Freitag, 10. Februar 2017

10. Februar 1917


„Am 10. Februar dagegen hatte es der Engländer offensichtlich auf den Abschnitt des Regiments 125 abgesehen.
Schon am Morgen wurde ein reger Verkehr beim Feinde über freies Feld beobachtet und durch Patrouillen eine starke Besetzung der feindlichen Gräben festgestellt. In den Vormittagsstunden kreiste ein feindlicher Flieger sehr nieder über unserer Stellung und am Nachmittag überflog ein Flugzeuggeschwader in der Stärke von etwa 10 Flugzeugen die vorderen Linien, ein solches von 5 Flugzeugen die R 2-Stellung.
Von 3 – 4.15 Uhr nachmittags unterhielt der Gegner ein offenbar von seinen Fliegern vortrefflich geleitetes, trommelfeuerartiges Wirkungsschießen gegen die vordere und R 1-Linie, das außerordentlich starke Verheerungen an unsern Verteidigungsanlagen anrichtete. Schließlich überschüttete der feindliche Geschoßhagel hauptsächlich die Nase und die an diese unmittelbar angrenzenden Stellungsteile, worauf eine Welle von etwa 50 Mann die Granattrichter vor der Nase besetzte. Auch an anderen Stellen versuchten verzettelt schwächere und stärkere Abteilungen, unterstützt von Maschinen-gewehren, gegen unsere Gräben vorzudringen. Sie kamen nicht weit. Dank der Aufmerksamkeit und guten Beobachtung der Kompagnien vor allem aber dank der namentlich durch die 5. Kompagnie (Leutnant d. R. Seifriz) sofort und dauernd beim K,.T.-K. eingehenden Meldungen über Lage und Art des feindlichen Artilleriefeuers und Verhalten der feindlichen Infanterie und Maschinengewehre war es möglich, das Feuer unserer eigenen Artillerie sogleich auf diejenigen feindlichen Grabenstücke zu lenken, die unseren gefährdetsten Stellen gegenüberlagen.
Es hat sich zweifellos um einen Angriffsversuch mehrerer Bataillone gehandelt. Daß er nicht, wie wir vermuteten, während der Nacht oder im Morgengrauen des 11. Februar einheitlich erneuert wurde, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß unsere Artillerie und Maschinengewehre dem Gegner außerordentlich zugesetzt hatten. Außerdem werden die durch Handgranatentrupps ausgeführte Säuberung der Granattrichter vor der Nase sowie die nach Beendigung des feindlichen Artilleriefeuers sofort wieder einsetzende Auf-klärung, dem Feinde unsere Wachsamkeit und aggressive Widerstandsfähigkeit klar vor Augen geführt und von der Wiederholung seines Unterfangens abgeschreckt haben.
Die Hauptlast des Kampfes hatten die Kompagnien in der Mitte, die 6. und 7. Kom-pagnie, zu tragen, die sich unter ihren vortrefflichen Führern – Leutnants d. R. Kintzinger und Männer – glänzend bewährten. Die Verluste betrugen 9 Tote und 25 Verwundete. Unter den Verwundeten befanden sich die Leutnants d. R. Bock und Raible (6. Kompagnie). Leider erlag der letztere, ein überaus umsichtiger und tapferer Offizier, am 14. März seiner schweren Kopfverletzung.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–

1918“ׅ, Stuttgart 1923

Keine Kommentare:

Kommentar posten