Sonntag, 22. November 2015

22. November 1915


„Der Winter 1915/16 war bei weitem erträglicher als der erste Kriegswinter. Man war sowohl vorn in der Stellung, als hinten in den Ortschaften bedeutend besser unter-gebracht, man war mit allem, was man zum Leben brauchte, gut versehen, und das ganze Leben ging seinen geordneten Gang, wie wenn es nie anders gewesen wäre. Dafür nahm aber die Gefechtstätigkeit der Engländer bedeutend zu und löste bei uns die Gegenwirkung aus. Schon im Laufe des Sommers hatte der Gegner vereinzelt mit Gasgranaten geschossen und auf Grund von Beobachtungen erwartete man auch einen Gasangriff, der aber nicht erfolgte. Dafür nahm das Minen- und schwere Artilleriefeuer immer mehr zu. Über 500 schwere und über 1000 leichte oder mittlere Granaten an einem Tag auf die Stellung des Regiments war keine Seltenheit. Dazu noch 30–40 schwere Kugelminen und ebensoviel leichte verschiedener Konstruktion. Es war eine schwierige Arbeit, den Aufstellungspunkt der feindlichen Minenwerfer ausfindig zu machen. Die Artillerieverbindungsoffiziere, die dem Bataillon zugeteilt waren, hatten sich sehr verdient dabei gemacht. Waren die Minenwerfer endlich erkannt, so wurden sie mit Artillerie bekämpft, der Erfolg war aber nicht zu groß. Meistens zogen sie aus und schossen von einer andern Stelle aus wieder. Nun begann das Suchen von neuem. Der Schaden, den die Minen anrichteten, war recht beträchtlich, die Verluste aber nicht groß. Wenn die Mine nicht zufällig in den Graben fiel, waren die Menschen in den tiefen Gräben in Sicherheit. Aber das Wiederherstellen der Stellung erforderte sehr viel Arbeit und Material, und der fürchterliche Krach der explodierenden Mine ging den Menschen auf die Nerven.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1922

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