Mittwoch, 24. Juni 2015

24. Juni 1915



„Am 24. Juni zeigte sich, daß der Gegner sich hauptsächlich in dem unmittelbar benachbarten Klodno festgesetzt hatte. Die II. Abteilung ging daher mit der 4. und 6. Batterie an der Südostecke von Zoltance mit Front gegen Klodno in Stellung. Im Laufe des Nachmittags sollte eine Neugruppierung stattfinden, Vorkommandos einer K. u. K. Infanterie-Division, die hauptsächlich aus den als besonders gute Soldaten bekannten Bosniaken bestand, trafen ein. Als neuen Abschnitt sollte das Regiment den Sektor zwischen der Straße Zoltance – Klodzienko und dem Wald von Zauscie erhalten. Die Erkundungen waren abgeschlossen. Die eigene Infanterie war im Laufe des Nach-mittags unter Zurücklassung schwacher Postierungen abmarschiert. Da meldete um 6 Uhr abends der in der Beobachtungsstelle der 4. Batterie beobachtende Leutnant d. R. Stäbler, daß das Verhalten der Russen auf einen bevorstehenden Angriff schließen ließe. Da die Bundesgenossen aus nicht bekannten Gründen noch nicht vollständig zur Stelle waren, wurden Teile der eigenen Infanterie zurückbeordert. Von etwa 6.45 Uhr abends setzte heftiges russisches Artilleriefeuer aus Nordosten gegen unsere Stellungen ein. Nach starker Artillerievorbereitung schritt russische Infanterie in dichten Kolonnen zum Angriff vor. Die 1. Batterie nahm den Nordrand des Dorfes Klodzienko unter Feuer, in dem sich bereits russische Infanterie festgesetzt hatte, während die 3. Batterie die bei der Bahnlinie und dem Bahnhof Klodno vorgehenden Russen unter Feuer nahm. Nachdem dieser Angriff zum Stehen gekommen war, setzte ein zweiter Angriff aus Richtung Klodno ein. Die 2. Batterie, die diesmal im Brennpunkt der Gefechte stand, eröffnete ihr Feuer aus nächsten Entfernungen und steigerte ihre Feuerkraft zeitweise bis zum Schnellfeuer. Immer neue Russenhaufen kamen angestürmt, hoben im letzten Augenblick die Arme hoch und liefen teilweise durch die feuernde Batterie durch ins Dorf, wo sie von Burschen und Sanitätern gesammelt wurden. Überall loderte das Feuer aus brennenden Gehöften zum Himmel und erleuchtete die schreckliche nächtliche Szene. Hauptmann Tscherning wurde inmitten seiner Geschütze schwer verwundet; trotzdem hörte die Batterie keine Sekunde auf zu feuern und die Munitionswagen der leichten Munitions-Kolonne galoppierten mehrfach in die Feuerstellung vor. Mitten im Gefecht wurde ein ernster Schaden durch das mutige und entschlossene Zugreifen des Leutnants d. R. Schall vermieden. Mit einigen Getreuen drang der in vielen Gefechtslagen bestens bewährte Offizier mitten im feindlichen Infanterie- und Schrapnellfeuer in eine brennende Scheune ein und brachte den dort lagernden Munitionsvorrat glücklich heraus, ehe das Feuer größeres Unheil anrichtete. Auch die 4. und 6. Batterie griffen auf den erschossenen Entfernungen in den Kampf ein und trugen das Ihre zum Erfolg bei. Der erst am heutigen Tage beim Regiment eingetroffene Leutnant Fürst von Urach, der sich freiwillig zum Regiment gemeldet hatte, um den Bewegungskrieg kennenzulernen, war die ganze Zeit im Auftrag des Regiments-kommandeurs zu den Batterien unterwegs, um den Kommandeur über den Stand des Gefechts auf dem Laufenden zu halten. Kurz nach 10 Uhr abends konnten alle Angriffe als abgeschlagen gelten. Die übrige Nacht verlief ruhig. Die geplante Ablösung fand nicht statt. Das Regiment hat in dem Nachtgefecht 1612 Schuß verfeuert. Mehrere tausend tote und verwundete Russen bedeckten das Kampffeld. Das Regiment durfte den 24. Juni 1915 als neuen Siegestag buchen.“


aus: „Das Württembergische Feldartillerie-Regiment König Karl (1. Württ.) Nr. 13 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1928

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