Dienstag, 19. September 2017

19. September 1917


„Die Unruhe, die am 18. an der Kampffront geherrscht hatte, war charakteristisch für die nächsten Tage. Wirkliche und vermeintliche Teilangriffe des Feindes gegen die Stellungen rechts und links von den Füsilieren hielten auch diese ständig in höchster Angriffsbereitschaft, die von Führer und Truppe Tag und Nacht die Anspannung aller Kräfte verlangte.
Am 19. früh setzte schlagartig auf alle Stellungen des Regimentsabschnitts französi-sches Zerstörungs- und Abriegelungsfeuer ein. Fast gleichzeitig forderten rote Leucht-zeichen auf der ganzen Divisionsfront Sperrfeuer an. Gegen ½7 Uhr war festgestellt, daß gegen das Füsilier-Regiment kein feindlicher Angriff im Gang war, dagegen rechts und links französische Teilst erfolgt waren und Infanteriekämpfe noch hin- und her-wogten.
Die Beschießung des Regimentsabschnitts hielt den ganzen 19. September über an. Kurz vor Dunkelheit löste ein gegen das I./478 gerichteter feindlicher Angriff nochmals auf der ganzen Front beiderseits gewaltiges Artilleriefeuer aus, das bei sinkender Nacht allmählich abflaute.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Montag, 18. September 2017

18. September 1917


„Am 18. September erfolgte dann der erwartete feindliche Angriff. Nachdem den ganzen Tag über Artilleriefeuer aller Kaliber auf dem vorderen Graben, der Lüder-kaserne und dem Hintergelände gelegen hatte, setzte um 4.15 Uhr nachmittags Trom-melfeuer auf dem linken Flügel des Regimentsabschnitts ein. Um 4.30 Uhr brach der erste feindliche Angriff gegen den rechten Flügel des I. Batl. los, wo die 3. Komp. lag, die nach der Verwundung des Oberleutnant Hochdörfer Leutnant Haag führte. Dem Gegner gelang es, an mehreren Stellen in den Graben einzudringen, er wurde aber von der Grabenbesatzung in erbittertem Nahkampf durch Maschinengewehr- und Gewehr-feuer und durch Handgranaten, und durch sofort einsetzenden Gegenstoß der 1. Komp. unter Leutnant Grießhaber, die selber nicht angegriffen worden war, wieder hinausge-worfen.
Um 5.05. Uhr nachmittags stieß der Gegner von neuem vor durch den Laufgraben, der vom französischen Stützpunkt in der Hindenburgschlucht gegen der rechten Flügel des I. Batl. heraufführte; auch diesmal wurde der Angriff durch die 3. Komp. im Nahkampf abgeschlagen. Der Gegner erlitt beim Zurückgehen schwere Verluste, besonders durch die flankierenden leichten und schweren Maschinengewehre der rechten Nebenbatail-lons, des III. Dieses hatte mit höchster Spannung und Aufmerksamkeit die Vorgänge beim I. Batl. verfolgt und diese Gelegenheit, da es sich selber zunächst sicher vor einem Angriff fühlte, selbst in das Gefecht einzugreifen, mit Freuden benützt. Aber auch der Kommandeur des I. Batl., Hauptmann Most, hatte für sofortige Hilfe der bedrohten Kompagnie gesorgt; er hatte die eigens zu solchem Zweck in der Lüderkaserne bereit-gehaltenen Stoßtrupps zum Gegenstoß nach vornen geschickt; diese fanden aber den Graben bereits vom Gegner gesäubert vor.
Die Stärke des angreifenden Gegners war ungefähr die eines Bataillons gewesen; er hatte 19 Gefangene, 16 verwundete und 3 unverwundete, in unserer Hand zurück-gelassen.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

Sonntag, 17. September 2017

17. September 1917


„Solange das Reg. 479 im Abschnitt bei Samogneux stand, blieb das Verhalten des Feindes unverändert. Infanterieangriffe oder kleinere Unternehmungen erfolgten nicht, dagegen war die französische Artillerie sehr tätig. Sie nützte ihren Vorteil der vortrefflichen Beobachtung vom westlichen Maasufer her gründlich aus, hemmte den Ausbau der Stellungen und brachte dem Regiment erhebliche Verluste bei. Während der allmählichen Verlegung des Regiments aus den Stellungen, die es als Eingreifdrittel übernommen hatte, nach dem Abschnitt I a in der Zeit vom 8. bis 12. September, waren Leutnant d. R. Weiß und 3 Mann gefallen, 26 Mann verwundet worden und ebensoviele infolge von Gasbeschießung erkrankt. In der Zeit vom 12. bis 30. September fielen 2 Offiziere, 24 Mann; 2 Offiziere, 76 Mann wurden verwundet; 9 Mann erkrankten an Gasvergiftung. Am 17. September fielen der Führer der 9. Kompagnie, Leutnant d. R. Schleich, der Offizierstellvertreter Schreier, der Vizefeldwebel Dietrich und zwei Mann der 9. und 10. Kompagnie, als sie sich während einer heftigen Beschießung der Kompagnien des III. Bataillons im Hessengraben gefechtsbereit stellten.“



aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 479“, Stuttgart 1923

Samstag, 16. September 2017

16. September 1917


„Am stärksten war immer das feindliche Feuer auf den Stollen, wo die Reserven der Kompagnien und die Bataillons-Gefechtsstände lagen.  Am 16. September abends fielen mehrere Volltreffer auf die Stollen der Lüderkaserne, wo ein Teil des I. Batl. lag. Die Folge war, daß 40 bis 50 Mann an Kohlenoxydgas erkrankten.
Als sich am 16. September abends das Wetter aufhellte, steigerte sich die Tätigkeit der feindlichen Artillerie in auffallender Weise; ein planmäßiges, stundenlanges Einschies-sen mit mittleren und schweren Kalibern auf vordere Stellung und die rückwärtigen Unterstände hauptsächlich beim I. Batl. setzte am 17. September ein..“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

Freitag, 15. September 2017

15. September 1917


Otto Meyer.

Geboren in Berg bei Stuttgart als Sohn des Fabrikanten Heinrich Meyer am 14. April 1870. Stuttgarter Gymnasium. Studium der Theologie in Tübingen, mit einer Unter-brechung von zwei Semestern in Halle 1889 – 1893. Vikar in Schrozberg. Aufenthalt in England 1895 – 1903, zuerst als Hilfsgeistlicher an der deutschen Gemeinde in Islington-London, dann von 1897 an als Pfarrer in Bradford. Heirat mit Kätchen Wendt aus London 1897. Pfarrer in Dietersweiler bei Freudenstadt 1903 – 1905. Stadtpfarrer in Tübingen seit 1905.
Was an meinem Bruder zunächst ins Auge fiel, war die Frische und Herzlichkeit seines Wesens. Ein leidenschaftliches Bedürfnis, das Leben nach allen Seiten kennen zu lernen und durchzuproben, erfüllte ihn; er liebte den Wechsel, der ihn in neue Verhältnisse brachte, und alles Gefährliche war für ihn von besonderem Reiz. Auch das geistige Interesse zog bei ihm weite Kreise und beschränkte sich nicht bloß auf die Theologie, deren Entwicklung er mit lebendigem Anteil folgte. In allem fühlte er sich nicht als ein Fertiger, er war immer ein Werdender und blieb daher auch immer jung. Frisch und freudig, wie er war, verstand er es, Frische und Freude auf seine Umgebung zu über-tragen; seine Herzlichkeit und Gemütlichkeit gewann ihm alle Seelen; er war ebenso gerne gesehen in den Kreisen der Universität, als sich ihm die Türen und Herzen der kleinen Leute öffneten, von denen viele ihm mit unwandelbarer Anhänglichkeit ergeben waren. Es war ihm wohl, wo Herz und Gemüt Befriedung fanden, am wohlsten aber in der Familie, der er ein nie versagender Gatte, Vater und Bruder gewesen ist.
Aber alle diese Lebensfrische und Herzenswärme einer echten Siegfriednatur ruhte auf dem ernsten Untergrund einer festen religiösen Überzeugung. In dem aus tiefsten Erleben geflossenen Glauben an die Liebe Gottes hat er sich ebenso innerlich gebunden, wie äußerlich frei und unabhängig von jeder Autorität und zum freudigen Genuß der Lebensgüter berufen gefühlt. Auch ins Predigtamt hat ihn dieser Glaube begleitet, und wenn auch der Zwiespalt zwischen seiner freien Überzeugung und der Gemeinde-theologie ihn in manche Not gebracht hat, so hat er doch in der kirchlichen Tätigkeit immer wieder seine Befriedigung gefunden; er war auch wie geschaffen für sie. Seine erlebte Frömmigkeit und seine eindrucksvolle Rednergabe haben eine zahlreiche Gemeinde um ihn versammelt, und die Fähigkeit, mit dem Sonnenhaften seiner Natur auch andere zu erwärmen und sie mit freundlichem gemütvollem Humor oder mit ernster Zusprache über ihre Leiden zu erheben, haben ihn zum willkommenen Helfer und Tröster aller Armen und Bedrückten gemacht.
Als der Krieg ausbrach, da trieb ihn seine warme Vaterlandsliebe, sein unerschütter-licher Glaube an Deutschlands Zukunft und seine natürliche Freude am Erregenden und Abenteuerlichen ins Feld. Seit Juni 1915 wirkte er im Elsaß als Feldprediger bei der 7. Landwehrdivision, Armee-Abteilung Gäde. Rasch gewann er sich die Liebe der Soldaten durch die kameradschaftlich-volkstümliche Art seines Verkehrs und durch den Mut, mit dem er sie, unbekümmert um die Gefahr, in den vordersten Gräben aufsuchte. Zu seinem großen Leidwesen wurde er im Oktober 1916 von der Front in die Etappe versetzt und zum Gouvernementspfarrer in Warschau bestimmt. Als er am 15. August 1917 Warschau zum langersehnten Urlaub verließ, trug er den Keim des Todes in sich, den er sich bei den seelsorgerischen Besuchen der Ruhrkranken zugezogen hatte. Die Krankheit zwang ihn in der Heimat auf ein schmerzensreiches Krankenlager, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Am 15. September verschied der allzeit Hoffnungs-volle in den Armen seiner Gattin, der treuen Pflegerin seiner letzten Tage, und wurde zwei Tage später unter ungemein zahlreicher Begleitung der trauernden Freunde und Gemeinde auf dem Tübinger Friedhof zur Ruhe bestattet.
Stuttgart.                                                                                       Theodor Meyer..“


aus: „Gedenkbuch der Tübinger Normannia für ihre Gefallenen“, Stuttgart 1921

Donnerstag, 14. September 2017

14. September 1917


„Kaum besser als die vordere Stellung war die des Bereitschafts-Bataillons im sogenan-nten Haumont-Riegel. Hierüber liegt ein anschaulicher Bericht des II. Batl. vom 14. September 1917 vor: „Von einer Stellung kann man nicht sprechen; außer dem Ab-schnitt der 8. Komp., wo die durchschnittliche Tiefe des Grabens etwa 50 cm ist, besteht die Stellung nur aus einer Trassierung von einer Spatenstichtiefe und zum Teil aus einem Fußweg. Die Hälfte der Grabenbesatzungen ist nur durch Zeltbahnen gegen Artilleriefeuer und Regen geschützt. Infolge des Regens sammelt sich das Wasser in den Schützenlöchern. Die sogenannte Hagenstellung ist überhaupt nicht vorhanden, nur im südlichen Teil des Haumontwaldes ist sie durch Tafeln mit der Aufschrift „Hagen-stellung“ angedeutet.“
Zum Ausbau hier und vorn fehlte es eben an Material, und um dies vorschaffen zu können, brauchte man Trägertrupps. Die Infanterie-Pionierkompagnie reichte dazu nicht aus, denn sie hatte alle Hände voll zu tun mit dem Heranschaffen der dringendsten Nahkampfmittel, Munition, Minen, Granatwerfer usw. Die Reserven der Kampfbatail-lone und des Bereitschaftsbataillons durften nicht dazu verwendet werden; die von den Kompagnien selber ausgeschiedenen Trägertrupps, 25 bis 30 Mann. brauchte man ganz und gar zum Vorschaffen der Verpflegung. Ihr Los war kein leichtes. Sie brauchten in den dunklen Nächten bei den glatten, durch den Regen aufgeweichten Wegen und in dem hügeligen Gelände für Hin- und Herweg 6 bis 8 Stunden. Sie konnten unmöglich mehr zu einem anderen Dienst herangezogen werden.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

Mittwoch, 13. September 2017

13. September 1917


„Am 26. 8. 17 erfolgte der Abtransport der Abt. nach Stenay, von wo sie am 5. 9. 17 nach Brandeville marschiert. Am 10. 9. 17 übernimmt die Division die Stellung der 51. Res.-Div. im Abschnitt Samogneux, Divisionsstabsquartier Ecurey, entsprechend auch die Fernsprechabteilung das Leitungsnetz. Es werden ihr hierzu noch der O. H. L.-Bauzug 931 und der bodenständige Betriebszug 1060 zugeteilt.
Am 13. 9. 17 fällt der Signalist Kotz durch Granatsplitter. Das Leitungsnetz wird sach-gemäß ausgebaut. Eine Verlegung des Div.-Stabes nach Brandeville brachte erhebliche Arbeit durch den Umbau der Fernsprechzentrale nach dem neuen Stabsquartier. Starkes Störungsfeuer und Fliegerangriffe verursachen häufige Leitungsstörungen. deshalb wer-den neue Leitungen durch Panzerkabel hergestellt. Die Explosion des Munitionslagers bei Lissey brachte umfangreiche Leitungsstörungen.“


aus: „Die württembergischen Nachrichtentruppen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1926

Dienstag, 12. September 2017

12. September 1917


„Schon der Marsch vom Waldlager in die Stellung war anstrengend, langwierig und ner-venanspannend. Denn der Weg dorthin führte über ein schwieriges, hügeliges Gelände, durch enge, nicht zu umgehende Schluchten, die nirgends Deckung boten, an denen entlang die Treffer der feindlichen Artillerie so sicher saßen und in denen oft tagelang die Leichen der zusammengeschossenen Fahrer und Pferde lagen. Ihre Namen Hau-mont-, Samogneux-, Schwaben-, Bayern-, Krückenschlucht und wie sie alle heißen mögen, werden allen Verdunkämpfern unvergeßlich sein, denn sie waren das Grab so vieler deutscher Soldaten. Viel lieber saß der Infanterist da vorn in seinem Granatloch, auch wenn es nur schwachen Schutz gegen das feindliche Feuer bot. Aber es war der Platz, auf den er hingehörte, dessen Verteidigung Ehrensache war, und wenn ihn der Tod hier traf, so war er leichter zu verschmerzen. Was man früher von anderen gehört hatte über die Gefährlichkeit des Anmarsches bei Verdun, konnte man jetzt am eigenen Leib verspüren und der Kompagnieführer atmete erleichtert auf, wenn er seine Kompagnie ohne Verluste nach vorne gebracht hatte. Unglaublich anstrengend und aufreibend war der Dienst all der Leute, die Essen, Material, Munition u. a. nach vorne schaffen mußten. Sie erlitten fast immer Verluste durch die nie ausbleibenden Feuerüberfälle, das starke, weit nach hinten reichende Störungsfeuer der feindlichen Artillerie.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

Montag, 11. September 2017

11. September 1917


„Das Charakteristische an der Stellung des Regiments war, daß sie auf ihrer ganzen Front im Bann der vom Feind besetzten Höhe 344 lag. Dem feindlichen Beobachter konnte von der weithin sichtbaren Kuppe aus nichts bei uns entgehen, bis zu den Süd-rändern des Waldes von Consenvoye.
Der letzte Versuch der 51. Reserve-Division mit Teilen der 242., die Höhe 344 zurück-zugewinnen, war am 9. September gescheitert.
Der Abschnitt des Füsilier-Regiments wurde durch die Samogneux- und Haumont-Schlucht in drei Teile geteilt. Der erstere zog sich parallel zur Front am Fuß der Höhe 344 entlang. Sie lag dauernd unter Feuer und Gas und trennte wie ein Fluß das am Nordhang der Höhe 344 klebende Kampfbataillon vom Hintergelände. auf die Samog-neux-Schlucht zulief
Jeder Gegenstoß zur Unterstützung der vorderen Linie mußte daher die Samogneux-Schlucht durchqueren. Der Gegner wußte nur zu gut, daß er durch Vergasen dieser Schlucht heraneilende deutsche Unterstützung zum mindesten sehr aufhielt.
Nördlich der Schlucht stieg das Gelände ziemlich steil an und bildete eine Art Hoch-fläche, die mit Wald- und Buschparzellen bedeckt war. Der höchste Punkt war hier 381 Meter.
Die Haumont-Schlucht, die von Norden her rechtwinklig auf die Samogneux-Schlucht zulief, teilte das Gelände scharf in zwei getrennte Höhenzüge. Auf dem östlichen lag das Dorf Haumont. Dieser langgestreckte Einschnitt mit seinen zahlreichen Quer-schluchten (Schwaben-, Bayern-, Krückenschlucht) war nächst der Samogneux-Schlucht die meist beschossene Stelle des Regimentsabschnitts.
Die vorderste Stellung, in der seit dem 11. September das III. Bataillon lag, war eine Trichterstellung. Ein zusammenhängendes Grabensystem war nicht vorhanden. Da der Feind etwa seit 8. September die Lage dieser Besetzungslinie genau erkannt zu haben schien, schob das III. Bataillon aus eigenem Entschluß in der Nacht vom 11. / 12. seine vorderste Postenlinie um etwa 50 Meter weiter nach vorne.
Dicht hinter der Trichterstellung befanden sich 3 große Stollen mit mehreren Aus-gängen, die sogenannte „Landwehr-, Meininger- und Kölnerkaserne“. Hier war der größere Teil der Kompagnien des Kampfbataillons untergebracht.
Die Lage des Kampfbataillons war äußerst ungünstig. Es bestand dauernd die Gefahr, daß der Franzose durch Angriffe von Samogneux und aus der Hindenburg-Schlucht heraus die ganze Trichterstellung von West und Ost her aufrollte, ehe wirksame Unterstützungen durch die Samogneux-Schlucht von rückwärts herangeeilt sein konn-ten. Hinter dem Kampfbataillon lagen die beiden anderen Bataillone (I. und II.) flügelweise als Bereitschaftsbataillone in und bei der sogenannten Hagenstellung, die nördlich des Dorfes Haumont quer durch den Regimentsabschnitt verlief. Sie waren also etwa 2 Kilometer vom Kampfbataillon entfernt. Ihre Unterbringung war mangelhaft. Stollen gab es nur wenige. Ein großer Teil der Mannschaften lag in Zelten und Fuchs-löchern. Nur in der Schwaben- und Bayernschlucht waren einige Stollen und splitter-sichere Unterstände vorhanden, die aber gleichzeitig auch von Batteriebesatzungen benützt wurden.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

Sonntag, 10. September 2017

10. September 1917


„An den noch folgenden Kampftagen bis zur Ablösung der 27. Inf.-Division machte der Gegner noch mehrere kleinere Angriffsversuche. Sein artilleristischer Kraftaufwand war dabei immer bis aufs äußerste gesteigert, der unsere Batterien manche Verluste kostete. Bei 9./49 fiel am 9. September Kanonier Neumetzger und Fahrer Gerhardt. Bei 2./49, die auf jedes Schießen eine Erwiderung bekam, fiel am 9. Kanonier Schwarz beim Munitionheranfahren und am 10. der Gefr. Goggele auf der Beobachtungsstelle, nach-dem er, einige Tage vorher verwundet, in aufopfernder Pflichttreue seinen Dienst weiter versehen hatte. Unteroffizier Beutler dieser Batterie löschte mit größter Kaltblütigkeit in Brand geratene Munition und verhinderte dadurch die Explosion der in der Nähe gelagerten Gasmunition. Die Batterie schoß trotz feindlichen Feuers das angeforderte Vernichtungsfeuer weiter.“

aus: „Das 3. Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922


Samstag, 9. September 2017

9. September 1917


„Am 8. September wurde das I. Bataillon mit der Bahn von Han-les-Juvigny wieder vorgezogen und in dem Abschnitt des Infanterie-Regiments Nr. 475 als Sturmbataillon eingesetzt. Nach vorausgegangener Artillerie- und Minenwerfervorbereitung fand am 9. Sept., 6 Uhr vormittags, der Sturm statt. Die verstärkte 51. Reserve-Infanterie-Division sollte die Höhe 344 dem Feind entreißen, das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 127 die Höhe 326 wieder erobern.
Der Nebel war so stark, daß man keine zwanzig Schritt weit sehen konnte. Trotzdem gelang es Teilen des I. Bataillons in schneidigem Anlauf sich, wenn auch mit Verlusten, in Besitz der Höhe zu setzen. Als einer der ersten hatte der tapfere Musketier Uhl, der als frischer Draufgänger bekannt war, den feindlichen Graben erreicht. Auch Sergeant Reißer und Unteroffizier Ritter der 2. Kompagnie, Vizefeldwebel Gratwohl der 3. Kompagnie und Unteroffizier Raile der 4. Kompagnie befanden sich unter den vordersten. Leider erlitt dabei der tapfere Führer der 4. Kompagnie, Leutnant d. R. Pfleiderer, den Heldentod. Obwohl krank, wollte er am Tage des Sturmes seine Kom-pagnie nicht im Stiche lassen. Der bewährte Führer der 2. Kompagnie, Leutnant d. R. Pfleghar, wurde schwer verwundet. Infolge des dichten Nebels – man konnte, wie ein Verwundeter aussagte, nicht unterscheiden, ob im Nachbartrichter Freund oder Feind sitze – der in dem unbekannten Gelände jede Orientierung ausschloß, sowie wegen des heftigen feindlichen Flankenfeuers gelang es dem Bataillon auf die Dauer nicht, die Höhe zu halten, zumal die Verluste an Offizieren und Mannschaften sich häuften. Das Bataillon ging daher in seine Ausgangsstellung zurück und hielt sie fest in der Hand. Auch die Höhe 344 ging wieder an die Franzosen verloren.“


aus: „Das neunte Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 127 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

Freitag, 8. September 2017

8. September 1917


„Als am 8. September das III./124 in vordere Linie rückte, kam es beim Vormarsch in Artilleriefeuer, besonders die 11./124 hatte unter Beschießung mit Gasgranaten sehr zu leiden. Vizefeldwebel Hagel von Ochsenhausen zeichnete sich bei diesem Anlaß durch anerkennenswerte Kaltblütigkeit ganz besonders aus. Er setzte in seinem Wirkungs-bereich alles daran, die durch das Feuer zerstreuten Leute wieder zusammen zu bekom-men.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

Donnerstag, 7. September 2017

7. September 1917


„Der Abtransport arbeitete vorzüglich – trotz aller Erschwerungen; Kraftwagen standen genügend zu Gebote. Unsäglich schwer und gefahrvoll war nur der Transport aus der vordersten Linie. 3 – 4 Stunden mußten die Verwundeten von den Krankenträgern im Artilleriefeuer, oft mit aufgesetzter Gasmaske durch das schlammige Trichterfeld ge-schleppt werden – Stunden aufopfernder Pflichttreue, aber auch unbeschreiblicher Qual und seelischer Erschütterung und Spannung für die Verwundeten. So mancher, fast schon gerettet, fiel, ein Opfer der Brisanzgranaten oder des heimtückischen Gases. Besonders furchtbar und schwierig war der Transport durch den Houthulster Wald mit dem Gewirr von gefällten Baumstämmen, zersplitterten Ästen und Trichtern. Vielfach konnten die Krankenträger ihre Aufgabe auch nur bewältigen mit Unterstützung der kämpfenden Truppe selbst, von der, wie auch schon an der Somme, Mannschaften zum Verwundetentransport abgegeben werden mußten – zum Schaden für die Gefechtskraft. Die Krankenwagen der Sanitätskompagnien konnten von den Wagenhalteplätzen bis in die Gegend der hinteren Sanitätsunterstände nur an ruhigeren Tagen vorfahren, da das Artilleriefeuer alle Gespanne, die sich bei Tage zu weit vorwagten, vernichtete. Außer-dem gab es fahrbare Wege vorwärts der schweren Artilleriestellungen kaum mehr. Am Wagenhalteplatz waren die Verwundeten so gut wie geborgen. Rasches Umladen in die Sanitätskraftwagen, vorher noch eine Erfrischung mit Tee, Kaffee, Wein, bei starker Erregung oder unerträglichen Schmerzen eine Spritze Morphium – und fort ging’s auf immer besser werdenden Wegen und Straßen zum Hauptverbandplatz. Jeder Hauptver-bandplatz verfügte über 4 – 5 Sanitätskraftwagen mit Anhängern, bei großem Verwun-detenanfall stand noch ein Omnibus sowie Lastautos bereit für die Leichtverwundeten. sehr bewährt haben sich die kleinen zweiräderigen „Mannesmann-Anhänger“ für 2 liegende Verwundete. Mit diesem Transportmittel ließ sich der Transport vom Wagen-halteplatz her, wie der Abtransport nach den Feldlazaretten bewerkstelligen.“

aus: „Das Sanitätswesen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1924

Mittwoch, 6. September 2017

6. September 1917


„Ein einziges Mal – am 6. September – ist es dem Engländer gelungen, in der Mitte des Abschnitts, im sogenannten „Kaminhof“, einzudringen. Aber es bestand für ihn kein Anlaß, sich dieses Erfolges zu rühmen, denn was er hier vorfand, waren die Leichen von Helden, die bis zur letzten Stunde ihr Menschenmöglichstes geleistet hatten; unter ihnen befand sich der schneidige Kompagnieführer, Leutnant d. R. Lenhardt. Zudem warf sie ein glänzend geführter Gegenstoß zweier Kompagnien des III. Bataillons (9. und 12.), ehe sie sich versehen hatten, wieder hinaus. Mit der Einbuße einiger Dutzend Gefan-gener und schweren blutigen Verlusten war für sie dieser vorübergehende Erfolg teuer erkauft.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württemb.) Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1922

Dienstag, 5. September 2017

5. September 1917


„Nachdem am 4. September der ganze Divisionsabschnitt ohne sichtlichen Grund wiederum eingenebelt worden war, griff der Gegner am 5. abends 10 Uhr nach Trommelfeuer den linken Flügel des Regiments an und auf 150 m Entfernung tauchten im Schein der Leuchtkugeln stärkere englische Kräfte auf. Die 9. Kompagnie empfing sie entsprechend und im Salvenfeuer brach der Angriff zusammen. Von den Tapferen, die im Trommelfeuer sich duckend, als erste am Trichterrand standen, sobald der Tommy sich zeigte, sei der Gefreite Heinzelmann der 9. Kompagnie genannt, der mit seine Gruppe dem Engländer jedes Vorkommen verwehrte. Leider hat ein Volltreffer auch dieser Kompagnie an jenem Abend mehrere brave Grenadiere entrissen.“


aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

Montag, 4. September 2017

4. September 1917


Gebhard Josef Emberger
LEUTN. D. R. FLIEGERSTAFFEL 29                                                               4. SEPTEMBER 1917
Geb. 12. 2. 96 in Schmalegg, Sohn des Oberlehrers. Sem. Saulgau 1915, rückte im Oktober 1914 freiwillig nach Ravensburg ein und stand von Dez. 1914 bis August 1916 bei Landw. 123 in den Vogesen – E. K. II. Von August 1916 bis Juni 1917 Ausbildung als Flieger in Gotha und Böblingen, dann Flugzeugführer bei der Fliegerabtlg. 13 und seit Juli 1917 Kampfflieger. Am Abend des 4. Sept. 1917 verfolgte Emberger mit zwei weiteren deutschen Jagdfliegern 6 Engländer. Dabei kam er mit zwei von den Feinden in Kampf; sein Benzinbehälter wurde durchschossen, er brannte und hellauf flackerte wie eine feurige Fackel das Flugzeug. Emberger sprang aus ca. 1000 m ab, um dem Verbrennungstode zu entgehen. Zerschmettert lag er hinter der deutschen Linie am Südrand des Houthulster Waldes. Er ruht auf dem Ehrenfriedhof II nördlich Thourout. Große Geistesgegenwart und ein scharfes Auge befähigten ihn zum Kampfflieger. Sonst gütig und anspruchslos war er immer freundlich und gefällig und deshalb allgemein beliebt.“

aus: „Ehrenbuch der im Weltkrieg gefallenen kath. Lehrer Württembergs“, Biberach an der Riß 1927


Sonntag, 3. September 2017

3. September 1917


„Im Laufe des 3. waren tagsüber schon mehrfach Ansammlungen beim Feind unter Vernichtungsfeuer genommen worden, 11 Uhr abends setzte schlagartig Trommelfeuer auf das in Kampfstellung befindliche III./124 ein, die Batterien und das Hintergelände erhielten schwere Kaliber. 11.30 Uhr abends kam der Angriff, er wurde überall abgewiesen. Da die 11./124. erhebliche Verluste hatte, wurde sie durch die 9. aus der Wilhelmsstellung verstärkt. Die Engländer wiederholten ihre Angriffe erfolglos noch einige Male, dann trat Ruhe ein. 2 Uhr vormittags brach das Trommelfeuer abermals los und dichte Sturmwellen brachen besonders gegen den linken Flügel los. Diesmal wurde der Angriff von Flammenwerfern unterstützt, die in dem von dem Gegner besetzten Tank einen vorteilhaften Stand hatten. Hier kam der Feind unserer Trichterlinie etwas näher, einzudringen vermochte er auch diesmal nirgends. Unter Verlust von 35 Mann hielt das III. Bataillon die Stellungen. Dies war immerhin ein fühlbarer Ausfall, denn die Kompagnien rückten mit nur 45 Gewehren in Stellung. Die neugebildeten 4. Züge lagen vom Kampfbataillon in Mosselmarkt und hatten den Nachschub zu besorgen. Diese Maßnahme war erforderlich, um nicht das in Stellung kommende Bataillon schon vor dem Einsatz durch diese Trägerdienste zu ermüden.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

Samstag, 2. September 2017

2. September 1917



„Nicht unglücklich waren wir, als alm 2. September 1917 die Brigade die demnächst bevorstehende Ablösung der 26. durch die 208. Inf.-Division (119 durch 185) bekanntgab. Die Aussicht, bald aus dem Schlamm und Dreck und dem englischen Eisenhagel herauszukommen, versetzte alle Grenadiere in die freudigste Stimmung; wir bedauerten nur, daß wir die Ausführung des inzwischen gut vorbereiteten, aber aus allerlei Gründen immer wieder verschobenen Unternehmens „Tarnopol“ auf Grund höherer Weisung unseren Nachfolgern überlassen mußten.“


aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

Freitag, 1. September 2017

1. September 1917


„Eine Unmenge Fesselballons beobachteten dauernd das Kampfgelände. Artillerie streute kreuz und quer wechselnd ab; man hatte den Eindruck, daß die veränderte Abwehrkampfweise – vorne Postenlinie, dahinter eine Art Tiefenzone des Kampf- und Bereitschaftsbataillons ohne erkennbare Stellung – den Feind zu einem besonderen Schießverfahren mit großem Munitionsaufwand zwingt. Er sucht im Lauf des Tages mit kurzen, heftigen Feuerüberfällen das ganze Gelände zu unregelmäßiger Zeit ab und so die innerhalb dieses Raumes öfters wechselnden Infanteriebesatzungen und zerstreut liegenden M.-G.-Züge zu fassen. Gleichzeitig werden alle erkennbaren Anlagen (Ge-fechtsstände, Betonunterstände, Batterien, markante Geländepunkte, Straßenkreuzung-en, Bahnübergänge usw.) mit schweren und schwersten Kalibern bedeckt.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3. Württ.) Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1921