Sonntag, 29. Oktober 2017

29. Oktober 1917


„Das II. Bataillon deckte inzwischen die Stadt nach Süden und Südosten. Es bekam bald zu tun. Schon um 3 Uhr früh hatten sich einige Trupps gegen Udine herangedrängt. Sie wurden von Posten und Patrouillen der 5. Kompagnie abgewiesen und meist gefangen. Gegen 5 Uhr war eine Kolonne im Anmarsch gegen Paparotti im Süden gemeldet. Eine Offizierspatrouille mit einem leichten Maschinengewehr geht ihr entgegen. Es sind Bersaglieri vom 4. Regiment, die abgehetzt und müd heranziehen und „der Oberst an der Spitze, er reitet kühn voran“, bis das Maschinengewehr loslegt. Da strecken alle ohne Widerstand die Waffen. Im grauen Morgen stießen die Patrouillen weiter vor. Nach und nach fielen ihnen 20 Offiziere und 900 Mann nach kurzen Schießereien in die Hand. An einer Verladerampe erbeuten ein paar Patrouillengänger 8 Geschütze, darunter 2 ganz schwere und 35 Maschinengewehre, deren Bedeckung sich verkrümelt hat, und, sehr willkommen, einen gefüllten Proviantzug. Dazwischen treiben sich Dutzende von Italienern betrunken und plündernd herum.
Gegen 7 Uhr morgens jagt plötzlich ein Offizier vom österreichischen Geb.-Art.-Regt. 26 heran und meldet, daß sein Regiment, 3 schwache Batterien, die – 20 Minuten östlich – in Laipacco lagen, von starker italienischer Infanterie überfallen worden sei. Im Vorbeijagen hatte er schon die 7. Kompagnie benachrichtigt. Ohne Zögern wurde diese von Leutnant d. R. Göhner, dem jetzigen Stadtschultheißen von Calw, einem der erprobtesten Kämpen des Regiments, auf Laipacco angesetzt. Vom rasch alarmierten Bataillon folgt, was irgend verfügbar wurde, zunächst die 5. Kompagnie unter Leutnant d. R. Förstner. Die Österreicher hatten sich wacker gewehrt und die Italiener wieder hinausgeworfen, als die Kompagnien eintrafen. Trotzdem war die Lage bedenklich. Es war kein Zweifel, daß hinter den versprengten und erschütterten Truppen jetzt völlig unberührte kampfkräftige Divisionen der italienischen Isonzoarmeen auf Udine anrückten, während die Masse der früheren Gruppe Berrer, jetzt v. Hofacker, seit den frühen Morgenstunden im reißenden Vormarsch von Udine nach Westen war.
Aber die beste Parade ist der Hieb. So entschloß sich der Bataillonskommandeur, Major Wolff, zum Vorgehen Richtung Südosten gegen Pradamano. Patrouillen wurden vorge-trieben; ihnen folgten in unübersichtlichem, buschbedeckten Gelände die Züge der 5. und 7. Kompagnie. Gegen 8 Uhr stößt der rechte Flügel der 5. Kompagnie auf starke vorgehende Kolonnen. Im Feuer der Gewehre und Maschinengewehre und unter kräfti-ger Nachhilfe einiger gut sitzender Schrapnells der Österreicher werden sie zersprengt und fluten zurück. Da sind die beiden Kompagnien nicht mehr zu halten und stoßen scharf nach. Dabei überrennt der Zug Schübelin der 5. Kompagnie zwei bespannte 15-Zentimeter-Batterien. Bis zur nördlichsten Häusergruppe von Pradamano dringt die 5. Kompagnie vor. Gegen die 7. Kompagnie entwickeln sich von Osten her immer stärkere Schützenlinien. Aber sie werden unter wirksamer Hilfe eines Zugs der 2. M.-G.-K. unter Vizefeldwebel Bofinger im Feuer niedergekämpft und geworfen. Aber der Gegner bringt allmählich eine ganze Brigade ins Gefecht. Der am weitesten vorgeprellte Zug der 5. Kompagnie muß zurückgenommen werden, nachdem er noch im Nahkampf einen überlegenen Haufen Italiener zersprengt hat. Dann aber bekam die 5. Kompagnie Luft. Die 7. Kompagnie erstürmte eine gut ausgebaute Stellung und nahm 17 M.-G. und 300 Gefangene. Unter schweren Verlusten fluten die Italiener im Verfolgungsfeuer auf den Nordrand von Pradamano zurück. Damit war die Aufgabe des Bataillons – Sicherung von Udine und des Vormarschs der Division nach Westen – glänzend gelöst. Weiter durften die siegerhitzten Kompagnien nicht nachstoßen..“



aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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