Mittwoch, 14. November 2018

14. November 1918


Aus der Stammrolle der 6./FAR 116:
„v. Nagy kam laut Lazarettmeldung am 10. 11. 18 wegen Grippe in das Württ. Feldlaz. Nr. 256 in Ensisheim, Elsaß, von da aus kam er in den Lazarettzug nach Stuttg. in welchem er bei Horb verstorben ist u. zur Beerdigung in Horb ausgeladen wurde. Sterbefallanzeige wurde dem Standesamt Rudolstadt erstattet.“

Dienstag, 13. November 2018

13. November 1918


Das III. Bataillon des Württembergischen Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 121 sollte Ende Oktober 1918 im Verband der 7. (Württembergischen) Landwehr-Division von Rostow am Don über Bessarabien an die Donau verlegt werden, wurde aber am Dnjestr nach Süden umgeleitet, da das österreichisch-ungarische Kontingent in Odessa meuterte. 
Während das III./LIR 121 am 30. Oktober 1918 Odessa erreichte, erkrankte Albert Baumann am 20. Oktober 1918 auf dem Transport an fieberhaftem Darmkatarrh und wurde am 27. Oktober 1918 zu-nächst ins k. u. k. Feld-Spital Nr. 502 in Elisabethgrad (heute Kropywnyzkyj) in der Ukraine einge-liefert. Er verstarb auf dem Krankentransport in die Heimat im bayerischen Kriegs-Lazarett in Kowel. 

Montag, 12. November 2018

12. November 1918



„Am 10. November folgte der Gegner im Laufe des Tages mit Kavallerie-Patrouillen und schwachen Infanterie-Kräften bis in die Linie Seloignes – L‘ Air d‘ Oiseaux. Die eigenen Patrouillen wurden ins Vorfeld zurückgenommen. Die feindliche Artillerie gab vereinzelte Schüsse auf den mittleren Regimentsabschnitt mit leichten Kalibern ab.
Zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags herrschte sehr rege Fliegertätigkeit. Es erschienen gleichzeitig gegen 100 feindliche Flugzeuge, die den Bahnhof Mariembourg mit Bom-ben belegten.“

aus: „Die 26. Infanterie-Division im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1927

Sonntag, 11. November 2018

Waffenstillstand 11. November 1918

Auch nach Beginn des Waffenstillstandes am 11. November 1918 um 11.00 Uhr französischer bezie-hungsweise 12.00 Uhr mittags deutscher Zeit wurde bei allen am Weltkriege beteiligten Parteien weiter gestorben. Die Zahl der Weltkriegstoten beim württembergischen Teil des Landheeres belief sich bis zum  31. Dezember 1934 auf 80.193 Tote, das heißt Gefallene, an Verwundungen oder Krankheiten Verstorbene und gerichtlich für tot Erklärte. Das Schicksal von rund 2.700 vermißten württembergischen Weltkriegsteilnehmern war zu diesem Zeitpunkt noch immer ungeklärt.
Auf Grund der immer schlechter werdenden Quellenlage kann die Seite wuerttemberger-im-weltkrieg.de nur noch in sehr eingeschränkter Form einige Zeit in losen Abständen weitergeführt werden.
Niemals hätte ich bei Erstellung der Seite mit über 150.000 Seitenaufrufen gerechnet. Ich konnte hier einige interessante und wertvolle Bekanntschaften schließen und einige Nachfahren bei der Klärung des militärischen Werdeganges ihrer Vorfahren unterstützen, aber auch meine Soldaten- und Bilddaten-banken durch mir zur Verfügung gestelltes Material ergänzen.

Herzlichen Dank an an alle Interessierten!

11. November 1918



„Unmittelbar nach Erklärung des Waffenstillstandes erlitt die Schwadron noch einen schweren Verlust durch den tragischen Tod eines jungen Offiziers. Leutnant d. R. Thomä, der 12 Uhr mittags auf Beobachtung war, ging 10 Minuten später mit Sergeant Benz und Gefreiten Schweiger von Höhe 314 (1 km nordwestlich Olizy) nach Inor an der Maas, um sich von der Einstellung der Feindseligkeiten zu überzeugen und die Unterbringungsmöglichkeiten für die Infanterie dort festzustellen. Als sie die Dorfstraße entlang gingen, sahen sie sich plötzlich mehreren Amerikanern gegenüber, die, in einer Scheune stehend, ihre Gewehre gegen die Patrouille anschlugen. Leutnant Thomä rief den Amerikanern in englischer Sprache zu, daß Waffenstillstand eingetreten sei, wurde aber nicht verstanden. Die Schüsse krachten, und von mehreren Geschossen getroffen, brach der junge Offizier tot zusammen. Sergeant Benz konnte, seitwärts in eine Scheune springend, sich retten: er kletterte ins Gebälk und gelangte durch Absprung aus einem Fenster ins Freie. Gefreiter Schweiker geriet in Gefangenschaft.“

aus: „Das Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württ.) im Weltkrieg 1914-1918“ Stuttgart, 1927

Samstag, 10. November 2018

10. November 1918



„Was die Gefechtstätigkeit anbelangt, so nahm außer der Fliegertätigkeit das Artillerie-feuer des Gegners, das sich zuerst mehr ins Hintergelände richtete, vom 7. November ab zu und richtete sich auf einzelne Abschnitte der Maasverteidigung. Auch Minenfeuer bei Inor und Maschinengewehrstreufeuer bei Nacht kamen vom 8. November ab dazu. Dies alles waren Beweise, daß die amerikanische Infanterie jetzt auf dem jenseitigen Ufer festen Fuß gefaßt hatte, ohne aber bei Tag aus ihrer Zurückhaltung herauszugehen. Dagegen schwoll am 10. November der Artilleriekampf in der linken Flanke sehr stark an, wo der Gegner über die Maas setzte und Stenay und Baalon einnehmen konnte. Auch rechts drüben bei Beaumont (1870!) war dauernd starker Artilleriekampf, in den zeitweilig Feuerüberfälle in den eigenen Abschnitt einfielen, die bis in den Vormittag des 11. andauerten. An diesem letzten Kampftag fielen daher 5.30 Uhr früh als letzte Tote des Regiments von der 1. Kompagnie Sergeant Winkler, Unteroffizier Wagner, und Gefreiter Willbold. Auch das II. Bataillon erhielt in der Nacht von 10. auf 11. November noch schweren Beschuß, der im Zusammenhang mit einem Großangriff der Amerikaner in der rechten Flanke stand.“

aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

Freitag, 9. November 2018

9. November 1918



„Es hatte bei dem Rückzug viel geregnet, der Boden war schlüpfrig, oft mußte man durch Drahthindernisse sich durchwinden und das alles bei Nacht.
Weiter jedoch schritt die englische Flankenbedrohung, weiter mußte der deutsche Rück-zug gehen bis an den Abschnitt von Ferrière. Hier durchschritt man eine besetzte deut-sche Stellung, befand sich also nicht mehr unmittelbar am Feind.
Das war dringend notwendig, denn das Regiment war am äußersten Ende seiner Leis-tungsfähigkeit angelangt, die innere Ordnung ging mehr und mehr verloren. Teilnahms-los zog die Mannschaft während der Nächte weiter, übers freie Feld oder auf gänzlich verbrauchten Straßen, wo man sich zwischen Kolonnen aller Art und Flüchtlingen durchquetschen mußte. Tagsüber lag man im Schlamm der Schützengräben, ohne Ruhe, schlecht verpflegt, vom feindlichen Fernfeuer und Fliegern beschossen, trostlos, traurig. Und nichts besserten dabei die wilden Gerüchte, die von den Zuständen in der Heimat berichteten.
Man fühlte zwar, auch der Gegner ist am Ende seiner Kraft, seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Aber was nützte das, wenn die Nachricht stimmte, daß in Kiel die deut-sche Flotte gemeutert habe.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Donnerstag, 8. November 2018

8. November 1918



„Am 27. Oktober gelang es den Engländern, über den Scheldekanal bis Bruille vorzu-fühlen. Die Kompagnie wurde nach Grandglise zurückverlegt; ihr Kampfwert war aber durch die Tag und Nacht währenden Arbeiten sehr herabgedrückt. Am 8. November wurden alle Zerstörungswerke gesprengt. Hierbei verunglückten in Grandglise 8 Unter-offiziere und Pioniere tödlich (Vizefeldw. Bühler, Unteroff. Zimmermann, Kienzle, Pion. Auweter, Mangold, Mögle, Gräßle, Peller).“

aus: „Das Württembergische Pionier-Bataillon Nr. 13 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Mittwoch, 7. November 2018

7. November 1918




„Am 7. November, 7 Uhr vormittags, wich der dicht über dem Barbachtal lagernde Nebel. Schwaches Infanteriefeuer schallte durch die Waldungen und zeigte an, daß unsere Patrouillen noch immer sich vor der Front herumschlugen. Dann aber wälzten sich dichte und tiefe Schützenlinien heran. Ein kurzer Kampf und der Feind flutet zurück. Das Ersteigen der Höhen nördlich Cheveuges war nicht so leicht; der Feind setzte sich im Straßengraben und dem beim Dorf gelegenen Friedhof fest. Hier faßte ihn unsere Artillerie; er gab die Stellung bald auf. Der Auftakt für den Tag war gegeben. Siegessicher standen die dünnen Linien der Bataillone.
Gegen Mittag entwickelte der Gegner starke Kräfte aus dem Bois de la Queue, südlich Cheveuges. In 105 Wellen kam er heran. Sobald der Angriff erkannt war, schob das Regiment zwischen seine beiden Bataillone noch das ihm zur Verfügung gestellte I./32. Auch dieser Angriff zerschellte. Allein der Kampf war schwer; die eigene Artillerie konnte nur wenig helfen. Sie besaß nur noch Gasmunition; Brisanzgeschosse kamen nicht heran. Die in Deutschland ausgebrochene Revolution faßte ihren Grundsatz der Brüderlichkeit so auf, daß sie den noch kämpfenden Brüdern jede Zufuhr verweigerte. Im eigenen Gas, das ein ungünstiger Wind auf die Stellung zurücktrieb, traten schwere Verluste ein.
Das Regiment stand fest in seiner Stellung, als plötzlich links sich nähernder Kampf-lärm vernehmbar war. Die linke Nachbardivision ging auf die Maas zurück. Offen lag dem feindlichen Angriff die linke Flanke des Regiments. Schnell raffte dieses an Kräf-ten zusammen, was verfügbar war. Ein Bataillon des Inf.-Reg. 71 wird zum Flanken-schutz bereitgestellt. Der linke Flügel, 10. Kompagnie, biegt zurück. Schwer wird die Gefahr des Abdrängens von Sedan. Die ganze Division ist gefährdet. Für den Abend ist der Abmarsch hinter die Maas befohlen. Bis dahin gilt es, zu halten. Alles, was zurück-gesandt werden kann, wird in Bewegung gesetzt. Auf der Straße nach Sedan herrscht ein unglaubliches Gedränge. Die schwere Artillerie hat keine Munition mehr; sie geht daher zurück; die leichte hat nur Gas. Minenwerfer bleiben wegen Munitionsmangels untätig. Der Gefechtstroß muß schleunigst abgeschoben werden. Scharf drängt der Geg-ner an die Maas, der weichenden linken Nachbardivision nach auf Wadelincourt. Im Rücken des Regiments erhält Frenois Feuer von links. Ein Wunder, daß keine Panik ausbrach; ein Beweis für schwäbische Treue, für den Segen der Disziplin. Immer weni-ger werden die Verteidiger; doch sie halten bis zur Nacht und endlich dürfen auch sie hinter den schützenden Fluß.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

Dienstag, 6. November 2018

6. November 1918



„Mitternacht war schon vorüber. Kein Schuß unterbrach die Stille. Die Nacht war tief dunkel. Da, kurz vor 3 Uhr morgens, wurde die am rechten Flügel des Regiments ste-hende 6. Kompanie plötzlich von Engländern in der Flanke überraschend gepackt und aufgerollt. Der Feind war wie aus dem Boden gewachsen. Die links anschließende 5. Kompanie konnte mit knapper Not gerade noch 200 Meter nach Osten ausweichen. Ehe sie sich versehen hatte, hatte der Feind die schwache Besatzung der Mecrimont-Ferme überrannt. Die Ferme war englisch.
Das alles war im Laufe weniger Minuten erfolgt. Als Leutnant d. R. Schoder um 3 Uhr morgens die Überraschung telephonisch meldete, glaubte Hauptmann Franke zunächst an ein Phantasiegebilde. Er fragte beim rechten Nebenregiment an. Dieses erwiderte, die Meldung des Leutnants Schoder stimme. Der Feind habe die Sicherung an der Eisen-bahnbrücke südlich Berlaimont völlig überrascht, ohne daß dabei ein Schuß gefallen wäre, desgleichen die linke Flügelkompanie. Auf diese Weise sei es möglich, daß der Gegner unbemerkt dem Füsilier-Regiment in die Flanke gekommen sei.
Gleich darauf klingelte Hauptmann Uhland, der Führer des I. Bataillons an: sein Batail-lon halte noch, die 1. Kompanie habe nach Norden abgeriegelt.
Das klärte die Lage. Hauptmann Franke gab dem in Leval liegenden III. Bataillon den Befehl, zum Gegenstoß nach Norden anzutreten und die Mecrimont-Ferme wieder in Besitz zu nehmen. Das II. Bataillon sollte, sobald der Angriff des III. Bataillons von Süden her wirksam werde, seinerseits von Osten her angreifen. War der Feind nicht übermäßig stark, so mußte er durch diesen doppelseitigen Angriff in eine Art Zange geraten. Die Möglichkeit war gegeben, ihn gründlich zu schlagen.
Leider schwand diese Möglichkeit bald. Das III. Bataillon stieß auf geschlossene eng-lische Kompanien. Man prallte in der dunklen Nacht auf Schrittweite aufeinander. Hier entschied nur mehr die Masse und die rohe Gewalt. Und diese war beim Feinde. Es kam zu erbitterten Nahkämpfen. Schüsse fielen fast gar nicht, Maschinengewehre und Artil-lerie waren in dem nächtlichen Durcheinander ausgeschaltet. Nur das Bajonett tat hier seine Arbeit.
Es war – zum erstenmal wieder seit langer Zeit – ein reiner Infanteriekampf, der im Dunkel der Nacht am Sambre-Kanal ausgefochten wurde. In breiter geschlossener Front, in ruhiger Gleichmäßigkeit, drückte der Engländer von der Eisenbahnbrücke bei Berlaimont aus nach Südosten. Wenn an einer Stelle die schwachen Kompanien des Regiments Widerstand leisteten, blieb die englische überflügelnde Front im Vorgehen und kam so von selbst in Rücken und Flanke. Mehr als einmal hat nur die tiefe Dunkel-heit, die unbemerktes Entschlüpfen durch eine schmale Gasse erlaubte, die Kompanien vor der Umzingelung gerettet.
Es wurde 6 Uhr morgens.
Das I. Bataillon hielt immer noch seine alte Stellung. Ein Teil hatte Front nach Norden, der andere Front nach Westen. Das II. und III. Bataillon lagen um diese Zeit hart bedrängt an der Bahnlinie nordwestlich Petit Maubeuge. Um 6.30 Uhr vormittags wurde das I. Bataillon von Norden und Nordosten her gefaßt. Ein Zurückgehen nach Osten war nicht mehr möglich. Hier stand bereits der Feind. Um der fast unvermeidlich geworde-nen Gefangennahme zu entgehen, faßte Hauptmann Uhland und seine Kompanieführer einen kühnen Entschluß: nach Westen, also gegen den Kanal zu, durchzubrechen, und dann, am Kanal entlang nach Süden vorgehend, Anschluß an die 121. Division zu ge-winnen.
Der dichte Nebel half dem Bataillon. Der Plan gelang den Kompanien, nicht aber dem Bataillonsstab. Dieser stieß auf allernächste Entfernung im Nebel mit einer geschlos-senen englischen Abteilung zusammen, die nach der ersten gegenseitigen Überraschung zu feuern begann. Es war fast ein Wunder, daß der ganze Stab unverletzt nach Osten entkam. Die Kompanien schlugen sich an den Westrand von Leval durch, fanden bald Anschluß an die 121. Division und kämpften dort den Tag über mit.
Da auch ein Teil des III. Bataillons nach Süden abgedrängt worden war, war die Ge-fechtskraft des Regiments in dem ihm zugewiesenen Abschnitt (bei und nördlich Bahn-hof Aulnoye) allmählich verschwindend gering geworden. Zwischen dem Südrand von Aulnoye und der Bahnlinie lag das arg mitgenommene II. Bataillon mit Schützengrup-pen und ein paar Maschinengewehren. Die breite Höhe südlich des Bahnhofs war zu-nächst frei von Freund und Feind. Zu allem hin griffen jetzt, etwa 8 Uhr vormittags, die Engländer das rechts neben dem Füsilier-Regiment liegende Regiment an. Die 479 wehrten sich aber in Aulnoye energisch. So gewann Hauptmann Franke Zeit, am West-rand des Bahnhofs eine zusammenhängende Schützenlinie aufzubauen und dicht östlich des Bahnhofs aus Pionieren und Fernsprechern eine kleine Reserve von 50 Mann zu bilden.
Etwa um 9 Uhr vormittags sah man auf der Höhe südlich des Bahnhofs Bewegung: entweder eine englische starke Patrouille oder eine schwache deutsche Schützenlinie. Es waren die drei Bataillonsstäbe des Regiments, die hier die Höhe verteidigten. Bis 1.20 Uhr nachmittags haben sie den Höhenzug gehalten. Hauptmann Uhland wurde dabei verwundet. Die Besatzung der Höhe betrug ausschließlich der Offiziere ganze 16 Ge-wehrträger. Da der weitaus größte Teil des Regiments im Süden bei der 121. Division kämpfte, ergaben es die Verhältnisse bei Aulnoye von selbst, daß die Bataillonsführer zu Zugführern, der Regimentsführer zum Kompanieführer wurde.
Um 1.20 Uhr nachmittags wurden die Stellungen nördlich und südlich des Bahnhofs befehlsgemäß geräumt. Das Regiment ging, um nicht umfaßt zu werden, langsam, mit den Offizieren und Unteroffizieren vor der Front, auf die nächste Höhe, etwa 1 Kilo-meter östlich, zurück und besetzte hier wieder im Anschluß an das Infanterie-Regiment 479.
Als die Dämmerung hereinbrach, schob sich von Süden her die 121. Division an den linken Flügel des Regiments heran. Damit war wieder, nach mehr als 10 Stunden, eine geschlossene Front hergestellt. Auch die zur 121. Division abgedrängten Teile des Füsi-lier-Regiments meldeten sich kompanieweise allmählich wieder zurück. Als es dunkel geworden, war das ganze Regiment wieder beisammen.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Montag, 5. November 2018

5. November 1918



„Den verschiedenen Posten lag die Regelung des Straßenverkehrs auf den nun von rück-marschierenden Fahrzeugen und Truppenteilen überfüllten Straßen ob, ferner das Auf-greifen von Versprengten, die Überwachung des Einwohnerverkehrs usw. Der Posten 8 beim Straßenkommandanten hatte hauptsächlich den Abschub der wehrfähigen Zivilein-wohner aus dem Korpsgebiet zu bewerkstelligen.
Die Rückmarschstraßen, auf denen die Posten ihren Dienst taten, lagen häufig unter feindlichem Artilleriefeuer, auch wurden sie von feindlichen Fliegern stark mit Bomben belegt, so daß immer wieder große Stockungen bei dem außerordentlich starken Verkehr der vielfach nebeneinander marschierenden Kolonnen eintraten. Bei einem dieser Flie-gerangriffe fiel am 5. November der Gefreite Häfele auf dem Posten in Hautmont bei Ausübung seines Dienstes. Die Eskadron betrauerte in ihm einen lieben Kameraden, der von Kriegsbeginn an ununterbrochen bei ihr Dienst getan hatte. Am 6. November wurde er unter Anteilnahme der Eskadron in Beaufort beerdigt. Er war der letzte Mann, den die Eskadron vor dem Feinde verlor..“

aus: „Das Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württ.) im Weltkrieg 1914-1918“ Stuttgart, 1927

Sonntag, 4. November 2018

4. November 1918



„Man glaubte nun, einige Zeit Ruhe zu bekommen, zumal das Regiment nach langem Marsch in die Gegend nordwestlich Maubeuge und Beaufort gelegt wurde. Aber Zeit zum Ruhen war jetzt nicht mehr, mit Riesenschritten ging der Krieg seinem verhäng-nisvollen Ende entgegen und brauchte alle seine erprobten Fronttruppen. Es reichte gerade zum Baden und Entlausen und schon am 4. November morgens um 8 Uhr wurden die Bataillone auf Lastautos wieder zur Front nach Rue de Juifs bei Maroilles vorgefahren. Der Engländer hatte die Stellungen, die das Regiment in der Nacht vom 1. auf 2. verlassen hatte, angegriffen, durchbrochen und war über Landrecies vorgestoßen. Das Regiment erhielt nun den Befehl, etwa vorbrechenden Gegner in der Linie Catillon-Ferme – Blanchissereie-Ferme abzuwehren. Unter heftigem Artilleriefeuer gingen die Bataillone in Stellung und sollten auf Befehl der 54. Inf.-Division, der das Regiment unterstellt war, den bis zum Sambre-Kanal vorgedrungenen Gegner werfen. Doch da die Lage völlig ungeklärt war, unterblieb der Gegenstoß. Heftiges Artilleriestörungsfeuer brachte dem Regiment empfindliche Verluste. Im Vorgehen wurde der Führer der 9. Komp. Leutnant d. R. Haas durch Fliegerbombe verwundet, während dem Adjutanten des II. Bataillons, Leutnant d. R. Kaiser (248) durch einen Granatsplitter beide Beine abgeschlagen wurden, als er eben mit seinem Kommandeur über die Karte gebeugt einen Erkundungsauftrag entgegennahm.
Gegen Mitternacht kam die Mitteilung von der 108. Infanterie-Brigade, daß ihre Infan-terie, die sich mit Teilen noch am Kanal hielt, um 1 Uhr vormittags in die Hermann-stellung III zurückgenommen würde. Das Regiment bekam Befehl, sich in der Nacht in Leval zu sammeln.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

Samstag, 3. November 2018

3. November 1918



„Die Kampfkraft der deutschen Truppen im Abschnitt der Gruppe Maas-West war am 2. November so sehr gesunken, daß diese sich von einer Fortführung der Verteidigung in der bisherigen Weise nichts mehr versprechen konnte. Sie ging am 3. November dazu über, die deutschen Kampflinien unmerklich vom Feinde zu lösen und sie nach Maßga-be des ausgeübten feindlichen Drucks von Kilometer zu Kilometer nach rückwärts zu verlegen. In Nachhutgefechten sollten kampfkräftig gebliebene Truppenabteilungen dem Feind in seinem Folgen nach Möglichkeit Abbruch tun. Nach Eingang der Befehle begannen die Rückwärtsbewegungen. Sie wurden von den Fußtruppen und Kolonnen nicht gerade überstürzt, aber doch in ziemlicher Hast durchgeführt.
Am 3. November abends standen die Reste des Regiments 120 zu einem Bataillon formiert, unter Hauptmann Zwißler, und das II./123 zwischen der Wiseppe und dem Lieuse-Bach. Der Rückmarsch dorthin hatte sich ohne Störung vollzogen. “


aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württemb.) Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1922

Freitag, 2. November 2018

2. November 1918




„8 Uhr vormittags begannen neue amerikanische Angriffe, ununterbrochen suchte der Gegner vom Katzenhof her vorwärts zu kommen. 11 Uhr vormittags wurde am linken Flügel die 9./124 etwas zurückgedrückt, als Inf.-Regt. 120 zum Zurückgehen gezwun-gen wurde. Bis 1 Uhr nachmittags nahmen aber die Unterstützungszüge der 9. und 11. Kompagnie die alte Linie in schneidigem Gegenstoß wieder. Mit Inf.-Regt. 120 war die Fühlung verloren gegangen, 2 Uhr nachmittags wurde der rechte Flügel bei Arbre des Taille festgestellt und die Verbindung aufgenommen. Seit 1 Uhr nachmittags schoß eige-ne Artillerie auf eigene Stellungen und das eigene Hintergelände, so daß besonders in Barricourt fühlbare Verluste eintraten. Trotz aller Versuche gelang es nicht, das Feuer abzustopfen. Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags griff der Feind mit starken Kräften er-neut Inf.-Regt. 120 an und drängte es weiter zurück. Der linke Flügel des III./124 mußte nun zurückgebogen werden. I./124 wehrte den Gegner in seiner alten Stellung ab. Die Verluste am 2. November betrugen 50 Mann, darunter 10 Tote und Leutnant d. R. Wal-ser schwer verwundet. 11 Uhr abends kam der Befehl, daß am 3. November vormittags die bisher gehaltene Linie geräumt werden sollte, und eine neue Widerstandslinie am Südwestrand des Bois de Belval bei Maucourt-Ferme einzurichten sei.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

Donnerstag, 1. November 2018

1. November 1918



„Wir standen östlich von Schloß Landreville. Vor uns der Hazoiswald, von wo man das Hintergelände beim Feind einsehen konnte. Einige schöne Spätherbsttage verliefen ohne Störung. Da fielen eines Nachmittags einige Schüsse in unsere Nähe, ein Flieger stand über uns. Dann wurde es wieder ruhig. Wir gaben uns der Hoffnung hin, nicht erkannt worden zu sein.
Da begann es am Abend des 31. Oktober im ganzen Abschnitt sehr lebhaft zu werden. Auch über unsere Stellung ging Schuß auf Schuß hinweg. Die Verbindung zur Unter-gruppe war bald unterbrochen. Die Infanterie ließ mitteilen, sie rechne am Morgen mit einem Angriff. Zwei unserer Kanoniere brachten die Nachricht. Sie erzählten, sie seien kaum durch das stark beschossene Zwischengelände hindurchgekommen. Das half aber nichts: einer der beiden mußte mit einem anderen Kameraden den schweren Weg wieder antreten. Ihr Ziel erreichten sie nicht mehr, sie fielen in die Hände der vorrückenden Amerikaner. Wir in der Batteriestellung spürten in allen unseren Nerven den kommen-den Angriff. So mancher Großkampftag lag schon hinter uns; aber diesmal war es an-ders. Es fehlte die Verbundenheit mit der Infanterie und das Vertrauen auf ihre Wider-standskraft. Schweigend lagen und saßen wir in unseren Löchern. Langsam rückte die Nacht voran, bald mußte der Morgen kommen. Der eine oder andere war nun doch eingeschlafen; wir andern, abgestumpft und müde, dösten vor uns hin. Da, mit einem Schlag fahren wir alle auf, dann stehen wir einige Sekunden wie gelähmt. Ein ungeheu-res Getöse hat eingesetzt, schwere Einschläge in der Batterie. Ein Donnern und Krachen vor uns, hinter uns, zur Rechten, zur Linken. In der Luft pfeift es, gurgelt es, heult es, Geschoß auf Geschoß zieht über uns hinweg. Der Boden wankt und zittert. Ohne Kom-mando stehen die Bedienungen an den vier Geschützen. Und dann beginnen diese in den Morgen hinein nochmals im wilden Sperrfeuertempo Granaten gegen den Feind zu schleudern, den sie in seiner Übermacht nicht mehr aufhalten können. Von vorn keine Nachricht, von hinten keine Befehle! Die Ungewißheit sollte diesmal nicht lange dau-ern. Bald nachdem es Tag geworden, ging Infanterie aufgelöst durch unsere Stellung zurück. Der Feind sei längst im Hazoiswald. Wir mußten also mit der Entfernung abbre-chen. Im Wald glaubten wir noch unseren Nachtbeobachter Unteroffizier Meister mit zwei Meldegängern. Warum kam er nicht auf die Batterie zurück? Erst nach Monaten erfuhren wir, daß er dort mit einem seiner Begleiter geblieben war. In der Batterie sah es inzwischen übel aus, besonders beim rechten Zug. Granatloch an Granatloch, umherge-schleuderte Munition, in den schwer gefährdeten Unterständen einige Schwerverwun-dete, die nicht weggebracht werden konnten. Es kamen nur noch einzelne Infanteristen durch unsere Stellung, wir wußten, vor uns wird kein Widerstand mehr geleistet, unsere vier Haubitzen stehen nun in vorderster Linie.
Der Batterieführer, Leutnant Mosthaf, schlug einem mit seiner Mannschaft zurückge-henden M. G.-Offizier vor, mit uns zusammen ein Widerstandsnest zu bilden. Das Ma-schinengewehr wurde links von der Batterie aufgestellt, die Leute legten sich nieder; als aber Leutnant Mosthaf nach wenigen Minuten vom rechten Flügel zurückkam, waren unsere Kampfgenossen verschwunden. Wir waren auf uns selbst gestellt! Von der hinter uns stehenden 1. Batterie kommt die Nachricht, links von uns habe der Gegner unsere Höhe schon erreicht. Nicht lange darauf kam Maschinengewehrfeuer von links rück-wärts. Noch immer lag das feindliche Feuer auf unserer Stellung, vor uns war noch kein Amerikaner zu sehen. Waren wir nach hinten schon abgeschnürt? Leutnant Mosthaf läßt zum Sprengen der Haubitzen alles zurecht machen. Noch feuern die Geschütze, aber heil sollen sie dem Amerikaner nicht in die Hände fallen. Das Maschinengewehr steht schußbereit links vorwärts der Batterie. Wie sieht es rechts aus? Der Batterieführer will nach dieser Seite selbst erkunden. Da schlägt eine Granate vor ihm ein und verwundet ihn an Kopf und Bein. Den am Boden Liegenden zieht Unteroffizier Pflüger zwischen der in Brand geratenen Munition heraus, in einem Granatloch bei der 1. Batterie wird er verbunden, da kommt wieder eine Granate und verwundet seine beiden Begleiter. Von Leuten der 1. Batterie wird er zurückgebracht. Die 8. Batterie kommandiert nun Leut-nant Beck.
Die Lage ist verzweifelt. Der Amerikaner kommt jetzt von vorn und von beiden Seiten. Das Artilleriefeuer hat aufgehört, dafür pfeifen jetzt die M. G.-Geschosse. Der alter-probte Unteroffizier Ginader fällt. Ein dumpfer Knall, ein-, zwei-, drei, viermal: die 8. Batterie hat ihre vier Haubitzen gesprengt. Von Deckung zu Deckung geht, was noch an Mannschaften da ist, zurück. Nur beim Maschinengewehr liegen noch Leutnant Beck mit einigen Mann, sie feuern so lange es geht. Die Stellung ist abgeschnürt und wird genommen, die kleine Schar beim Maschinengewehr und die Schwerverwundeten fallen in die Hand der Amerikaner. Der Kampf ist aus.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 54 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1929

Mittwoch, 31. Oktober 2018

31. Oktober 1918



„Anton  H e i z m a n n, Mühle.
Geb. 17. Juli 1898.
Sohn des Adolf Heizmann, Müller
und der Emma geb. Zug.
W e h r d i e n s t: im Krieg: Inf.-Regt 476/11.
Gestorben an den Folgen der Verwundung am 31. Oktober 1918 in Hirrlingen als Ers.-Rekr...

Bei dem ungemein scharfen Gefecht um Beaumont, 11 Kilometer nördlich Verdun, bei dem am 26. August 1917 Eberhardt und Deibler, fielen, waren außer dem Regiment 475 auch die Regimenter 476 und 127 der 242. Inf.-Div. in Mitleidenschaft gezogen.
Am 27. August 1917 wurde Heizmann durch Artilleriegeschoß in der „Namenlosen Schlucht“ am Hessenplatz bei Beaumont am Kopf, linken Oberschenkel, linken Fußze-hen, rechten Fußfersen, an der linken und rechten Hand verwundet.
Im Lazarett in Montmedy und dann in den Heimatlazaretten gelang seine Wiederher-stellung nie mehr ganz. Die Überlieferung behauptet, er sei an Gasvergiftung gestorben, in den amtlichen Lazarettnachweisen ist aber nirgends davon die Rede. Wahrscheinlich hat das den Sprengstückchen der Granaten anhaftende Gas den Körper vergiftet.
Von der Truppe war er mit Rentenanspruch entlassen worden. Er starb in der idyllischen oberen Mühle in Hirrlingen am 31. Oktober 1918 an den Nachwirkungen seiner Verlet-zungen.
Auf dem Friedhof in Bietenhausen ist er begraben worden.
Heizmann war 20 Jahre alt und ledig.“

aus: „Hirrlingen Kreis Tübingen (Württemberg) Ehrenbuch 1914-18“, Cannstatt ca. 1939

Dienstag, 30. Oktober 2018

30. Oktober 1918



„Der Feind schien die Absicht zu haben, weitere Opfer an Menschen nunmehr zu spa-ren, denn der in diesen Tagen durch die deutsche Regierung erbetene Waffenstillstand ließ ihn nicht unberechtigterweise hoffen, sein Ziel, die Niederwerfung Deutschlands in Bälde ohne nennenswerte weitere Verluste doch zu erreichen. Dies hinderte ihn aber nicht, uns die Überlegenheit seiner unerschöpflichen Vorräte an Material und Munition zum Bewußtsein zu bringen. Unaufhörlich sausten die Granaten aller Munitionsfabriken der Welt auf unsere Stellungen und französische, englische und amerikanische Chemi-ker hatten Giftgase aller Art fabriziert, die nun noch vor Kriegsende ihre Wirkung an uns zeigen sollten. Nebel- und Rauchbomben verwandelten das ganze Kampfgelände in ein unheimliches Nebelmeer, in dem die Tanks und Panzerwagen, denen wir nichts Ähn-liches entgegenzustellen hatten, plötzlich auftauchten und wie vorweltliche Ungeheuer Tod und Verderben in unsere Reihen spien.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 413 im Weltkrieg 1916-1918“, Stuttgart 1936

Montag, 29. Oktober 2018

29. Oktober 1918



„Die Brücken über den Sambrekanal waren in diesen Tagen von deutschen Pionieren gesprengt worden. Das feindliche Artilleriefeuer ging weiter, auch mit Gasgranaten, die Reste des Regiments schmolzen, immer kleiner und kleiner werdend. Und bei alledem machten Leute des Regiments unter schneidigen Führern Patrouillenvorstöße, aus welchen sie als Sieger zurückkamen, mit erbeuteten englischen Waffen und Abzeichen.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Sonntag, 28. Oktober 2018

28. Oktober 1918



„Mit schweren Sorgen sahen Kommandeur und Führer der Zukunft entgegen. Die Kompagnien, an und für sich nicht stark, hatten durch Marschausfälle und Krankheit sehr gelitten. Die vielen feindlichen Angriffe hatten zahlreiche Opfer gefordert. So sank die Stärke der Kompagnien immer mehr; es gab solche mit einem Bestand von 10 und 12 Mann. Wohl hielt es die Stimmung aufrecht, daß bisher der Feind immer wieder seinen Rücken zeigen mußte. Allein, konnte dies auch weiterhin erzwungen werden? Der Schwabe ist zäh und nicht leicht ist er aus seiner Bahn zu werfen. Allein, wo Übermenschliches geleistet werden mußte, konnte er dies noch, mit zerrütteten Nerven, zum Umfallen müde? Ja, er konnte es. Hier bei Vouziers bekam das Wort Treue seinen Sinn. Der Geist der Zersetzung, der Untreue, im schwäbischen Kopfe fand er keinen Eingang. „Aushalten!“ hieß es; also tat man’s, und schaute nicht, wieviele noch da waren, sondern nur, wieviele kamen.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

Samstag, 27. Oktober 2018

27. Oktober 1918



„Am 26.10. erneuter Angriff. Dem vereinigten Feuer gelang es, ihn im Keime zu erstik-ken.
Am folgenden Tage legte der Feind den Hauptdruck gegen die rechte Nachbardivision.
Bei der 1. Batterie traten an diesem Tage bei einem Feuerüberfall schwere Verluste ein. Leutnant Bantlin, der erst vor wenigen Tagen ihre Führung übernommen hatte, fiel, mit ihm 2 Kanoniere. Leutnant d. R. Müller und 7 Kanoniere wurden verwundet.
Nachdem am 27. und 28.10. Angriffe gegen den rechten Flügel der Division gescheitert waren, hielt der Feind in den letzten Oktobertagen Ruhe.“

aus: „Das 2. württ. Feldartillerie.-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold von Bayern“ im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Freitag, 26. Oktober 2018

26. Oktober 1918


„Die Artillerietätigkeit blieb dauernd sehr lebhaft. Entweder kamen lageweise Vernich-tungsfeuerwellen oder kurze heftige Feuerüberfälle. Die vorderste Linie und der Regi-mentsgefechtsstand dicht dahinter waren die gesuchtesten Ziele. Mit dem 26. Oktober nahm die Zahl der feindlichen Flieger zu, wie am Cornillet schießt sie die feindliche Artillerie ein. Auch gegen unsere Minenwerfer ist das feindliche Artilleriefeuer gerich-tet. Leider hat in diesen Kampftagen unsere eigene Artillerie wieder und wieder zu kurz geschossen und unsern Linien dadurch sehr weh getan. Diese Kurzschüsse sind mit größter Wahrscheinlichkeit auf die schlechte Munition und unsere ausgeschossenen Ge-schützrohre zurückzuführen.“

aus: „Die Geschichte des Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 476 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

Donnerstag, 25. Oktober 2018

25. Oktober 1918



„Am 25. Oktober 6.45 Uhr vormittags setzte im Abschnitt der Division schlagartig Trommelfeuer auf die vordersten Linien, auf erkannte Reserven und Batteriestellungen sowie auf rückwärtige Unterkünfte, insbesondere auch wiederum auf Neuville und auf Anmarschwege ein.
Das Feuer auf die vorderste Linie wanderte 7 Uhr vormittags feuerwalzenartig nach Norden. Gleichzeitig wurde der West- und Südrand von Vesles von den Höhen östlich und nordöstlich von Grandlup mit heftigem Maschinengewehrfeuer belegt. Zahlreiche Mannschaften und drei leichte Maschinengewehre der 12. Kompagnie wurden dadurch außer Gefecht gesetzt.
Die 10. Kompagnie hatte schon um 6 Uhr vormittags von Pierrepont eine Patrouille über die Kanalbrücke vorgesandt, um die Stärke des Gegners festzustellen, der sich in den Häusern an der Wegegabel westlich Pierrepont eingenistet hatte. Die Häuser waren stark besetzt. Außerdem wurde ein auffallend lebhafter Verkehr auf dem westlichen Kanalufer festgestellt. Die Maschinengewehre am Südwestrand von Pierrepont gaben darauf Stö-rungsfeuer auf das westliche Kanalufer ab, bis sie durch das gut liegende Vorbereitungs-feuer französischer Artillerie zum Schweigen gezwungen wurden. Während dieses Feu-ers arbeitete sich der Gegner nahe an Vesles und Pierrepont heran und stellte sich zum Angriff bereit.
Zugleich mit dem Zurückverlegen des Artilleriefeuers brach der feindliche Angriff, ohne vorausgehenden Schützenschleier, in dichten Massen gegen die beiden Dörfer Vesles und Pierrepont vor. Vesles wurde mit den Hauptkräften von Westen her, da, wo sich kein Sumpf befindet, angegriffen. Hier waren 2 Züge der 12. Kompagnie mit 6 Maschinengewehren eingesetzt. Trotzdem, wie wir gesehen haben, schon vor Beginn des Infanterieangriffs erhebliche Verluste durch feindliches Artilleriefeuer bei der 12. Kompagnie eingetreten waren, hielt sich die Besatzung des West- und Südwestrandes von Vesles lange Zeit gegen vielfache Übermacht. Inzwischen gelang es dem Gegner sich im unübersichtlichen Sumpfgelände mit kleineren Abteilungen von Süden und Süd-osten her an Vesles heranzupürschen, die dort eingesetzten Postierungen im Nahkampf zu überwältigen und die Besatzung des Westrandes im Rücken zu fassen. In der Front von einem weit überlegenen Gegner beschäftigt, im Rücken bedroht, blieb der Kompag-nie nichts anderes übrig, als sich kämpfend durch das Dorf auf die Hauptwiderstands-linie hart nördlich Vesles durchzuschlagen. Den am Süd- und Südwestrand stehenden Teilen ist es nicht mehr geglückt, sich zurückzuziehen, sie fielen in Feindeshand.
Der Gegner drängte der 12. Kompagnie auf dem Fuße in dichten Massen nach. Die 2 Züge der 6. Kompagnie, welche die Sicherheitsbesatzung der Hauptwiderstandslinie nördlich Vesles bildeten, waren durch das halbstündige Trommelfeuer geschwächt und erschüttert und nicht in der Lage, dem Vordringen des Gegners vor der Hauptwider-standslinie halt zu gebieten. Sie mußten zugleich mit den Resten der 12. Kompagnie bis in die Höhe noch weiter zurückstehender schwerer M.-G.-Züge ausweichen, konnten jedoch mit deren Unterstützung das Überschreiten der Hauptwiderstandslinie östlich der Klein Caumont Ferme zum Stehen bringen. Gute Dienste leitete hierbei auch ein Geschütz beim K.-T.-K. und zwei leichte Minenwerfer einer Tankkampfgruppe, beide etwa in der Mitte zwischen Vesles und Cuirieux.
Das 6.45 Uhr vormittags einsetzende feindliche Artilleriefeuer hatte die Fernsprech-leitungen vorwärts des Regimentsstandes Neuville an mehreren Stellen zugleich gestört. Mit dem B.-T.-K. in Cuirieux konnte erstmals wieder 10.50 Uhr vormittags durch Fernsprecher verkehrt werden. Die Blinker vermochten vor 9 Uhr vormittags des dich-ten Bodennebels wegen nicht durchzudringen.
Der Regimentskommandeur in Neuville hatte das gleichfalls in Neuville befindliche Ruhebataillon (II.) 7 Uhr vormittags alarmiert. Durch schriftlichen Befehl wurde vom Bereitschaftsbataillon de K.-T.-K. eine Kompagnie (2/3 6.) zum Schutze der rechten Flanke unterstellt, der Rest des II. Bataillons hatte den Auftrag, gegen einen über die Hauptwiderstandslinie auf Cuirieux durchstoßenden Gegner zum Gegenstoß anzutreten.
Demzufolge rückte die 7. Kompagnie in die Gegend östlich des Straßenkreuzes 82,5 und die 5. Kompagnie besetzte die Höhe südwestlich Cuirieux. Bei den während des Vormittags vom Gegner verschiedentlich mit starken Kräften unternommenen Versu-chen. aus Vesles heraus auf Cuirieux vorzudringen wurden die 5. Kompagnie und 1/3 6. Kompagnie zur Verstärkung der schwachen Teile der 12. und 2/3 6. Kompagnie einge-setzt.
9 Uhr vormittags wurde das I. Bataillon nach Cuirieux vorgezogen. Dort erhielt es 10.25 Uhr vormittags den Befehl, aus der Mulde westlich Cuirieux mit rechtem Flügel Richtung Klein Caumont Ferme, mit linkem Flügel entlang der Straße Cuirieux – Vesles  (83,7 – Vesles) zum Gegenangriff vorzugehen und sich in den Besitz der Caumont Ferme zu setzen. An Stelle des I. Bataillons wurde dem Regiment das II./417 zur Ver-fügung gestellt, das in Gegend Cuirieux rückte.
Der Angriff des I. Bataillons kam nach anfänglich gutem Vorwärtsschreiten – wobei 10 Franzosen als Gefangene eingebracht wurden – bald in dem heftigen Maschinengewehr- und Infanteriefeuer aus unserer bisherigen, nunmehr vom Feinde dicht besetzten Haupt-widerstandslinie sowie in dem zusammengefaßten, gutliegenden Feuer der feindlichen Artillerie zum Stehen.  Teile der 2. Kompagnie konnten späterhin vorübergehend in der Hauptwiderstandslinie Fuß fassen, sie wurden jedoch von erdrückender Übermacht wieder zurückgedrängt.
Die zwischen Vesle und Pierrepont stehenden 2 Züge der 9. Kompagnie lagen den gan-zen Tag über in hartem Abwehrkampf gegen starke aus nordwestlicher und westlicher Richtung gegen ihre Flanke gerichtete Angriffe. Dem einmütigen Zusammenwirken der leichten und schweren Maschinengewehre, einer leichten Minenwerfergruppe sowie der Gewehrgranatenschützen und der mit Handgranaten reichlich ausgestatteten Stoßtrupps unter der Führung des stets bewährten tapferen Leutnants d. R. Traber ist es zu verdan-ken, daß die Stellung restlos gehalten und der Gegner, der sich mehrmals bis auf nächste Entfernung hatte heranarbeiten können, immer wieder zurückgeworfen wurde.
Nicht minder heftige Kämpfe spielten sich während des ganzen Tages um den Besitz des „Kopfes“, einer Erhebung westlich Pierrepont, ab.
7 Uhr vormittags hatte der Gegner nach ausgiebiger Artillerievorbereitung und nachdem er die Besatzung der Brücke am Südwestausgang von Pierrepont mit Hilfe zahlreicher Maschinengewehre und Gewehrgranaten niedergekämpft hatte, sich durch überra-schendes Vorbrechen von mindestens drei Kompagnien aus den dicht westlich der Kanalbrücke gelegenen Häusern den Übergang über den Kanal erzwungen und war mit weiteren starken Kräften in das Dorf eingedrungen. Die am West- und Ostrand von Pierrepont stehenden Teile der 10. Kompagnie konnten den Gegner, nachdem er einmal mit gewaltiger Übermacht in die Hauptstraße eingebrochen war, an der Besitznahme des ganzen Dorfes nicht mehr hindern, sie mußten sich, um nicht in Gefangenschaft zu gera-ten, an die am Nordausgang des Dorfes liegende Brücke, welche die einzige Rückzugs-möglichkeit bildete, durchschlagen. Eine Aufnahme des Kampfes, Mann gegen Mann im Dorf, bot bei der gewaltigen zahlenmäßigen Überlegenheit der Franzosen keinerlei Aussicht auf Erfolg.
Leutnant d. R. Fischle der 10. Kompagnie gelang es mit seinem Zuge in der Nähe des Nordausganges von Pierrepont noch rechtzeitig erneut Front zu machen, drei noch feuerbereite leichte Maschinengewehre einzusetzen und durch ihr Feuer die in der Dorfstraße nach Norden vordringenden Massen zum Stehen und in Verwirrung zu brin-gen. Darauf nahm auch Leutnant d. R. Gagstätter, der mit einem Zug der 9. Kompagnie und einem schweren M.-G.-Zug die Besatzung des „Kopfes“ bildete, den Kampf gegen den Gegner auf, der nun den Nord- und Ostrand von Pierrepont stark besetzte, im Dorfinnern mehrere Kompagnien sammelte und zu weiterem Vorstoß bereitstellte. Leut-nant d. R. Fischle konnte sich am Nordausgang des Dorfes nicht lange halten, er zog sich auf den „Kopf“ zurück und unterstellte sich dem Leutnant d. R. Gagstätter.
Sehr geschickt wußte der Franzose seine Feuerwalze mit dem Vorwärtskommen seiner Infanterie in Einklang zu bringen. Auch seine sonstigen Maßnahmen waren gewandt und zielbewußt. Auf dem Kirchturm von Pierrepont und auf anderen hohen Gebäuden tauchten Maschinengewehre auf, welche den „Kopf“ und das Gelände östlich des „Kopfes“, aus dem der Austritt aus dem Sumpfgelände vom „Kopf“ nach Osten allein zu bewerkstelligen war, vollkommen beherrschten.
Sämtliche Versuche des Gegners, sich in Besitz des „Kopfes“ zu setzen, wurden von der tapferen Besatzung, welcher mit leuchtendem Beispiel die Leutnants d. R. Gagstätter und Fischle vorangingen, meist erst nach erbittertem Nahkampf abgewiesen.
Munition und Nahkampfmittel gingen allmählich zur Neige, die zunehmenden Verluste schwächten die Widerstandskraft immer mehr und mehr, da traf gegen 2.30 Uhr nach-mittags auf Befehl des Regiments ein Zug der 5. Kompagnie – einzeln mußten sich die Leute im feindlichen Maschinengewehrfeuer vorarbeiten – mit Munition zur Verstär-kung ein. Mit dieser Hilfe wurde nicht nur der Kopf gehalten, sondern die tapfere Besatzung des Kopfes warf sogar noch feindliche Abteilungen, welche sich bis dicht an die eigenen Gräben hatten vorarbeiten können, aus selbständigem Entschluß im Gegenstoß in das Dorf zurück.
Der Verlust von Vesles und Pierrepont ist dem Einsatz vielfacher feindlicher Übermacht zuzuschreiben, deren Angriff nach sorgfältiger, sehr wirksamer Artillerievorbereitung die Kompagnien, welche in unübersichtlichem Gelände die Dörfer mit schwachen Kräften zu verteidigen hatten, nicht standzuhalten vermochten.“



aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–
1918“ׅ, Stuttgart 1923

Mittwoch, 24. Oktober 2018

24. Oktober 1918



„Die Nacht verlief sehr unruhig. Das feindliche Feuer verstärkte sich gegen Morgen immer mehr; der erwartete Angriff kam jedoch nicht. Ein großer Übelstand war es, daß infolge der großen Inanspruchnahme der eigenen Geschütze, der verschiedenartigen Munition und aus anderen Gründen die Zahl der Kurzschüsse sich sehr steigerte. Die trotz der großen Märsche und Kämpfe im dauernden Regen in guter Stimmung befind-liche Truppe litt aufs äußerste darunter. Mit allen Mitteln wurde Abhilfe erstrebt. Die Befehlsverhältnisse beim Regiment hatten sich durch die Unterstellung zweier fremder Truppenteile sehr schwierig gestaltet. So bestimmte die Brigade den Austausch des II./24 mit dem I./475. Letzteres Bataillon zählte aber nach den Kämpfen vom 21. Okto-ber um die Sybillenhöhe nur noch 26 Mann. Das Regiment sah sich daher genötigt, diese in eine Kompagnie zusammenzunehmen und mit der 7. und 9. Kompagnie in vorderste Linie einzusetzen, die durch die Wegnahme des II./24 erheblich geschwächt war.
Das feindliche Feuer hatte bei Tagesanbruch nachgelassen; von 3.30 Uhr nachmittags an setzte es erneut ein. Die Verwendung von Minen und schweren Geschossen ließ den Schluß auf baldigen Angriff zu. Dieser kam 4.40 Uhr nachmittags. Vor dem Abschnitt des II. Bataillons kam der Franzose kaum aus seinen Gräben; Infanterie und Maschi-nengewehre zwangen ihn sofort nieder. Beim III. Bataillon kam der Feind an die eigene Stellung heran; auch dieses schickte ihn unter blutigen Verlusten heim. Durch unglückli-che Umstände war es nicht gelungen, das Sperrfeuer der eigenen Artillerie auszulösen. So trug die Infanterie allein, trefflich unterstützt von ihrer Minenwerferkompagnie, die Last des Kampfes.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

Dienstag, 23. Oktober 2018

23. Oktober 1918



„Die Nacht vom 22. bis 23. Oktober war klar und mondhell. Man sah fast bis an die Häuser von Bazuel hinüber. Um 1 Uhr vormittags meldete Leutnant Sattler, der mit 30 Mann der Sturmabteilung der Division einen Teil des Vorfeldes besetzt hielt, daß sich englische Tanks vor der Front bereitstellen. Die feindliche Infanterie benehme sich auf-fallend laut.
Ein neuer Angriff stand also bevor.
Die Besatzung des Vorfeldes eröffnete das Feuer. Einmal hier, einmal dort auftauchend, schoß sie in die englische Bereitstellung hinein. Auch die Minenwerfer des Regiments, die Leutnant d. R. Schmalzried leitete, schickten ihre Minen zum Feind hinüber. Die eigene Artillerie schoß kräftiges Vernichtungsfeuer. Um 2.30 Uhr vormittags begann der Engländer mit Trommelfeuer – so stark und ausgiebig wie noch nie in den Vortagen. Ein Hagel von Geschossen prasselte auf Ors und die deutschen Batterien nieder. Die Hauptwiderstandslinie des Regiments hatte der Gegner anscheinend nicht entdeckt. Sie bekam daher weniger Feuer, als das Gelände dicht dahinter, wo die Engländer wohl die Stellung vermuteten. Unter die Granaten aller Kaliber, die unaufhörlich einschlugen, mischten sich einzelne Lagen von Phosphor- und Nebelgranaten. Die Fernsprechlei-tungen wurden durchgeschossen. Die Fernsprecher des Nachrichtenzuges versuchten die Drähte zu flicken – es war eine aussichtslose Arbeit. Die Meldehunde verweigerten in dem wilden Feuerkessel den Dienst.
Es war 3 Uhr vormittags geworden. Das Feuer raste weiter.
Um 3.20 Uhr vormittags rasselten die englischen Tanks heran. Die leichten und schwe-ren Maschinengewehre gingen ihnen, soweit sie in dem dichten künstlichen Nebel erkennbar wurden, mit S. m. K.-Patronen zu Leibe. Der englischen Infanterie, die hinter den Tanks folgte, schlug ungeschwächtes Feuer entgegen. Sie warf sich in Deckung oder flutete zurück. Nach seitheriger englischer Gewohnheit setzte nunmehr verstärktes Artilleriefeuer auf die jetzt erkannte vordere Linie des Regiments ein. Diese wich nach vorne aus, nistete sich unkenntlich im Gelände ein und begann sofort mit ihren Maschi-nengewehren zu feuern, sobald sich ein Ziel vor ihr zeigte.
Links vom Regiment, beim Infanterie-Regiment 478, erscholl zeitweise kräftiges Infan-teriefeuer, ein Zeichen,. daß das brave Schwesterregiment noch im Besitz seiner Stel-lung war. Rechts vom Füsilier-Regiment, über dem Bahndamm drüben, wo vor dem englischen Angriff die Reste des Infanterie-Regiments 479 unter Hauptmann Schaal gelegen hatten, war es dagegen still geworden. Patrouillen des I. Bataillons, die Verbin-dung aufnehmen wollten, stießen auf Engländer. Bald darauf meldete sich Hauptmann Schaal beim Regimentskommandeur in Ors. Er berichtete, daß das englische Artillerie-feuer mit verheerender Wucht seine Stellung getroffen habe, so daß es seinen Mann-schaften nicht mehr möglich war, sich gegen die feindliche Übermacht zu halten. Eng-lische Infanterie befinde sich bereits hinter seinem Gefechtsstand.
Ähnlich hieß es, solle es beim linken Flügelregiment der 17. Reserve-Division sein, das rechts von der Abteilung Schaal gelegen hatte. Auch hier sei die erkannte vordere Linie schwer beschossen und zurückgedrängt worden.
Eine Alarmnachricht jagte nunmehr die andere. Ein Pionier erzählte, die Engländer seien in einen am Bahnhof Ors gelegenen Stollen eingedrungen. Er selbst sei mit knap-per Not durch den zweiten Ausgang entkommen. Andere meldeten, auf dem Bahnhof Ors stünden bereits feindliche Tanks. Um nicht von Norden her umfaßt zu werden, setzte Oberst von Alberti das letzte, was er hatte, die Fernsprecher und die Ordonnanzen des Regimentsstabes, an den Eingängen von Ors ein. Hauptmann Schaal erhielt mit 6 Mann den Befehl, die Brücke, die die Rue du Oui über den Sambre-Kanal führte, zu besetzen. Sie lag nach einer Meldung des Hauptmann Schaal bereits unter englischem Maschinengwehrfeuer.
Nun war alles verausgabt, bis auf den Stationstrupp des Regimentsstabes, der die – nicht funktionierende – Leitung zur Brigade aufrecht erhalten sollte. Wo das II./122 stand, war um diese Zeit nicht bekannt.
Das englische Feuer dauerte mit unverminderter Heftigkeit an. Es war wie eine Erlö-sung, als um 5.45 Uhr vormittags ein Meldegänger des Hauptmanns Aichholz die Meldung überbrachte, daß die Front des Füsilier-Regiments noch an der alten Stelle halte. Um auch rechts vom Regiment Klarheit zu schaffen, machten sich zwei Offiziere des Stabes, Leutnant d. R. Stierle und Leutnant d. R. Köpf, auf den Weg zum rechten Regimentsstab. Sie kehrten lange nicht zurück. Oberst von Alberti war in schwerer Sorge, ob sie nicht dem feindlichen Feuer zum Opfer gefallen seien. Endlich, nach bangem Warten, kehrten sie erhitzt, aber mit zufriedenen Gesichtern zurück. Sie hatten zwar den Stab des rechten Nebenregiments nicht gefunden, aber von einem Batail-lonsführer erfahren, eine Kompanie des Infanterie-Regiments 162 stünde noch am Bahnhof Ors.
Seit Beginn des englischen Trommelfeuers war die Verbindung mit der Brigade unter-brochen. Oberst von Alberti entschloß sich daher, als ältester Offizier die Führung der einzelnen kämpfenden, teilweise weit auseinanderliegenden Bataillone in die Hand zu nehmen. Das I. und III./122 hatte seine Stellung weiter zu halten. I. und II./478, II./122 und die Kompanie des Infanterie-Regiments 162 am Bahnhof Ors bekamen ihre Ab-schnitte zur Verteidigung zugewiesen. Ob dieser Befehl zu allen Stellen durchgedrungen ist, ist nicht bekannt geworden. Das II./122 bekam ihn und hielt dementsprechend den Bahnhof Ors besetzt.
Es war inzwischen 8 Uhr vormittags geworden. Das feindliche Trommelfeuer begann nachzulassen. Um 8.15 Uhr vormittags war es in Störungsfeuer übergegangen.
Von Major Baumann, dem Führer des Infanterie-Regiments 478, erfuhr Oberst von Alberti, daß die Brigade auf Grund der Lage nördlich und südlich von Ors den Befehl gegeben habe, hinter den Sambre-Kanal zurückzugehen. Um 2 Uhr nachmittags begann Hauptmann Aichholz, seine Truppen (I. und III.), die in der Flanke schwer bedroht waren, langsam abbauen zu lassen. Fechtend zogen sie sich auf das noch am Bahnhof Ors bereitliegende II. Bataillon, von hier über den Kanal zurück und besetzten den Kanaldamm. Nachdem sich Oberst von Alberti an Ort und Stelle überzeugt hatte, daß die Besetzung durchgeführt war, gab er kurz vor 3 Uhr nachmittags auch dem II. Ba-taillon am Bahnhof Ors den Befehl, zurückzugehen. Die Masse der englischen Infan-terie folgte dem Bataillon nicht. Leutnant d. R. Schoder führte seine Kompanien am hellen Tage, angesichts der zaghaft vorfühlenden englischen Patrouillen, über die Brük-ke bei Rue du Oui hinter den Kanal zurück. Als der letzte Mann die Brücke über-schritten hatte, sprengte sie ein voreiliger Pionier vorzeitig in die Luft.
Das II. Bataillon besetzte den ihm zugewiesenen Teil der Kanalböschung links neben dem I. Bataillon. Das schwache III. Bataillon wurde herausgezogen und als Reserve hinter den rechten Flügel gelegt. Die II. Abteilung des Feldartillerie-Regiments 238, die seit März 1917 in guten und in bösen Tagen treu zum Regiment gehalten hat – ihr Führer Hauptmann Mauthe stand nach einem scherzhaften Ausspruch des Obersten von Alberti â la suite des Füsilier-Regiments 122 – baute ihre Geschütze hinter dem Regi-ment auf. Als vollends die Maschinengewehre und Minenwerfer ihre Aufstellung einge-nommen hatten, stand das Regiment wieder kampfbereit dem Feind gegenüber.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Montag, 22. Oktober 2018

22. Oktober 1918



„Etwa um 2.30 nachts ging beim Regiment der Befehl ein, daß heute, am 22. Oktober um 7.30 früh, der Angriff festgesetzt wird. Der Feind muß über die Aisne zurückge-worfen werden.
Patrouillen des I. und II. Batls. haben durch ständiges Vorfühlen festgestellt, daß der Feind noch da ist, wo er sich gestern abend eingeschanzt hat. Dauernd liegt eigenes Sperrfeuer auf den Brücken über die Aisne und den Straßen zwischen dem Dorf Vandy und der Stadt Vouziers.
Punkt 7.20 früh setzt unsere Artillerie zu kurzem, energischen Feuerschlag ein; sofort fordert der Franzose durch gelbe Leuchtkugeln Sperrfeuer an, das alsbald kommt. Punkt 7.30 brechen unsere tapferen Männer aus ihren Löchern hervor; sofort knattert wieder aus der rechten Flanke rasendes Maschinengwehrfeuer und bringt dem II. Batl. schwere Verluste bei. Langsam kommt links das I. Batl. vorwärts, sein Kommandeur, Haupt-mann d. R. Schier, ist bei der vordersten Linie, er dringt bis ganz nahe vor den ersten Graben der Brunhildenstellung vor; obwohl am rechten Knie durchschossen, verläßt er sein Batl. nicht, und harrt aus, bis der Blutverlust ihn zwingt, das Kommando an Leut-nant d. R. Kaufmann abzugeben. Nach 9 Uhr ist die Höhe 163, die sich zwischen der Oldershauser- und der Sibyllenhöhe vorwärts erhebt, in der Hand des I. Batls. Unser Artilleriefeuer liegt zu weit vorne, es muß näher herangezogen werden, der Infanterie-angriff geht nicht so schnell vorwärts, wie die Artilleristen wohl annehmen.
Ein feindliches Fliegergeschwader erscheint ohne tätig zu werden. Von der Kuppe 172 südwestlich der Oldershauserhöhe setzt Maschinengewehrfeuer dem II. Batl stark zu; mit Erfolg richtet unsere Begleitbatterie ihr Feuer dorthin, immer noch ist die 9./Feld-art.-Reg. 6, die uns für heute in Aussicht gestellt ist, nicht da. Das Regiment fordert diese Batterie dringend von der Untergruppe an, sie soll sofort über Quatre Champs auf der Straße nach Vandy vorkommen; dort wird sie den Regimentskommandeur finden. Aus dem Gefechtslärm links bei 127 und 475 erkennen wir, daß es auch dort vorwärts geht, aber unser rechter Nachbar greift nicht mit an.
Gegen 11 Uhr kommt der erwartete feindliche Gegenstoß mit endlosen Massen, er richtet sich in der Hauptsache gegen das I. Batl. auf Höhe 163. Hauptmann d. R. Schier, der trotz seiner Verwundung noch hier steht, nimmt seine tapferen Männer – es sind höchstens 80 Mann – geordnet nach de Ausgangsstellung zurück. Dort bricht sich der feindliche Stoß, kein Franzose kommt einen Schritt weiter. Von einem Einsatz der schwachen Reste des bayr. Res.-Reg. 24, die in Aussicht gestellt werden, verspricht sich der Regimentskommandeur keinen Erfolg. Wir müssen, zum Angriff zu schwach, halten was wir haben. Der Regimentskommandeur fordert leichte Maschinengewehre und Bedienungsmannschaften und Draht an, um die Waldränder zu verdrahten. Der uner-müdliche Ordonnanzoffizier, Leutnant d. R. Gottlob Berger, stellt beim Nachbarregi-ment rechts die Lage fest. Allem nach hat dieses Regiment den Angriff nicht mitge-macht, jedenfalls ist ein Erfolg nicht zu verzeichnen.
Unser III. Batl. unter Hauptmann Jörling war auf dem linken Flügel des Schlachtfeldes neben dem III. Batl. 2. bayr. Inf.-Reg. unter Hauptmann Schenk eingesetzt worden. Es hatte am 21. Oktober mehrere Tschecho-Slowaken gefangen genommen und war am 22. Oktober früh eingesetzt worden, von Süden her die Brunhildenstellung am Hang der Sibyllenhöhe rechts herauf aufzurollen. Nach gutem Vordringen von einigen hundert Metern stockte der Angriff in dem unübersichtlichen Gelände. Ein Volltreffer brachte dem in vorderster Linie befindlichen Bataillonsstab empfindliche Verluste bei. Erbittert wird um einen Stollen, dann an der Ban-Mühle am Fournellesbach, wo der Bataillons-arzt Dr. Weinhardt zeitweise den Verbandplatz eingerichtet hat, gekämpft. Wieder und wieder schlagen schwere deutsche Granaten auf diese unsere Stellung nieder; nach rückwärts gesandte Meldungen um Abhilfe bleiben ohne Erfolg.
Gegen 4 Uhr abends setzt feindliches Maschinengwehrfeuer ein; feindliche Leuchtku-geln fallen dicht vor uns nieder, wo die 3. M. G. K. unter Leutnant Frhr. v. Hermann mit Vizefeldwebel Berger und Unteroffizier Gasser aus ihren 6 M. Gs. und einem erbeuteten französischen Maschinengewehr unermüdlich schießt. Jetzt kommen feindliche Maschi-nengewehrgeschosse auch von hinten. Da bleibt dem Hauptmann Jörling, der die Stel-lung bis zum äußersten hielt,  dem aber ein Gegenstoß des Inf.-Reg. 127 keine Entlas-tung gebracht hatte, nichts übrig, als den Rückzugsbefehl zu geben, mit seinem Stab Mann hinter Mann den Unterstand zu verlassen und sich in dem Gestrüpp nach rück-wärts durchzuschlagen. Dem Bataillonsadjutanten Leutnant Gunkel gelingt es; Leutnant Frhr. v. Hermann fällt auf einen Misthaufen und als er wieder aufsteht, sieht er Haupt-mann Jörling, Leutnant Winter, den Regimentstambour Vizefeldwebel Dettling, Vize-feldwebel Berger und Unteroffizier Gasser nicht mehr.
Die Reste des Bataillons, etwa 70 – 80 Mann, sammeln sich mit 3 Maschinengewehren der 3. M. G. K., die ihre Kastenmunition gerettet hatte, bei Hauptmann Schenk, der sie bei Claire-Fontaine unter dem Kommando des Leutnants Gunkel aufbaut. Vergeblich warten dieser Adjutant und das Bataillon auf den Kommandeur – Hauptmann Jörling kommt nicht mehr. Er war mit der Pistole in der Hand in dem Gestrüpp von einem großen Haufen Tschechen umringt worden und fiel in die Hände des Feindes; ebenso der Rest des Stabes.
So verlor das III. Batl. seinen Kommandeur, der es seit Juli 1917 kommandiert und vor Reims, vor Verdun, bei Conchy, an der Arnes und an der Aisne mit größter Auszeich-nung geführt hatte, geliebt und verehrt von jedem Mann und jedem Offizier. Das Batail-lon unter Leutnant Gunkel ist dann von dem III. Batl. Inf.-Reg. 127 unter Hauptmann v. Hartlieb aufgenommen worden und hielt die Verbindung nach links mit dem Käseberg, bis später Hauptmann Sautermeister vom Inf.-Reg. 475 das Kommando übernahm.
Sobald die Verhältnisse es erlauben, wird an der ganzen Front mit Nachdruck gearbeitet. Leider hat der Verlauf des Tages nicht gehalten, was der Morgen versprach, dagegen haben wir viele Helden verloren; es fehlt der Tapferste der Tapferen, Hauptmann Jörling und der heldenmütige Hauptmann Schier. Solche Führer, solche Vorbilder in allen mili-tärischen Tugenden sind nicht mehr ersetzt worden.“

aus: „Die Geschichte des Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 476 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921