Sonntag, 10. Juli 2016

10. Juli 1916


„Um 11 Uhr abends griff dann der Feind in Stärke von drei Kompagnien ohne Artillerievorbereitung die Stellung der 12., 10. und 11. Kompagnie an; während die 12. und 10. Kompagnie die Stellung restlos halten konnten, gelang es den Engländern bei der 11. Kompagnie durchzustoßen. Ein Teil der Kompagnie wurde umzingelt und niedergemacht. Dem Kompagnieführer, Leutnant Irion, gelang es mit drei Gruppen zurückzubiegen und so einen vollkommenen Durchbruch zu verhindern. Der Angriff kam dadurch ins Stocken. Auch die 1. Kompagnie unternahm noch vor Tagesanbruch auf Anordnung des Regiments einen Gegenstoß unter Führung von Leutnant Walter, welcher dabei fiel. Seine dadurch führerlos gewordenen Leute schlossen sich teils der 3., teils der 2. Kompagnie an. Die durch Herausziehen der 1. Kompagnie am Dorfrand entstandene Lücke von 300 Meter konnte aus Mangel an Reserven nicht ausgefüllt werden. Auf die Bitte um Verstärkung sandte das Bataillon der 11. Kompagnie die beiden Gruppen der 12. Kompagnie des Bayr. Reg, 16, sowie Teile der 8. Kompagnie des Reg. 122 zu, die bei der 9. Kompagnie herausgezogen wurden. Gleichzeitig wurden beim Regiment Verstärkungen erbeten.
Demzufolge traf am 10. Juli, 4.30 Uhr morgens, Leutnant d. L. Köstlin mit der 6. Kompagnie ein und verstärkte die 10., 11. und 12. Kompagnie mit je einem Zug. Das feindliche Artillerie- und Maschinengewehrfeuer lag die ganze Nacht über auf den Stellungen beider Bataillone außerordentlich heftig und steigerte sich um 5 Uhr vormittags zum Trommelfeuer, auch mit schweren Kalibern. Die Verluste und Ausfälle waren außerordentlich empfindlich geworden. 9. Kompagnie meldete 6 Uhr morgens, daß sie stark geschwächt wäre. 12. Kompagnie hatte um diese Zeit noch 14 Mann. 10. Kompagnie hatte mittags noch 50 Mann, 11. Kompagnie nur 1 Vizefeldwebel und 3 Mann. Die Verbindung der Bataillone mit dem Regiment und mit den Kompagnien versagte um diese kritische Zeit.
Um 6 Uhr vormittags griff die englische Infanterie in großen Massen beide Bataillone an. Beim III. Bataillon durchbrach sie zuerst die Stellung des II. Bataillons des Lehr-Infanterie-Regiments, drang sehr bald in den Mametzwald ein, setzte sich an seinem Westrand fest und beschoß die 12., 10. und 11. Kompagnie im Rücken. Zwar wurde der Westrand des Waldes durch das M.-G. im Reservegraben dauernd unter Feuer gehalten, doch im kritischen Augenblick wurde das M.-G. mitsamt der Bedienung durch einen Volltreffer vernichtet. Die 9. und 5. Kompagnie wurden im Rücken gefaßt und zum größten Teil durch die Übermacht niedergemacht. Nur wenige schlugen sich durch den dichten Mametzwald durch. Gegen den Bataillonsgefechtsstand drang eine größere feindliche Abteilung vor und umzingelte ihn. Trotz zäher Verteidigung mit den letzten Handgranaten gelang es der feindlichen Übermacht bis auf zehn Schritte heranzu-kommen und vor dem Eingang ein M.-G. in Stellung zu bringen. Der bis auf 5 Mann zusammengeschmolzene Bataillonsstab zog sich daher im heftigen feindlichen Feuer nach dem Nordwestrand des Waldes zurück und von da später in die R-Stellung. Der Bataillonskommandeur Major von Zeppelin wurde dort durch Schrapnells schwer verwundet und starb kurz darauf. Der Bataillonsarzt Dr. Bouché und mit ihm 4 - 5 Mann Sanitätspersonal verblieben pflichtgetreu im Gefechtsstand und harrten bei den 20 zurückgebliebenen Verwundeten aus.
Im Lauf des Tages des 10. Juli wurden die Stellungen der 12., 10. und 11. Kompagnie vom Westrand des Mametzwaldes und auch von rechts rückwärts dauernd mit M.-G. beschossen, da es der 11. Kompagnie nicht gelungen war, nach rechts die Lücke zu schließen. Um der drohenden vollständigen Umzingelung zu entgehen, gab daher der älteste Kompagnieführer, Leutnant d. L. Köstlin, in der Nacht vom 10./11. Juli den Befehl, auf die R-Stellung zurückzugehen.“



aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

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