Mittwoch, 11. Februar 2015

11. Februar 1915


Ludwig Walzer
GEFR. 10./LANDW. 123                                                                                     † 11. FEBRUAR 1915
Geb. 20. 4. 93 in Ravensburg, in Bregenz Maturitas, Sem. Saulgau 1914, Stellvertreter in Ravensburg, zuletzt U.-Lehrer in Neukirch (Tettnang), rückte mit Kriegsbeginn als Freiwilliger nach Ravensburg ein und kam am 4. Okt. in die Vogesen. Bei einem Überfall der Franzosen auf die Stellungen des Reg. am Hartmannsweilerkopf fiel er am 11. Febr. durch Brustschuß. Beerdigt am Hartmannsweilerkopf.“

aus: „Ehrenbuch der im Weltkrieg gefallenen kath. Lehrer Württembergs“, Biberach an der Riß 1927
 

„Am frühen Morgen schon hatte der Einschlag der Granaten der schweren Haubitzen auf dem Sudel mit donnerndem Echo die müde und durchfrorene Besatzung aus den ärmlichen Hütten gescheucht. Es war ein schöner, heller Tag mit leuchtendem Sonnenschein. Leutnant Mack, der mit seinen Infanteriepionieren die ganze Nacht im Firstackerwäldchen ungestört vom Feinde gebuddelt hatte, rückte eben ab, als das feindliche Artilleriefeuer sich langsam steigerte, auch auf „Stellung Crailsheim“ sich ausdehnte und ihm den Rückweg nach dem Holzwasen zu verlegen schien. Doch dachte, da man an diese tägliche Höllenmusik gewöhnt war, niemand an etwas Besonderes.

Die 10. Komp. unter Hauptmann Dittus lag in „Stellung Gutermann“; sie war durch die nächtelange Arbeit und tägliche Beschießung völlig erschöpft; müde kauerten die Mannschaften, mit einem Teppich über den Schultern zum Schutz vor Kälte, in den niederen Gräben. Da steigerte sich das Feuer immer mehr. Stärker heulten die schweren Haubitzgranaten von Kohlschlag daher und wühlten sich in gewaltigen Trichtern in den steinigen Boden. Nun setzte auch heftiges Nahfeuer aus Feld- und Gebirgsgeschützen ein und hüllte den ganzen Grat in Pulverdampf. Mit 4 Batterien trommelte er von 1 Uhr ab auf die Höhe ein. Unter diesem starken Feuerschutz schob der Feind das ganze Alpenjägerbataillon 24 und Teile des 334. Inf.-Regiments vom Sudelkopfe gegen die deutsche Linie vor. Die Ansammlung feindlicher Kräfte wurde zwar von Leutnant Grözinger auf Höhe 976,5 nördlich des Rimbachtals rechtzeitig entdeckt und der Artillerie gemeldet; diese griff aber aus unverständlichen Gründen nicht ein.

Mit Schneid und großem Geschick gelang es den jungen Truppen des Feindes, sich durch das zerklüftete Gelände zu pirschen und nach heftigem Kampf mit der durch das schwere Feuer geschwächten und zermürbten Besatzung in den ersten Graben einzudringen. Zuerst nahm der Feind in flinker Überrumpelung den deutschen Graben im Firstackerwäldchen und rollte dann die Stellung am Südhang an der Flanke auf. Die beiden deutschen Maschinengewehre waren durch Artillerievolltreffer zerstört, die Besatzung getötet oder schwer verwundet. So ging die „Stellung Gutermann“ verloren und geriet in die Hand des mehrfach überlegenen Gegners. Nur Trümmer von der 10. Komp. kehrten noch zurück.

Siegestrunken griffen die Alpenjäger sofort auch „Stellung Crailsheim“ an. Doch da war die Kraft des Verteidigers nicht gebrochen. Unter scharfem Flankenfeuer brach der Stoß der Alpenjäger hier zusammen und trug ihnen die schwersten Verluste ein. Sie mußten sich mit der ersten Linie der Deutschen begnügen.

Der 11. 2. traf das III. Bataillon schwer: an die 100 Mann kostete der Tag, von denen ¼ meist verwundet in Gefangenschaft geriet. Schwer war aber auch der Verlust der „Stellung Gutermann“. Zum erstenmal hatte das Bataillon im Kriege weichen müssen, zum erstenmal Boden verloren.

Wie schlicht im Vergleich zu dem schweren Ringen klangen doch die Worte des amtlichen Kriegsberichts vom 12. Februar: „Am Sudelkopf in den Vogesen gelang es den Franzosen, einen kleinen Vorgraben vor unserer Stellung zu besetzen.“

Der Feind frohlockte. Noch am Abend des 11. 2. griff er mit zwei Zügen die neue Stellung der 3. Komp. am Breittalhang an, die am rechten Flügel des I./L. 123 eingesetzt war. Doch Hauptmann Falke wies die verwegenen Gegner sogleich ab. Am 12. 2. versuchten die Franzosen südlich der Ruine Hartfelsenschloß aus einen Nebenangriff auf die neuen Linien der 1. und 2. Komp. zu machen. Unter blutigen Verlusten wurde er vereitelt.“

aus: „Württembergisches Landw.-Inf.-Regiment Nr. 123 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922
 
 

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