Freitag, 4. März 2016

4. März 1916


„Die am Abend wiedergewonnene Linie wurde von selbst zur Hauptkampfstellung, welche nach einem am 3. März früh ausgegebenen Befehl des Regiments in zwei Unterabschnitte eingeteilt wurde. Gleichzeitig fand eine Ablösung sämtlicher Kampf-truppen des Regiments statt, die aufs äußerste erschöpft und seelisch niedergeschlagen einen Kampfwert kaum noch besaßen. Die Hilfe wurde gebracht vom II. Bataillon I.R. 120 und dem gleichen vom I.R. 127 und man war ihnen für diesen kameradschaftlichen Dienst, den sie unter schwierigsten Gefechts- und Wetterverhältnissen leisteten, von Herzen dankbar. Sie standen mit dem III. Grenadierbataillon, dessen Befehl am 1. März Major Landbeck (Ul.R. 19) übernommen hatte, in strömendem Regen und Schneege-stöber bei einer Temperatur von 3 und 4 Grad Kälte Tag und Nacht am Feind, ohne daß die Kämpfe wieder auflebten.  Auch ein letzter Versuch der 11. Kompagnie am Abend des 3., die Lage noch zu verbessern, hatte nur einen kleinen Erfolg: lediglich ein etwa 50 m langes Grabenstück vom „Helm“ kam wieder in unsere Hand, dieser selbst aber blieb endgültig im Besitz des Gegners.
Damit waren die Kämpfe um die Bastion abgeschlossen und schon am 4. März flaute das Feuer merklich ab. Die Engländer hatten ihr Ziel erreicht und die über zwei Wochen währenden Kämpfe um die Bastion endeten so, daß jede Partei in der Hauptsache in den Stellungen stand, die sie bei Beginn des deutschen Angriffs besaß. Das Grenadier-regiment konnte diesen Ausgang schwer verwinden, den man als Schulbeispiel ansehen konnte, daß flandrische Stellungen wohl zu nehmen, gegen weit überlegene Artillerie aber nur schwer zu halten sind. Mit schweren Opfern hat das Regiment diese Lehre bezahlen müssen: denn es fielen vom 1.–4. März 2 Offiziere, 39 Mann; 2 Offiziere, 170 Mann wurden verwundet und 8 bzw. 313 blieben vermißt. Nach dem englischen Schluß-bericht waren von diesen 5 Offiziere und 249 Mann gefangen, so daß man einen erheb-lichen Teil der Vermißten unter die in tapferer Gegenwehr Gefallenen zu rechnen hat.“


aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

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