Sonntag, 9. November 2014

9. November 1914


„So waren wir drin im Grabenkrieg. Zwar hatten wir weder Maschinengewehre noch Nahkampfwaffen, auch fehlten uns Seitengewehre – der lange Kavalleriedegen war ja nur als Lanzenersatz zu Pferde gedacht – und unsere schweren Reiterstiefel, die die langen Fußmärsche noch beschwerlicher machten und mit deren Sporen man dauernd im Graben hängen blieb, konnten auch kaum als Ausgleich betrachtet werden, aber es ging auch so. Unserer Schützentätigkeit war namentlich wegen des sehr geringen Schußfeldes, obwohl der Engländer im Mittel kaum 500 Meter entfern lag, sehr gering. Wir waren lediglich auf die Abwehr angewiesen. Auch die feindliche Infanterie war tagsüber sehr ruhig, nur einzelne Kunstschützen wesentlich vorwärts ihrer eigenen Front, von uns mit dem Ehrennamen „Rüben- oder Häuserschwein“ belehnt, belästigten uns durch ihr wohlgezieltes Feuer den ganzen Tag, ohne daß es uns gelingen wollte, ihren Standpunkt wirklich festzustellen, geschweige sie zu beseitigen. Jeden Abend dagegen eröffnete die feindliche Grabenbesatzung ein wahnsinniges Schnellfeuer, genannt der Abendsegen, der von uns grundsätzlich mit Stillschweigen erwidert wurde. Der Zweck dieses Abendsegens ist uns unverständlich geblieben und läßt sich einzig und allein als eine Angstäußerung erklären. Dagegen war die feindliche Artillerie, die stark mit mittlerer untermischt und von unserer Artillerie infolge Munitionsmangels so gut wie gar nicht bekämpft werden konnte, fast immer den ganzen Tag tätig. Es darf wirklich Heldenmut genannt werden, womit ihr andauerndes Feuer sowohl gegen unsern Graben, der an unserem Frontabschnitt erst nächtlicherweile aus bescheidenen Anfängen in einen solchen für stehende Schützen vertieft werden mußte, als besonders gegen die Douve-, Croix- und Potterieferme, in denen sich die Regiments- und Brigadestäbe befanden, ertragen worden ist. Unser Verdienst wird dadurch nicht geringer, daß unsere Verluste dort nur 2 Tote und 4 Verwundete betragen haben.“

aus: „Dragoner-Regiment „König“ (2. Württ.) Nr. 26 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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