Freitag, 23. September 2016

23. September 1916


„Die neue Stellung, in ihren rückwärtigen Linien mit Verbindungswegen gut ausgebaut, reichte auf 2 Kilometer Frontbreite mit ihrem linken Flügel bis an das dem Regiment aus den Oktoberkämpfen 1914 wohlbekannte Dorf Messines. Sehr zu wünschen übrig ließ bei dem nun folgenden schlechten Wetter die eigentliche Kampflinie. Zerstörung durch Regen und Feuer, schlechte Entwässerungsanlagen nahmen die Kompagnien bald voll und ganz in Anspruch. Die Entfernung vom Feind war in den einzelnen Abschnitten ganz verschieden, sie wechselte zwischen 50 und 600 bis 700 Meter. Ein reiches Feld der Tätigkeit trat hier für die Patrouillen ein – das Gelände ist wie geschaffen dazu – alte Gräben, Strauchwerk, lange Baumreihen bieten Gelegenheit zu gedeckter Annäherung, zum Abfangen vorgeschobener Posten usw. Bald setzt in dieser Beziehung auch ein hoch anzuerkennender Wetteifer ein, der Leben in das Einerlei des Stellungskrieges bringt. Auch der Feind ist nicht nachlässig und arbeitet mit denselben Mitteln. Mehrfach gelangen feindliche Patrouillen unter dem Schutz der Dunkelheit bis an unsere Gräben, es entspinnen sich harte Handgranatenkämpfe; der Versuch und das Bestreben, Gefangene zu machen, um gegenseitig den Gegner genau festzustellen, nimmt immer mehr zu. Die Vorsicht fordert daher, einzelne Posten nicht allein stehen zu lassen, sondern die Gruppen zusammenzulegen. Auch der Minenkrieg arbeitet im Regiment-sabschnitt und zeitigt auf beiden Seiten mehrfache Sprengungen, um der Gefahr des unterminiert Werdens vorzubeugen.
Recht störend macht sich unsererseits die große Sparsamkeit der Artillerie und Munition geltend. Während der Engländer zur Entlastung seiner Kameraden an der Somme solche uns in reichstem Maße entgegenstellt und rücksichtslos auf Verbrauch unsere mühsam errichteten Stellungen zusammenschießt, sind wir gezwungen, alles den an der Somme kämpfenden Divisionen abzutreten.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3. Württ.) Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1921

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