Samstag, 18. Februar 2017

18. Februar 1917


„Am 15. Februar wird den Leuten im Lager Neu-Essen (Bereitschaft) ein seltenes Schauspiel zuteil. Während der Nacht ist eine „Dicke Berta“ in der Nähe des Lagers in Stellung gebracht worden. Sie soll bei der Vorbereitung eines Angriffs bei Ripont mithelfen. Unheimlich ist die Wirkung des Abschusses. Wir sind mehrere 100 Meter entfernt, und trotzdem wird uns beinah das Trommelfell zerrissen. Nach einigen Sekunden, als das Geschoß seinen Höhepunkt erreicht hat, als seine Geschoßbahn sich jäh abwärts neigt, macht sich ein tiefes, tiefes Gurgeln und Rauschen hörbar, das immer entsetzlicher wird. Es ist, als wollte sich ein riesiger Trichter öffnen, als wollte dieser alles ringsum mit sich in’s Verderben ziehen. Unwillkürlich zieht man den Kopf ein, jetzt muß das Unheil über einen hereinbrechen, da ist fern, so und so viele Kilometer entfernt, eine dumpfe Detonation zu hören. Wo dieses Ungetüm niedersaust, wächst vorläufig kein Gras mehr! Furchtbar muß die Wirkung beim Franzosen sein.
In den nächsten Tagen tritt Tauwetter und bald danach Regenwetter ein. Die Stellung wird dadurch in einen solchen Morast verwandelt, daß sie nicht mehr zu erkennen ist. Der Kreideboden bröckelt immer mehr ab, die Wände stürzen ein. Etwa 30 cm tief steht das Wasser im Graben, über ½ Meter tiefer Schlamm macht die Gräben unbegehbar. Fieberhaft wird sofort daran gearbeitet, die Gräben möglichst schnell wieder in Ordnung und in gefechtsfähigen Zustand zu bringen.
Die Gefechtstätigkeit ist an und für sich gering. Jede Nacht schleichen Patrouillen in das Vorfeld, sie können teilweise in die feindlichen Gräben eindringen.“


aus: „Ehrenbuch des württembergischen Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 248“, Stuttgart 1932

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