Donnerstag, 5. März 2015

5. März 1915


„Am 4. März setzte das Regiment den Marsch nach Glyna, Rzeczyca, Tlumy fort. An diesem Tage erhielten wir durch einen Brigadebefehl Klarheit über die neuen Kommandoverhältnisse und die uns zufallende Aufgabe. Dieser Befehl besagte unter anderem folgendes: „Die gemischte Brigade von Stein untersteht der Armeegruppe von Frommel (zu der das Korps Posen, die Division Menges, die Division Dieffenbach und die 9. Kav.-Division zählen). Aufgabe der Armeegruppe ist der Durchbruch des Gegners nördlich der Pilica und Aufrollen der feindlichen Front von Süden nach Norden. Die Ausgangsstellung für den Angriff wird am 5. März morgens bei Dunkelheit eingenommen. Die Brigade von Stein (zur Division Dieffenbach zählend) steht am 5. 9 Uhr vormittags bei Rzectyca zur Verfügung der Armeegruppe.“

Am 5. März harrte das Regiment zur befohlenen Zeit am befohlenen Ort weiterer Weisungen. Es erfolgte zunächst nur ein Vorziehen bis Kawenczyn.

Hier konnten wir uns bis um die Mittagszeit folgendes Bild über die Lage machen. Der Gegner stand mit starken Kräften in der ungefähren Linie Punkt 163 nördlich Roszkowa Wola – Vw. Jezierzec und westlich. Der rechte Flügel der Division Menges hatte sich in erfolgreichem Angriff bald in Besitz der Höhe 163 gesetzt und befand sich in fortschreitendem Gefecht gegen die Höhe 164 nördlich Domaniewice, der linke Flügel der Division Menges aber, der aus seiner befestigten Feldstellung am Nordrand des Wäldchens nördlich Lubocz gegen Vw. Jezierzec vorgegangen war, war in schwerem feindlichem Feuer zusammengebrochen. Hier mußte die Brigade Stein Hilfe bringen, darüber war kein Zweifel.

Die Regimenter 129 und 125 entfalteten sich, 129 rechts, 125 links und schritten 2.30 Uhr nachmittags entwickelt zum Angriff. In der vorderen Linie des Angriffsstreifens der Brigade hatte das II. Bataillon (Sproesser) die Richtung auf Vw. Jezierzec. I. und III. Bataillon folgten in zweiter Linie. 3.30 Uhr nachmittags überstiegen die 5. und 6. Kompagnie zu beiden Seiten der Nordspitze des Wäldchens nördlich Lubocz die Brustwehr der dort befindlichen deutschen Schützengräben, gewannen nach vorwärts Gelände, blieben aber nach wenigen mit exerziermäßiger Genauigkeit ausgeführten Sprüngen in rasendem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer liegen und gruben sich ein, die Leichen der zahlreichen Gefallenen als Deckung mit benützend.

Der Führer der 8. Batterie Res.-Fußart.-Reg. 5, die bisher die 600 m von uns entfernte gut ausgebaute und stark besetzte feindliche Stellung unter wohlgezieltes Feuer genommen hatte, meldet um diese Zeit dem Bataillonsführer, daß er Befehl habe, in einen anderen Gefechtsstreifen abzurücken. Major Sproesser erkennt am Scherenfernrohr die starke Besetzung der feindlichen Schützen- und Laufgräben und gelangt zu der Überzeugung, daß die feindliche Stellung noch keineswegs erschüttert ist. Stellt die Batterie das Feuer ein, so sind die über die Brustwehr gestiegenen Teile des Regiments vernichtet. Dem persönlichen Eingreifen des Generals von Stein gelingt es zu erwirken, daß die Haubitzbatterie ihr Feuer auf die Gegend von Jezierzec fortsetzt. Nur dadurch war es möglich, die Besatzung des Vorwerks zu erschüttern, die vorderen Kompagnien durch 7. und 8. Kompagnie aufzufüllen und bis 5 Uhr nachmittags den Angriff auf 150 man die feindliche Stellung heranzutragen. In einem vor derselben verlaufenden Graben sammelte sich die Feuerlinie des Bataillons. Gegen 6 Uhr abends haben die Russen genug, heben die Hände hoch und geben damit das Zeichen zum Sturm, der von allen vier Kompagnien parademäßig gemeinsam durchgeführt wird. „Das ist“, um mich eines Ausdrucks des Generals von Moser zu bedienen, „die kostbare Frucht unserer im Frieden so vielfach mißverstandenen und deshalb angefeindeten Manneszucht.“

Die Verluste des II. Bataillons betrugen 2 Offiziere und 205 Mann; die Offiziere waren die beiden tapferen Führer der vordersten Kompagnien, Leutnant Wanner (5.) gefallen, Leutnant d. R. Dunz (6.) verwundet.

Die Beute bestand in 318 Mann und 1 Maschinengewehr.“



aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923

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