Montag, 12. September 2016

12. September 1916 (Sonderbeitrag)


Auf Wunsch der Angehörigen, Familie Altmann, Stuttgart-Heslach:


Vizefeldwebel Emil Poehler (Mitte)


„Am 11. September übernahm die 54. Reserve-Division den Befehl über den Nordab-schnitt der Gruppe Ehrenthal. Von diesem Zeitpunkt ab war Generalmajor von Rosch-mann (107. Brigade)  Kommandeur der Kampftruppen und hatte in Manancourt seinen Gefechtsstand errichtet.
Offiziers-Patrouillen erkundeten die Anmarschwege und das Kampfgelände des Regi-ments.
3.45 Uhr nachmittags des 12. September kam vom Kampftruppenkommandeur der Befehl:
  1. Feind im Vorgehen gegen Rancourt.
  2. Zwei Bataillone 246 unter Oberstleutnant Zeller in Moislains stehen zur Verfügung der Brigade, alarmieren und rücken nach Waldstück ein Kilometer nordwestlich Moislains.
  3. Offizier mit Radfahrer an Telephonstelle Moislains, Verbindung mit Brigade im Schloß Manancourt.

gez.: v. Roschmann.

Auf Grund dieses Brigadebefehls ließ Oberstleutnant Zeller das I. Bataillon und die Maschinengewehr-Kompagnien in den nördlichen, das III. Bataillon in den südlichen Teil des Waldstückes nordwestlich Moislains rücken. Die getrennt marschierenden Kompagnien gerieten ins feindliche Sperrfeuer, das aber trotz seiner Heftigkeit nur geringe Verluste verursachte. Gegen 6 Uhr abends war die Aufstellung vollzogen.
Solange die Bataillone an ihren neuen Bereitstellungsplatz eilten, hatte sich die Lage an der Front verschlechtert. Ein Brigadebefehl (5.15 Uhr nachmittags) ordnete an:
  1. Feind bei 53. Division durchgebrochen. Ob Bouchavesnes in seiner Hand, ungeklärt.
  2. Zwei Bataillone 246 unter Oberstleutnant Zeller, dem außerdem zwei Maschinengewehr-Kompagnien zur Verfügung stehen, decken linke Flanke der 54. Reserve-Division in dem Gelände zwischen Bois St. Pierre-Vaast und Bouchavesnes und greifen, falls Bouchavesnes vom Feind besetzt ist, dieses an.

gez.: v. Roschmann.

Major Fetzer besetzte nun die Wald Stellung, linker Flügel am Weg Moislains – Bouchavesnes mit Anschluß an R. I. R. 244, rechter Flügel in der Mitte des Wald-stückes, Anschluß I./246. Reihenfolge 9., 10., 11. und 12. Kompagnie. Beim Durch-schreiten des Sperrfeuers fiel Vizefeldwebel Poehler und zwei Mann der 9. Kompagnie, 4 Mann wurden verwundet. Hauptmann Seeger rückte in den rechten Abschnitt der Waldstellung und besetzte seine vordere Linie mit zwei Zügen der 4. Kompagnie, drei Zügen der 3. Kompagnie, zwei Zügen der 1. Kompagnie. In Reserve hatte er die 2. Kompagnie, je ein Zug der 1. und 4. Kompagnie. Die Reserven gruben sich etwa 200 Meter rückwärts im Walde ein. Die ganze Stellung lag dauernd unter mittlerem und schwerem Feuer, da im Walde auch noch schwere deutsche Batterien in Feuerstellung waren.
Das Regiment ordnete an, daß Offiziers-Patrouillen gegen Bouchavesnes vorgehen und feststellen sollen, wie die Lage um Bouchavesnes sei. Das I. Bataillon schickte zwei Patrouillen aus (Leutnant Nuß und Leutnant Knoch). 7 Uhr abends meldete Leutnant Nuß, der nach Bouchavesnes eingedrungen war: Gegner ist zurückgegangen bis Westrand Bouchavesnes, um den Westrand wird noch gekämpft von Teilen der Regimenter 241, 243 und 245. Von Leutnant Knoch ging keine Meldung ein. Vom III. Bataillon gingen die Patrouillen Biber (12. Kompagnie) und Alitt (9. Kompagnie) vor. Leutnant Biber gelangte ebenfalls bis Westrand Bouchavesnes und sandte die gleichen Beobachtungen zurück wie die Patrouille Nuß. Die Patrouille des Offizier-Stellvertreters Alitt kam wegen starken Feuers nicht vor. Die 1. und 2. Maschinengewehr-Kompagnie rückte nun auch in Stellung. Mit freigemachten Gewehren zogen sie sich über Moislains am Massengrab vorbei durch die Mulde und gelangten unter geringen Verlusten in die Waldstellung. 1. Maschinengewehr-Kompagnie wurde dem III. Bataillon, 2. Maschinen-gewehr-Kompagnie dem I. Bataillon zugeteilt.
8.30 Uhr gingen wiederum Offiziers-Patrouillen vom III. Bataillon vor. Die Patrouillen Biber (12. Kompagnie) und Burk (10. Kompagnie) meldeten Bouchavesnes vom Feinde besetzt, von den sächsischen Truppen ist niemand mehr vorne. Auf Grund dieser beiden Meldungen befahl die 107. Brigade: „Regiment 246 wirft den Gegner aus Bouchavesnes und hält den Ort unter allen Umständen.“
9.30 Uhr abends befiehlt das Regiment:
  1. Gegner hat Bouchavesnes erneut im Besitz.
  2. Das Regiment wirft den Gegner wieder aus Bouchavesnes hinaus und hält den Ort unter allen Umständen.
  3. III. Bataillon ist Sturmbataillon, Führer Major Fetzer, zwei Kompagnien (3. und 4.) des I. Bataillons werden ihm unterstellt, außerdem 4. Maschinengewehre.
  4. Das I. Bataillon erkundet die Verhältnisse beim Gegner zwischen Rancourt und Bouchavesnes und stellt erneut den Flügel der 54. Reserve-Division fest.
  5. Sofort Meldung, sobald Bouchavesnes im Besitz.

Die Gruppe Fetzer baute sich nun auf der Höhe 800 Meter nordöstlich Bouchavesnes in Keilform auf. 10. Kompagnie hatte Anschluß, rechts davon 9., 4. und 3. Kompagnie, links der 10. Kompagnie 11. und 12. Kompagnie. Auf dem linken Flügel stand Offizier-Stellvertreter Fieller, auf dem rechten Leutnant Orgeldinger mit je zwei Maschinen-gewehren der 1. Maschinengewehr-Kompagnie. Der 3. Zug der 1. Maschinengewehr-Kompagnie stand unter Leutnant Gugeler in der Mitte des Bataillons als Reserve. 11.20 Uhr traten die Sturmkolonnen an. Es war stockdunkle Nacht. Führer und Mannschaften waren sich bewußt, daß es ein Gang auf Tod und Leben wird. Kaum war die Sturm-truppe einige Minuten lautlos im Marsch gegen Bouchavesnes, da erreichte Major Fetzer der Gegenbefehl. Die Division befahl: „Befohlener Angriff unterbleibt.“
Major Fetzer ließ eine dünne Sicherungsbesatzung vorne und zog die Kompagnien in die Waldstellung zurück.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 246 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1931




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