Samstag, 16. Juli 2016

16. Juli 1916


„Nördlich des Ancrebachs war der ganze englische Ansturm blutig zusammenge-brochen, nur im Süden der Einbruch in die deutsche Stellung gelungen; die ganze Wucht der feindlichen Massen warf sich dorthin. Englische Batterien wurden südwärts eingesetzt; das feindliche Artilleriefeuer verebbte allmählich und schwoll nur des Abends und zu einzelnen kurzen Feuerwirbeln an. Drei Kompagnien des Inf.-Reg. 186 lösten für wenige Tage abgekämpfte Teile der 119er im vordersten Graben ab. Handgranatentrupps eilten nach Thiepval den dort eingesetzten Bayern zu Hilfe, überfielen in der Frühe des 7. Juli das von den Engländern noch besetzte „Meisennest“ und hoben es aus. Bei Beaumont aber begann eine rege Bautätigkeit. Die Gräben wurden aufgeräumt, Hindernisse gezogen, zerschossene Unterstände hergerichtet und gestützt, schwache verstärkt und neue miniert. Pioniere trieben tiefe Minenstollen hinter dem Trichter und von der Schluchtspitze aus vor, um die Stellung gegen die unterirdischen Angriffe des Feindes zu schützen. Es entstand ein Wettminieren und nicht ohne Sorge lauschten die Verteidiger während der Horchpausen dem fernen, unermüd-lichen Klopfen der feindlichen Mineure, die sich aufs neue heranarbeiteten. Auch über der Erde schoben sich die Engländer näher her. Sie hatten erkannt, daß 300–400 Meter Sturmentfernung zu weit ist und legten ihre Gräben vor, zogen den Hohlweg, den Schauplatz zahlreicher Patrouillenkämpfe, in ihre Stellung ein, schnitten an der Straße nach Auchonvillers die zurückspringende Ecke ab, umstrickten die ֘„Schlucht“ mit einem Maschenwerk neuer Gräben in geringer Entfernung, stiegen vor Hamel von ihrer Höhe in die Mulde hernieder, trieben Sappen vor, verbanden die Sappenköpfe mit einander und erklommen die Geländewelle, auf der das I. Batl. lag. Wohl versuchten Artillerie, Infanterie und Maschinengewehre die Vorverlegung der englischen Stellung mit allen Mitteln zu verhindern. Patrouillen überwachten die nächtliche Schanzarbeit des Gegners, meldeten und veranlaßten heftige Feuerüberfälle. Aber der Gegner war tapfer und zäh. Nichts konnte sie in ihrem Vorhaben aufhalten.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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