Sonntag, 7. Januar 2018

7. Januar 1918


„Am 7. Januar mißlang eine gegen den Stützpunkt Tölz gerichtete Unternehmung „Sil-vester“ dadurch, daß kurz vor dem festgesetzten Beginn Artilleriefeuer aus dem Nachbarabschnitte in der Nähe des Angriffszieles einschlug und die Aufmerksamkeit der französischen Grabenbesatzung erregte. Zwei Stoßtrupp fanden die von ihnen abzu-suchenden Grabenstücke von ihrer Besatzung verlassen und muten deshalb unver-richteter Dinge zurückkehren, die beiden anderen Stoßtrupp stießen auf die zur Abwehr zusammengezogene überlegene Grabenbesatzung. Trotzdem drang der Führer, Leutnant d. R. Göhle, gefolgt von dem Unteroffizier Schlecht, den Gefreiten Knaus und Fischer und dem Musketier Schelling nach erbittertem Handgranatenkampfe in den franzö-sischen Graben ein. Aber beim Vordringen im Graben, den eine Leuchtkugel im ungün-stigsten Augenblicke erhellte, liefen die Stürmenden in das Feuer einer Gruppe Fran-zosen hinein, welche hinter einer Schulterwehr im Anschlage lagen. Leutnant Göhle fiel, Unteroffizier Schlecht erhielt einen Schuß durch den Arm, Gefreiter Fischer wurde durch einen Schuß in die Hüfte, Musketier Schelling durch einen Bauchschuß schwer verwundet. Auch die folgenden Teile der beiden Stoßtrupp erhielten durch das franzö-sische Gewehrfeuer so schwere Verluste, daß ein weiteres Vorgehen unmöglich wurde. Zwei Mann fielen, drei weitere wurden verwundet. Unteroffizier Schlecht bemühte sich trotz der eigenen Verwundung, die verwundeten Kameraden zu bergen. Er schleppte Fischer und Schelling in den nächsten, vor dem Drahthindernisse befindlichen Ein-schlagtrichter und verbrachte den Landsturmmann Brändle, den er mit einer Schußver-letzung durch beide Beine antraf, in die deutsche Stellung zurück. Einer Offizier-patrouille, welche sofort abging, um den Gefreiten Fischer und den Musketier Schelling zurückzubringen, waren die Franzosen zuvorgekommen, denen die Bergung der beiden Verwundeten, in Rücksichtnahme auf diese, nicht mit Feuer verwehrt werden konnte.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 479“, Stuttgart 1923
Bild: Schwäbisches Kriegstagbuch

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