Sonntag, 13. August 2017

13. August 1917


„13. 8. 17. Der Tag graut, trüber wickelt sich die Gegend aus der Dämmerung. Müde und angerackert erhebt man sich. Doch plötzlich bricht mit hellem Glanz die Sonne hervor und in blendendem Licht liegt alles da.  Schon beginnt ein rumänisches M. G. zu rattern, verflucht nah. Alles geht in Stellung und wartet. Langsam nähert sich das Geknatter unserer Gegend. Feindliche Artillerie überschüttet uns mit ihren Zuckerhüten. Unser 3. Zug ist schon im Feuerkampfe mit dem Gegner, der von rechts umgehen will. Der Rumäne kommt in unser Flankenfeuer und schwankt. Dem 3. Zug auf dem Cosna-Gipfel steht eine ungeheure Übermacht gegenüber. Ein schweres Feuer von Infanterie, M. G., Schrapnells, Granaten und Handgranaten prasselt auf uns paar Leute hernieder und auf unsere preußischen M. G. Oben habe ich toll zu tun, zusammen mit Dr. Lenz und zwei Krankenträgern verbinde ich. Ein Mann liegt ganz links weit vor der deutschen Linie ganz oben auf der Höhe mit Kopfschuß. Wie ich ihn verbinde, krabbeln auf drei Meter Entfernung einige Rumänen den Steilhang herauf. Mein Begleiter schießt. Als Antwort kommt eine Handgranate, ohne zu schaden. Wir schleppen den Verwundeten zurück, aufrecht im feindlichen Feuer. Weitere Verwundete folgen, werden von leicht verwundeten Kameraden zurückgebracht; immer mehr. Unser Verbandplatz liegt unmittelbar hinter der Kampflinie in einem Granattrichter, 20 m unterhalb des Gipfels. Der Kampf wird rasend! Ein unglaubliches Feuer liegt auf uns. Den Lärm vermehrt das Krachen unserer Artilleriegeschosse, die haarscharf über unsere Köpfe hinweg in die Rumänen fahren.  Leutnant Hummel fällt. Mit Leutnant Stellrecht schleppe ich ihn zum Verbandplatz. Bauchschuß, aussichtslos, Schlagaderverletzung, nach fünf Minuten tot. Den M. G. geht die Munition aus; sie packen zusammen. Krankenträger nehmen die Schwerverwundeten auf den Rücken und rasen den Berg hinab. Das rumänische Feuer hat sich noch gesteigert. Granaten explodieren dicht neben unserem neuen Granatloch-Verbandplatz, über uns platzen Schrapnells. Unten rüber, uns umgehend, drängen die Rumänen. Wenn wir nicht gefangen werden wollen, dann wird’s Zeit. Dr. Lenz und ich sausen los. Rechts nördlich sind die Rumänen noch 10 m von uns weg, bis zur Deckung sind es noch 50 m. Endlich, endlich sind wir bei unsern Leuten in der Deckung. Verstärkung trifft ein. Die Rumänen berennen die Hänge von Norden und Osten, die wir zusammen mit den Bayern reichlich dünn besetzt halten. Spät am Abend komme ich zur Ruhe, auf dem Verbandplatz schlafe ich wie ein Toter, meine Kompagnie finde ich nicht mehr. Ich finde sie am 14. August morgens im Gestrüpp lagernd. Die Kompagnie hat gestern 40 Mann verloren. Ein allgemeiner Angriff der Rumänen mittags wird in wahnsinnigem Trommelfeuer unserer Geschütze erstickt. Das Rollen, Zischen, Poltern über unsere Köpfe hinweg ist grauenerregend.“


aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

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