Mittwoch, 31. Januar 2018

31. Januar 1918


„Der beabsichtigte Gasminenüberfall sollte und konnte nur stattfinden, wenn günstige Windverhältnisse herrschten, so daß das Gas zu den Belgiern hinübergetrieben wurde. Mit Spannung beobachteten die Gaspioniere täglich das Wetter. Da endlich am 29. Januar, 3.55 Uhr morgens, wurden die tausend eingebauten Gasminen elektrisch ent-zündet und schleuderten ihre Geschosse über den Iserfluß hinüber. Sofort einsetzendes Glockengeläute und Sirenengeheul kündeten den Gasalarm in der belgischen Stellung an, bald eröffnetes feindliches Artillerie- und M.-G.-Feuer konnte als Vergeltungs-schießen gedeutet werden. Über den Erfolg des Schießens wurde nichts bekannt; aber nach den Erfahrungen, die das Regiment später im Sommer 1918 an der Ancre bei derartigen englischen Gasminenschießen am Leben seiner eigenen Angehörigen machte, können solche Gasminen verheerend, vor allem moralisch furchtbar wirken. Das giftige Kampfgas ist überhaupt die furchtbarste und neben den Minensprengungen die unheim-lichste Waffe des Weltkrieges gewesen, unheimlich heimtückisch und äußerst gefährlich in seiner Wirkung.
Um die Monatswende Januar / Februar herrschte nebeliges, naßkaltes Wetter. Dies machte mehrfach eine besondere „Nebelbereitschaft“ notwendig, die in erhöhter Ge-fechtsbereitschaft, Verstärkung der Posten, insbesondere der Läufer- und Leuchtkugel-signalposten, vor allem aber in erhöhter Aufmerksamkeit bestand. Wenn auch keinerlei besondere Anzeichen für feindliche Unternehmungen irgendwelcher Art vorlagen, so war doch Vorsicht am Platze. Wir kannten dies von den früheren Stellungen her.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 248 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1924

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