Donnerstag, 28. Juli 2016

28. Juli 1916


„Der 27. verlief noch ruhig.
Am 28. dagegen schwoll das Geschützfeuer an der Front merklich an. Gegen Mittag kam auch von Osten her, aus der Gegend des Dnjester, starker Kanonendonner.
1.30 Uhr nachmittags trifft von der Brigade der Befehl ein, „daß sich alles alarmbereit zu halten habe“. Kurz darauf ein zweiter Befehl:
„Ein Bataillon 122 sofort die vorbereitete Stellung bei Korolowka besetzen! Höchste Eile geboten! Die beiden anderen Bataillone rücken auf ihre Alarmplätze. – 209. Infanterie-Brigade.“
Nach einer Stunde, während der der Gefechtslärm vorne immer heftiger wird, befiehlt die Brigade erneut:
„2.15 Uhr nachmittags. Die Russen haben die österreichische Front zwischen Bortniki und Chozimirz durchbrochen und sind im Vorgehen auf Korolowka.
Füsilier-Regiment 122 greift beiderseits der Straße Korolowka – Bortniki an und stellt die alte Lage wieder her. – 209. Infanterie-Brigade.“
Oberstleutnant von Alberti gibt 15 Minuten später während des Vormarsches nach Korolowka folgenden Regimentsbefehl:
„Das Regiment greift beiderseits der Straße Korolowka – Bortniki an und wirft den Gegner in seine alte Stellung zurück, II. Bataillon rechts, III. links der Straße. Anschluß II. Bataillon. I. folgt hinter dem rechten Flügel. Die Höhe 303 wird vorläufig nicht überschritten.“
Gegen 3 Uhr nachmittags beginnen die Schützen der beiden vorderen Bataillone östlich und westlich Korolowka vorzugehen und die Höhen südlich des Dorfes zu ersteigen. 4.25 Uhr nachmittags erreicht die vorderste dünne Schützenwelle des II. Bataillons den Höhenzug 303. III. Bataillon liegt auf gleicher Höhe, I. in der Schlucht am Südwestrand von Korolowka.
Beim Feind zeigt sich folgendes Bild:
Die Ortschaften Przybylow, Bortniki und Puzniki sowie das Waldstück nordöstlich Przybylow sind stark besetzt. Österreichische Truppen gehen nordwestlich von Przybylow in nördlicher Richtung zurück. Feindliche Artillerie beschießt lebhaft unsere vorgehenden Schützen. Russische Infanterie überschreitet aber den Waldrand nord-östlich Przybylow noch nicht.
Soweit zu erkennen, besteht auf unserer Seite gegen 4.10 Uhr nachmittags folgende Lage:
Östlich und nordwestlich Przybylow weichen die eigenen Linien zurück. Um 4.15 Uhr sind sie bereits auf der Höhe vom Bataillonsstab des II. Bataillons. Das Füsilier-Regiment liegt in großem Bogen um die Höhe 303 herum. In der Gegend von Dwor Melanow stehen Schützen des II./21 aufrecht in den Kornfeldern und feuern auf vorgehende Russen. Südöstlich von Gruszka sieht man einzelne zurückgehende eigene Schützenlinien. Nördlich vom Chocimirz erscheint zahlreiche russische Kavallerie.
Von einem „Wiederherstellen der Lage“ durch den Gegenangriff des Füsilier-Regiments allein konnte keine Rede mehr sein. Die Front war an breiter Stelle restlos durch-brochen. Die 6. Kavallerie-Truppen-Division hatte die Hälfte ihrer Leute mit 26 Offi-zieren, darunter mehrere Regimentskommandeure, verloren. Die 119. Infanterie-Divi-sion bei Jezierzany war ebenfalls im Zurückgehen.
Dem Regiment blieb zunächst keine andere Möglichkeit, als sich auf der Höhe 303 zum hartnäckigsten Widerstand festzusetzen. Die beiden Flügel hingen in der Luft. Das II. Bataillon erhielt bereits von rückwärts Feuer. Zwischen dem linken Regimentsflügel und der 119. Infanterie-Division klaffte eine 4 Kilometer breite Lücke. Eine dort stehende deutsche Artillerieabteilung verlor ihre sämtlichen Geschütze. Die Protzen jagten, von Kosaken attackiert, nach rückwärts und entkamen.
Das Regiment hielt sich trotz dieser äußerst kritischen Lage noch den ganzen Nachmittag auf der Höhe 303, bis es auf höheren Befehl zurückgenommen wurde. Durch dieses Ausharren ist der 119. Infanterie-Division ein geordnetes Zurückgehen in die vorbereitete 2. Stellung ermöglicht worden, und die 6. Kavallerie-Truppen-Division konnte wenigstens wieder eine Abteilung von 600 Schützen sammeln, die unter dem Kommando eines Obersten Graf von Alberti dem Kommandeur des Füsilier-Regiments, Oberstleutnant von Alberti, unterstellt und zunächst als Reserve bei Korolowka belassen wurden.
Dem Regiment waren an Batterien zugeteilt:
2. und 3. / Feldartillerie-Regiment 209 und später
eine österreichische reitende Batterie;
außerdem die Maschinengewehr-Abteilung 3.
Die Batterien gingen südlich Korolowka in Stellung. Die Maschinengewehr-Abteilung 3 wurde dem II. Bataillon zugeteilt und noch am Abend mit je einem Zug bei der 7. und 8. Kompagnie eingesetzt.
Gegen 6 Uhr abends nahm das Artilleriefeuer besonders links bei der 119. Infanterie-Division wieder zu. Diese Division ging immer noch zurück. Auch die rechte Flanke des Füsilier-Regiments wurde jetzt durch starke russische Kräfte bedroht. Bei Einbruch der Dunkelheit mußte sich die Gefahr der Umfassung noch erhöhen.
Da kam um 7.45 Uhr abends der Brigadebefehl, „auf die zweite Stellung dicht nördlich Korolowka zurückzugehen“.
Sobald es völlig dunkel geworden, traten die Bataillone diese Rückwärtsbewegung an. Der Russe merkte nichts. Gegen Mitternacht war folgende Stellung besetzt:“
 

aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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