Montag, 11. Juli 2016

11. Juli 1916


„Am 10. morgens erging der Angriffsbefehl für den 11. Juli. Zugleich begann das Zerstörungsschießen unserer schweren Artillerie. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde das III. Bataillon unter Major Frhr. v. Hügel in die Stellung vorgezogen und übernahm den rechten Flügel derselben. Auch dieses Bataillon erlitt beim Aufstieg auf den Vauxberg nicht unbeträchtliche Verluste und die 9. Kompagnie wurde durch einen Feuerüberfall teilweise zersprengt. Zum Angriff war das Regiment wie folgt gegliedert: III. Bataillon mit 6 und II. Bataillon mit 4 M.-G. im ersten Treffen – mit je zwei Kompagnien in 1., einer in 2. und einer in 3. Linie. Die tiefe Gliederung war mit Rücksicht auf die gefährdeten Flanken notwendig. Vom I. Bataillon (im zweiten Treffen) war die 2. Kompagnie mit 4 M.-G. als Fortbesatzung verwendet, 1. und 4. Kompagnie als Brigadereserven auf dem Hardaumont und in der La Plume-Ferme bereitgestellt, die 3. Kompagnie war für Stafetten- und Trägerdienste aufgeteilt. Regimentsverbandplatz, Pionier- und Munitionsdepot befanden sich in der Méraucourt-Ferme, eine vorgeschobene Verbandsstelle im Fort Vaux. Leutnant d. R. Pezold stand mit einer Sturmabteilung von 2 Stoßtrupps des II. Bataillons, 2 Gruppen Pioniere, 1 Zug M.-G. unter Leutnant d. R. Lauxmann im Fort Vaux bereit, um nach Gelingen des Angriffs den Osteingang des Tavannes-Tunnels zu besetzen, wo starke Reserven des Gegners festgestellt waren.
Der Beginn des Angriffs war auf 5.45 Uhr morgens festgesetzt. Erstes Angriffsziel für das Regiment war die Linie 577 – Batterie h. Sobald der linke Flügel der 1. Division ebenfalls Punkt 577 erreicht hatte, sollte der Abgriff nach erneutem Wirkungsfeuer der Artillerie gegen die feindlichen Linien nördlich Fort Tavannes fortgesetzt werden.
Nach Mitternacht hatte das feindliche Artilleriefeuer, wohl infolge des Grünkreuz-schießens, das am 10. 7. abends begonnen, merklich nachgelassen. 4 Uhr morgens meldeten die Bataillone ihre Bereitstellung. Punkt 5.45 Uhr traten sie nach gleichge-stellten Uhren zum Angriff an. Das III. Bataillon traf jedoch auf einen von dem Vorbereitungsfeuer wohl kaum berührten, völlig unerschütterten Gegner und erhielt schon beim Verlassen der Gräben lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer, do daß der Angriff mitten zwischen beiden Stellungen unter großen Verlusten zusammen-brach, wobei der schneidige Führer der 11. Kompagnie, Leutnant Lange, durch Kopf-schuß schwer verwundet wurde. Der Nachbar zur Rechten – Inf.-Regt. 43 – war unter dem feindlichen Feuer aus seinen Gräben überhaupt nicht herausgekommen. Ein 1.30 und 4 Uhr nachmittags wiederholter Angriffsversuch diese Regiments hatte keinen besseren Erfolg. So blieb die Lage auf dem rechten Flügel bis zum Abend unverändert.
Auch auf dem äußersten linken Flügel des Regiments (rechts der 7.) unter Leutnant d. R. Nauen, die, dem auch ihr entgegenschlagenden Frontalfeuer trotzend, in die Nähe des feindlichen Grabens gelangte. Als sie dann mit Hurra zum Sturm ansetzte, ergab sich die Besatzung, nur ein Maschinengewehr feuerte weiter, bis die Bedienung niedergemacht war. 30 - 40 Franzosen wurden gefangen, 2 Maschinengewehre erbeutet. Vizefeldwebel d. R. Hinderer, obwohl am Kopfe schwer verwundet, und Vizefeldwebel Schmidt zeichneten sich hierbei besonders aus. Ein weiteres Vorgehen wurde durch M.-G.-Feuer aus der rechten Flanke verhindert. Die Kompagnien gruben sich ein. Die schweren Verluste der 7. Kompagnie wurden durch Teile der 8. ersetzt und die offene rechte Flanke der 6. Kompagnie durch Postierungen einigermaßen gesichert.
Der Festungskommandant, Major von Görschen (vom Inf.-Regt. 172), erkannte gegen Mittag die gefährdete Lage des vorgeprellten II. Bataillons: im Altkirchgraben standen die Franzosen Mann an Mann, anscheinend zum Gegenstoß bereit; auch die östlich und westlich anschließenden Gräben waren stark besetzt. Mit Minenwerfern und Maschinen-gewehren ließ er diese Ziele unter Feuer nehmen mit dem Erfolg, daß sich etwa 50 Franzosen ergaben, als sich die 7. und 8. Kompagnie bald darauf zum Angriff anschickten.
5 Uhr nachmittags begab sich der Kommandeur des II. Bataillons, Major Blezinger, der die Meldung erhalten hatte, Inf.-Regt. 143 habe die Batterien f und h in Besitz genommen, von seinem Gefechtsstand in Fort Vaux in die vordere Linie, um die für die Fortsetzung des Angriffs erforderlichen Maßnahmen an Ort und Stelle zu treffen. Infolge des andauernden Infanterie- und Maschinengewehrfeuers drangen indessen die Befehle nur langsam durch, ihre Ausführung nahm ebenfalls viel Zeit in Anspruch, und noch ehe sie durchgeführt waren, brach der Gegner seinerseits mit aufgepflanztem Seitengewehr zu beiden Seiten der Batterie f und des Altkirchgrabens in dichten Kolonnen aus der Tavannes-Schlucht heraufsteigend zum Angriff vor. Der Angriff wurde restlos abgewiesen und das gutsitzende Feuer unserer Musketiere und der M.-G.-Schützen, sowie das Sperrfeuer unserer Artillerie brachten dem Gegner schwere Verluste bei.
Major Blezinger entschloß sich sofort, diese Lage zu einem Gegenstoß auszunützen und befahl der 5. Kompagnie den Angriff vorzutragen. Jetzt zeigte sich, welch prächtiger Angriffsgeist trotz der schweren Verluste an Führern und Mannschaften in dem tapferen Bataillon lebte. Kaum war die Verstärkung in der vorderen Linie eingetroffen, so stürzten sich die Kompagnien unter Führung der noch vorhandenen wenigen Offiziere auf den Feind, der in Granatlöchern Schutz gesucht hatte. Diesem Ansturm vermochte er nicht zu widerstehen, und da ihm der Rückzug durch unser noch anhaltendes Sperrfeuer verlegt war, ergab er sich nach kurzem Kampf. Der heldenhafte Führer aber, Major Blezinger, mußte schwer verwundet vom Platze getragen werden. Einige Widerstandsnester mußten mit Kolben und Bajonett genommen werden, wobei sich Leutnant Kirchhauser durch rücksichtsloses Draufgehen auszeichnete. 4 Maschinen-gewehre wurden erbeutet und gegen 200 Mann von den Regimentern 217 und 358 gefangengenommen.
Ein weiteres Vorgehen verhinderte starkes M.-G.-Feuer aus der linken Flanke. Das Angriffsziel war auch im wesentlichen erreicht und zum Schutz der jetzt schon weithin offenen Flanken fehlte es an Reserven. Wohl hatte sich die tapfere 10. Kompagnie dem Angriff des II. Bataillons angeschlossen und dem völlig überraschten Gegner 2 Maschinengewehre und 60 Gefangene abgenommen. Dafür hatte aber Inf.-Regt. 143 seine anfänglich großen Erfolge teilweise wieder aufgeben müssen und schloß jetzt östlich des Steinbruchs an das Regiment an, dessen Lage infolgedessen keine beneidenswerte war, falls der Gegner frische Truppen ins Gefecht führen konnte.“


aus: „Das 8. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 126 „Großherzog Friedrich von Baden“ im Weltkrieg 1914-1918ׅ, Stuttgart 1929

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