Samstag, 2. Januar 2021

2. Januar 1921

 

„Martin  Z u g, Frommenhäuser Straße.

Geb. 13. November 1898*.

Sohn des Karl Zug, Fuhrmann

und der Elisabeth geb. Beuter.


W e h r d i e n s t: im Krieg:: Res.-Inf.-Regt. 119*
Gestorben an den Folgen der Verwundung am 2. Januar 1921 im Lazarett in Tübingen.

Die 26. Res.-Div.* hatte bei der großen Märzoffensive 1918 von Cherisy aus angegriffen und stieß an der Karnickelhöhe auf gegnerischen Widerstand. Die Höhe wurde am 28. März 1918 vom Inf.-Regt. 180 genommen. In diese Kämpfe war das Res.-Regt, 119 auch verwickelt. In den Stellungen bei Hamelincourt, 13 Kilometer nordwestlich Bapaume, wurde Zug durch Artilleriegeschoß am linken Arm verwundet. 
Im Lazarett mußte der Arm oberhalb des Ellbogens amputiert werden. Die Amputationswunde heilte rasch und Zug bekam eine auskömmliche Stellung als Portier in Stuttgart. Aber der an die Freiheit der Scholle gewohnte Mann fühlte sich bei seiner neuen Tätigkeit nicht glücklich. Er kündigte die Stellung nach einigen Monaten, arbeitete in der väterlichen Landwirtschaft, führte wie der Vater Langholz und lud die schweren Stämme mit einem Arm auf den Wagen. 
Der Verfasser traf ihn einmal mit einer Fuhre Langholz bei Frommenhausen, als Begleiter seine 12jährige Schwester bei ihm. Ein rührendes Bild, die mächtigen Hölzer auf den Wagen gekettet, zwei kräftige Pferde die Nüdtern pustend davor, dabei das junge rotbackige hübsche Mädchen und der kleine Martin mit einem Arm. „Martin“, sagte ich, „das geht auf die Dauer mit einem Arm nicht, du wirst sehen, der Arm hält die Anstrengungen nicht aus.“ Trocken entgegnete der tapfere Martin: „Es geht scho!“ 
Wenige Monate später mußte er wergen des Armes in die Klinik nach Tübingen. 
Die Überanstrengung war so stark, daß auch dieser Arm abgenommen werden mußte. 
Das Schicksal hat ihm das Leid und die Sorge, daß es jetzt endgültig mit dem Langholzfahren vorbei ist, abgenommen, er starb wenige Tage nach der Operation. 
Ein anderer Bruder sprang in die Bresche des Martin und dieser betreibt weiter das schwere Handwerk, wie der Martin und sein Vater. 
Auf dem Heimatfriedhof in Hirrlingen wurde Zug mit militärischen Ehren begraben. 
Zug war 23 Jahre alt und ledig.“

aus: „Hirrlingen Kreis Tübingen (Württemberg) Ehrenbuch 1914-18“, Cannstatt ca. 1939 

*Hier irrt die Heimatchronik: Martin Zug wurde ausweislich der Kriegsstammrolle am 11. November 1898 geboren und war bei der 7./Grenadier-Regiment 119. Er wurde am 5. April 1918 bei Hébuterne (circa 30 Kilometer westlich Bapaume) durch „Artillerie-Geschoß, Zersplitterung des linken Ellbogengelenks“ schwer verwundet.

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