Dienstag, 7. Februar 2017

7. Februar 1917


„Als erstes bezog das II. Bataillon in der neuen Stellung den Abschnitt „Links“ mit der Butte de Tahure. Hier lag man auf blutgetränktem, historisch gewordenem Boden. War doch in der großen „Herbstschlacht in der Champagne“ um diesen Schlüsselpunkt der Stellung hart und blutig gerungen worden; mehrmals wechselte die Höhe den Besitzer, bis sie damals endgültig in deutschen Händen blieb.
Das III. Bataillon rückte in den Abschnitt „Rechts“, im Anschluß an das Regt. 247, das rechts von uns eingesetzt wurde. Links hatten wir Anschluß an das Inf.-Regt. 111.
Bot schon die kurze Reise über Sedan mit der Bahn den ungewohnten Anblick von Eisenbahnen, Bahnhöfen und unzerstörten Ortschaften, so kamen wir in unserem neuen Stellungsgebiet in ganz neue Verhältnisse. Auf Bahnhof Morel-Nord bei Vouziers waren wir ausgeladen worden. Im Gegensatz zu „Verdun“ mit den bewaldeten Höhen und tiefen Schluchten kamen wir nun in welliges Flachland. Der Fußmarsch nach der Stellung führte über Liry und von da auf der Straße über Aure und Manre, zwei zerstörte Ortschaften, an den verschiedenen Ruhelagern vorbei, nach dem Regimentsgefechts-stand an der Bahnlinie nach Somme-Py. Charakteristisch war das reiche Kleinbahnnetz, das bis in die Höhe des Regimentsgefechtsstandes mit Lokomotiv- und weiter nach vorn mit Ochsenbetrieb führte.
Hatte man auf dem Wege zur Stellung den Regimentsgefechtsstand – „N. O.“ genannt – hinter sich und die Eisenbahn überschritten, so begann das Stellungsgelände, mit zerschossenen Kiefernwaldungen bestandene Bergkuppen und -rücken, voneinander getrennt durch breite, tief eingeschnittene Mulden, „Schluchten“ genannt. In den rechten Abschnitt gelangte man durch die Balkanschlucht, durch welche eine Förderbahn mit Ochsenbetrieb nach vorn führte, in den linken Abschnitt durch die Brigadeschlucht. Beide Schluchten endigten in eine breite Quermulde, deren feindwärts gelegener Rand einen steilen Hang bildete. Hier lagen die Bataillonsgefechtsstände, von hier aus führten auch die Annäherungswege zunächst zum Hauptriegel, der 2. Linie, und weiterhin in die Gräben der vorderen Linie.
Über der ganzen Stellung lag ein düsterer Ernst, dem Charakter dieses Teiles der Champagne entsprechend. In den ersten Tagen herrschte sehr große Kälte. Das Kriegs-tagebuch enthält in der Zeit vom 1. bis 14. Februar fast täglich die Bemerkung: „Wetter sehr schön, äußerst kalt.“
Die Gräben machten tatsächlich einen gut und sorgfältig ausgebauten Eindruck. Sie waren teilweise betoniert, sehr schmal, bei dem hartgefrorenen Boden schienen sie außerordentlich fest. Im Gegensatz zum Chaume-Wald, wo wir fast gar keine Gräben angetroffen hatten, konnte man sich zunächst in dem Grabengewirr kaum zurechtfinden.
Im allgemeinen war es ruhig. Die beiden Gegner wechselten in den Vormittagsstunden ihre ehernen Grüße in Gestalt von Granaten und Minen der verschiedensten Größe, auch schossen bei Nacht einzelne Gewehrschützen und Maschinengewehre, im Vorgelände spielten sich allnächtliche Handgranatenkämpfe ab, sonst aber trug das Ganze den Charakter einer ruhigen Stellung.“



aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 248 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1924

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