Dienstag, 21. Oktober 2014

21. Oktober 1914


„Am frühen Morgen des 21. Oktober gelangte die Nachricht nach Koelberg, daß Becelaere von der 54. Res.-Division geräumt sei, was sich erst später als unrichtig erwies. Nach Rücksprache mit den Kommandeuren der bei Koelberg stehenden Kav.-Brigaden rückten die bei Koelberg befindlichen Teile des Regiments nach Calvaire am Wege Gheluwe–Becelaere, um Fühlung mit der eigenen Division aufzunehmen. Kaum war dies gelungen, als durch einen Ordonnanzoffizier der 3. Kav.-Division die Meldung überbracht wurde, der kommandierende General des XXVII. Res.-Korps habe auf Antrag der 3. Kav.-Division befohlen, daß Oberst v. Hügel mit den bei ihm befindlichen Teilen des Res.-Inf.-Regt. 248 den Angriff der 3. Kav.-Division auf den Gegner westlich Vieux Chien unterstützen solle, er möge wegen des Angriffs mit Major Füger in Verbindung treten. Nachdem dies geschehen, entwickelten sich die 10. und 12. Kompagnie aus dem Gehölz östlich von Au Rossignol und erstiegen die Höhe von Vieux Chien. Die 10. Kompagnie besetzte die Südwestecke des nördlich Vieux Chien gelegenen Waldes, die 12. Kompagnie nahm außerhalb des Waldes vorwärts des Hofes Vieux Chien Stellung. Darnach wurden die beiden M.-G.-Züge nach der Waldecke herangezogen.

Durch Erkundung und Beobachtuung mit dem Glas war festgestellt worden, daß einige Gehöfte zwischen Vieux Chien und der Straße Becelaere–Oude-Kruiseik vom Feind besetzt waren, südlich der Straße Gheluwe–Gheluvelt waren in etwa 1½ km Entfernung feindliche Schützengräben mit Drahthindernissen zu erkennen. Aus den westlich vorliegenden Häusergruppen waurde ab und zu gefeuert, das Feuer aber von den beiden Kompagnien nicht aufgenommen.

Um 2 Uhr nachmittags ging die 3. Kav.-Division südlich von Koelberg zum Angriff vor, das I./Bayer. Res.-Inf.-Regt. 1 entwickelte sich aus Koelberg heraus zu beiden Seiten der großen Straße. Nunmehr wurde auch von der 10. und 12. Kompagnie das Feuer eröffnet. Die von den Engländern besetzten Häuser westlich Vieux Chien wurden von der bei Koelberg stehenden Batterie in Brand geschossen, die feindliche Artillerie nahm die Häuser an der Straße Koelberg–Gheluvelt unter Feuer. ( … ).

Nachmittags gegen 4 Uhr entwickelten sich aus den Waldstücken östlich Vieux Chien mehrere Kompagnien sächsischer Jäger und Infanterie. Sowie sie dem Feinde sichtbar wurden, empfing sie lebhaftes Artilleriefeuer, auch das Infanteriefeuer verstärkte sich merklich. Die Sachsen gingen in die Lücke zwischen den Bayern und dem linken Flügel der 12. Kompagnie vor. Als sie die Höhe der 12. Kompagnie erreicht hatten, gingen beide Kompagnien sprungweise vor, bis das feindliche Artilleriefeuer ein weiteres Vorgehen unmöglich machte. In der erreichten Stellung gruben sich die Schützen ein.

Das Gefecht währte mit gleicher Heftigkeit bis nach Einbruch der Dunkelheit, die Verluste hielten sich in mäßigen Grenzen. In den späten Abendstunden wurden die Sachsen aus dem Gefecht gezogen. Gegen 10 Uhr abends meldete die 10. Kompagnie, daß die Munition knapp werde. – Die Kompagnien waren mit 220 Patronen pro Gewehr ins Gefecht getreten. – Glücklicherweise gelang es dem Adjudanten des III. Bataillons, einen umherirrenden sächsischen Patronenwagen herbeizuholen. Spät in der Nacht wurde auch das bayerische Bataillon zurückgezogen. – Die beiden Kompagnien verblieben noch längere Zeit allein in vorderster Linie, gingen dann aber gegen Morgen mit den beiden M.-G.-Zügen hinter Koelberg zurück.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 248 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1924

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