Sonntag, 19. Februar 2017

19. Februar 1916


„Zur Vertreibung des Gegners aus den Stützpunkten wird nun gemeinsamer Angriff des III./119 und III./121 unter Mitwirkung der Artillerie, Minenwerfer, Pioniere und des Sturmbataillons beabsichtigt und auf einem genau nach dem Angriffsziel abgesteckten Gelände als Patrouillenunternehmen „Ipf“ vorbereitet. Die Ausführung des Unter-nehmens war in Bälde geplant, mußte aber aus Mangel an Artilleriemunition, die zu anderen Kampfhandlungen dringender benötigt war, bis 19. Februar verschoben werden. Bis 10. Februar hatte der Feind den Stützpunkt „Lichtenstein“ und die Schützennester 9 und 10 freiwillig geräumt, er saß nur noch in „Neuffen“ und Nest 11. Am 19. Februar griffen um 6.50 Uhr abends nach vorhergehendem Wirkungsschießen der Artillerie und der Minenwerfer und gutsitzendem, 2 Minuten währendem Feuer der Infanterie-geschütze 3 Sturmkolonnen 119 und 121, ohne sich durch das feindliche Infanterie- und Maschinengewehrfeuer aufhalten zu lassen, an. Unter Verlusten gelingt es zuerst der Kolonne A von Nest 8 her in Nest 11 und der Kolonne B von „Lichtenstein“ her in „Neuffen“ einzudringen. Im „Neuffenׅ“, dessen Hindernis durch das Minenwerferfeuer keineswegs zerstört ist, entspinnt sich ein erbitterter Handgranatenkampf, bei dem Leutnant Löffler (4.) fällt. Inzwischen war Kolonne C, bei der kurz nach Verlassen der Sturmausgangsstellung Leutnant d. R. Nietzsch schwer verwundet worden war, eben-falls in „Neuffen“ eingedrungen. In heftigem Nahkampf, wobei Leutnant d. R. Reitter eine tödliche Verwundung erhält, wird die englische Besatzung überwältigt, unter wirk-samer Unterstützung durch die zugeteilten Flammenwerfer des Sturmbataillons I.
Abends 7.15 Uhr war „Neuffen“ fest in der Hand des Regiments und wird von 2 Zügen der 2./119 und Leutnant d. R. Schmid besetzt. 3 Offiziere und 42 Mann mit 6 Lewis-Gewehren wurden zu Gefangenen gemacht. Vom Regiment waren 13 Mann gefallen, 19 verwundet. Die Sturmabteilung verlor 2 tote und 2 verwundete Grenadiere.
Der schon oft durch seine Tapferkeit hervorgetretene Leutnant d. R. Nietzsch ist leider am 22. Februar im Feldlazarett Cambrai seiner schweren Verwundung erlegen.
Sofort nach dem Sturm begann die Inf. Pi. Komp. unter Leitung des Leutnants d. L. Hock mit dem Bau des Grabens uns Hindernisses zwischen „Neuffen“ und Kompag-nieabschnitt a und leistete in kurzer Zeit Vorzügliches. Die bis ins Einzelne angeordnete Bereitstellung der Arbeitsmannschaft, Trägertrupps und des Materials erwies sich als sehr zweckmäßig. Die kostbare Zeit nach dem Sturm bis zum Einsetzen des feindlichen Artilleriefeuers wurde voll ausgenutzt.
Einen Gegenangriff machte der Feind nicht; er hatte starke blutige Verluste erlitten. Allein im und am „Neuffen“ wurden 60 tote Engländer festgestellt.“



aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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