Donnerstag, 14. Juli 2016

14. Juli 1916


„In den kommenden Wochen hatte man verschiedentlich den Eindruck, als ob die Engländer den Angriff [vom 1. Juli 1916] wiederholen wollten. Das Artilleriefeuer steigerte sich zeitweise zum Trommelfeuer, künstlicher Rauch und Nebel wurde erzeugt, Maschinengewehrfeuer und unser Sperrfeuer setzten ein, aber Angriff erfolgte keiner. Der Engländer war nur bestrebt, uns durch fortgesetzte Beunruhigung, Störung der rückwärtigen Verbindung und unserer Arbeit mürbe zu machen. Bei dem ruhigen, fast schwerfälligen Charakter der Württemberger gelang ihm dies aber nicht. Im Gegenteil, je länger das Theater dauerte, um so ruhiger und sicherer wurde man, denn man wußte ja, daß alles nur „Bluff“ ist.
Später tobte die Schlacht an der Somme links von uns in unverminderter Heftigkeit weiter. Fast ununterbrochen rollte der Kanonendonner, man sah auch die schweren Einschläge auf der Höhe bei Thiepval, die Schrapnellwolken am Himmel, die Fesselballone bis zu 40 Stück scheinbar auf einem Haufen, weil wir die Front entlang sehen konnten, und der Himmel war dauernd von Fliegern belebt. Schaurig schön war bei Nacht das Feuerwerk der bunten Leuchtkugeln, das Aufblitzen des Abschusses der Kanonen aller Kaliber und die Kometenschweife der brennenden Zünder, an denen man die Geschoßbahn verfolgen konnte, vereint mit dem Feuerschein der platzenden Geschosse.
Sobald wieder ein Großkampftag war, bekam auch das Regiment seinen Anteil an Artillerie- und Minenfeuer ab, oder die vor dem Regiment stehende Artillerie schoß über uns hinweg in Richtung Courcelette und die Artillerie der Division machte kehrt und griff in den Kampf mit ein. So wurde das Regiment zwar nicht angegriffen, aber doch dauernd in Mitleidenschaft gezogen. Befehle von oben wie: „Erhöhte Gefechts-bereitschaft, oder mit einem feindlichen Angriff ist bestimmt zu rechnen!“ trugen auch nicht zur Beruhigung bei.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1922

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