Freitag, 18. September 2015

18. September 1915


„Die Septembertage brachten auffallende Veränderungen im Verhalten des Gegners. Die Beschießung unserer vorderen Linien, besonders unserer Minenwerfer- und Maschinengewehrstellungen, nahm an Heftigkeit mehr und mehr zu. Die ruhigen Tage waren zu Ende Gegen 3 Uhr nachmittags ging’s los. Da flogen Minen aller Kaliber herüber und hinüber bis in die Nacht hinein. Der 31. August ist in üblem Andenken bei der 6. Komp. In der Moltkestraße waltete der Minenmaser wie ein Feldherr seines Amtes – und blieb seinen französischen Kollegen kein Wort schuldig. Da lag die Stellung C, die Kronprinzenstraße, die Diagonalstraße umgekrempelt wie ein Sand-haufen. Die vorgeschobene Sackstellung tat getreulich ihren Dienst als Minenfang. Bei fleißiger Arbeit während der Nacht und am frühen Morgen konnte man dann bis zum folgenden Nachmittag alles wieder soweit in Ordnung haben, daß die Franzosen ihr Einschießen und Einwerfen wieder mit schönstem Erfolg beginnen konnten. Und immer wieder trug man einen wunden Mann auf der Bahre zurück zum Sanitätsunterstand am Gobesard, immer wieder wölbte sich ein neuer Hügel am Friedhof, und Trauerklänge erklangen bei den weißen Grabsteinen unter dem großen Nußbaum in Savonnières.“


aus: „Das Württembergische Landw.-Inf.-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

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