Freitag, 6. November 2015

6. November 1915


Ersatzreservist Gottlieb Leitenberger
105. Inf.-Div., 204. Brigade, Regt. 121, 10. Komp.*,
gefallen 6. November 1915.

Der in Bleicherstraße 6 hier wohnhaft gewesene Handlungsinhaber Gottlieb Leitenber-ger ist am 13. Februar 1885 zu Lustnau bei Tübingen geboren als Sohn des Friedrich und der Margaretha Leitenberger; diese eine geborene Schreiber. Nach Schulentlassung arbeitete er in der Fabrik; 1912 hat er sich verheiratet mit Henriette, geborene Huber, welcher Ehe ein Kind entsproßte. Im selben Jahre gründete er hier in Weingarten ein eigenes Geschäft, wo er in friedlicher Zusammenarbeit sein Glück machen wollte. Die Witwe führt es weiter.
Zu seiner militärischen Ausbildung am 14. September 1914 eingezogen nach Ravens-burg, Landwehr-Infanterie-Regiment 123, kam er am 20. November desselben Jahres schon nach Frankreich und war dort bei der 8. Ersatz-Division, Brigade-Ersatz-Bataillon 51, 4. Kompagnie. Am Osterfest 1915 wurde er verwundet durch Granatsplitter ins Genick und kam ins Lazarett nach Völklingen bei Saarbrücken. Nach erfolgter Heilung erhielt er Urlaub, mußte sich aber bald wieder in Stuttgart stellen, wo er einige Monate harten Garnisonsdienst tat. Im Oktober 1915 wurde er an die Südostfront (Serbien) weggezogen, wurde in der ersten Donauschlacht verwundet und starb 8 bis 10 Tage später, am 6. November 1915, an dieser Verwundung im Lazarett zu Weißkirchen in Ungarn. Dort fand er auch sein Heldengrab.
Der Feldgeistliche, Pfarrer Kern, ließ in seinem Schreiben vom 24. Oktober 1915 an die Gattin des Gottlieb Leitenberger zwar einige Hoffnung für die Erhaltung des Lebens dieses Schwerverwundeten durchblicken, mußte aber am 11. November 1915 seine Beileidskundgebung folgen lassen; der Brief lautet also:“
„Sehr geehrte Frau Leitenberger!
Nun ist doch eingetreten, was ihr Mann schon ahnte, als er zu uns kam, und was ich nicht glauben wollte. Er hat noch einmal viel Blut verloren, und dann ist es immer schlimmer geworden. Ich gab ihm auf Verlangen das Abendmahl, habe ihn oft besucht und mit ihm gebetet. Immer traf ich ihn gleich ruhig und froh, daß er in den Himmel kommt. Für Sie und seine Tochter gab er mir noch einen Gruß zu bestellen. Zur Schwester äußerte er seinen Schmerz über Ihre künftige Trauer. Am Montag, den 8. November um 3 Uhr nachmittags, wurde er feierlich unter militärischen Ehren beerdigt, ganz nach heimatlicher Weise, Sarg und Grab schön geschmückt, unter Segen und Gebet nach kurzer Rede.. Sie werden Trost suchen und gewiß finden im christlichen Glauben an Jesu Wort: „Ich bin  die Auferstehung und das Leben.“ Gott zum  Gruß und Trost!
Ihr Pfarrer Kern.“

aus: „Schwäbische Helden Weingarten (in Wttbg.) im Weltkrieg“, Stuttgart 1920


*Gottlieb Leitenberger gehörte der 11. Kompagnie Füsilier-Regiment Nr. 122 an, das im Serbien-Feldzug der 105. Infanterie-Division unterstellt war (so auch Württ. Verlustliste Nr. 302 und Ehrentafel des FR 122). Das Infanterie-Regiment Nr. 121 gehörte zur 26. (Württ.) Infanterie-Division.

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