Samstag, 22. November 2014

22. November 1914



„Unser Vorstoß am 5. November ließ die Franzosen nicht ruhen. Am Sonntag, den 22. November, machten sie einen neuen Vorstoß aus Linie Arracourt – Bures gegen Juvrecourt und Réchicourt. Sie hatten wohl die Absicht, unsere Vorpostenlinie über die Grenze zurückzudrücken und die Grenzhöhen mit den guten Beobachtungspunkten uns zu entreißen. Bei Réchicourt kamen sie zunächst voran, wurden dann im Gegenstoß zurückgeworfen. Dort waren auch 3 Kompagnien des III. Bataillons von Kleinbessingen aus eingesetzt. Die eingesetzten Kompagnien nahmen den Gegner (Infanterie, Kavallerie und Panzerautos) unter wirksames Feuer, worauf sich dieser fluchtartig in seine Ausgangsstellung zurückzog. Verluste des Bataillons: Oberleutnant Schall, Führer der 10. Kompagnie, und 1 Mann tot, 9 Mann verwundet.

Ernster war die Lage bei Höhe 267 und am Grenzsattel. Generalmajor v. Göz erhielt 12 Uhr mittags den Befehl, den Defensivflügel von Höhe 300 bis Xanrey zu übernehmen. Morgens war das I. Bataillon durch das II. Bataillon abgelöst worden. Schon während der Ablösung von 7.40 Uhr ab setzte starkes feindliches Artilleriefeuer auf Grenzsattel und Juvrecourt ein. Der Gegner entwickelte von 9.30 Uhr ab Schützenlinien in Stärke von mehreren Kompagnien in Richtung Höhe 267–Grenzsattel–Juvrecourt. Ein Halbzug der 7. Kompagnie, welche als Vorpostenreserve auf Höhe 300 lag, wurde der 5. Kompagnie des bayr. Inf.-Reg. 14 (Parst) auf deren Bitte zur Verfügung gestellt. Die Kompagnie war durch Artilleriefeuer und den Angriff überlegener Kräfte hart bedrängt. Damit sich nicht die Lage vom 26. Oktober wiederhole, wurden auch die beiden anderen Züge der 7. Kompagnie (ein Halbzug war der 6. Kompagnie zur Unterstützung zugeteilt) auf Höhe 267 eingesetzt. Hauptmann Niethammer übernahm dort die Leitung der Verteidigung, da der Kompagnieführer und eine Anzahl seiner Leute verwundet waren. Hauptmann Niethammer sammelte die Bayern und setzte zunächst nur zwei Halbzüge seiner Kompagnie unter der Führung von Leutnant Kröner und Vizefeldwebel Öchsler gegen feindliche Schützenlinien im Talgrund ein. Diese Schützenlinien des Gegners erlitten starke Verluste und wichen zurück. Nun setzte der Gegner nachmittags 3 Uhr mit 4-5 Kompagnien zum Hauptstoß auf 267 an, an dem sich auch 6 Panzerautos, welche bei Arracourt auffuhren, mit lebhaftem Maschinengewehrfeuer beteiligten. Da zugleich auch starkes feindliches Artilleriefeuer auf 267 lag, stand die Lage zwischen 3 und 5 Uhr nachmittags kritisch. Hauptmann Niethammer setzte nun auch seinen Reservezug ein, doch wagte der Gegner den Sturm auf den Wald nicht; der Angriff blieb im Feuer stecken. Gegen 5 Uhr wirkte der Vorstoß unseres III. Bataillons bei Réchicourt und Flankenfeuer aus Richtung Juvrecourt auch hier entlastend, der Gegner baute ab. Die 12. Kompagnie, welche zusammen mit einer bayr. Kompagnie von 4.30 Uhr ab zum Flankenstoß auf den zurückweichenden Gegner ansetzte, kam infolge einbrechender Dunkelheit nicht mehr zum Feuern. – Die 7. Kompagnie unter Hauptm. Niethammer hatte die Hauptlast getragen; der 22. Nov. 1914 ist ein Ehrentag für die Kompagnie. Ihre Verluste waren in Anbetracht des starken feindlichen Kräfte- unsd Munitionseinsatzes mäßig: 5 Schwerverwundete, wovon 3 starben. Gesamtverluste des Regiments: 1 Offizier, 5 Mann tot, 2 Offiziere, 12 Mann verwundet.“
 
 

aus: „Das Württembergische Landw.-Inf.-Regiment im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923


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