Montag, 14. Dezember 2015

14. Dezember 1915


„Wenige Jahre vor dem Kriege war in Deutschland mit der Aufstellung einer Flieger-truppe begonnen worden. Der Bedarf an Offizieren wurde zunächst durch Abkomman-dierungen aus allen Waffengattungen gedeckt. Von unserem Regiment waren Leutnant Logan als Beobachter und Leutnant Wencher als Flugzeugführer schon vor dem Kriege bei der Fliegertruppe tätig. Beide wurden bei der Mobilmachung auch zu dieser einbe-rufen.
Die Grundsätze für den Einsatz der Flieger hatten sich aus den Manövererfahrungen 1911 – 1913 ergeben. Bei der Mobilmachung war bei jeder Armee und jedem General-kommando nur je eine Fliegerabteilung vorhanden. Frankreich war uns weit voraus. Die Erfahrungen über Artillerieflieger, F.-T.-Gerät und Bewaffnung mit Maschinengewehr-en fehlten bei uns vollkommen.
Trotzdem leisten unsere Flieger in der Aufklärung während des Bewegungskrieges sehr Gutes. Die Flughöhe betrug damals etwa 800 – 1500 Meter, als Bewaffnung hatte jedes Flugzeug einen Karabiner. Flüge in Feindesland wurden von Leutnant Logan und Leut-nant Wencher häufig ausgeführt und bis über die französischen Grenzstellungen hinaus ausgedehnt.
Rittmeister Logan berichtet: „Ich flog von meiner Friedens-Fliegerstation Freiburg i. B. vom 1. Mobilmachungstag an im Grenzschutz, am 6. August kam ich zum erstenmal über Belfort in feindliches Flakfeuer. Der Bewegungskrieg bis Ende Oktober 1914 brachte Wencher und mir fast nur Fernflüge bis 120 Kilometer hinter die feindliche Front. So habe ich am 1. 11. 1914 meinen 31. Fernflug durchgeführt. Wencher ist wohl kaum weniger geflogen.“
Als sich im Herbst 1914 der Stellungskrieg entwickelte, verloren die großen strate-gischen Aufklärungsflüge an Bedeutung. Die durch unsern Vormarsch sich immer mehr verringernden Entfernungen vom Gegner führten von selbst in das Gebiet der täglichen Nah- und Kleinarbeit über. Die Aufgaben waren: Überwachung des Gegners, Artillerie-beobachtung, Bombenabwurf und Luftkampf. Die ständige Überwachung erstreckte sich auf die vordere feindliche Linie und das hinter ihr liegende Operationsgebiet. Bei der Menge der täglich neuen, meist geringen und aus der großen Höhe auch mit bewaffne-tem Auge kaum sichtbaren Veränderungen beim Gegner versagte das Auge des Beo-bachters. An seine Stelle trat das Lichtbild. Die photographische Platte hielt jede Ver-änderung fest. Zu ihrer Auswertung wurden bei den Fliegerabteilungen die Bildstellen geschaffen. Versuche mit dem F.-T.-Gerät waren im Gange. Die Abwurfbomben wur-den wesentlich vergrößert und die Zielvorrichtungen verbessert. Die Bombenangriffe waren anfangs noch selten, wurden aber doch schon von geschlossenen Abteilungen ausgeführt. Der Angriff auf feindliche Flugzeuge stieß infolge der ungenügenden Be-waffnung und der anfänglichen Unterlegenheit unserer Flugzeugtypen auf Schwierig-keiten, die erst durch den im Frühjahr 1915 einsetzenden Einbau von Maschinengeweh-ren behoben wurden. ( … )
Kurze Zeit später verunglückte auch unser lieber Kamerad Leutnant Wencher. Persönlich anspruchslos, hatte er große Vorliebe für jede körperliche Betätigung, im Rudern, Skilauf und in der Leitathletik tat er sich hervor. Waghalsige Unternehmungen waren seine Freude, große und gefährliche Flüge seine Sache! Mit seltenem Wagemut und größter Unerschrockenheit führte er seine Aufträge aus und auf seinen Fernflügen flog er oft weit in das feindliche Gebiet.
Das Tragische an seinem Tode ist, daß er nicht über den feindlichen Linien fiel, sondern bei einem Probeflug in der Heimat tödlich verunglückte. Er stürzte am 15. Dezember 1915* in Saarbrücken beim Einfliegen eines neuen L. V. G. Eindeckers infolge Flügel-bruches aus geringer Höhe ab.“

aus: „Das Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württ.) im Weltkrieg 1914-1918“ Stuttgart, 1927


*         *laut Ehrentafel der Regimentsgeschichte, Regiments-Ehrentafel im Ulmer Münster und Bestand M 708 des Hauptstaatsarchivs Stuttgart am 14. Dezember 1915

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