Dienstag, 10. März 2015

10. März 1915


„Der Morgen des 10. März läßt sich besser an, doch blieb der Rückschlag leider nicht aus. Dem Hauptmann Burr verdanke ich folgende nähere Angaben über den Gefechtsverlauf an diesem Tage.

Vor Beginn des erneut gegen dasselbe Ziel befohlenen Angriffs lag am rechten Flügel des Regiments die 9. Kompagnie ohne Anschluß zum Nachbarregiment rechts, links die 12. Kompagnie (Kompagnie Burr), an welche die 3. Kompagnie Anschluß nahm. Die 11. Kompagnie lag hinter dem rechten, die 10. Kompagnie hinter dem linken Flügel des Bataillons. Im ersten flotten Ansturm nahmen die 9. und 12. Kompagnie 9.30 Uhr vormittags die starken vordersten russischen Gräben uns einen sehr gut angelegten russischen Stützpunkt, sie machten dabei zahlreiche Gefangene. Das I. Bataillon kam nicht vorwärts. Leutnant Burr setzte daher die 10. Kompagnie auf dem rechten Flügel der 3. Kompagnie ein und zog die 11. Kompagnie näher heran, darauf begab er sich in die vorderste Linie des I. Bataillons (3. und 1. Kompagnie) und riß diese mit der 10. Kompagnie durch seinen persönlichen Einfluß vor. Dann suchte er die 12. Kompagnie auf. Diese war über die erreichte Russenstellung hinaus bis zu der mitten durch den Wald führenden Straße vorgestoßen, aber sie befand sich allein. Die bisherigen Nachbarkompagnien (10. und 9. Kompagnie) lagen in schwerem Waldkampf verstrickt rechts und links rückwärts. Das rechte Anschlußregiment war bis etwa in gleiche Höhe mit der 9. und 10. Kompagnie vorgekommen, flankierendes Feuer von rechts und starke Gegenangriffe brachten das Nachbarregiment aber wieder um seinen teuer erkauften Anfangserfolg, das gewonnene Gelände mußte allmählich wieder aufgegeben werden. Leutnant Burr hatte die Hoffnung, daß die anderen Kompagnien des III. Bataillons sich doch noch nach und nach zur 12. Kompagnie würden vorarbeiten können, er hob daher mit der 12. Kompagnie eine für mehrere Kompagnien hinreichende Stellung aus. Plötzlich, es war inzwischen 3 Uhr nachmittags geworden, sah er sich von den Russen umzingelt. Ein Zug (Leutnant Zimmermann) behielt zunächst die alte Front bei, mit den beiden anderen Zügen machte Leutnant Burr kehrt und schlug sich im Handgemenge bis zur 11. Kompagnie (Leutnant d. R. Deuschle) durch, welche die zuerst genommenen Gräben rechts der 9. Kompagnie besetzt hielt. Glücklicherweise kamen in diesem Augenblick zwei Maschinengewehre unter Leutnant Graner in die Gefechtslinie der 11. Kompagnie, die mit ihrem Feuer Luft schafften und auch dem Zug Zimmermann den Rückzug ermöglichten.

Die 12. Kompagnie war mit 118 Mann ins Gefecht getreten, nur 63 kamen zurück. Den Leutnant (jetzt Hauptmann) Burr schmückt seit diesem Tage für sein tatkräftiges, umsichtiges und vorbildlich tapferes Verhalten im Walde von Cielondz das E. K. I. Klasse.

Das Regiment wurde am Abend in die Angriffsausgangsstellung zurückgenommen.“



aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923

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