Sonntag, 13. September 2015

13. September 1915


„Mit der Zeit entwickelte sich der Grabenkrieg zu immer größerer Heftigkeit, die Kampfmittel verbesserten sich bei Freund und Feind von Tag zu Tag mehr, Fernrohr-gewehre erlaubten auch auf größere Entfernungen ein sehr genaues Präzisionsschießen auf Ziele, die sich vorübergehend zeigten, die Kaliber nahmen an Schwere zu, die Minen an Umfang und Durchschlagskraft, selbst die Wirkung der Leuchtkugeln verbesserte der Feind ganz erheblich durch Anbringung von Fallschirmen, so daß das Licht lange Zeit sichtbar war. An Stelle von Minen schleuderte der Feind sogar große Bündel von Handgranaten (18 Stück) mittelst Wurfmaschinen in unsere Gräben.
Täglich machte der Feind Feuerüberfälle mit leichten und schweren Kalibern, streute das Gelände ab, oder beschoß besondere Ziele mit Fliegerbeobachtung. Auf diese Weise litten die Stellungen ganz erheblich und mußten mit großer Mühe wieder ausgebessert werden. Kam dann noch schlechte Witterung dazu, Regengüsse oder Tauwetter nach Frost, so verwandelten sich die Gräben bald in Schlammbäche, die erst nach unsäg-lichen Arbeiten wieder in brauchbaren Zustand gebracht werden konnten. Damit die lehmigen Grabenwände widerstandsfähiger wurden, versah man sie mit Strauchbe-kleidung, eine Arbeit, die viel Material und Zeit erforderte. Einzelne Teile, die dem feindlichen Feuer besonders ausgesetzt waren, wie z. B. der Heidenkopf, wurden schließlich von den Granaten so durchwühlt und gelockert, daß namentlich bei regnerischem Wetter auch die Strauchbekleidung nichts mehr nützte und das ganze Erdreich förmlich zu wandern anfing.“


aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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