Montag, 16. Februar 2015

16. Februar 1915


„Der Graben ist beim Einrücken der 7. Kompagnie schon gut ausgebaut. Er hat eine Tiefe von 2,50 Meter, Schützenauftritte und gute Brust- und Schulterwehren. Die Unterstände in der Rückwand des Grabens bieten verhältnismäßig gute und trockene Unterkunft für je 2–4 Mann und Schutz gegen leichte Minen, einige auch gegen leichte Granaten. Die Entwässerung bereitet an den Berglehnen nur wenig Schwierigkeiten, so bleibt als Hauptarbeit der Ausbau der Hindernisse. Die 11. und 12. Kompagnie aber arbeiten an Angriffssappen und vorgeschobenen Parallelgräben für einen von der 33. Infanteriedivision auf den 28. Februar angesetzten Sturm. Aber noch ehe die Sappenspitzen den Gegner erreicht haben, wird der Angriff für das Detachement Tornow für den 16. Februar befohlen. Ohne Sprengung muß der Angriff lediglich im Vertrauen auf die Artilleriewirkung ausgeführt werden. Die Höhe 285 soll unser werden, um eine Seitendeckung gegen die drohenden Angriffe des Feindes auf Vauquois zu haben, um dem Gegner die Beobachtungs- und Flankierungsmöglichkeit zu nehmen. Aber der Angriff erreicht dieses Ziel nicht. Das Bataillon Clavel, 11. und 12. Kompagnie des Landw.-Inf.-Regts. 124 und 5. und 6. Kompagnie des Regts. 98, das auf Befehl von Major Tornow vom linken Flügel aufrollen soll, kommt nicht dazu. So entschließt sich Hauptmann Clavel selbständig zum Frontalangriff, bei dem die beiden Landwehrkompagnien trotz der unzerstörten Hindernisse und Gräben, trotz der starken Besatzung der feindlichen Stellung in ungestümem Vordringen noch über den zweiten französischen Graben hinauskommen und einen Geländegewinn von 150 Meter Tiefe bei 250 Meter Breite erkämpfen. Ein Maschinengewehr mit 5 Mann Bedienung und mehrere Minenwerfer werden erbeutet. Unteroffizier Steinbrenner säubert den äußersten rechten Flügel der eigenen Front und zeichnet sich bei der Abwehr der verzweifelten Gegenangriffe der Franzosen, die in der Nacht dreimal gegen die neugewonnene Stellung anstürmen, ganz besonders aus. Die eigenen Verluste sind schwer: 2 Offizier (Leutnant Heinle, Offizierstellvertreter Zluhan) und 13 Mann sind gefallen, 10 werden vermißt, 62 sind verwundet. In harter Arbeit und im unaufhörlichen feindlichen Feuer muß die neugewonnene Stellung umgebaut werden.“

aus: „Das Württembergische Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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