Sonntag, 29. März 2015

29. März 1915



„Adolf Horn, mein Bruder, geboren den 23. November 1891 in Rinderfeld OA. Mergentheim, als Sohn des Pfarrers Horn (jetzt Dekan in Schw. Hall). besuchte 1897–1900 die Volksschule in Michelbach an der Bilz, OA. Gaildorf, 1900–05 das Gymnasium in Hall, bestand von da aus das Landexamen und war von 1905–09 in den Seminaren Maulbronn und Blaubeuren. Nach dem Konkurs kam er 1909 ins Stift nach Tübingen, diente 1909–10 sein Einjähriges in Tübingen ab und trat im Oktober 1909 in die Verbindung ein. Sein theologisches Studium führte ihn im Wintersemester 1912 und im Sommersemester 1913 nach Berlin. Das erste theologische Examen bestand er im Juli 1914.

Am 3. August 1914 trat er beim Inf.-Rgt. 127 in Ulm als Vizefeldwebel ein. Am 8. August ging’s Frankreich zu. Vom 21. August an war er täglich im Gefecht, so bei Mousson, Barrency, Gorcy. Auf einer seiner wenigen Karten aus dem Feld schreibt er: „Das Gegenüberstehen so gewaltiger Massen ist etwas furchtbar Großes, und der Anblick des Schlachtfeldes, das von toten und verwundeten Freunden und Feinden übersät war, etwas Ergreifendes.“ Am 30. August machte er den Übergang über die Maas mit.

Bei einem Waldgefecht am 6. September abends erhielt er einen Kopfschuß, der das Gehirn verletzte. Die Kugel blieb im Hinterkopf stecken. Dadurch wurde er bewußtlos und gelähmt. Seine Kameraden und seine Kompagnie meldeten ihn darum als tot. Tatsächlich wurde er beim Rückzug an der Marne auf ein Lastauto geworfen und nach Montmedy ins Lazarett gebracht. Dort wurde er von einem Verwandten und einem Bundesbruder erkannt, die dann nach Hause Mitteilung machten. Nach manchen Bemühungen wurde seine Überführung nach Heilbronn erreicht, wo er am 4. Oktober ankam, aber scheinbar dem Tode nahe. Sein Zustand besserte sich, so daß er am 14. November 1914 ins Vereins-Lazarett Weinsberg (dem damaligen Wohnort der Eltern) überführt werden konnte. Die Beförderung zum Leutnant entlockte ihm Tränen, „weil er ja doch nicht mehr hinauskäme“. Die Verleihung des E. K. II war die letzte große Freude seines Lebens. Vom 31. Dezember 1914 an verschlimmerte sich sein Zustand, was aufs neue seine Verbringung nach Heilbronn nötig machte. Nach vielem schweren Leiden ist er dort am 29. März 1915 gestorben. Sein Lieblingslied: „Haltet aus, haltet aus im Sturmgebraus“ hat ihm selber ganz besonders gegolten. Am Gründonnerstag 1915 wurde er auf dem Kirchhof in Weinsberg begraben.“

aus dem Nachruf seines Bruders Eduard Horn in: „Gedenkbuch der Tübinger Normannia für ihre Gefallenen“, Stuttgart 1921

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