Donnerstag, 16. Juli 2015

16. Juli 1915


„Abends wurde nun folgender Regimentsbefehl erteilt: „Gegner hat den Angriffen der Brigade zu widerstehen vermocht. Die Brigade steht vor einer mit allen Mitteln ausgebauten Stellung. das Regiment baut seine Stellungen aus. Am 16. Juli erfolgt Mörserbeschießung, nach welcher sich das Regiment in den vollen Besitz des Bramura-Werks setzen soll.“
Der 16. Juli war dann ein Tag gesteigerten Kampfes. Gegen 7 Uhr vormittags schossen sich unsere 21-Zentimeter-Mörser auf das Bramura-Werk ein. Nach 2 Stunden folgte das eigentliche Wirkungsschießen und um 10.20 Uhr das Sturmschießen. Bald darauf gingen die Grenadiere zum Angriff vor und erreichten auch die Schanze, die sie jedoch gegenüber dem keineswegs erschütterten, an Zahl weit überlegenen Gegner nicht zu halten vermochten. Unsere Artillerie hatte gegen das stark ausgebaute Erdwerk nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Der Feind hatte in äußerst widerstandsfähigen Unter-ständen Deckung gefunden; sein Maschinengewehrfeuer war nach wie vor gleich stark.
Um 2 Uhr nachmittags ging ein Befehl der 51. Inf.-Brigade ein, wonach der Angriff auf die Bramura-Schanze zunächst nicht zu erneuern sei, weil die rechts von uns vorgehende 35. Inf.-Division durch eine Linksschwenkung in Bälde den Gegner im Rücken bedrohen werde und das Korps links von uns den Orzyc überschritten habe.
Dem Regiment fiel nun die Aufgabe zu, den ihm gegenüberliegenden Feind festzuhalten. Dies erfolgte durch 2 Scheinangriffe des II./119 und der M.-G.-K. unter Leitung des Major Frhr. v. Hügel, dem dieserhalb auch das I. Bataillon unterstellt worden war.
Die Bramura-Schanze, vom Feinde wieder stark besetzt, lag inzwischen unter ständigem Feuer unserer Artillerie. Auf Höhe des Südrandes des Dorfes Bramura schanzten sich inzwischen die Kompagnien des Regiments ein.
Nachmittags 5 Uhr räumten die Russen die Schanze und verschwanden unter geschickter Ausnützung des Geländes in den Wäldern. I. und II./119 folgten sofort bis Jacionzek und erkundeten Übergänge über den Oshitz.
Die letzten Tage waren recht verlustreich gewesen. 19 tapfere Grenadiere waren gefallen, darunter Leutnant d. R. Roese (Herbert) und Kenngott; 164 verwundet, unter ihnen Leutnant d. R. Bullinger, Leutnant Ruff, Offizierstellvertreter Ludwig und Geilsdörfer; 14 Mann wurden vermißt.“


aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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