Dienstag, 22. August 2017

22. August 1917


„Der 22. August war wieder Großkampftag. Schon um 2 Uhr morgens streute der Gegner die vorderen Linien, besonders aber die Zufahrtswege im Hintergelände ab, wobei er Gasgranaten verwandte, so daß der reizwirkende Rauch über Lager und Bereitstellungen hinwegzog. Schon in den ersten Morgenstunden waren die Batterien alarmiert und vorgezogen worden auf ihre Bereitstellungsplätze. Stab I./49 begab sich mit dem Regimentsstab des Gren.-Reg. 123 auf den Gefechtsstand westlich Mossel-markt, wohin auch die Batterieführer kamen. Vorne war stärkstes Trommelfeuer. Auf die bereitgestellten Batterien kam viel Streufeuer, auch schweren Kalibers, wodurch bei 1./49 Kanonier Eyerich fiel und ein Mann verwundet wurde. Auch Fliegerbomben schlugen in der Nähe der Batterie ein. Die Batterien der II./49, die dem Inf.-Reg. 124 zugeteilt worden waren, bezogen neue Bereitstellungen in den Hecken bei Heidegut südlich Westroosebeke Auf die Meldung hin, daß der Angriff in der Hauptsache abgeschlagen sei, wurde II./49 wieder in ihre Biwakplätze entlassen. I./49 blieb die Nacht über bis 10 Uhr vormittags bereitgestellt. Auf dem Rückmarsch wurde Kanonier Trippel der 3./49 schwer und Fahrer Fülle des 4./49 am Kopf durch ein den Stahlhelm durchschlagendes Sprengstück verwundet. Die Batterien der III./49 hatten sich am Kampfe am 22. August lebhaft beteiligt und wurden dabei schwer beschossen, besonders die 9./49, deren Bedienung sich äußerst tapfer benahm. Die beiden Offiziere der 9./49, Leutnant d. R. Müller und Leutnant d. R. Erhardt, welche mit dem Fahrer Gommel am 22. August vormittags in die Feuerstellung vorreiten wollten, wurden auf der Straße bei Mosselmarkt durch eine Granate erfaßt, so daß Leutnant d. R. Müller sofort fiel, die beiden andern sehr schwer verwundet wurden und Leutnant Erhardt bald darauf starb. Alle drei Pferde waren sofort tot.


aus: „Das 3. Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

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