Nr. 476 in der Mitte, Infanterie-Regiment Nr. 475 links. Der Brimont war Schlüsselpunkt der Stellung. Von ihm aus übersah man das dichte Gewirr der französischen Befestigungen. Auf Sprung-weite lagen sich deutsche und französische Gräben gegenüber, teilweise nur getrennt durch den Aisne-Marnekanal oder dem Bahndamm Lâon – Reims. Mitten im Abschnitt des Regiments lag die wichtige Batterie Loivre. Das mächtige, aber gänzlich veraltete Fort Brimont war nicht in den Bereich der Verteidigungsanlagen mit einbezogen.
Die 213. Infanterie-Division sollte hinter der Front 14 Tage ausgebildet werden, um Ende des Monats den Gegner zwischen Brimont und Sapigneul über den Aisne-Marne-kanal zurückzuwerfen.
Vom I. und III. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 127 waren je 3 Kompagnien in vorderer Linie zwischen Bermericourt und Glashütte von Courcy eingesetzt, je eine Kompagnie in Bereitschaft, das II. Bataillon war Reserve in Poilcourt und Guerlet-Müh-le.
Am 13. Mai abends beschoß der Gegner den Brimont mit Phosphorgranaten, so daß der ganze Berg in Feuer gehüllt und der Phosphorgeruch noch tagelang bemerkbar war.“

aus: „Das neunte Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 127 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Samstag, 12. Mai 2018

12. Mai 1918



„Der Monat Mai war wiederum ausgefüllt mit den Vorarbeiten zu einem gewaltsamen Vorstoß in die feindliche Linie. Vor der Wattweiler Stellung konnte man feststellen, daß die Franzosen überall daran waren, auch ihre 3. Linie zu verdrahten und sich ganz auf die 4. zurückzuziehen.“

aus: „Das Württembergische Landwehr-Inf.-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923

Freitag, 11. Mai 2018

11. Mai 1918



Wucherer Karl, städtischer Waldmeister, Sergeant, verh. Er, der gediente Unterof-fizier, wurde am 1. Mobilmachungstag, 32 J. alt, zum Lst.-Bat. Ravensburg eingezogen und mehrere Monate auf Bahnwache nach Saulgau und Herbertingen abkommandiert. Berufshalber wurde er alsdann beurlaubt. Vom Februar 15 stand er in Gmünd als Rech-nungsführer im Res.-Lazarett, in Geislingen als Kammerunteroffizier, in Fischbach am Bodensee bei der Bewachung der Zeppelin-Werke, in Biberach und Stuttgart beim Aus-bildungspersonal. Dazwischen war er wiederholt berufshalber beurlaubt. Im Sommer 17 kam er im neugebildeten I.-Reg. 414 nach Flandern, wo er sich schon nach wenigen Wochen eine Fußverstauchung und eine Nervenerschütterung zuzog. Er kam in Laza-rettbehandlung nach Freiburg, Ulm, Weingarten und Weissenau und starb letzterenorts 11. 5. 18. Seine Ruhestätte ist in Altshausen, seinem Geburtsort.“

aus „Das Eiserne Buch der Stadt Mengen“, Mengen 1924

Donnerstag, 10. Mai 2018

10. Mai 1918



„In Verfolgung seines Auftrages, über Olginskaja vorgehend, mit dem I. Bataillon zusammen Bataisk anzugreifen, hatte das verstärkte III. Bataillon am 9. Mai Aksaiskaja erreicht und war in der Nacht auf Dampfer und Fähre über den Don gesetzt; ½ III. Bataillon Landw.-Inf.-Reg. 121 und 6./L.-F.A. 1* waren schon nach Olginskaja voraus-gesandt. Um 8.50 Uhr vormittags marschierte das Bataillon vor und nahm nach Über-schreitung eines 100 Meter weit hüfttief unter Wasser stehenden Sumpfgebietes um 11 Uhr vormittags die Verbindung mit dem III. Bataillon Landw.-Inf.-Reg. 121 auf. Die Reihenfolge beim Vormarsch war: Vorhut 10. Kompagnie mit zwei M.-G. 08; Gros 12., 11. Kompagnie, 3. M.-G.-Kompagnie, Minenwerferabteilung, 9. Kompagnie, 6./L.-F.-A. 1. Die Bagage folgte mit 800 Meter Abstand. Um 1 Uhr nachmittags meldete der mit acht Ulanen zur Erkundung vorausgesandte Leutnant Hofmann, daß er aus dem Meier-hof und von den Erdhügeln Gewehr- und M.-G.-Feuer erhalten und Reiter gesehen habe. Bald darauf erhielt auch die Kolonne beim Vormarsch wirkungsloses Artilleriefeuer aus Stadt und Bahnhof Bataisk; unsere 6./L.-F.-A. 1, später verstärkt durch 3./L.-F.-A. 1, brachte die feindliche Batterie bald zum Schweigen und Abzug, auch schoß sie am Bahnhof einen abfahrenden Zug in Brand. Das Bataillon ging entfaltet bis in Höhe Meierhof vor und von dort 5 Uhr nachmittags mit drei entwickelten Kompagnien weiter in Richtung des Bahnhofes von Bataisk. Zwischen Bahnhof und Höhenzug südlich davon war lebhafter Zugverkehr, auch mit vier Panzerzügen zu beobachten, welch letztere wirkungsloses Schrapnellfeuer abgaben. Auch begann die feindliche Artillerie in der Stadt wieder zu feuern. Auf die Meldung einer inzwischen vorgesandten Kavalleriepatrouille, daß sie unbeschossen den Ostrand von Bataisk betreten habe, ging das Bataillon mit der 12., 11. und 10. Kompagnie und je zwei M.-G. 08 in vorderer Linie zum Angriff vor. Verlockend erschien dies, da der Gegner möglicherweise abzog und man ihn noch vor Dunkelwerden fassen wollte.
Unsere Bewegungen und Stärke wurden in dem deckungslosen Gelände unschwer erkannt, zumal von den Türmen in Bataisk. Als die Schützen sich bis auf 800 Meter dem Bahndamm genähert hatten, schlug ihnen von dem bis dahin unsichtbaren Gegner plötzlich lebhaftes und andauerndes M.-G.- und Gewehrfeuer frontal vom Bahnhof, rechts flankierend aus der Stadt und links flankierend vom Bahndamm entgegen. Um 6.20 Uhr abends verstärkte der Gegner sich in der Front und auf beiden Flügeln und ging zum umfassenden Angriff vor. In der Front und am rechten Flügel hielten 11. und 12. Kompagnie ihn nieder, besonders die wackeren M.-G. 08, wobei 12. Kompagnie geschickt zurückbog. An seinem rechten Flügel holten feindliche Infanterie und etwa 200 Reiter auf 2500 Meter Entfernung so umfassend aus, daß diese Bewegung nicht verhindert werden konnte. Jedoch unsere Artillerie hatte nicht mehr genügend Munition, sie nahm Stellungswechsel nach Meierhof vor; auch der Druck auf den linken Flügel und die Flanke des Bataillons wurde fühlbar und verstärkte sich so, daß 10. und 11. Kompagnie eine neue Front einige hundert Meter rückwärts bildeten. Der Gegner arbeitete sich in Stärke von 1500 Mann in mehreren Linien gegen den linken Flügel des Bataillons heran und ging 8 Uhr abends zum Angriff vor. In dieser gefährlichen Lage setzte Hauptmann Haas mit seiner 9. Kompagnie zum Gegenstoß an und schaffte Luft. Das gab wieder Mut und Selbstvertrauen. 10. Kompagnie und Teile der 11. Kompagnie schlossen sich tapfer an und unter Hurra mit gefälltem Gewehr wurde der Gegner mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Inzwischen war es Nacht geworden; die Gefahr erneuten umfassenden Angriffes schien noch möglich. Mit unserer Artillerie fehlte jede Verbindung; der Gegner in der Front war nicht sturmreif, da seine M.-G. wegen schlechter Beobachtung nicht niedergekämpft waren. Der Bataillonskommandeur, Ritt-meister Frhr. v. Crailsheim, nahm deshalb sein Bataillon bis in Höhe des Meierhofes zurück. Dort traf um 5 Uhr vormittags Major v. Sternenfels mit 1½ Kompagnien des III. Bataillons Landw.-Inf.-Reg. 121 und der 5./L.-F.-A. 1 zur Verstärkung ein. Doch die Ermüdung nach vier Tagen angestrengten Marsch- und Gefechtsdienstes ohne viel Nachtruhe erforderte ihr Recht; auch setzte in der Nacht Regen mit Kälte und Sturm ein. So gingen die Truppen nach Verbringung der Nacht auf dem Gefechtsfeld zur Wieder-herstellung der Kampfkraft nach Olginskaja in Unterkunft zurück.
Die eigenen Verluste betrugen 12 Tote, 34 Verwundete (darunter Leutnant d. R. Dettinger und Ruf) und 6 Vermißte. Die 3. und 6./L.-F.-A. 1 hatten 10 Verwundete, darunter Major d. L. Villinger, Leutnant d. R. Heckel, Maier, Ehrlenspiel und Neuffer.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

*L.-F.-A. 1: Württembergisches Landwehr-Feldartillerie-Regiment Nr. 1

Mittwoch, 9. Mai 2018

9. Mai 1918



„Die Nacht verlief ruhig ohne besonderen Zwischenfall. Am frühen Morgen setzte unser Feuer wieder überwältigend ein und um 6 Uhr vormittags griff unsere Infanterie an. Es war sehr neblig und durch widrigen Wind wurde das von uns verwendete Gas auch auf unsere Stellung getrieben, so daß der Angriff nur mit der Gasmaske durchgeführt werden konnte. Trotzdem ging es zunächst gut vorwärts, die feindliche Gegenwehr war anfangs gering. Die Engländer ließen alles liegen und zogen sich zurück. Unsere Artillerie hatte sehr gut gewirkt, einige Batterien waren im Galopp vorgekommen, um den Infanterieangriff zu begleiten. Die Wirkung der feindlichen Artillerie war anfangs schwach, da ihre Fernsprechverbindungen zerschossen waren.
Unser Beobachtungstrupp war mit der Infanterie in die Nähe der Vaucelette-Ferme gekommen, als starker feindlicher Widerstand sich geltend machte und ein weiteres Vordringen zunächst nicht möglich war. Es wurde sofort die Fernsprechverbindung mit der Division hergestellt und die Beobachtung in einem Unterstand eingerichtet. Gegen 3 Uhr nachmittags schlug ein Volltreffer durch die Decke unseres Unterstandes, der nur mit Bohlen abgedeckt war, und verschüttete Leutnant Doertenbach (Albrecht), Vizew. Banzhaf, Gefr. Randegger und Ulan Pflüger. Letzterer war besonders schwer verletzt und starb an den Folgen der Quetschungen. Wir betrauerten in ihm einen pflichttreuen und tapferen Kameraden, dessen Andenken wir alle in Ehren halten werden.“

aus: „Das Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württ.) im Weltkrieg 1914-1918“ Stuttgart, 1927

Dienstag, 8. Mai 2018

8. Mai 1918




„So lagen wir denn glücklich wieder auf dem „Hifi“, saßen in den alten dürftigen Stol-len und hielten Wacht in den glitschigen Gräben, die immer von neuem einzurutschen drohten, da der Himmel allzu reichliches Naß spendete. Durchbruchschlacht und Bewe-gungskrieg, die wir so oft jetzt geübt hatten und die uns von unseren Kameraden im Norden Frankreichs in immer neuen herrlichen Siegen vorgeführt wurden, sie schienen uns wieder in weite Ferne gerückt und doch hätten sie uns alte Kavalleristen noch am ehesten mit unserem infanteristischen Schicksal aussöhnen können. Doch gab es auch auf dem Hifi jetzt kriegerische Tätigkeit im eigentlichen Sinn, denn der Franzose zeigte sich ziemlich unternehmungslustig.“

aus: „Dragoner-Regiment „König“ (2. Württ.) Nr. 26 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1921



„Die Erkrankg. welche den Tod des Sgten Mäurer zur Folge hatte, war eine Lungen-entzündung. Die Ursache der Erkrankung liegt zweifellos in den besonderen Verhältnis-sen der damaligen Unterbrg. im Lager Gauchmatt u. Hilsenfirst. Kriegsdienstbeschä-digung ist sonach anzunehmen.                  

gez. Dr. Graf Stabsarzt F. L. 59“

Bild: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand M 511

Montag, 7. Mai 2018

7. Mai 1918

 

„Bei wechselndem Artillerie- und Minenfeuer, dem üblichen Wach- und Arbeitsdient verging die Zeit ohne bemerkenswerten Zwischenfall in fünftägiger Ablösung.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1922

Sonntag, 6. Mai 2018

6. Mai 1918


Hepp Emil, Elektrotechniker, Gefreiter, Flugzeugführer, erhielt, 20jährig, vom 1. 12. 12 an als Ausgehobener in Metz seine infanteristische Ausbildung und wurde nach einem Vierteljahr zur Bayer. Flieger-Abt. nach Schleißheim bei München zur techni-schen Ausbildung im Flugdienst überwiesen. Mit dieser Abteilung kam er bald nach dem Westen und war dort vielerorts im Flugbetrieb tätig. Im November 17 trat er in die Fliegerschule Lechfeld ein und kam in solcher im April 18 auf den Fliegerplatz Sonthofen im Allgäu. Dort ist er am 6. Mai bei einem Übungsflug durch Absturz auf dem Fliegerplatz tödlich verunglückt. Früh 8 Uhr stieg er auf, nach wenigen Minuten lag er entseelt auf der Erde. Am Himmelfahrtsfest wurde er auf dem hiesigen Friedhof mit militärischen Ehren zur Ruhe bestattet. Acht Feldgraue vom Lazarett trugen den Sarg.“

aus „Das Eiserne Buch der Stadt Mengen“, Mengen 1924

Samstag, 5. Mai 2018

5. Mai 1918



„Mit der Zeit wurde das Ruhebedürfnis der Truppe immer größer; es hatte nur notdürftig dadurch befriedigt werden können, daß die Bataillone alle 6 Tage auf 3 Tage in das häufig unter dem Feuer schwerer Flachbahngeschütze liegende und in jeder hellen Nacht von Fliegern heimgesuchte Ruhelager bei Grévillers zurückgezogen wurden. Trotz der aufopfernden Tätigkeit der Ärzte und des gesamten Sanitätspersonals hatten durch den ständigen Aufenthalt in Nässe, Kälte und Schmutz die Erkrankungen bedenk-lich zugenommen.
Die immer wiederholten Versuche, die Tapfersten des Regiments, unsere noch vor dem englischen Graben liegenden toten Kameraden zu bergen, scheiterten an der Wachsam-keit und dem Feuer der feindlichen Posten; diese Versuche haben weiteres Blut braver Grenadiere gekostet, ohne daß ein Erfolg erzielt war.
So blieb dem Regimentskommandeur nichts anderes übrig, als beim Scheiden aus der Stellung den Nachfolger dringendst zu bitten, diese Kameradenpflicht zu übernehmen und dem Regiment gegebenenfalls Mitteilung darüber zukommen zu Lassen. Leider ist eine solche dem Regiment nie zugekommen. So können wir nur hoffen und vermuten, daß unsere gefallenen Kameraden später vom Gegner bestattet worden sind, wie wir es mit gefallenen Feinden immer getan haben.“

aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Freitag, 4. Mai 2018

4. Mai 1918



„Weiter ging der wenig erfrischende, wenig anregende Stellungskrieg. Krankheiten ver-schiedener Art stellten sich ein, neben eitrigen Hautausschlägen und Furunkulose infol-ge der Unmöglichkeit einer geordneten Körperpflege schwächten Erkältungs- und Darmerkrankungen die Gefechtsstärke, auch wundgelaufene Füße waren infolge der nassen Witterung und des meist sehr reparaturbedürftigen Schuhwerks nicht selten. Die Ärzte des Regiments, Stabsarzt d. L. Dr. Lichtenberg, Oberarzt d. L. Dr. Haffner, Oberarzt d. R. Haid, Assistenzarzt d. R. Merk und Hilfsarzt Dieter hatten außer mit Verwundeten auch noch vollauf mit Kranken zu tun. Sie lagen in entsagungsvoller, auf-opfernder Weise Tag und Nacht ihrem dornenvollen Dienste ob. Mancher Angehörige des Regiments, dem sie ihre Hilfe zu teil werden ließen, wird sich ihrer dankbar erin-nern.
Die blutigen Verluste an den einzelnen Tagen machten nach und nach eine stattliche Summe aus. Der Kirchhof von Grévillers erfuhr täglich eine betrübende Erweiterung.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1923


Donnerstag, 3. Mai 2018

3. Mai 1918



„Das III. Bataillon war Kampfbataillon in vorderer Linie, die 11. Komp. lag mit ihrer Hauptwiderstandslinie an der Straße Arras – Bapaume, mit den Sicherungsposten des Vorfeldes 100 – 150 Meter weiter vorne, mit dem linken Flügel am Cojeulbach, die 12. rechts an die 11. anschließend. Die 11. hatte um 2 Uhr nachts mit Arbeiten am neuen Drahthindernis begonnen und zur Sicherung der Arbeitenden Posten vorgeschoben, bei der 12. standen Doppelposten in Abständen von 20 – 40 Meter. „Die Nacht ist verdäch-tig ruhig; ich mein allweil, ʼs liegt was in der Luft“`, sagt der in den Gewohnheiten des Gegners erfahrene alte Unteroffizier zu seinem Posten. Kaum hatte er ausgesprochen, so setzte mit einem Schlag etwa 3.30 morgens Trommelfeuer ein. Ein Trommelfeuer – die geistloseste Erfindung des modernen Materialskriegs und Vernichtungswillens, dieser Kampf der Materie gegen den Geist, des Eisens gegen den Menschenwillen – ist schon für den Verteidiger einer wohlausgebauten Stellung eine gewaltige Nervenprobe. Gerüt-telt und geschüttelt sitzt er drunten im finstern Unterstand bangend, ob nicht im nächsten Augenblick die hereinstürzende Decke ihn unter sich begräbt. Aber vollends auf freiem Feld, höchstens unter dünnem Wellblechdach, dieses ohrenbetäubende und sinnenverwirrende Unwetter über sich ergehen zu lassen und nicht in jähem Schreck davon zu laufen, das erfordert übermenschliche Anspannung aller Willenskräfte. Nur höchste Zucht des Willens und sittliche Kraft wird Herr über den Instinkt der Selbst-erhaltung. Darum hält der feiner organisierte Gebildete häufig besser stand als der robuste Bauernsohn.
Da liegt nun der einsame Posten mittendrin im Lärm und Rauch der Hölle, geblendet von den Blitzen der Schrapnells und Granaten, die Hand am Kolbenhals, lauernd auf den Augenblick, da der Schwefeldampf die gelben Gestalten ausspeit. „Auf sich selber steht er da ganz allein.“ Jetzt zeigt sich’s. was der Mann wert ist. Nie ist er so auf sich selbst angewiesen, wie bei nächtlichem Überfall auf eine dünne Postenlinie. ʼs ist gut, daß der alte Unteroffizier den Kopf nicht verliert und eifrig seine Leuchtkugeln hinaufläßt. Überhaupt der alte Unteroffizier! Unbezahlbar ist ein solcher Mann für seine Kompagnie, ein „Turm in der Schlacht“. Einen Augenblick, beim Einsetzen des Trommelfeuers packt auch ihn die allgemeine Aufregung. Aber wie er einmal den Feind vor Augen hat, da kommt die alte Kampflust über ihn und das alte Selbstvertrauen ist wieder Herr. Er hat’s doch oft genug erlebt, daß ein paar gut sitzende Handgranaten auch dem überlegenen Feind gegenüber Wunder tun.
Und überlegen ist diesmal der Gegner! Ein deutlich spürbarer Ruck des feindlichen Artilleriefeuers nach hinten, und schon tauchen, unmittelbar der Feuerwalze folgend, die flachen Stahlhelme und die gelben Gesichter auf. Mit unheimlicher Schnelligkeit wälzt sich die schmutziggelbe Flut vor. In zwei Wellen kommen sie heran, im Abstand von etwa 20 Meter, ein Haufe von 200 bis 250 Mann mit weißen Armbinden. Sie schießen im raschen Vorgehen. Wo sie auf einen Gegner treffen, stoßen sie ein teuflisches Gebrüll aus. Es ist kein ehrliches Hurra!, sondern ein häßliches, gequetschtes „Urräh!“ Die ersten Handgranaten schlagen hinein. Schon knattert das Maschinengewehr des Unterof-fiziers Frey (12.). Ein paar Gegner schreien, stürzen. Die Nachbarn stutzen, der Strom spaltet sich am Posten wie am steinernen Brückenpfeiler und flutet durch die leider viel zu breiten Lücken unserer Postenlinie herein. Rasch wirft der Schütze sein Maschinen-gewehr herum. Die schönste Gelegenheit zu vernichtendem Flankenfeuer! Das Gewehr versagt! Nun gibt’s keine Wahl mehr. Zurück auf die Hauptwiderstandslinie! ʼs ist eine schwere Arbeit durch das Gewimmel der vorgehenden Engländer zum Kompagnie-führerstollen sich durchzuschlagen, der an der Kreuzung der Straße Arras – Bapaume mit dem von Hénin her führenden Graben B liegt. Den wenigsten Posten gelingt es, aus dem erbitterten Nahkampf sich vom Feind zu lösen. Ein wackeres Grüpplein unter seinem jungen, mutigen Führer, Gefreiter Wizemann (12.), kämpft in einer Sappe hart-näckig um jeden Schritt Boden. Von beiden Grabenrändern herunter schießt und sticht die übermächtige englische Meute auf das tapfere Häuflein junger Helden in den Graben hinein. Einige sind schon verwundet und kämpfen doch weiter, bis sie der Übermacht erliegen. Der durch Bajonettstiche verwundete Führer und ein unverwundeter junger Soldat sind die beiden einzigen Überlebenden, die Kunde geben können von diesem Heldenkampf unserer Jüngsten.
Von der 12. Kompagnie war der linke Flügelzug angegriffen. Links drüben bei der 11. war es ähnlich gegangen. Auch dort spaltete sich die Linie des vorgehenden Gegners am Widerstand der Posten. In zwei Reihen von je etwa 50 Mann dringen die Engländer rasch auf die Hauptwiderstandslinie vor. Ein Haufe kommt am Cojeulbach herunter, wird dort vom Maschinengewehr des Unteroffiziers Knapp eine Weile aufgehalten. Aber das Gewehr muß wegen Hemmung aufgegeben werden. Der andere Haufe stürmt weiter rechts über das Vorfeld herein. Der Posten beim Kompagnieführer (Gefreiter Queck) führt mit einigen Leuten, die sich dort gesammelt hatten, noch einen verzwei-felten Handgranatenkampf gegen den von Süden und Westen andringenden Gegner, zieht sich dann aber, weil schon vom Rücken bedroht, zurück und meldet der 8. Komp. das Vorgefallene. Der Kompagnieführer der 11., Leutnant d. R. Krauß, hatte sich kurz vor Beginn des Trommelfeuers mit seiner Gefechtsordonnanz auf den Weg gemacht, um die Arbeiten seiner Leute zu besichtigen. Drei Minuten war er gegangen, da wurde er vom feindlichen Artilleriefeuer überrascht. Im Straßengraben, wo er anscheinend Deckung gesucht hatte, traf ihn ein Granatsplitter in den Hinterkopf. Seine Ordonnanz wurde nicht weit von ihm im Granatloch schwer verwundet.
Der stellvertretende Kompagnieführer der 12. Leutnant d. R. Baur, wollte mit den paar Leuten seines Kompagniestabs sich den rasch heranstürmenden Engländern entgegen-werfen, stieg auf den Rand des an seinem Stollen vorüberführenden Grabens (B) und stürzte sofort mit zerschmetterten Beinen in den Graben zurück. Dem Unteroffizier Frey, der sich inzwischen mit wenigen Leuten bis zum Graben durchgeschlagen hatte, gelang es, mit Handgranaten die Engländer von diesem Grabenstück fern zu halten – links und rechts fluteten sie dem Graben entlang weiter – und seinen stöhnenden Leut-nant zu verbinden. Dicht hinter der Hauptwiderstandslinie stieß der Gegner auf 2 schwere Maschinengewehre. Das eine wurde ohne Bedienung angetroffen und erbeutet, die Mannschaft des anderen durch Handgranaten gezwungen, sich 50 – 100 Meter zu-rückzuziehen, von wo aus sie weiterfeuerte.
Die Engländer machten anscheinend nach Verabredung auf eine grün-rote Leuchtkugel hin kehrt. „Die waren saufrech; mehr als Kurasche haben die gezeigt,“ meinte nachher ein Unteroffizier und erkannte bei aller Übermacht des Gegners dessen stürmische Tapferkeit an. Aber nun spielten sich Szenen ab, die dem Feind keine Ehre machen. In alle Unterschlupfe und Granatlöcher, in denen sie Verwundete vermuteten, schossen sie hinein! Wie durch ein Wunder kam Vizefeldwebel Ruoff, der mit zerschmetterter Hand und durchschossenem Oberschenkel noch im Vorfeld lag, mit einem Streifschuß über Kopf und Brust davon. Nur dadurch, daß man sich tot stellte, entging man dem Meu-chelmord. Die Ordonnanz des Leutnant d. R. Krauß beobachtete, wie zwei Engländer, die an ihm mit der Bemerkung: „Kaput!“ vorbeigegangen waren, noch einmal umkehr-ten und sich an der Leiche des Leutnant d. R. Krauß zu schaffen machten, die später ohne E. K. I, ohne Revolver und ohne Achselstücke aufgefunden wurde. Von den zwei einzigen Überlebenden der Gruppe, von der oben erzählt ist, kam der eine dadurch mit dem Leben davon, daß er bewegungslos und unbemerkt in einem Häuflein Toter lag, der Führer der Gruppe dadurch, daß er mit einem Bajonettstich in der Brust in einem Unterstand ein sicheres Versteck gefunden hatte. Die Unterschlupfe wurden von den Engländern mit einer Brennflüssigkeit belegt und rauchten noch lange.
Inzwischen war der Vizefeldwebel Stiehr* (8.) mit einigen zusammengerafften Leuten der 11. Komp. und der 3. M. G. K. vorgekommen. Er stellte die Postenlinie, soweit möglich, wieder her und erhielt das Kommando über die 11., die nur noch drei Grup-penführer hatte – Fähnrich Berroth und Vizefeldwebel Kahles waren vermißt – bis am andern Morgen der neue Kompagnieführer, Leutnant d. R. Kramer, bei hellem Tag herauskam und die Führung der furchtbar mitgenommenen Kompagnie übernahm.“

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

*Stier

Mittwoch, 2. Mai 2018

2. Mai 1918



„Am 2. Mai brachen Stoßtrupps der 6., 7. Kompagnie und Teile der 10. Kompagnie unter Führung von Leutnant d. R. Kübler und Thumm gegen einen vorgeschobenen englischen Graben beim Stützpunkt „Rabenhorst“ vor, drangen in den Graben ein und begannen ihn mit Bajonett, Handgranaten und Pistole aufzurollen. Die Besatzung wehrte sich tapfer, aber Leutnant Kübler schießt einen sich zur Wehr setzenden Feind mit der Pistole nieder, Unteroffizier Nagel erledigt einen Posten mit einer Handgranate. Die englische Besatzung flieht nach blutigen Verlusten durch einen Annäherungsgraben nach rückwärts; ein englischer Gegenstoß wird von den Stoßtrupps des Leutnants Küb-ler und freiwillig herbeieilenden Unterstützungen des Vizefeldwebels Rebmann aufge-fangen. Nachdem die tapfere Schar dem Gegner noch weitere Verluste beigebracht hat, zieht sie sich unter Mitnahme eines toten Engländers, eines Neuseeländers, der zahlrei-che Briefschaften, darunter auch Photographien aus Neuseeland bei sich führte, in die Ausgangsstellung zurück. Eigene Verluste leider bedeutend: Leutnant d. R. Kübler im-mer als Vorderster und 3 Mann vermißt; sie waren vor dem englischen Graben, auf nächste Entfernung beschossen, niedergestürzt. Leutnant d. R. Thumm (2 Schüsse in Schulter und Arm) und 12 Mann verwundet.“

aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Dienstag, 1. Mai 2018

1. Mai 1918




„Die neue Stellung war höchstens insofern der alten vorzuziehen, als sie nicht völlig im Tal, sondern auf halbem Hang lag und nicht durch den Bach in zwei Teile zerfiel. Sie begann etwa bei der Straße Feldweg – Kreuzung 900 Meter nordwestlich Dernancourt und zog sich von da ungefähr in nordsüdlicher Richtung bis zur Mühle zwischen Der-nancourt und Ville sur Ancre.
Die rechte Flügelkompagnie, die 12., fand hinter der starken Wegeböschung ganz guten Schutz, daher folgte die Stellung diesem Wege fast 900 Meter, um dann erst im rechten Winkel dazu abzubiegen. Hier mußte man allerdings Flanken- und Rückenfeuer mit in Kauf nehmen. Anschließend stand 11. Kompagnie und weiter 10. bis zum Bahndamm. Südlich vom Bahndamm bis zur Mühle 9. Am Bahndamm nördlich vom Dorfrand die 3. Kampftruppenkommandeur in einem Haus an der Straße nach Vivier-Mühle.
An Nachrichtenmitteln standen zur Verfügung: Telephon, Blinker, Funker, Erdtelegraph und Läufer; an Minenwerfern außer der Abteilung zweier Bataillone 2 mittlere Werfer im Orte. Die Beschießung hatte noch zugenommen. Auch der Bombenwurf der Flieger hörte Tag und Nacht nicht mehr auf. Am Schluß des ersten Tages meldete der Kampf-truppenkommandeur als gefallen: 1 Unteroffizier und 4 Mann, verwundet: 1 Vizefeld-webel, 2 Unteroffiziere und 14 Mann. Also 22 Mann Verlust. Solche Ausfälle waren bisher an einem Tage nur bei Großkämpfen vorgekommen. Am folgenden Tage gab es auch schon eine Reihe Gaskranker.
Soweit die Kräfte reichten, wurde am Ausbau der Stellung gearbeitet. Es gab schon kleine Grabenstücke, die nun verlängert werden konnten.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

Montag, 30. April 2018

30. April 1918



„In der Nacht traf neue Munition ein, meist falsche, aber auch ein Stapel brauchbarer Geschosse. Die Gefechtsbagagen, die Munition, Bespannungen, Verpflegung, etwas In-fanterie und Artillerie waren in der Dunkelheit auf unserer Notrampe, einem wackeligen Bau von Bahnschwellen zu entladen; Licht hätte die feindliche Artillerie auf das Durch-einander gezogen und das hätte gerade noch gefehlt. Rangiergeleise besaß Haltepunkt Rjashenoje nicht; das Stationspersonal war geflüchtet und nur die russischen Lokomo-tivführer und Heizer unserer bewaffneten Lokomotiven hielten aus, freiwillige, präch-tige Burschen voll Abenteuerlust und Haß der roten Garde, die wir leider nur durch Anerkennung und Rubel belohnen konnten. Es geht alles; die Entleerung der Züge wurde ohne Unfall zuwege gebracht, so unmöglich das ausgesehen hatte.
In der Frühe des nächsten Tages waren 8./L. 126 und zwei weitere Feldbatterien ge-fechtsklar zur Stelle. II./L. 121, eben eingetroffen, verließ einige Kilometer hinter Rjashenoje seinen Transportzug und der Regimentsstab L. 121 übernahm den Befehl. Wir griffen an: III. Bataillon frontal, II./L. 121 nach Hakenmarsch flankierend von Os-ten her. Ein deutscher Flieger strich die feindlichen Gräben ab und wurde wild beschos-sen; unverschämt niedrig flog der Mann. Zwischen den in ihre Ausgangsstellungen rückenden Truppen und Kanonen tauchten plötzlich die Männer von Rjashenoje mit ihren Viehherden auf; sie glaubten alles vorüber. „Ihr verfluchten Kerls, wollt ihr wohl machen, daß ihr wieder fortkommt. Gleich geht’s los!“
Die Artillerie eröffnete den Kampf. III. Bataillon mit 8./L. 126 faßte die Bolschewisten von vorn an; vorerst nicht zu scharf; das II. Bataillon mußte sich erst in ihre Flanke geschlängelt haben. Am rechten Flügel trieb die Lokomotive des Leutnant Portheine ihr Unwesen mit M.-G.-Feuer nach rechts, links und vorwärts, das große Wort aber redete die rote Artillerie, sie beschoß alles, unsere Schützenkette, das Hinterland, Ort Rjash-enoje, unsere Batterien, den Regimentsgefechtsstand und auch Punkte, an denen gar nichts stand, beschoß alles mit wütender Ausdauer. Die 10. Kompagnie wurde beim Überschreiten eines Hügelrandes besonders heftig zugedeckt; wie durch ein Wunder traten keine Verluste ein. Bolschewistisches Gewehr- und M.-G.-Feuer um uns; wie sie hinter ihren Erdwällen auftauchten, abzogen und schnell den Kopf wieder wegsteckten, die feindlichen Schützen! Unser Feuer hielt sich vorerst in Grenzen; unser Augenblick war noch nicht gekommen.
Der rote Stab schien auf einer der Windmühlen eingerichtet; der lebhafte Verkehr verriet’s. Jetzt mußte er unser II. Bataillon entdeckt haben; eine Gruppe der feindlichen Batterien drehte nach Osten ab und legte dorthin einen dicken Feuergürtel, andere pfef-ferten weiter auf das III. und in den Ort Rjashenoje. Ein Blick zurück. In den Dorf-straßen warteten, durch die Bauernhäuser zur Not gegen Sicht gedeckt, unsere Bespan-nungen, M.-G.-Fahrzeuge, die Gefechtsbagagen und Munitionskolonnen, auf engen Raum zusammengedrängt; wenn das nur gut ging! Strohmieten und ein Gehöft standen in Flammen, schwarzer Qualm lagerte über dem Nest, Erdfontänen spritzten überall auf. Eine Batterie galoppierte mitten durch nach vorn; Oberleutnant Greiß wechselte die Stellung.
Mulden und Falten benutzend hatte sich das II./L. 121 von Osten her in höllischem Artilleriefeuer bis 10 Uhr vormittags an den rechten Feindlichen Flügel vorgebracht und Verbindung mit der 12./L. 121 aufgenommen. Von vorn oder flankierend, wie es kam, wurde jetzt zugepackt, die vorgeschobenen Nester des Feindes wurden im Nahkampf überwältigt. Beim Überschreiten eines Höhenrandes lag unversehens eine längere rote Schützenlinie senkrecht zur Front des II. Bataillons, das ihr durch Flankenfeuer prompt den Garaus machte. Stoßtrupps schwenkten nach seitlich gestaffelten Stellungen und hoben sie auf; der rechte Flügel der Bolschewisten wurde zermürbt und auseinander-getrieben.
Entscheidend griff Oberleutnant Greiß jetzt von seiner neuen Feuerstellung ein und die lauteste der roten Batterien verstummte. Der feindliche Windmühlengefechtsstand wur-de in Brand geschossen, der rote Stab zersprengt; unsere Artillerie riß fühlbar die Feuer-überlegenheit an sich.
Während III. Bataillon frontal den Sturm ansetzt, rollt das II. die feindliche Stellung von Osten her auf. Das Gefecht hat seinen Höhepunkt erreicht, die Maschinengewehre bei-der Seiten hämmern unaufhörlich, Geschosse und die dumpfen Schläge der krepieren-den Granaten peitschen durch die Luft. Immer stärker treten die deutschen Waffen her-vor, immer mehr schwächt der Gegner ab; er weicht unter dem flankierenden Einbruch; wetterndes Verfolgungsfeuer, und er flieht, was er laufen kann; das zerklüftete Land erleichtert ihm das Entkommen. In einem Zug wird seine erste und zweite Stellung genommen; da und dort flackert das Feuer gegen neuen Widerstand noch einmal auf, dann durchkämmen unsere Schützenketten das Gebiet, Gewehre unter dem Arm, die Nase nach Süden, sammeln Beute, machen Gefangene.
Es ist Nachmittag geworden. Was vom Feind nicht auf dem Gefechtsfeld liegen blieb, flüchtete in Bahnzügen nach Taganrog. Leutnant Portheine besserte die Geleise aus und jagte ihnen nach. Mit ungeschickt angelegten und besetzten Aufnahmestellungen der Bolschewisten beiderseits der Bahn machten seine Maschinengewehre kurzen Prozeß und wo die nachfolgenden Kompagnien auf tote Bolschewisten stießen, fehlte diesen die Fußbekleidung: „denen hat der Panzerzug die Stiefel ausgezogen“ – wir brauchten das Schuhwerk, und brachte man es nicht in Sicherheit, so nahmen es die Landesbewohner, welche die Gefallenen grundsätzlich bis auf die nackte Haut ausplünderten.
Regimentsstab und II. Bataillon gingen in Pokrowskaja zur Ruhe über, während III./L. 121 mit der 1. Batt./Landw.-F.-A.-R. 1 abends Sicherungen in Linie Nowo-Troitzkoje – Bahnhof Koschkino einnahm. Zu später Nachmittagsstunde belegte ein deutscher Flie-ger, der anscheinend von den Vorgängen keine Ahnung hatte, unser I. Bataillon auf Bahnhof Neklinowka mit Bomben; Leutnant Rieg wurde tödlich verwundet.“


aus: „Das Württembergische Landw.-Infanterie-Regiment Nr. 121 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1925

Sonntag, 29. April 2018

29. April 1918



„Am 29. April setzte plötzlich 3 Uhr nachmittags ein heftiger Feuerüberfall leichter Minen und Gewehrgranaten auf den Abschnitt (Danzig) der linken Flügelkompagnie und die Sappe (David) vor der Mitte von Danzig ein. Mit dem Hochgehen einer weißen Leuchtkugel 3.40 Uhr nachmittags wurde das Minenfeuer östlich David verlegt und so unser erster Graben nach vorwärts abgeriegelt. Gleichzeitig griffen 8 – 10 Engländer die beiden Posten der Sappe David an. Beide – Gefr. Krauß* und Musketier Seebold der 7. Kompagnie – stürzten sich obwohl durch Minensplitter schon bedenklich verwundet, mit Handgranaten auf den mit aufgepflanztem Seitengewehr anstürmenden Gegner und zwangen ihn zur Umkehr. Gefr. Krauß erlag leider am gleichen Tage seinen schweren Verletzungen, Musketier Seebold wurde mit dem E. K. I ausgezeichnet.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1923


*Knauß

Samstag, 28. April 2018

28. April 1918



„Man lag im sogenannten „Niemandsland“, in Quéant waren vom vorjährigen deutschen Rückzug her sämtliche Brunnen verstopft. Um Wasser zu bekommen, mußte die dortige Kompagnie in mühseliger Arbeit durch den Kreidefels hindurch einen tiefen Schacht graben. Die ganze Gegend war leblos, alles zerstört. Nicht einmal Vögel gab es mehr, nur an Ratten und Mäusen war Überfluß. Die einstigen Waldungen waren zerschossen, das Gelände von unzähligen Granatlöchern durchfurcht. Auf Schritt und Tritt stieß man auf Blindgänger, auf verlassene deutsche und englische Gräben, auf Drahthindernisse, in denen noch die Gerippe vermoderter englischer Soldaten hingen. Es war das Gebiet der einstigen Sommeschlacht, mein Bild des Todes. Wie anders waren die Bilder gewesen, die man in Italien drunten in sich aufgenommen hatte! Täglich gab es heftige Flieger-kämpfe. In strenger Arbeit eilten die Wochen dahin.“

aus: „Landsturm vor! Der mobile württembergische Landsturm im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart, 1929

Freitag, 27. April 2018

27. April 1918



„Am 27. April, 4 Uhr morgens, wurde auf die Nachricht hin, daß die Engländer Teile des Inf.-Reg. 478 zurückgedrängt haben, Angriffsbereitschaft eingenommen, die Unter-stützungen der beiden anderen Bataillone hinter deren linken Flügel geschoben, vom Bataillon in Reserve Sicherungen und Erkundungspatrouillen nach Südwesten hinter den rechten Flügel der vordersten Linie des Inf.-Reg. 478 entsendet. Tatsächlich hatten ohne Feuervorbereitung Australier das Inf.-Reg. 478 angegriffen und teilweise zurück-gedrängt. Das als Divisionsreserve bestimmte Bataillon des Füs.-Reg. 122 trat zum Gegenstoß an und brachte den Angriff, der auf den Abschnitt des Inf.-Reg. 479 nicht übergegriffen hatte, zum Stehen.
In der Nacht vom 27. zum 28. April wurden die noch im Abschnitt verbliebenen Teile des Reg. 479, das I. und II. Bataillon mit der 12. Kompagnie durch zwei Bataillone des bayrischen Ersatz-Inf.-Reg. 3 abgelöst. Die Ablösungen erfolgten ohne Störung.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 479“, Stuttgart 1923

Donnerstag, 26. April 2018

26. April 1918



„Die natürliche Folge des deutschen Angriffs war eine Steigerung der Tätigkeit und eine Vermehrung der feindlichen Artillerie. Die Waldstücke von Vaire, Accroche und Tailloux rauchten von den Einschlägen der feindlichen Granaten. Jede erkannte Stellung wurde wütend beschossen. Die beherrschende Höhe 104 bot hierzu den Engländern einen vorzüglichen Beobachtungspunkt.
Mit ganz kurzen Unterbrechungen lag nunmehr das Regiment seit 26. März im Mittel-punkt der Kämpfe an der Somme. Kleidung und Schuhzeug war allmählich zerrissen. Die unregelmäßige Nahrung, die meist kalt und abgestanden in die kämpfende Front gelangte, schwächte die Gesundheit. Die kalten Nächte, das tagelange Liegen im Wasser und Schmutz brachten Fieber und Erschöpfung. Und dennoch blieb der Krankenstand ein außerordentlich niederer. Wie manche hätten, oft mit gutem Grund, die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen können. Sie haben es nicht getan, sondern bei ihren Kame-raden in der Front ausgehalten.“

aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Mittwoch, 25. April 2018

25. April 1918



„Kurz nach Mitternacht am 25. April bricht unter heftigem Feuer auf unsere rück-wärtigen Stellungen der englische Gegenangriff los. Dem Inf.-Regt. 48 wurde durch englische Massen das Dorf Villers Bretonneux wieder entrissen und von dort aus gelang es dem Gegner, unserem II. Bataillon in Flanke und Rücken zu kommen. Die 6. Kom-pagnie am linken Flügel wurde trotz heftigen Widerstandes völlig aufgerollt und nur noch Trümmer kamen zurück. Die 8. und 7. Kompagnie, die Gefahr noch rechtzeitig erkennend, können sich etwa 450 Meter zurückziehen und dort wieder erneut aufbauen und dem Gegner energisch Halt gebieten.
Am Morgen des 25. ist die Lage ziemlich ungeklärt, besonders ist der Verlauf der vorderen Linie nicht einwandfrei festgestellt. Das Regiment entsendet daher in den frühen Morgenstunden seinen Ordonnanzoffizier, Leutnant d. L. Feil (Wilh.) und seinen Nachrichtenoffizier, Leutnant d. R. Reichert, zur Erkundung nach vorne. Leutnant Feil geht im Schutze des Frühnebels die vordere Stellung in Begleitung eines Artilleriever-bindungsoffiziers, Leutnant d. R. Steiner, Feldart. 238, ab. Da, als sie ihre Aufgabe fast erfüllt hatten, hebt sich für einen Augenblick der Nebelschleier und aus nächster Nähe rattert ein feindliches Maschinengewehr los. Leutnant Feil sinkt schwer durch den Hals getroffen zusammen, Leutnant Steiner will den blutenden Kameraden verbinden, doch zu Tode getroffen fällt er über den Schwerverwundeten. Treue Mannschaften holen Leutnant Feil unter Lebensgefahr zurück in den Sanitätsunterstand des Regiments. Dort zeichnet der durch Blutverlust völlig erschöpfte Offizier, dessen durchschossene Zunge jegliche Sprache versagt, die von ihm festgestellte lückenlose vordere Linie mit zittrigen Strichen auf Meldekarte, ehe er ohnmächtig auf der Tragbahre zurücksinkt.
Mit zäher Energie versucht es der Gegner unablässig, unsere Linien zurückzudrücken, aber nur kleine Grabenstücke müssen ihm nach hartem Kampf preisgegeben werden. Das Tags zuvor mühsam Eroberte geht so allmählich wieder verloren; bitter, sehr bitter, das erdulden zu müssen. Aber das Regiment ist von dem langen Einsatz und dem an-dauernden trommelartigen Feuer des Gegners so abgekämpft und zusammengeschossen, daß die Linien zu licht sind, um den Massenanstürmen der Engländer erfolgreich in den halbverschütteten Löchern Widerstand zu leisten.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 479“, Stuttgart 1923