Donnerstag, 5. November 2015

5. November 1915



„Der Winter 1915 rückte näher, tagelange Regengüsse wechselten ab mit leichter Kälte. In diesem Jahr konnte man überall der schlechten Jahreszeit getrost entgegensehen, reichlicher Nachschub an Öfen, Brettern und Dachpappe sorgte dafür, daß die Unterkünfte entsprechend eingerichtet werden konnten. Die Regenzeit dieses Jahres war aber erheblich schlimmer als die des vorjährigen, Gräben und Annäherungswege rutschten ein und standen hoch voll Schlamm. Des öfteren kam es vor, daß die Mannschaften beim Marsch von und zu den Ablösungen die Stiefel im zähen Schlamm verloren oder sich gegenseitig herausziehen mußten. Die Unterstände vorn standen voll Wasser, so daß nur die Treppenstufen zum Ausruhen übrig blieben. Alles in allem begann eine schwere Zeit für das Regiment. Abgesehen von den schwierigen Arbeiten in der Stellung mußten an die Arbeitskraft der Leute erhöhte Anforderungen gestellt werden, da das III. Bataillon fehlte. Vorübergehend half eine Kompagnie Landwehr-Regt. 27 aus, um aber die Arbeitsleistung einigermaßen auf der Höhe zu halten, wurde es erforderlich, ein IV. Bataillon zu bilden, das Hauptmann Woltmann übernahm. Ohne eine Dreiteilung in der Ablösung waren die Mannschaften den Schwierigkeiten nicht gewachsen.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

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