Freitag, 24. April 2020

24. April 1920


Karl Wolff wurde am 21. März 1916 als ungedienter Landsturm-Rekrut zum Ersatz-Bataillon des Reserve-Infanterie-Regiments 246 eingezogen und kam am 1. Mai 1916 zur Ausbildung am Maschinengewehr zur 3. Ersatz-Maschinengewehr-Kompagnie XIII. Karl Wolff zog am 8. Juni 1916 zum Landwehr-Infanterie-Regiment 119 ins Feld in die Stellungskämpfe ins Oberelsaß und in den Vogesen, wo er bis zu seiner schweren Verwundung am 8. Oktober 1918 verblieb. Die Regeiments-geschichte berichtet über diesen Tag:

 „Nur einmal versuchte der Feind noch einen Vorstoß. Am 6. Oktober beginnt er mit 4 bis 6 Minenwerfern eine Bresche in das Drahtverhau zwischen P- und V-Weg in der Stellung Uffholz A zu schießen. Über 300 mittlere und schwere Minen gehen an der alten Einbruchsstelle der Franzosen nieder, wo sie schon am 19. Februar eingebrochen sind. Aus den rückwärtigen Linien sieht man dem stundenlangen Schießen zu, man sieht die Minen hoch in die Luft steigen, sieht sie niedergleiten, hört den krachenden Schlag, mit dem sie sich in den Boden einwühlen, sieht die Erdspringbrunnen hochgehen. Zwei Stunden lang dauert das Schießen, da stoppt der Franzose ab. Man wundert sich darüber. Das ist so gar nicht seine Art. Ein paar Artillerieschüsse legt er auf Höhe 371,5 und prüft mit ein paar weiterenh sein Feuer auf die anschließenden Gräben. Seine Absicht ist klar, nur weiß man noch nicht, wann der eigentliche Schlag kommt. Man ist aber auf der Hut. Die Posten und Unterstände in der gefährdeten Zone werden geräumt, das Angriffsfeld seitlich abgeriegelt. Die schweren Maschinengewehre werden zur Abwehr des feind-lichen Angriffs weiter rückwärts aufgebaut, sie sollen ihr indirektes Feuer auf die Ein-bruchsstelle legen, die leichten Maschinengewehre der 4. und der anschließenden 9. Kompagnie stehen ebenfalls schußbereit; die eigene Artillerie ist genau verständigt und bereitet ihr Sperr- und Vernichtungsfeuer auf die gefährdete Stelle vor. Die Nacht auf den 7. Oktober vergeht, aber der Franzose ist nicht gekommen. Am Mittag fliegen zwei feindliche Flieger über den Abschnitt. Sie scheinen die Verhältnisse noch einmal zu überprüfen. Die Nacht senkt sich noch einmal auf die Gräben, wo der Deutsche ge-spannt lauscht und abwehrbereit steht. Schon dämmert in der Ferne der Morgen. Da geht’s schlagartig los. 5.30 Uhr morgens läßt der Franzose Artillerie und Minenwerfer spielen; an die 500 Minen suchen das von uns in den beiden vorangegangenen Nächten notdürftig geflickte Drahtverhau noch einmal zu zerschlagen. Über 600 Artillerieschuß leichten und schweren Kalibers gehen auf die Einbruchsstelle und alle Unterstände der Umgebung nieder. Tadellos klappen die vorbereiteten Maßnahmen. Die eigenen Maschi-nengewehre rattern unaufhörlich, die eigenen Minenwerfer und die Artillerie legen auf Anruf ihr Vernichtungsfeuer auf die gefährdete Stelle. Als der Sturm vorbeibraust, gehtt der Stoßtrupp der 4. Kompagnie, deren rechter Flügelstellung der französische Angriff gegolten hatte, sofort vor. Die Spuren des Gegners sind deutlich zu sehen, Blutspuren kennzeichnen seinen Weg.“

aus: „Das Württembergische Landwehr-Inf.-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923

Karl Wolff war durch einen Granatsplitter an der Stirn schwer verwundet worden. Er kam ins Lazarett und wurde am 8. Februar 1919 vom Ersatz-Bataillon entlassen. Er verstarb am 24. April 1920 in seiner Heimatstadt Eßlingen am Neckar an den Folgen seiner Verwundung.

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