Sonntag, 23. November 2014

23. November 1914


„nach einer kurzen Periode scharfen Frostes in der ersten Hälfte des November setzte die lange Regenzeit ein, die in Flandern den Winter vertritt. Eine besondere Tücke war das windige Seeklima. Dazwischen durch gab es immer wieder einzelne schöne und milde Tage. Aber im großen Ganzen war der Winter doch nur ein ewig dünkender endloser Regen.

Das Wasser offenbarte sich als neuer Feind von ungeahnter Wirkung, der gleichmäßig beide Gegner heimsuchte. Es rieselte vom Grau des Himmels hernieder, es quoll aus den Grabenwänden hervor, es drückte langsam und unwiderstehlich aus dem Grunde der Gräben hervor. Die Erde drückte seitwärts gegen den Grabenraum, neigte sich schräg über, bröckelte ab und stürzte mit dumpfem Laut in den Graben. Die Erde heftete sich an die Füße des Mannes, hemmte seinen Schritt, schien seine Stiefel halten zu wollen und überzog als schmierige und durchfeuchtende Kruste seinen Mantel und die Kleider. Die Erde setzte sich als feuchte Sandkörner in die Schloßteile des Gewehres, knisterte zwischen den Zähnen des Mannes, wenn er aß und machte ihm das Leben zuwider.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 246“, Stuttgart 1931

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