Montag, 3. November 2014

3. November 1914


„Es war am 3. November. Tags zuvor war Hohrodberg von unserer Artillerie belegt worden, worauf III. Bataillon vorgefühlt hatte. Vierhundert Köpfe Nachersatz waren am Morgen des 3. November eben noch aus der Heimat angelangt, mit denen die Kompagnien aufgefüllt werden konnten und das schickte sich gut, da 800 Gewehre gefehlt hatten. Dann wurde aufmarschiert. Es galt der Höhenkette Barrenkopf (980 Meter) – Kleinkopf (943 Meter) – Hörnleskopf (841 Meter), respektablen Waldbergen, auf denen die Franzosen eingeschanzt saßen. Das IV. Bataillon machte dreiendrittel Kompagnien frei, ging also mit falst allen Mann aus seiner Linie vor, in der nichts blieb als zwei Drittel 14. mit dem Auftrag, den Großhörnles- und Combekopf zu beschäftigen. Hier ließ man es auf feindliche Gegenzüge, die in dem unübersichtlichen Gebiet leicht bedenklich werden konnten, ankommen und behielt mit dieser etwas gewagten Rechnung auch Recht, denn in dieser Richtung ereignete sich kein Rückschlag. Übrigens wurde diese Angriffsgruppe unmittelbar von der Brigade „von Frech“ befehligt, ebenso wie die vier Batterien des Münstertals, während unserem Regimentskommandeur General von Sprösser die Erstürmung des kleinen Hörnleskopfes als Abschnitt II zugeteilt war. Da die Front bis hinüber zum Obersolberg und zum Wirtshaus Rieth beim Kahlerwasen besetzt belassen werden mußte, standen für den Hörneskopf nur dreienhalb aus dem I.–III. Bataillon zusammengekratzte gemischte Kompagnien nebst einer Handvoll von Pionieren zur Verfügung; die 10./L. 121 behielt sich die Brigade als Reserve vor. Sechseinhalb bis sieben Kompagnien, dazu ein Regiments- und vier Bataillonsstäbe, das war die Macht, welche sich gegen die in der Luftlinie zwei Kilometer breite, mächtige Bergreihe in Aufwärtsbewegung setzte. – Von zehn Uhr vormittags an hatte unsere Artillerie die Angriffsziele vorbereitend beschossen, ohne lebhaftes Feuer herauszubringen; ein  Uhr nachmittags trat die Infanterie an.

Wie zu erwarten, nahm der rechte Flügel zuerst mit dem Feind Fühlung; die 13. Kompagnie warf vorgeschobene Postierungen am Barrenkopf zurück und faßte nun nach der Hauptstellung, die sich wohl befestigt von unseren Granaten leider unberührt zeigte und gewaltig Abwehr schoß. Da waren Drahtverhaue und Drahtzäune, dahinter freigelegtes Schußfeld bis zu den frontal feuernden Feindgräben und über die Hindernisse strichen flankierende französische Maschinengewehre von rechts her; Alpenjäger quollen gegen die rechte Flanke der Kompagnie und kurz darauf wurde auch ihr linker Flügel mit Umfassung bedroht, denn die 16., welche hier hatte anschließen sollen, war noch nicht zur Stelle. Nicht mehr angreifend, selbst angegriffen, hatte die 13. sich nach drei Seiten zu behaupten, ohne geradeaus voranzukommen, da sie mit Drahtscheren nicht versehen war und den Drahtgürtel des Gegners nicht zu durchbrechen vermochte. Keine Besorgnis; der Batailonskommandeur Oberstleutnant von Capoll, Veteran von 1870, setzte einen neuen Hebel an mit seinem – einzigen – Reservezug (ein Drittel 14./L. 121), den er gegen den Druck auf seine Linke führte, um zunächst hier Luft zu schaffen, er selbst in seinem schneeweißen Haar voraus, die Leutnants Seitz und Hubmann an seiner Seite. Seinem Anlauf in die Flanke aber prallte überraschend ein Gegenstoß französischer Alpenjäger, die sich in Mulden ungesehen angeschlichen hatten. Von vorn Infanterie- und M.-G.-Feuer, nach rechts Bajonettkampf, Feinde auch linker Hand – unhaltbar, und von Capoll befahl seiner Umgebung langsames Zurückgehen; er selbst wich keinen Schritt. Zuletzt war er, den Revolver handhabend, im Gewühl gesehen worden, neben ihm im Nahkampf die Leutnants Seitz und Hubmann, das war das Letzte, und er blieb mit seinen Getreuen vermißt.

Die Umklammerung war nicht gesprengt und unter ihrem Einfluß mußte die 13. Kompagnie schließlich ihre vorderste Linie ein Stück weit zurückstecken, wo sie dann unter günstigeren Bedingungen bis in die Nacht weiterfocht; die Einnahme des Barrenkopfes aber war gescheitert.“

 
 
aus: „Das 8. Württembergische Landw.-Infanterie-Regiment Nr. 121  im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1925

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