Sonntag, 31. Juli 2016

31. Juli 1916


„Kaum in den Unterkünften angekommen, kam schon der Befehl, in der nächsten Nacht im Gefechtsstand Bahnhof Guillemont – Südrand Trônes-Wald Teile des Res.-Inf.-Regt. 104 und 133 abzulösen. Die 27. Inf.-Div. unterstand dem XIII. Armee-Korps und trat zur 1. Armee, General Fritz von Below.
Bei der Vorerkundung durch die Adjudanten und je 2 Kompagnieführer  II. Bataillons gerieten 4 Offiziere von 7 – 11 Uhr vormittags im Gefechtsstand des Abschnitts-kommandeurs von Res.-Inf.-Regt. 104 durch einen bei dichtem Nebel erfolgten englischen Vorstoß vorübergehend in Gefangenschaft. Die Engländer waren durchge-brochen und hatten die Eingänge des Stollens besetzt. Ein glänzender Gegenstoß der 3. Kompagnie des bayr. Res.-Inf.-Regts. 22 befreite die Eingeschlossenen und eroberte das verlorene Guillemont zurück. Die erkundenden Offiziere brachten trostlose Nachrichten mit zurück. Eine Stellung war nicht mehr vorhanden, die Truppe lag in Granattrichtern, einzelne Stollen gab es noch. Der Anmarsch führte über offenes Gelände von Combles her. Die englisch-französische Artillerie war überlegen, ihre Unterstützung durch Flieger mustergültig.
In vorderster Linie wurden erstmals eingesetzt rechts 4. und 3. Kompagnie, links 8. und 7., in zweiter Linie lagen 1. und 2./124, 5. und 6./124. Die 4./124 unter ihrem hervorragenden Führer Oberleutnant d. R. Birk hatte bereits bei der Ablösung größere Verluste. Am 1. Tag betrug der Ausfall im Regiment 1 Toter, 46 Verwundete, 1 Vermißter. Der Kompagnieführer der 7./124, Leutnant d. R. Hagner, fiel bei der ersten Beschießung. Der Unteroffizier Hascher von Suppingen zeichnete sich hier besonders aus, als hervorragend pflichtgetreuer, heldenmütiger Kämpfer war er nicht nur seinem Zugführer eine unentbehrliche Stütze, sondern er rettete auch manchem verschütteten Kameraden durch seinen steten Opfermut das Leben. Bald nach erfolgter Ablösung stellte sich heraus, daß links der Anschluß fehlte und eine etwa 400 Meter breite Lücke geschlossen werden mußte. Der Regimentsstab und die Reserven lagen in Combles, sie fanden dort in den tiefen Katakomben völlig schußsichere Unterkunft, für alle reichten die vorhandenen Räume nicht aus, so daß auch die anderen Keller des Ortes belegt werden mußten.
Die Stellung bei Guillemont hatte in jedem der beiden Abschnitte Stellen, die als Anklammerungspunkt besonders geeignet waren. Im rechten Abschnitt lag die Kies-grube, im linken mehrere Hohlwege, sehr tief eingeschnitten, die mit der Front gleich-liefen. Alle diese Punkte erhielten naturgemäß verstärktes Artilleriefeuer, die Kiesgrube war leichter zu treffen, hatte aber dafür erhaltene Stollen, die schmalen Hohlwege waren an sich besser geschützt. Tagsüber war jede freie Bewegung durch die in niedrigster Höhe kreisenden Flieger gelähmt. Erkannte Stolleneingänge wurden planmäßig unter ihrer Feuerleitung zusammengeschossen. Verluste durch Verschüttete oder in den eingeschlossenen Stollen an Gas erkrankte mehrten sich von Tag zu Tag. Das feindliche Artilleriefeuer hielt Tag und Nacht ohne Unterbrechung an.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

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