Samstag, 14. Juli 2018

14. Juli 1918



„Der 14. Juli war ein wunderschöner Sommersonntag. Unter lachendem Himmel wurde in Frankreich das Nationalfest gefeiert. Der Pariser Burgeois konnte sich der Festes-freude in ungestörter Begeisterung hingeben, nicht so der Franzmann an der Front, denn dem ließen wir keine Ruhe. „Wir müssen jeden Augenblick auf einen Angriff gefaßt sein,“ sagte der französische General Gourand in einem Befehl vom 7. Juli an die Soldaten seiner Armee.
Nach 8 Uhr vormittags teilte sich der Nebel, wir konnten nun mit bewaffnetem und unbewaffnetem Auge Um- und Ausschau halten. Das ist also der berühmte Hochberg, links davor die zerklüftete Bärenburg und dort noch weiter links der Keilbreg. Rechts begrenzt der Luginsland die Fernsicht. Kahl und staubig, von ungezählten Granaten durchsiebt, erheben sich diese im April 1917 in Feindeshand gefallenen Bergkuppen als stumme Zeugen opfervoller Kämpfe; vor Jahresfrist ist hier noch viel deutsches Blut geflossen, mit Ehrfurcht gedenken wir der gefallenen Helden. Es sind starke beherrsch-ende Höhen diese Kreidefelsen, sie bilden mit den dahinter liegenden Stellungen eine gute Wehr, dessen ist sich auch der Franzose wohl bewußt. „Ihr habt alle das Gefühl,“ sagt General Gourand in seinem Befehl vom 7. Juli weiter, „daß niemals eine Abwehr-schlacht unter günstigeren Bedingungen angenommen wurde. Ihr kämpft auf einem Gelände, das eure zähe Arbeit in eine furchtbare Festung verwandelt hat, die unbe-zwingbar bleibt, wenn alle Zugänge in guter Hut sind.“
Auf den heißen 14. Juli folgte eine gewitterschwere, stürmische Nacht. Lautlos setzten sich die Bataillone gegen 11 Uhr abends in Bewegung und erreichten nach und nach die vor dem Sturm einzunehmenden Stellungen, das II. Bataillon (Hauptmann Ackermann) gewinnt Anschluß an das Regiment 121 rechts (das Schulter an Schulter mit der 3. Garde-Division zu kämpfen hat), während das III. Bataillon (Hauptmann Hug) links die Fühlung mit dem 6. Garde-Res.-Regiment (Garde Ers.-Division) herstellt. Das I. Bataillon (Hauptmann Kopp) rückt hinter das III. Bataillon. Mühsam arbeiten sich die jedem der beiden Sturmbataillone zugeteilten zwei Begleitgeschütze, von Pionieren unterstützt, durch das Trichterfeld, ebenso mühsam die Minenwerfer, deren kleine Räder unter der schweren Last tief einsinken. Mit Riemen werden die Werfer vorgeschleift, viel Munition kann für sie nicht mitgeführt werden, es ist so wenig, daß sich die Mühe, die der Einsatz dieser Werfer erfordert, kaum lohnt. Vorsichtig, aber eifrig gehen ge-wandte Hände daran, Sturmgassen ins eigene Drahthindernis zu schneiden.
Das feindliche Streufeuer fordert einige Opfer, die Verluste sind aber erträglich, merk-würdig, der feindliche Artillerieabschuß klingt schon seit dem 14. Juli entfernter, als an den Tagen zuvor. Das gibt zu denken.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–
1918“ׅ, Stuttgart 1923

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