Mittwoch, 10. Januar 2018

10. Januar 1918


„Die Tuberkulosebekämpfung und -Behandlung wurde in der Heimat unter Leitung des Kriegs-Sanitätsinspekteurs in großzügiger Weise eingeleitet. Bleibende Verdienste er-warb sich hier insbesondere der Tübinger innere Kliniker Professor Dr. Otfried Müller. Von den wichtigsten Maßregeln sei die Einrichtung von Lungenbeobachtungsstationen abgeführt, die erforderlich wurden, weil anfangs viele verdächtige Fälle in Heilanstalten verlegt wurden, bei denen sich die Diagnose Tuberkulose nicht bestätigte. Die Heilstät-ten mußten für die wirklich Tuberkulösen vorbehalten bleiben, und zwar für diejenigen, bei denen Aussicht auf Heilung oder Besserung bestand. Von der Medizinalabteilung des Kriegsministeriums wurden eingehende Vorschriften über das Verfahren bei der Be-handlung und Entlassung tuberkulöser Heeresangehöriger herausgegeben, womit einer-seits einer Weiterverbreitung vorgebeugt, andererseits möglichste Fürsorge für den ein-zelnen Erkrankten getroffen wurde.
Die wichtigsten Punkte seien hier kurz erwähnt: Strenge Isolierung innerhalb der Laza-rette, Verbot der Revierbehandlung auch der verdächtigen Fälle, beschleunigte Entlas-sung aller Tuberkulösen, bei denen Dienstbeschädigung nicht in Frage kam, Überweis-ung der Tuberkulösen mit Dienstbeschädigung, soweit Heilungs- oder Besserungsaus-sicht vorhanden war, an die Lungenheilstätten, wo Besserung nicht mehr erreicht wer-den konnte, Überweisung in ein ihrem Heimatort naheliegendes Lazarett, strengstes Verbot, Tuberkulöse zum Ersatztruppenteil zu entlassen oder dem Berufsleben zurück-zugeben ohne Anmeldung bei den bürgerlichen Verwaltungsstellen (Landesversicher-ungsanstalt), welchen für den Kranken und seine Familie die weitere Fürsorge zu über-nehmen hatte.
Verteilung und Verlegung aller Tuberkulösen war bei der Krankenverteilungsstelle des Sanitätsamts zentralisiert, wo über alle Lungenkranken eine Kartothek geführt wurde. Jeder Tuberkulöse, sowie das Pflegepersonal, unter dem zahlreiche Ansteckungen bei Schwestern und Wärtern vorkamen, erhielt das Tuberkulose-Merkblatt des Kaiserlichen Gesundheitsamts ausgehändigt.
Die Zahl der tuberkulösen Heeresangehörigen in Württemberg beginnt im August 1914 mit 53 und steigt im Herbst 1916 auf über 1000, um gegen Ende des Kriegs auf etwa 700 zu sinken.“


aus: „Das Sanitätswesen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1924

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