Montag, 8. Juni 2015

8. Juni 1915


„Schon seit 2 Tagen hatte das Geschützfeuer nördlich des Ancretales bei der 52. Inf.-Division erheblich zugenommen und am 6. Juni, 6.30 abends, wurde das III. Batl. alarmiert, bezog in Miraumont Alarmquartiere und stand am 7. Juni, 3 Uhr morgens, am Ausgang nach Puisieux marschbereit. Der 52. Inf.-Division unterstellt begab sich das Bataillon auf Befehl der 104. Inf.-Brigade nach der Mulde am Südosteingang von Puisieux, wo es sich gegen Artilleriefeuer eingrub. Als 12 Uhr mittags das Bataillon Befehl erhielt, den zwischen der La Louvière-Ferme und Toutvent-Ferme gelegenen, von den Franzosen besetzten Abschnitt S 3 von La Louvière-Ferme aus wieder-zunehmen, zog es sich in der Reihenfolge 10., 9., 11. und 8. Komp. zunächst nach der Mulde östlich Puisieux bei Punkt 103, legte dort das große Gepäck ab und empfing Handgranaten und großes Schanzzeug. Dann ging es bei drückender Hitze und teilweise unter schwerem Artilleriefeuer die Mulde entlang nach dem Wäldchen bei Punkt 125 nordwestlich Puisieux und von da nach der La Louvière-Ferme. Von 18 Hitzschlag-kranken, die während des Marsches zurückgelassen werden mußten, trafen noch in der Nacht 12 wieder bei ihren Kompagnien ein. In der La Louvière-Ferme konnte nun zunächst Wasser getrunken werden. Inzwischen hatte Major Scupin mit dem Führer des III./170 Rücksprache genommen und von ihm ein genaues Bild über die Lage in S 3 erhalten, wornach die 170er und Teile der 66er einen Teil von S 3 wieder erobert hatten. Nun befahl Major Scupin, daß die 10. Komp., sobald S 3 genommen ist, S 4 zurück-erobern solle, die 9. füllt die Lücken der 10. aus, die 11. schiebt nach und die 8. rückt an Stelle der 11. Dementsprechend gingen die Kompagnien im Laufgraben von der La Louvière-Ferme aus vor und nahmen Anschluß an Inf.-Reg. 170. Im Laufgraben gruben sie sich dann in Schützennischen mit Front nach der Mulde ein. Verpflegung durch die eiserne Portion. In der Nacht richteten die Franzosen ein Trommelfeuer auf S 3 nebst anschließende Teile und zwar von 11.30 abends bis 1.30 morgens, sowie von 3.15 bis 4 Uhr morgens. Um 4 Uhr griffen die Franzosen mit starken Kräften S 3 an, wurden aber von Teilen der 170er, 66er und der10./180 abgewiesen. Etwa 4.15 morgens gingen die vordersten Teile der 10. Komp. unter Führung des Leutnants Arsan, Vizefeldwebel Bezler und Kopp aus den Gräben heraus zum Angriff über freies Feld gegen den von Franzosen besetzten Teil von S 3 vor, eroberten im Nahkampf einen Teil von S 3 und machten etwa 40 Gefangene. Hierbei fielen Leutnant Arsan und Vizefeldwebel Kopp, Vizefeldwebel Bezler übernahm sofort die Führung des Zuges. Inzwischen rückten die 9. und 11. Komp. nach. Um die ganze Stellung S 3 zu nehmen, waren Teile der 10. und 9. Komp. (Leutnant Möricke 10., Leutnant Kirn 9. und Vizefeldwebel Klotz 9.) rechts des Zuges Bezler zum Angriff über das freie Feld hinweg angesetzt. Trotz feindlichem Maschinengewehr- und Infanteriefeuer gelang es diesen Tapferen, sich in den Besitz des S 3 zu setzen und weitere 50 Gefangene zu machen. Hierbei fielen die Leutnants Möricke und Kirn, Leutnant Münst (10.) und Fähnrich Bölsen wurden verwundet. Diesem Angriff schlossen sich, aus dem Laufgraben nachfüllend, größere Teile der 9. Komp. unter Führung der Leutnants d. R. Teuffel und Haag an, Teile der 11. Komp. unter Führung von Leutnant d. R. Kielwein (gefallen), Leutnants Boser und Kraut, die nachgerückt waren, unterstützten diesen Angriff mit Feuer und füllten die vorne entstandenen Lücken aus. Die 8. Komp. unter Führung des Oberleutnants Gleis besetzte den Laufgraben, der von der La Louvière-Ferme nach S 3 ging und verhinderte gemeinsam mit der 11. Komp. ein Vordringen der Franzosen von der Toutvent-Ferme her. Etwa 10.30 vormittags griffen die Franzosen erneut in 4 Linien hintereinander an, der Angriff brach aber, noch ehe er an unsere Stellung herankam, im wirkungsvollen Feuer unserer Artillerie – Abt. v. Klußmann – zusammen. Zur selben Zeit zwangen die 9. und 10. Komp. einen sehr niedrig fliegenden französischen Flieger zur Landung dicht hinter den französischen Linien.
Um 1.30 nachmittags setzte ein wolkenbruchartiger Gewitterregen ein, der die Franzosen aber nicht abhielt, erneut anzugreifen. Dicht vor unseren Gräben wurden sie durch Infanteriefeuer und Handgranaten abgewiesen und strömten unter großen Verlusten durch unser Artilleriefeuer zurück. Durch Vorgehen des Unteroffiziers Dölger (9.) und Gefreiten Klotzbücher (10.) mit Handgranaten wurden die Franzosen in S 3 derartig eingeschüchtert, daß sie ihre Gewehre wegwarfen. Der Rückweg war ihnen durch das Feuer der 9. Komp. (Leutnant Deisinger) abgeschnitten und nachdem ihnen der Gefreite Freudenberger, Gefreiter Hohloch und Kriegsfreiwilliger Hammer zugeredet und eine gute Behandlung zugesichert hatten, ergaben sich 3 Korporale und 34 Mann.
Am Abend traf der Bataillonsführer, Major Paulus, mit 2 frischen Kompagnien 66ern ein, so daß die vorne befindlichen 9. und 10. Kompagnie abgelöst werden konnten. Um Mitternacht traf bei der La Louvière-Ferme auch noch das I./190 ein.“

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1921

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