Freitag, 11. August 2017

11. August 1917


„11. 8. 17. Der Marsch geht los, voraus die 2., 3., dann die M. G.-Komp. Lautlos bewegt sich die lange Schlange am Waldesrand entlang zur Deckung; der Rumäne sollüberrascht werden. Etwa drei Stunden lang mit vielen Pausen marschieren wir, bergauf, bergab. Die 6. Gebirgs-Kompagnie mit zahlreichen württembergischen und bayerischen Maschinengewehren steht schon frontal im Feuerkampf. Wir steigen die letzte Höhe hinauf, und etwa 200 Meter unter dem Waldrand warten wir. Die 3. Kompagnie wird verteilt, 1. und 2. Zug als linke, der 3. als rechte Seitendeckung; ich gehe mit dem 1. und 2. Zug. Die Rumänen haben uns bemerkt; ein Geschoßhagel überschüttet uns; doch drauf geht’s. Raus aus dem Wald mit Hurra! Vorne ein Dutzend Rumänen, die das Gewehr weggeworfen haben. Der Gipfel des Cosna liegt vor uns, getrennt durch eine langgestreckte Runz. Ich habe einen prachtvollen Überblick über die Angriffsbewegung der Unseren. Vor mir freies, sich senkendes Gelände, dahinter der steil ansteigende Cosna, von dessen Rücken ein tolles Feuer prasselt; in möglichster Deckung im Sturm auf den Berg begriffen, Gebirgsschützen, gefolgt von Bayern. Um mich pfeifen die M. G.-Geschosse. Im hellen, grünen, mit Büschen bewachsenen Gelände reglose schwarze Punkte: die Toten – Rumänen und Deutsche. Lange Gefangenenzüge marschieren bergab; ein bewegtes Gefechtsbild! Mit einem Rumä-nen, der meinen Verbandsrucksack trägt, gehe ich vor. Oft muß ich Deckung suchen vor pfeifenden Geschossen. Endlich bin ich bei der Truppe! Meine 3., die 2. Komp. und die 3. M. G.-Komp. umgehen den Cosna-Gipfel, eine lange und mühselige Lauferei. Endlich sind wir im Rücken der Rumänen, aber die Kerle sind riesig standhaft; sie halten den Gipfel. Langsam sinkt der Tag; in den letzten Sonnen-strahlen sehen wir im Tal die gleißenden Türme und Dächer von Tirgul Ocna.
Kein Essen, kein Wasser! Und unten glitzert das breite Silberband eines Stroms herauf. Mit Zwieback und schmutzigem Wasser löschen wir die dringendsten Bedürfnisse. Dann sinken wir in Deckung hinter Büschen todmüde in Schlaf, während vor uns die Gewehre knattern.“


aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

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